"Es geht um lebendigen Kontakt" Grundlagen und Praxisbeispiele der Gestalttherapie und Gestaltarbeit

Autor: Christine Thomas
Fach: Sozialpädagogik / Sozialarbeit

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Details

Institution/Hochschule: Fachhochschule Wiesbaden
Kategorie: Diplomarbeit
Jahr: 2004
Seiten: 117
Note: 1.3
Literaturverzeichnis: ~ 33  Einträge
Sprache: Deutsch
Dateigröße: 424 KB
Archivnummer: V30629
ISBN (E-Book): 978-3-638-31844-0

Textauszug (computergeneriert)

Fachhochschule Wiesbaden
Fachbereich Sozialwesen

Diplomarbeit

zum Thema:
„Es geht um lebendigen Kontakt“
Grundlagen und Praxisbeispiele
der Gestaltarbeit und Gestalttherapie

vorgelegt von

Christine Thomas

Wiesbaden, Mai 2004

Inhaltsverzeichnis

1 Einleitung ... 4

2 Geschichte und Entwicklung der Gestalttherapie ... 6
2.1 Frederick Perls und die Gestalttherapie ... 6
2.1.1 Biographie ... 6
2.2 Die Entstehung der Gestalttherapie ... 9
2.2.1 Schulen und Anwendungsbereiche der Gestalttherapie ... 11
2.2.2 Laura Perls und die Gestaltpsychologie ... 11
2.2.3 Sigmund Freud und die Psychoanalyse ... 13
2.2.4 Karen Horney und der Holismus ... 14
2.2.5 Paul Goodman und Martin Buber ... 15
2.2.6 Jakob Levy Moreno und das Psychodrama ... 17
2.2.7 Wilhelm Reich und die Körpertherapie ... 17
2.2.8 Theoretische Fundierung der Gestalttherapie ... 18

3 Definition und Wurzeln der Gestalttherapie ... 20
3.1 Definition ... 20
3.2 Die Wurzeln der Gestalttherapie ... 21
3.2.1 Die Psychoanalyse ... 21
3.2.2 Das dialogische Prinzip ... 23
3.2.3 Die Gestaltpsychologie ... 24
3.2.3.1 Der Begriff „Gestalt“ ... 25
3.2.3.2 Das Prinzip von „Figur und Grund“ ... 27
3.2.3.3 Der Feldansatz ... 28
3.3.3 Das holistische Konzept ... 29
3.3.4 Der Existenzialismus und die Phänomenologie ... 30

4 Das Menschen und Weltbild ... 32

5 Die Persönlichkeitstheorie ... 33
5.1 Das „Es“ ... 33
5.2 Das „Ich“ ... 33
5.3 Die „Persönlichkeit“ ... 33
5.4 Das „Selbst“ ... 34

6 Organismus und Umwelt... 35
6.1 Der Kontakt ... 36
6.2 Der Kontaktzyklus ... 37
6.3 Die Kontaktgrenze ... 38
6.4 Störungen im Kontaktzyklus ... 39
6.4.1 Der Widerstand ... 40
6.4.2 Die Konfluenz ... 40
6.4.3 Die Introjektion ... 41
6.4.4 Die Projektion ... 42
6.4.5 Die Retroflexion ... 43
6.4.6 Der Egoismus ... 43

7 Gesundheit und Krankheit ... 45
7.1 Gesundheit ... 45
7.2 Krankheit ... 45
7.3 Die Neurose ... 46
7.4 Das Schichtenmodell der Neurose ... 47

8 Die Ziele der Gestalttherapie ... 51

9 Die Therapie ... 53
9.1 Die Rolle des Therapeuten/der Therapeutin und die therapeutische Haltung ... 54
9.2 Der Klient/die Klientin ... 57
9.3 Die Diagnostik ... 59
9.4 Das Thema ... 61
9.5 Der therapeutische Prozess ... 63

10 Methoden und Techniken der Gestalttherapie ... 66
10.1 Die Bewusstheit ... 67
10.2 Das aktive Experiment ... 69
10.3 Der leere Stuhl ... 71
10.4 Die kreativen Elemente des aktiven Experiments ... 72
10.4.1 Die Phantasie und die Imagination ... 72
10.5 Das Psychodrama ... 76
10.6 Die Körperwahrnehmung ... 77
10.7 Die Traumarbeit ... 79
10.8 Die Interventionstechniken ... 82
10.9 Die kreativen Medien ... 84

11 Gestaltarbeit in der Sozialen Arbeit ... 85

12 „Es geht um lebendigen Kontakt“ ... 87

13 „Hilfe ich bin im Stress“ Gestaltarbeit mit einer Gruppe alleinerziehender Frauen in der beruflichen Bildung ... 88

14 „Spüre Deine Sinne“ Gestalttherapie mit einer schwerst-mehrfach-behinderten Frau ... 98

15 „Gefühle und Kontakt“ Gestalttherapeutischer Erstkontakt über den Zugang zu den Gefühlen ... 105

16 Schlussbetrachtung ... 110

Literaturverzeichnis ... 112

 

1 Einleitung


„Gestalttherapie heißt: in Kontakt mit dem Offensichtlichen sein.“

Fritz Perls

Mit dieser Aussage charakterisierte Fritz Perls das Wesentliche der Gestalttherapie. Es geht in der Gestalttherapie um den „lebendigen Kontakt“, als einen Prozess des einzelnen Menschen mit seinem Organismus, mit seinem Gegenüber und mit seiner Umwelt. Es geht darum, diesen Kontakt für den einzelnen Menschen begreifbar, erfahrbar und damit offensichtlich werden zu lassen. Denn nach dem Verständnis der Gestalttherapie, kann der Mensch nur durch Kontakt wachsen (sich entwickeln) und sich somit auch verändern.

Die Gestalttherapie hat sich seit dem Tod von Fritz Perls 1970 kontinuierlich weiterentwickelt. In vielen Institutionen und Arbeitsfeldern wird heute im therapeutischen Bereich die Gestalttherapie und im nicht behandlungsorientierten Feld die Gestaltarbeit eingesetzt. Unabhängig ob mit Personen in Gruppen oder Einzelpersonen gearbeitet wird, der „Kontakt“ steht immer im Zentrum des Geschehens.

Die Gestalttherapie und die Gestaltarbeit als zwei unabhängige Arbeitsformen im sozialpädagogischen Arbeitsumfeld, deren Strukturen aus der gleichen Konzeption entstanden sind, geben für die Soziale Arbeit eine geeignete Methodik vor. Denn in der Sozialen Arbeit ist der Kontakt zwischen den KlientInnen und den SozialpädagogInnen sowie SozialarbeiterInnen, zwischen Kollegen und Kolleginnen und mit sich selbst, reflektierend in der Rolle als Sozialarbeiterin, Sozialarbeiter bzw. Sozialpädagogin, Sozialpädagoge, ein wesentliches Merkmal.

Während meines theoretischen Studiums und der darin integrierten Praxisphasen, sowie meiner Ausbildung zur Gestalttherapeutin, habe ich Kontakte von unterschiedlicher Qualität, Form und Intensität bewusst erlebt und deren Bedeutung erfahren. Aus diesem Bewusstsein heraus, ist die vorliegende Diplomarbeit entstanden.

Die Arbeit gliedert sich in zwei Bereiche: Im theoretischen Teil werden die Grundlagen der Gestalttherapie und der Gestaltarbeit von mir aufgezeigt. Im Praxisteil beziehe ich mich auf die Theoriebeschreibung und reflektiere dabei mit konkreten Fallbeispielen aus meiner gestalttherapeutischen Arbeit. In der vorliegenden Darstellung verwende ich die gebräuchliche Terminologie „Klient/ Klientin“ und „Patient/Patientin“ im Zusammenhang mit der Gestalttherapie synonym. Mit Klient/Klientin bezeichne ich auch die Personen, die sich als Ratsuchende innerhalb der Sozialarbeit bewegen.

Im zweiten Kapitel erläutere ich die Geschichte und Entwicklung der Gestalttherapie, in dem ich einen Überblick über das Leben und den Werdegang von Fritz Perls gebe. Hier konzentriere ich mich vor allem auf die Erfahrungen, Ideen und Menschen, die auf Perls und seinen therapeutischen Ansatz den größten Einfluss hatten. Die Beiträge zur Theorieentwicklung werden in dem Kapitel „Definition und die Wurzeln der Gestalttherapie“ aufgezeigt. Einen besonderen Augenmerk lege ich auf den Begriff „Gestalt“ und dem Prinzip von „Figur und Grund“. Beide Konzepte stellen wesentliche theoretische Aspekte der Gestalttherapie dar. Das systemisch-biologische Menschen- und Weltbild der Gestalttherapie ist Gegenstand des vierten Kapitels. Die Persönlichkeitstheorie, sowie der Austausch zwischen Organismus und Umwelt und der daraus resultierende Kontaktzyklus mit seinen Störungen, beschreibe ich in den Kapiteln fünf und sechs. Die Gesundheit und die Krankheit als Neurose im Kontext der Gestalttherapie werden im Hinblick auf die Ziele der Gestalttherapie im weiteren Verlauf der Diplomarbeit von mir erörtert. Das neunte Kapitel fasst die Hauptbeiträge Perls zur Praxis der Gestalttherapie zusammen. Hier befasse ich mich mit der Rolle der TherapeutInnen und KlientInnen und zeige kritische Aspekte an der Therapie und dem therapeutischen Prozess auf. Im zehnten Kapitel stelle ich die gestalttherapeutischen Methoden und Techniken vor. Mit dem elften Kapitel wird der Praxisteil meiner Diplomarbeit eingeleitet. Dieser beinhaltet Fallbeispiele aus meinem pädagogischen Praktikum in der Sozialen Arbeit und meiner beruflichen Tätigkeit als Gestalttherapeutin.

Die Diplomarbeit endet mit einer persönlichen Schlussbetrachtung.

2 Geschichte und Entwicklung der Gestalttherapie

2.1 Frederick Perls und die Gestalttherapie
Frederick Perls gilt als Begründer der Gestalttherapie, die in den vierziger Jahren entwickelt wurde und die Mitte der sechziger Jahre ihre allgemeine Anerkennung erreichte. An deren Entwicklung wesentlich beteiligt waren seine Frau Laura Perls, eine Gestaltpsychologin, der Sozialphilosoph Paul Goodman und der Psychologieprofessor Ralph Hefferline. Der Psychoanalytiker Perls vereinigte verschiedene therapeutische, psychologische, philosophische und kreative Ansätze in seiner therapeutischen Arbeit und machte die Gestaltarbeit zu einem breit gefächerten Verfahren. Er arbeitete und experimentierte sein ganzes Leben an der Weiterentwicklung seines therapeutischen Verfahrens, das er Gestalttherapie nannte.

2.1.1 Biographie
Friedrich Salomon Perls wurde am 8.7.1893 in Berlin als drittes und jüngstes Kind
jüdischer Eltern geboren. Seine letzten Schuljahre verbrachte er am Askanasischen Gymnasium in Berlin, wo sein Interesse am Theater entdeckt und gefördert wurde.
Als Schauspielschüler lernte er am Deutschen Theater bei Max Reinhardt die Beobachtung des Ausdrucks menschlicher Gefühle durch Mimik und Gestik.
[Clarkson, Mackewn 1995]
Diese Begegnung mit dem nonverbalen Ausdruck beeinflusste Perls stark. Er machte sich seine Beobachtungsgabe und sein Talent für den dramatischen Ausdruck für seine spätere therapeutische Arbeit zunutze.
Nach dem Abitur studierte Fitz Perls an der Universität in Berlin Medizin.
Von 1916-1918 unterbrach er das Studium, um als Sanitäts-Offizier am ersten Weltkrieg teilzunehmen. Perls promovierte am 3.4.1920 zum Doktor der Medizin, nachdem er 1918 sein Studium in Freiburg wieder aufgenommen hatte.
Nach seinem Examen ließ er sich 1921 als Neuropsychiater mit eigener Praxis in Berlin nieder.

Im gleichen Jahr machte er die Bekanntschaft mit der Tänzerin „Palucca“, die der innovativen, expressionistischen Tanzrichtung angehörte.
[Clarkson, Mackwen 1995 S.19]
Perls lies sich von ihrem Tanz inspirieren und baute ihn später als Mittel für spontanen Selbstausdruck und Kreativität in die Gestalttherapie ein.
1933 bekam Perls das Angebot in einem Hospital als Neurologe zu arbeiten. Er nahm das Angebot an und ging nach New York. Bereits nach sechs Monaten kehrte
er wieder nach Berlin zurück. Auf der Suche nach einer persönlichen Lebensunterstützung begab er sich bei der Psychoanalytikerin Karen Horney in Therapie.
Karen Horney arbeitete mit eigenen therapeutischen Ansätzen. Fritz Perls war von ihrem Therapieverfahren so begeistert, dass er eine psychoanalytische Ausbildung
begann.

[...]

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