Einführung eines IT-basierten Knowledge Management Systems bei einem Beratungsunternehmen

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Details

Titel: Einführung eines IT-basierten Knowledge Management Systems bei einem Beratungsunternehmen
Autor: Dipl.Inf.(FH) Thomas Merz
Fach: Informatik - Angewandte Informatik
Institution/Hochschule: Hochschule Fulda (Angewandte Informatik)
Kategorie: Diplomarbeit
Jahr: 1999
Seiten: 182
Note: 1,0
Sprache: Deutsch
Dateigröße: 3687 KB
Archivnummer: V3076
ISBN (E-Book): 978-3-638-11853-8
ISBN (Buch): 978-3-638-71690-1
Anmerkungen :
Ohne CD ROM (Anhang)

Zusammenfassung / Abstract

Nach einer ausführlichen Einführung in die Thematik des Knowledge Management werden theoretische Aspekte, wie Ziele und Bausteine des Knowledge Management, und im besonderem solche der Wissenstransformation dargestellt. Anhand eines „Baukastensystems“ soll Managern ein praktischer Anhaltspunkt für das Planen und Steuern sogenannter „Soft Assets“ im Unternehmen gegeben werden. Es werden Instrumente für die Identifikation von Wissen vorgestellt, nämlich die Knowledge-Map und der Knowledge-Broker. Diese Instrumente ermöglichen einen optimalen Wissensschaffungsprozeß. Es wird dargestellt, wie Instrumente, Methoden, Prozesse, Vorgehensweisen und Werkzeugen zur Gesamtheit von Knowledge Management beitragen und wie die Unternehmenskultur Eingriffe und Einschnitte durch Knowledge Management erfährt. Im besonderen werden zwei Ausprägungen für optimale Aufbau- und Ablauforganisationsstrukturen vorgestellt. Als das modernste Managementkonzept überhaupt wird der Einsatz von „Organizational Memory Information Systems“ im Intranet vorgestellt. Dies wird anhand einer pragmatischen, beispielhaften Umsetzung beschrieben, in der vorhandene Datenquellen („Wissensarchive“) integriert werden. Dabei werden aktuelle Softwarewerkzeuge unter Beachtung ganzheitlicher Ansätze des Knowledge Management auf ihre Tauglichkeit für Knowledge Management in einem Beratungsunternehmen hin untersucht. Diese Untersuchung gibt einen Blick auf den aktuellen Stand der Technik und versucht einen kleinen Blick in die Zukunft zu werfen.

Textauszug (computergeneriert)

Fachhochschule Fulda
University of Applied Sciences
Fachbereich Angewandte Informatik

Diplomarbeit

Einführung eines IT-basierten Knowledge Management Systems
bei einem Beratungsunternehmen Bürokommunikation

Gemäß § 20 der Prüfungsordnung
des Fachbereiches Angewandte Informatik
der Fachhochschule Fulda vom 10. Mai 1989

Vorgelegt von: Thomas Merz
Referent: Prof. Dr. Helmut Dohmann Fachhochschule Fulda
Koreferent Erich Vogel Connector GmbH. Heidelberg

Abstract
Nach einer ausführlichen Einführung in die Thematik des Knowledge Management werden theoretische Aspekte, wie Ziele und Bausteine des Knowledge Management, und im besonderem solche der Wissenstransformation dargestellt. Anhand eines "Baukastensystems" soll Managern ein praktischer Anhaltspunkt für das Planen und Steuern sogenannter "Soft Assets" im Unternehmen gegeben werden. Es werden Instrumente für die Identifikation von Wissen vorgestellt, nämlich die Knowledge-Map und der Knowledge-Broker. Diese Instrumente ermöglichen einen optimalen Wissensschaffungsprozeß. Es wird dargestellt, wie Instrumente, Methoden, Prozesse, Vorgehensweisen und Werkzeugen zur Gesamtheit von Knowledge Management beitragen und wie die Unternehmenskultur Eingriffe und Einschnitte durch Knowledge Management erfährt. Im besonderen werden zwei Ausprägungen für optimale Aufbau- und Ablauforganisationsstrukturen vorgestellt. Als das modernste Managementkonzept überhaupt wird der Einsatz von "Organizational Memory Information Systems" im Intranet vorgestellt. Dies wird anhand einer pragmatischen, beispielhaften Umsetzung beschrieben, in der vorhandene Datenquellen ("Wissensarchive") integriert werden. Dabei werden aktuelle Softwarewerkzeuge unter Beachtung ganzheitlicher Ansätze des Knowledge Management auf ihre Tauglichkeit für Knowledge Management in einem Beratungsunternehmen hin untersucht. Diese Untersuchung gibt einen Blick auf den aktuellen Stand der Technik und versucht einen kleinen Blick in die Zukunft zu werfen.

Inhaltsverzeichnis

1 EINFÜHRUNG UND ZIELSETZUNG
   
1.1 BEDEUTUNG VON KNOWLEDGE MANAGEMENT
        1.1.1 Wissen als Ressource begreifen
        1.1.2 Notwendigkeit des Knowledge Management
    1.2 ERWARTUNGEN UND ZIELE
    1.3 ÜBERBLICK

2 DIE THEORIE DES KNOWLEDGE MANAGEMENT
    2.1 BEGRIFFE DER INFORMATIONSTHEORIE
    2.2 WISSEN - INFORMATION IM KONTEXT
        2.2.1 Implizites Wissen
        2.2.2 Explizites Wissen
        2.2.3 Echtes Wissen
    2.3 INFORMATIONSMANAGEMENT VS. KNOWLEDGE MANAGEMENT
    2.4 ANSÄTZE DES KNOWLEDGE MANAGEMENT
        2.4.1 Der Humanorientierte Ansatz
        2.4.2 Der Technologieorientierte Ansatz
        2.4.3 Umfassender Knowledge Management-Ansatz
    2.5 ZIELE DES KNOWLEDGE MANAGEMENT (NONAKA/TAKEUCHI)
        2.5.1 Sozialisation
        2.5.2 Externalisierung
        2.5.3 Kombination
        2.5.4 Internalisierung
        2.5.5 Finales Überführen in Kollektivwissen
    2.6 BAUSTEINE DES KNOWLEDGE MANAGEMENT (PROBST,RAUB,ROMHARDT)
        2.6.1 Wissensziele
        2.6.2 Wissensidentifikation
        2.6.3 Wissenserwerb
        2.6.4 Wissensentwicklung
        2.6.5 Wissensverteilung
            2.6.5.1 Zentrale Wissensverteilung
            2.6.5.2 Dezentrale Wissensverteilung
        2.6.6 Wissensnutzung
        2.6.7 Wissensbewahrung
        2.6.8 Wissensbewertung
        2.6.9 Kritik des Modells
    2.7 KNOWLEDGE MANAGEMENT ALS LEHRE
        2.7.1 Japanischer Ansatz (Nonaki und Takeuchi)
        2.7.2 Schweizerischer Ansatz (Probst,Raub,Romhardt)

3 DIE TECHNIK DES KNOWLEDGE MANAGEMENT
    3.1 DIE PRAXIS DES KNOWLEDGE MANAGEMENT
        3.1.1 Die Knowledge-Map als Wissensidentifikator
        3.1.2 Der Knowledge-Broker als Wissensmittler
    3.2 METHODEN DES KNOWLEDGE MANAGEMENT
        3.2.1 Strategien des Wissenstransfers
            3.2.1.1 Kodifizierung
            3.2.1.2 Personifizierung
            3.2.1.3 Die Umsetzung der "richtigen" Strategie
        3.2.2 Spezielle Methoden aus den verschiedenen IT-Bereichen
            3.2.2.1 Computer Supported Cooperative Work (CSCW)
            3.2.2.2 "Intelligente" Informationssysteme
            3.2.2.3 Agenten
            3.2.2.4 Data Warehouses
            3.2.2.5 Data Mining
            3.2.2.6 Information Retrieval (IR)
            3.2.2.7 Dokumenten Management Systeme (DMS)
        3.2.3 Knowledge-Engineering
        3.2.4 Anwendung von Knowledge Management: Expertensysteme
    3.3 WERKZEUGE FÜR DAS KNOWLEDGE MANAGEMENT
        3.3.1 Generierung von Wissen
        3.3.2 Kodifizierung von Wissen
            3.3.2.1 Knowledge-Bases
            3.3.2.2 Knowledge-Maps
            3.3.2.3 Thesauri und Wörterbücher
        3.3.3 Transfer von Wissen
            3.3.3.1 Zeitliche Entfernung
            3.3.3.2 Physikalische Entfernung
            3.3.3.3 Soziale Entfernung
        3.3.4 Beurteilung existierender Werkzeuge
    3.4 DIE ORGANISATION DES KNOWLEDGE MANAGEMENT
        3.4.1 Wissensorientierte Prozesse
        3.4.2 Die Prozesse des Knowledge Management im Detail
        3.4.3 Vorgehensweisen für das Knowledge Management
        3.4.4 Knowledge Management-Kultur: Organizational Learning
            3.4.4.1 Erfahrungsorientierter Ansatz
            3.4.4.2 Interpretationsorientierter Ansatz
            3.4.4.3 Wissensorientierter Ansatz
            3.4.4.4 Informationsorientierter Ansatz
            3.4.4.5 Vergleich der OL-Ansätze
        3.4.5 Moderne Organisationsformen
            3.4.5.1 Die Hypertextorganisation
            3.4.5.2 Das invertierte Unternehmen

4 DIE PRAXIS DES KNOWLEDGE MANAGEMENT
    4.1 VORAUSSETZUNGEN FÜR DIE WISSENSSCHAFFUNG
    4.2 NOTWENDIGE EINGRIFFE IN DIE UNTERNEHMENSKULTUR
    4.3 IT-BASIERTES KNOWLEDGE MANAGEMENT
        4.3.1 Entwicklung von Managementkonzepten
        4.3.2 Organizational Memory Information System (OMIS)
            4.3.2.1 Organizational Memory (OM)
            4.3.2.2 Organizational Learning (OL)
            4.3.2.3 Organizational Knowledge (OK)
            4.3.2.4 Anforderungen
            4.3.2.5 Funktionen und Aufgaben
        4.3.3 Intranetdienste
            4.3.3.1 Dokumentenmanagement (Shared Folder)
            4.3.3.2 Kommunikationsserver

5 PRAGMATISCHE UMSETZUNG
    5.1 DARSTELLUNG DER CONNECTOR GMBH
    5.2 BESCHREIBUNG DES PROJEKTS
        5.2.1 Intention des Projekts
        5.2.2 Systemumgebung
    5.3 PROJEKTVORGEHEN
    5.4 SPEZIELLE ANFORDERUNGEN AN EIN IT-BASIERTES KMS
    5.5 STANDARDSOFTWARE FÜR KNOWLEDGE MANAGEMENT
        5.5.1 Marktübersicht
            5.5.1.1 Arago′s DocMe
            5.5.1.2 Autonomy′s ActiveKnowledge™ und Knowledge Server™
            5.5.1.3 Cipher Systems - Knowledge.Works
            5.5.1.4 Excalibur RetrievalWare®
            5.5.1.5 Fulcrum Knowledge Network
            5.5.1.6 GrapeVINE
            5.5.1.7 Opentext Livelink
            5.5.1.8 POET Content Management Suite
            5.5.1.9 Verity
        5.5.2 Produktauswahl
    5.6 KONZEPTION
    5.7 IMPLEMENTIERUNG UND EINFÜHRUNG
        5.7.1 Anforderungen und Installation
        5.7.2 Benutzerdokumentation
            5.7.2.1 Anmeldung
            5.7.2.2 Suche
            5.7.2.3 Sichten und Agenten
        5.7.3 Beurteilung der verwendeten Software

6 FAZIT UND AUSBLICK

ANHÄNGE
LITERATURVERZEICHNIS
URHEBERRECHT
ERKLÄRUNG

Abbildungsverzeichnis
Abb. 1
Wirtschaftlichkeit der Produktionsfaktoren
Abb. 2 Bedeutung von Wissen und kritischem Wissen
Abb. 3 Illustration von Daten, Information und Wissen
Abb. 4 Sinnvolle IT-Unterstützung des Knowledge Management
Abb. 5 Die drei Säulen des Knowledge Management
Abb. 6 Bausteine des Knowledge Management nach Probst, Raub und Romhardt
Abb. 7 Prozesse der Wissensbewahrung
Abb. 8 "Halbwertszeit" von Wissen
Abb. 9 Prozesse bei der Erstellung einer Knowledge-Map
Abb. 10 Die Interaktion bei der Kodifizierung
Abb. 11 Kodifzierung: "people to documents"
Abb. 12 Die Interaktion bei der Personifizierung
Abb. 13 Informationsmanagement als ein Teil des Knowledge Management
Abb. 14 "Knowledge Technologies" der Zukunft
Abb. 15 Hauptaktivitäten des Information Retrieval
Abb. 16 Typischer DMS-Ablauf
Abb. 17 Informationstechniken für das Knowledge Engineering
Abb. 18 Kernprozesse des Knowledge Mangement
Abb. 19 Grundaktivitäten wissensorientierter Prozesse
Abb. 20 Ablaufmodell des Knowledge Management
Abb. 21 Prozeß "Wissensidentifikation"
Abb. 22 Prozeß "Wissenserwerb"
Abb. 23 Prozeß "Wissenstransfer"
Abb. 24 Prozeß "Wissensnutzung"
Abb. 25 Prozesse "Wissensbewahrung und -bewertung"
Abb. 26 Wissensingenieur als Vermittler
Abb. 27 Wissensingenieur als "Gerüstbauer"
Abb. 28 Double-loop-Learning
Abb. 29 Hierarchische Unternehmensstruktur
Abb. 30 Vernetzte Unternehmensstruktur
Abb. 31 Entwicklung von Managementkonzepten
Abb. 32 Das "Meta-Werkzeug" OMIS als Grundlage für Knowledge Engineering
Abb. 33 Die Rolle der IT für das Knowledge Management
Abb. 34 Typen des Organizational Memory
Abb. 35 Verweise auf Objekte, Beteiligte und Aufgaben (Metadaten)
Abb. 36 Basisfunktionen eines OMIS
Abb. 37 Erweiterung der OMIS-Basisfunktionalität um einen Kommunikationsserver
Abb. 38 IT und OMIS als Zubringer für Knowledge Engineering
Abb. 39 Beratungsfelder von Connector
Abb. 40 Systemumgebung des ConnNets
Abb. 41 Publishing-Prozeß und Informationsverteilung bei DocMe
Abb. 42 Architektur von ActiveKnowledge™
Abb. 43 Architekur des Knowledge Servers™
Abb. 44 Autonomy′s Knowledge Visualizer™
Abb. 45 Architektur von RetrievalWare®
Abb. 46 Architektur von RetrievalWare® FileRoom
Abb. 47 Knolwedge Management Center und Knolwedge Production Center
Abb. 48 Vierschichtige Architektur des "Fulcrum Knowledge Network"
Abb. 49 Fulcrum Knowledge Activators
Abb. 50 Offene APIs des Fulcrum SearchServer™
Abb. 51 Modulare, Dreistufige Architketur von Livelink
Abb. 52 Architketur des POET CMS
Abb. 53 Integrierte Produkte von Verity
Abb. 54 Knowledge-Map der Connector
Abb. 55 WebFIND im IIS-Manager
Abb. 56 SQL-Tabellen der Datenbanken für Knowledge-Server und Webcrawler
Abb. 57 ODBC-Datenquellen-Administrator
Abb. 58 MS SQL Server DSN Konfiguration: Fulcrum WebCrawler
Abb. 59 MS SQL Server DSN Konfiguration: Fulcrum Agents
Abb. 60 Fulcrum SearchServer Setup
Abb. 61 Anmeldung an WebFind™
Abb. 62 Symbole in der Ordneransicht
Abb. 63 Beispiel: Markierte Ordner
Abb. 64 Beispiel: Gruppierte Ergebnisliste (RLC)
Abb. 65 Beispiel: Objekte eines Clusters

Tabellenverzeichnis
Tab. 1
Die vier Formen der Wissensumwandlung nach Nonaka und Takeuchi
Tab. 2 Handlungsempfehlungen für das Aufstellen von Wissenszielen
Tab. 3 Bewertungsmethoden für Wissensziele
Tab. 4 Tauglichkeit der Informationstechniken für Knowledge Management
Tab. 5 Werkzeuge für das Knowledge Management
Tab. 6 OL-Ansätze im Vergleich
Tab. 7 Technologien für das Knowledge Management


Einführung und Zielsetzung


"Minds are like parachutes. They only function when they are open."
Sir James Dewar

Viele sind der Ansicht, daß die traditionellen, betriebswirtschaftlichen Produktionsfaktoren (Betriebsmittel, Arbeit und Werkstoffe ) prinzipiell jedem Unternehmen in ausreichender Menge zur Verfügung stehen. Diesen drei betriebswirtschaftlichen Produktionsfaktoren gesellt sich seit relativ kurzer Zeit ein neuer, vierter Produktionsfaktor hinzu: "Information". Der Kombinationsprozeß all dieser vier Produktionsfaktoren erfordert aber wiederum den Einsatz eines weiteren Faktors, nämlich Wissen ("Verständnis", "Erfahrung"). Um aus den vorliegenden, flachen Informationen Wissen zu genieren, müssen die über das gesamte betriebswirtschaftliche Geschehen vorliegenden Informationen zweckorientiert vernetzt werden . Es wird also ein Wertschöpfungsprozeß in Gang gesetzt, in dem Information ein Wert zugewiesen wird und aus dem Wissen als fünfter Produktionsfaktor entsteht. Diese Arbeit soll betrachten, wie man nun dieses organisatorische Wissen effektiv und effizient managen und damit maßgeblich über Erfolg und Mißerfolg eines modernen Unternehmens entscheiden kann. Denn ein gutes Management von organisatorischem Wissen kann einen entscheidenden Wettbewerbsfaktor darstellen und erheblich zur Wettbewerbsfähigkeit, Produktivität und Innovationskraft beisteuern. Es geht hierbei hauptsächlich darum, vorhandenes, aber ungenutztes und wirtschaftlich relevantes Wissens zu finden, zu verteilen, zu nutzen und innerhalb eines Unternehmens mittels Informationstechniken (IT) verfügbar zu machen. Dabei soll Knowledge Management (KM) im allgemeinen und im speziellen (d.h. durch IT-Unterstützung) dargestellt werden.

1.1 Bedeutung von Knowledge Management
"Nicht Arbeit, nicht Kapital, nicht Land und Rohstoffe sind die Produktionsfaktoren, die heute in unserer Gesellschaft zählen, sondern das Wissen der Mitarbeiter in den Unternehmen."
Peter F. Drucker, 1993

1.1.1 Wissen als Ressource begreifen
Es ist der Trend zu beobachten, daß nicht mehr alleine Betriebsmittel, Arbeit und Werkstoffe den Erfolg eines Unternehmens bestimmen, sondern Innovationen. Innovationen können aber nur erfolgen, wenn durch Wissen etwas Neues entsteht. Daher hat sich der neue Produktionsfaktor "Wissen" in den späten 90ern als der entscheidende Produktionsfaktor herauskristallisiert. Er kann die Wettbewerbsfähigkeit eines Unternehmens festlegen, denn der geschickte Einsatz und Management von Wissen kann die Überlebenschance eines Unternehmens bestimmen. Neue Mitarbeiter werden nicht mehr nur nach den Kriterien "Fähigkeiten" und "Faktenwissen" eingestellt, sondern auch immer mehr danach, wie gut sie sich auf neue Situationen ein- bzw. umstellen können. Nicht mehr pures Wissen, sondern die Fähigkeit sich neues Wissen anzueignen, sind heute gefragt. Denn unsere heutige Welt ist eine schnellebige Welt, die durch technologischen Wandel und immer kürzer werdende Produktzyklen geprägt ist. Daher müssen auch die Reaktionszeiten und Innovationszyklen immer kürzer werden. Durch den stetig wachsenden Druck nach Innovationen wird Wissen somit von einem immateriellen Produktionsfaktor zu einer Ressource und gar zu einem Produkt hervorgehoben, welches es angemessen zu managen gilt. Dabei kommt, aufgrund der stetig steigenden Komplexität der heutigen Arbeitswelt, besonders den wissensintensiven Geschäftsprozessen , vor allem im Bereich von Dienstleistung, Banken und Beratung (Consulting), eine immer größere Bedeutung zu. Der Wandel zur "Wissensgesellschaft" fordert dabei eine höhere organisatorische Lernfähigkeit , welches neue Maßstäbe bezüglich Planung, Steuerung, Organisation und Kontrolle der Ressource und des Produkts "Wissen" setzt. Die Soft Assets, die in den Köpfen der Arbeiter stecken (sog. "Brainware"), also das Wissen über Technologien, Produkte, Prozesse, Strukturen, Kunden und Wettbewerber, müssen daher in einer geeigneten Form in einer unternehmensweiten "Wissensbasis" zur Verfügung gestellt werden. Vor allem sog. Internetfirmen oder auch "virtuelle Firmen" sind immer weniger auf die betriebswirtschaftlichen Produktionsfaktoren und immer mehr auf den neuen Produktionsfaktor Wissen angewiesen, da sich die Unternehmensprozesse größtenteils in Rechnersystemen abspielen. Deren Kapital verkörpert das Wissen der Mitarbeiter und weniger Arbeit und fast gar nicht mehr Boden. Dabei sind die grundlegenden Methoden des Knowledge Management alles andere als neu; schon seit über 3000 Jahren gibt es anerkannte Prinzipien wie Lehre, Forschung, Publikation, Dokumentation und diesen übergreifenden Diskurs. Aber durch die (globale) Vernetzung, speziell durch das Internet und die dort gebotene Informationsvielfalt , zeigen sich neue Aspekte und eröffnen sich neue, bisher ungeahnte Chancen. Die Interaktion mit Dokumenten, z.B. durch Abfragen einer Datenbank oder eines Expertensystems, kann weit mehr Information und Wissen geben, als es einfache "lineare" Dateien können. Eine Mischung aus Inhalt und Verweise ("Hypertext") auf andere Dokumente bzw. Inhalte ist heute schon im WWW gebräuchlich, um viele Einzelinformationen zu "Wissen" zusammenzuführen. Das W3C (World Wide Web Consortium) definiert das WWW folgendermaßen: "The World Wide Web is the universe of networkaccessible information, an embodiment of human knowledge." (Das World Wide Web ist das Universum/die Gesamtheit der netzzugänglichen Informationen, eine Verkörperung des menschlichen Wissens.)

1.1.2 Notwendigkeit des Knowledge Management
Hoch bezahlte Fachkräfte verbringen viel zuviel Zeit mit der Suche nach notwendigen Informationen. Essentielles Know-how ist meist nur in den Köpfen einiger weniger Mitarbeiter vorhanden und die wenigen wertvollen Informationen sind in einem riesigen Haufen von Dokumenten und wertloser Daten "begraben". Dadurch werden (teure) Fehler immer wieder begangen, da nicht auf die Erfahrung vergangener Projekte zurückgegriffen werden kann. Richtig verstanden und sinnvoll angewendet kann ein wirkungsvolles Knowledge Management die Schlagkraft eines Unternehmens und seine Flexibilität in der Reaktion auf den Wettbewerb entscheidend steigern. Knowledge Management wird in vielen Industrien damit zum bestimmenden Wettbewerbsfaktor schlechthin heranwachsen. Ein entscheidender Wettbewerbsfaktor ist und bleibt sicherlich die Imitationsgeschwindigkeit erfolgreicher Konzepte, die durch den Einsatz von Wissen am schnellsten vorangetrieben werden kann und im weitesten Sinne die Effizienz beschreibt. Dies bedeutet, daß eine zielgerichtete Nutzung von Wissen die Wirtschaftlichkeit erhöht, da den stetig steigenden Kosten der drei betriebswirtschaftlichen Produktionsfaktoren die stetig fallenden Kosten der Produktionsfaktoren "Information" und "Wissen" gegenüberstehen:

!! Abbildung wird in dieser Vorschau nicht angezeigt !!
ABBILDUNG 1: WIRTSCHAFTLICHKEIT DER PRODUKTIONSFAKTOREN

Der wohldefinierte, zielgerichtete Einsatz von Wissen trägt also ab einem bestimmten "Break-Even-Point" dazu bei, einen Teil der Kosten zu reduzieren und den Gewinn eines Unternehmens zu maximieren. Grund dafür ist, daß Wissen wiederverwertbar ist und daher mit zunehmender Nutzung keine weiteren Kosten anfallen. D.h., mit einer einmaligen Investition in den Aufbau von Wissen entstehen im weiteren Verlauf der Nutzung keine weiteren Kosten für die Nutzung der Ressource Wissen. Im Gegensatz dazu entstehen auf Dauer bei den Ressourcen "Arbeit", "Material" und "Betriebsmittel" immer wieder Kosten: Monatslöhne, Neuanschaffung aufgebrauchter Materialien (Rohstoffe) sowie Abnutzung und Wartung der Maschinen und Werkzeuge (Betriebsmittel). Daher kann ein Unternehmen durch ein effizientes Knowledge Management wirtschaftlicher arbeiten und die gewonnene Zeit für z.B. den Wissensaufbau und die Wissensteilung nutzen - oder auch einfach nur in kürzerer Zeit gleichviel oder gar mehr produzieren oder einfach die Qualität der Produkte (seien es Dienstleistungen oder Waren) erhöhen. Knowledge Management bringt also durch die Zielsetzung, mit vorhandenem und verfügbarem Wissen rational umzugehen, einen zentralen Wettbewerbsvorteil. Da diese Wissensbestände in den allermeisten Unternehmen in den Köpfen der Mitarbeiter schon vorhanden sind und sie "nur" noch erkannt, ausgeschöpft und den anderen Mitarbeitern des Unternehmens verfügbar gemacht werden müssen, kann also ein Vorsprung gegenüber Konkurrenten durch die Nutzung wirtschaftlich relevanter Wissensbestände erreicht werden.

1.2 Erwartungen und Ziele
Diese Arbeit stellt zunächst einmal Grundlagen und Begriffe des Knowledge Management dar. Im weiteren werden Instrumente, Methoden, Prozesse und Werkzeuge für das Knowledge Managen vorgestellt und diese auf ihre Tauglichkeit im Rahmen eines IT-basierten Knowledge Management hin untersucht. Im Rahmen eines ganzheitlichen Ansatzes muß neben der IT auch die konzeptionelle Entwicklung von Szenarien zum Aufbau von Methoden des Wissenserwerbs, der Wissensaufbereitung, der Wissensspeicherung, der Wissensübermittlung und der Wissensentwicklung in das Knowledge Management integriert werden. Ein zielgerichtetes Human Resource Management (HRM) kann dabei zur Gestaltung einer offenen und lernenden Unternehmenskultur beitragen und von der Unternehmensspitze Signale geben, Vertrauen zwischen allen Mitgliedern eines Unternehmens zu schaffen.
Laut Umfragen betreiben erst rund ein Viertel der Unternehmen Knowledge Management, jedoch sind sich weitaus mehr des Themas bewußt und planen daher zumindest schon die Umsetzung und Einführung von Technologien, die der Erschließung der Ressource "Wissen" dienen sollen. Unternehmen müssen daher die Bedeutung des unternehmerischen Wissens jetzt erkennen und nutzen. Abbildung 2 zeigt, warum unternehmerisches Wissen und wofür es wichtig ist. Es gilt, das Bewußtsein von "4+1 Produktionsfaktoren" (die drei betriebswirtschaftlichen plus Information plus Wissen) zu fördern, die zur Stärkung der Wettbewerbsfähigkeit, Produktivität und Innovationskraft beitragen.
Um die Lücke zwischen Theorie und Praxis zu überwinden, wird im praktischen Teil dieser Arbeit gezeigt, wie vorhandene, heterogene Wissensquellen zu einer homogenen, integrierten Wissensbasis zusammengeführt werden können. Dazu werden einige Softwareprodukte vorgestellt, die dies zu leisten versprechen, bzw. andere sehr interessante Ansätze verfolgen.

!! Abbildung wird in dieser Vorschau nicht angezeigt !!
ABBILDUNG 2: BEDEUTUNG VON WISSEN UND KRITISCHEM WISSEN

1.3 Überblick
Das Kapitel 2 gibt eine Einführung in die Thematik und beschreibt Knowledge Management unter wissenschaftlichen Aspekten, indem der Begriff des Wissens, Ansätze, Ziele und Lehren des Knowledge Management vorgestellt werden. Es wird gezeigt, wie diese theoretische Darstellung der Wissensschaffung und der Wissenstransformation mit Hilfe eines Baukastensystems als eine Planungs- und Steuerungshilfe für Manager umgesetzt werden kann. Ein besonderes Augenmerk liegt in diesem Kapitel auf der Differenzierung von Knowledge Management und Informationsmanagement.
Dazu ergänzend werden im Kapitel Fehler! Verweisquelle konnte nicht gefunden werden. die Knowledge-Map und der Knowledge-Broker als ausgewählte Instrumente vorgestellt, die in Zukunft eine große Rolle bei der Wissensschaffung spielen könnten. Weitere Techniken, Methoden (Strategien), Prozesse, Vorgehensweisen und Werkzeuge werden vorgestellt, und es wird kurz untersucht, wie die verschiedenen IT-Bereiche für Knowledge Management förderlich sein können.
In Kapitel 4 werden die praktischen Grundlagen für Knowledge Management beschrieben. Notwendige Eingriffe in die Unternehmenskultur mit zwei Beispielen für Aufbauorganisationsmodelle sowie technische Grundlagen für IT-basiertes Knowledge Management werden dargestellt. Im Mittelpunkt steht hierbei das modernste Managementkonzept "Organizational Memory Information Systems" in einem Intranet.
Das Thema "Knowledge Management" wird in Wissenschaft und Praxis sicher auch weiterhin dazu führen, ganzheitliche Konzepte einer systematischen Erschließung und Entwicklung organisatorischer und externer Wissenspotentiale unter Einbindung unterstützender Technologien zu entwickeln. Daher beschreibt diese Arbeit im Kapitel Fehler! Verweisquelle konnte nicht gefunden werden. einen Vorschlag für die Überwindung der Lücke zwischen wissenschaftlicher Knowledge Management-Theorie und der pragmatischen Umsetzung mit Hilfe von Informationstechniken. Das ganzheitliche Knowledge Management-Modell wird mit dem Schwerpunkt auf technischer Unterstützung durch IT untersucht. Es werden verschiedene Softwareprodukte auf ihre Tauglichkeit als Werkzeuge für das Knowledge Management hin geprüft und mit den speziellen Anforderungen eines Beratungsunternehmens (speziell der Connector GmbH, bei der diese Diplomarbeit entstanden ist) abgeglichen.
Das Ergebnis dieser Arbeit beschreibt letztendlich im Kapitel Fehler! Verweisquelle konnte nicht gefunden werden. den entstandenen Nutzen und die Tauglichkeit bzw. Qualität der getesteten Software zur Unterstützung von Knowledge Management für die Connector GmbH. Dabei soll ein Blick auf den aktuellen Stand der Technik auf dem Gebiet des Knowledge Management gegeben werden. Abschließend wird versucht, einen Ausblick auf die Zukunft zu geben.

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