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Zur Situation von Frauen in Entwicklungsländern

Hauptseminararbeit, 2000, 58 Seiten
Autor: MMag. M.A. Gisela Spreitzhofer
Fach: Ethnologie / Volkskunde

Details

Kategorie: Hauptseminararbeit
Jahr: 2000
Seiten: 58
Note: Sehr gut
Literaturverzeichnis: ~ 41  Einträge
Sprache: Deutsch
Archivnummer: V30620
ISBN (E-Book): 978-3-638-31837-2
ISBN (Buch): 978-3-638-74861-2
Dateigröße: 421 KB

Zusammenfassung / Abstract

Die Unterdrückung der Frau ist laut Frauennetzwerk DAWN vierdimensional: national-, klassen-, geschlechts- und kulturspezifisch. Sie stellt ein universales Phänomen dar, fest durch Religion und Tradition in der Gesellschaft verankert. In den Industrieländern wurden - zumindest formal - schon viele geschlechtsspezifische Unterschiede eingeebnet, wenngleich von einer tatsächlichen Gleichberechtigung und -behandlung noch lange keine Rede sein kann. Wesentlich prekärer gestaltet sich die Stellung der Frau jedoch in den Entwicklungsländern, da dort das Problem der doppelten Ausbeutung der Frau in Wirtschaft und Haushalt noch mehr zum Tragen kommt. Eine solche Diskriminierung ist jedoch nicht nur um ihrer selbst willen zuverurteilen - vielmehr setzt sich in letzter Zeit in der entwicklungspolitischen Debatte der Standpunkt durch, dass Entwicklung ohne Feminismus nicht machbar ist. Zu dieser längst fälligen Erkenntnis trugen auch Frauen selbst bei, indem sie durch Eigeninitiativen ihre Subjekthaftigkeit unterstrichen. Einen wesentlichen Beitrag zur Institutionalisierung von Frauenfragen sowie zur Solidarisierung von Frauen untereinander lieferten die UN-Weltfrauenkonferenzen, deren wahrscheinlich größtes Verdienst das Anheizen der öffentlichen Diskussion um Frauenbelange darstellt. Im Umfeld um diese Konferenzen bildeten sich auch zahlreiche Nichtregierungsorganisationen, die den Kontakt zur Basis aufrecht erhalten. Im ersten, „allgemeinen“ Teil meiner Arbeit soll der Frage nachgegangen werden, welche diskriminierenden Strukturen Frauen in Entwicklungsländern den Alltag erschweren. Im Anschluss daran werde ich frauenspezifische entwicklungspolitische Initiativen von Seiten der Vereinten Nationen und anderer Organisationen skizzieren, feministische Entwicklungsansätze sowie internationale Frauenbewegungen und -projekte präsentieren. Der zweite, „besondere“ Teil wird den Fokus auf Frauen in Mittel- und Südamerika einengen. Es sollen die historischen Voraussetzungen für die jetzigen Frauenbilder geklärt sowie die heutigen Lebensbedingungen für indigene Frauen dargestellt werden. Während der erste Teil ausschließlich auf Literaturrecherche beruht, wird hier ein von mir selbst durchgeführtes Interview die Arbeit anschaulicher gestalten.


Textauszug (computergeneriert)

Hausarbeit aus Ethnologie

Verfasst im Zuge des PS 
„Grundprobleme ethnologischer Arbeitsweise“ 
im SS 2000

ZUR SITUATION VON FRAUEN IN
ENTWICKLUNGSLÄNDERN

von

Gisela Spreitzhofer

 

INHALTSVERZEICHNIS

ABKÜRZUNGEN  3
VORWORT  4
PITTEN, IM DEZEMBER 2000  4

0 EINIGE BEMERKUNGEN ZUR UNTERDRÜCKUNG DER HALBEN MENSCHHEIT  5

1 FRAUENDISKRIMINIERUNG WELTWEIT  6
1.1 PHYSISCHE GEWALT  7
1.2 SEXUELLE GEWALT  9
1.3 IDEOLOGISCHE GEWALT  9
1.4 MATERIELLE GEWALT  10

2 ENTWICKLUNGSPOLITIK AUS FRAUENSICHT  16
2.1 ZUR FRAUENFÖRDERUNGSPOLITIK DER VEREINTEN NATIONEN (UN)  17
2.1.1 Rechtliche Grundsteinlegung von 1945 bis Anfang der 60er Jahre  17
2.1.2 Frauen als menschliche Ressource für Entwicklung vom Beginn der 60er Jahre bis 1985  18
2.1.3 Frauen als Subjekte ab 1985  19
2.1.4 „Frauenrechte sind Menschenrechte“ ab den 90er Jahren  20
2.1.5 Strukturelle Stärken und Schwächen der Frauenförderung von UN und Weltbank: Ein Vergleich  22
2.1.6 Frauenförderung an der Schwelle zum 21. Jahrhundert  27
2.2 VON „WOMEN IN DEVELOPMENT“ ZU „GENDER AND DEVELOPMENT“: VERSCHIEDENE ENTWICKLUNGSANSÄTZE IN DEN LETZTEN DEKADEN  29
2.3 INTERNATIONALE FRAUENBEWEGUNGEN UND -NETZWERKE  31
2.4 SELBSTHILFEGRUPPEN UND FRAUENPROJEKTE  34

3 BASTA! LATEINAMERIKANISCHE FRAUEN GEGEN MACHISMO  36
3.1 ALTE FRAUENBILDER IN DER NEUEN WELT  37
3.2 INDÍGENA-FRAUEN HEUTE  39
3.3 FRAUENLEBEN IN GUATEMALA  42
3.4 INTERVIEW MIT EINER GUATEMALTEKISCHEN LADINA  48

GESELLSCHAFT  51

4 RESUMÉ UND PERSPEKTIVEN  53

QUELLENVERZEICHNIS  56

Abkürzungen
CEDAW Convention on the Elimination of Discrimination against Women (Frauenrechtskonvention)
DAWN Development Alternatives with Women for a New Era
EL Entwicklungsland/-länder
GAD Gender and Development
IL Industrieland/-länder
INSTRAW International Research and Training Institute for the Advancement of
Women
IWF Internationaler Währungsfonds
IWTC International Women´s Tribune Center
NRO/NGO Nichtregierungsorganisation/Non Governmental Organisation
UN United Nations (Vereinte Nationen)
UNDP United Nations Development Program
UNIFEM United Nations Development Fund for Women
WID Women in Development
WWB Women´s World Banking (Weltbank der Frauen

 

Vorwort

Lange habe ich mir Gedanken über ein geeignetes Thema für eine ethnologische Hausarbeit gemacht. Als ich im Frühjahr 2000 einen Flug nach Guatemala buchte, um dort fünf Wochen in den Sommerferien Spanisch zu lernen und das Land zu bereisen, reifte in mir der Entschluss, den empirischen Teil meiner Arbeit in Guatemala entstehen zu lassen. Mit Frauenthemen hatte ich mich aus persönlichem Interesse schon vorher mehrmals beschäftigt – so lautete z.B. das Spezialgebiet meiner Religionsmatura „Die Frau in den Weltreligionen“. Was lag also näher, als mich mit meiner Spanischlehrerin, die dreieinhalb Wochen lang täglich vier Stunden nur für mich da war, eingehend über das Leben guatemaltekischer Frauen zu unterhalten? Ich begann, Literatur über Frauen in der „Dritten Welt“ und in Lateinamerika im Besonderen zu durchforsten. Je mehr ich mich auf mein Thema einließ, desto bewusster wurde mir die Vielfalt seiner Dimensionen. Als ich einmal mit dem Schreiben begonnen hatte, fiel es mir außerordentlich schwer, zu einem Ende zu kommen – nie hatte ich mir vorgenommen, eine so verhältnismäßig lange Hausarbeit zu verfassen. Jedoch hoffe ich, solchermaßen einen umfassenden Überblick über Frauenbelange in „Entwicklungsländern“ bieten zu können.

An dieser Stelle möchte ich meiner Interviewpartnerin und Spanischlehrerin Nohemy Lancerio- Cabrera für ihr geduldiges Eingehen auf meine Fragen danken.

Es mag zwar „ethnologischere“ Themen für eine Hausarbeit geben als das meinige, aber ich halte eine Einmischung der Ethnologie - die ja für sich in Anspruch nimmt, die gesamte Menschheit zum Forschungsgegenstand zu haben - in Frauenfragen für unumgänglich: Eine kritische Ethnologie kann kulturrelativistische Tendenzen, die frauenunterdrückende Praktiken verteidigen, entlarven und somit zu einer Erweiterung der Menschenrechte um spezielle Frauenrechte beitragen. 

Pitten, im Dezember 2000
[Abb. in Downloaddatei enthalten]

0 Einige Bemerkungen zur Unterdrückung der halben Menschheit

Eine Brennholz, Nahrungsmittel und ihr Kind schleppende Frau, auf deren ohnehin schon strapaziertem Rücken sich ein Mann ein angenehmes Leben macht - diese Karikatur stellt leider ein Stück soziale Realität auf unserem Globus dar. Die Unterdrückung der Frau ist laut Frauennetzwerk DAWN (Vgl. Devivere/König 1993:17) vierdimensional: national-, klassen-, geschlechts- und kulturspezifisch. Sie stellt ein universales Phänomen dar, fest durch Religion und Tradition in der Gesellschaft verankert.

In den sog. Industrieländern (IL) wurden - zumindest formal - schon viele geschlechtsspezifische Unterschiede eingeebnet, wenngleich von einer tatsächlichen Gleichberechtigung und -behandlung noch lange keine Rede sein kann. Wesentlich prekärer gestaltet sich die Stellung der Frau jedoch in den sog. Entwicklungsländern (EL), da dort das Problem der doppelten Ausbeutung der Frau in Wirtschaft und Haushalt noch mehr zum Tragen kommt.

Eine solche Diskriminierung ist jedoch nicht nur um ihrer selbst willen zu verurteilen - vielmehr setzt sich in letzter Zeit in der entwicklungspolitischen Debatte der Standpunkt durch, dass Entwicklung ohne Feminismus nicht machbar ist. Zu dieser längst fälligen Erkenntnis trugen auch Frauen selbst bei, indem sie durch Eigeninitiativen ihre Subjekthaftigkeit unterstrichen - man denke z.B. an die Madres de la Plaza de Mayo in Argentinien, die sich gegen die Militärdiktatur zusammenschlossen; oder an den „Marsch der leeren Töpfe“ chilenischer Frauen, die am Sturz der sozialistischen Regierung Allende beteiligt waren.

Einen wesentlichen Beitrag zur Institutionalisierung von Frauenfragen sowie zur Solidarisierung von Frauen untereinander lieferten die UN-Weltfrauenkonferenzen, deren wahrscheinlich größtes Verdienst das Anheizen der öffentlichen Diskussion um Frauenbelange darstellt. Im Umfeld um diese Konferenzen bildeten sich auch zahlreiche Nichtregierungsorganisationen (NROs oder NGOs), die den Kontakt zur Basis aufrecht erhalten. Weltweite Frauennetzwerke haben sich gebildet, deren Ziel nicht bloß die Anprangerung gegebener Missstände, sondern auch deren Beseitigung ist. Nun möchte ich im ersten, „allgemeinen“ Teil meiner Arbeit - er umfasst die Kapitel 1 und 2 - der Frage nachgehen, welche diskriminierenden Strukturen Frauen in EL den Alltag erschweren, also den Status quo beschreiben. Im Anschluss daran werde ich frauenspezifische entwicklungspolitische Initiativen von Seiten der Vereinten Nationen und anderer Organisationen skizzieren, feministische Entwicklungsansätze sowie internationale Frauenbewegungen und -projekte präsentieren.

Der zweite, „besondere“ Teil alias Kapitel 3 wird den Fokus auf Frauen in Mittel- und Südamerika einengen, die mir aus persönlichem Interesse ein besonderes Anliegen sind. Es sollen die historischen Voraussetzungen für die jetzigen Frauenbilder geklärt sowie die heutigen Lebensbedingungen für indigene Frauen dargestellt werden. Während der erste Teil ausschließlich auf Literaturrecherche beruht, wird hier ein von mir selbst durchgeführtes Interview die Arbeit anschaulicher gestalten.

1 Frauendiskriminierung weltweit

Dass die Frauen der Welt zwei Drittel der Arbeit leisten, aber nur ein Zehntel des Einkommens erhalten und nur ein Prozent des Eigentums besitzen, ist eine schon so abgedroschene Aussage, dass ihre volle Tragweite gar nicht mehr registriert wird. Doch nicht nur in wirtschaftlichen Belangen, sondern in nahezu allen gesellschaftlichen Sphären erfahren Frauen Unrecht. An der Klage Fu Xuans im 3. Jahrhundert: „Wie traurig, eine Frau zu sein! Nichts auf der Welt wird so gering geschätzt.“ hat sich bis heute wenig geändert (Launer/Wilke-Launer 1992:10).

Jedes Land ist Entwicklungsland in Sachen Verwirklichung grundlegender Menschenrechte bei Frauen - denn kaum wo werden folgende Ausschnitte aus der Menschenrechtskonvention wirklich eingehalten (Vgl. Devivere/König 1993:21ff).

[....]


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