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Konzepte der Trennungs- und Scheidungsberatung - Im Fokus: Mediation

Diploma Thesis, 1998, 113 Pages
Author: Anonym
Subject: Pedagogy - Pedagogic Psychology

Details

Category: Diploma Thesis
Year: 1998
Pages: 113
Grade: 2,0
Bibliography: ~ 133  Entries
Language: German
Archive No.: V30895
ISBN (E-book): 978-3-638-32060-3

File size: 500 KB


Excerpt (computer-generated)

Universität Koblenz
Institut für Psychologie

Konzepte der Trennungs- und Scheidungsberatung - Im Fokus: Mediation

Diplomarbeit

eingereicht von

N. N.

1998

Inhaltsverzeichnis

0 Einleitung ... 4

1 Die Familie im Prozeß von Trennung und Scheidung ... 6
1.1 Zum Stand der Scheidungsforschung ... 6
1.2 Die systemische Sichtweise der Familie ... 7
1.3 Der Scheidungszyklus ... 8
1.4 Reaktionen der Kinder ... 10
1.4.1 Zu den Untersuchungen ... 11
1.4.2 Erklärungsmodelle ... 12
1.4.3 Kurzfristige Reaktionen ... 13
1.4.4 Langfristige Auswirkungen ... 15
1.4.5 Geschlechtsspezifische Reaktionen ... 17
1.4.6 Risikofaktoren ... 19
1.4.7 Faktoren der Bewältigung ... 25
1.4.8 Zusammenfassende Interpretation der Ergebnisse ... 27
1.5 Die Elternteile im Trennungsprozeß ... 27
1.5.1 Die Genese der Trennung ... 28
1.5.2 Scheidungsursachen ... 29
1.5.3 Elterliche Aufgaben und Probleme im Scheidungsprozeß ... 30
1.5.4 Auswirkungen auf das psychische Wohlbefinden ... 31
1.5.5 Risikofaktoren ... 33
1.5.6 Bewältigungsfaktoren ... 36

2 Implikationen für die Beratungspraxis ... 38
2.1 Übergreifende Beratungsziele ... 38
2.2 Feinziele der Beratung im Trennungsprozeß ... 38
2.3 Anforderungen an die Trennungs- und Scheidungsberatung ... 41

3 Konzepte der Trennungs- und Scheidungsberatung ... 43
3.1 Scheidungsberatung in Deutschland ... 43
3.2 Scheidungsberatung versus Scheidungstherapie ... 44
3.3 Zur Systematisierung der Beratungskonzepte ... 45
3.4 Beratungskonzepte zur Ambivalenzklärung, Entscheidungsfindung und Informationsvermittlung ... 47
3.4.1 Strukturierte Trennung - Distanz der Partner als Entscheidungshilfe ... 48
3.4.2 Ambivalenzberatung in Paargruppen ... 49
3.4.3 Informationen über den Scheidungsprozeß als Entscheidungshilfe ... 50
3.5 Konzepte zur Regelung der Scheidungsfolgen ... 53
3.5.1 Beratung am Familiengericht ... 53
3.5.2 „Friends of the Court“ - die rechtliche Vertretung des Kindes vor Gericht ... 55
3.5.3 „Denver Modell“ - außergerichtliche Begutachtung und Erstellung einer Sorgerechtsempfehlung ... 55
3.5.4 Modell zur Beratung von Familien in Sorgerechtsfragen ... 56
3.5.5 Stuttgarter Modell - Ein interdisziplinärer Ansatz zur außergerichtlichen Konfliktregelung ... 58
3.6 Beratungskonzepte zur Bewältigung des Trennungs- und Scheidungserlebens ... 59
3.6.1 Gruppe für Frauen in Trennung und Scheidung ... 60
3.6.2 Kommunikationstraining für Geschiedene ... 62
3.6.3 Networking ... 63
3.6.4 Mehrgenerationelle Familientherapie ... 64
3.6.5 Family in Transition Program - Gerichtlich verordnete Bildungsprogramme bei familiären Veränderungsprozessen ... 66
3.6.6 Kurzzeitinterventionen bei Kindern aus Scheidungsfamilien ... 68
3.6.7 Gruppeninterventionen für Scheidungskinder im Überblick ... 69
3.7 Exkurs: Konzepte der Trennungs- und Scheidungsberatung im Spiegel der Psychologie ... 76

4 Scheidungsmediation ... 78
4.1 Zur Entwicklung der Scheidungsmediation ... 78
4.2 Konzepte der Trennungs- und Scheidungsmediation ... 80
4.2.1 Kinder in der Mediation ... 84
4.3 Mediation im Kontext von Beratung und Therapie ... 85
4.4 Evaluation ... 86
4.5 Möglichkeiten und Grenzen der Mediation ... 89

5 Entwurf eines Modells einer umfassenden Trennungs- und Scheidungsberatung ... 93

6 Literaturangaben ... 103

 

0 Einleitung
Die Zahl der Ehescheidungen in Deutschland ist seit dem Zweiten Weltkrieg kontinuierlich angestiegen. Im Jahr 1996 wurden 175.550 Ehen geschieden, 6.000 Ehen mehr als im Jahr zuvor.
Die Alltäglichkeit von Scheidung in unserer Gesellschaft demonstriert, daß sie zwischenzeitlich ein legitimer Weg zur Auflösung einer unbefriedigenden Paarbeziehung geworden ist. Die Zahlen sagen jedoch nichts über die Bedeutung des Scheidungsgeschehens für die Betroffenen aus. Die mit der Ehescheidung verbundenen Umwälzungen auf sozialer, ökonomischer und rechtlicher Ebene lassen aber erahnen, daß dieser Prozeß einerseits hohe Anforderungen an die psychische Belastbarkeit der Betroffenen stellt. Andererseits sind mit der Scheidung auch Hoffnungen auf einen positiven Neuanfang verbunden, beinhaltet die durchlebte Krise die Chance zur Persönlichkeitsreifung und -entwicklung. Voraussetzung hierfür ist die Verarbeitung und Bewältigung des Trennungsprozesses. Diesen Anforderungen sind die Betroffenen nicht immer ohne Unterstützung gewachsen.
Hier setzt die Trennungs- und Scheidungsberatung ein, eine Beratung, die speziell auf die Probleme und Bedürfnisse von Scheidungsbetroffenen abgestimmt ist. Sie erleichtert die Verarbeitung des Erlebten, kann die Scheidungsbetroffenen durch den Prozeß der Trennung begleiten und ihnen individuelle Unterstützung bieten.
In dieser Arbeit werden Beratungskonzepte vorgestellt, die sich an Menschen im Scheidungsgeschehen richten. Hierunter fallen Angebote, die eine Entscheidungsfindung bezüglich Fortführung oder Auflösung der Beziehung ermöglichen, Beratung in Zusammenhang mit der juristischen Regelung der Scheidungsfolgen sowie Konzepte, die die psychische Bewältigung des Trennungserlebens unterstützen. Diese Interventionsangebote greifen jeweils einzelne Problemstellungen im Scheidungsprozeß auf. Ziel dieser Arbeit ist es jedoch, zu einem Modell einer umfassenden Trennungs- und Scheidungsberatung zu kommen.
Zu diesem Zweck ist zunächst zu klären, welcher Art die Probleme sind, mit der die Mitglieder der Scheidungsfamilie konfrontiert werden. Dieser Frage wird im Kapitel 1 dieser Arbeit nachgegangen. Da sich die Scheidung für die Familienmitglieder in unterschiedlicher Weise darstellt, wird nach Auswirkungen der Trennung auf Elternteile und Kinder unterschieden. Von besonderem Interesse ist in diesem Rahmen die Ermittlung der Variablen, die sich negativ oder positiv auf die Betroffenen auswirken können.
Die Erkenntnisse der Scheidungsforschung sind die Grundlage für die Formulierung erster Anforderungen an eine umfassende Trennungs- und Scheidungsberatung in Kapitel 2. Die in diesem Abschnitt erarbeiteten Implikationen für die Beratungspraxis bilden wiederum das Bewertungsraster für die in Kapitel 3 vorgestellten Konzepte der Trennungs- und Scheidungsberatung.
Das Mediationskonzept ist eines der am häufigsten angewandten und aktuellsten Konzepte innerhalb der Trennungs- und Scheidungsberatung. Daher wird es in einem gesonderten Kapitel einer kritischen Betrachtung unterworfen.
Im abschließenden Kapitel 5 fließen die Erkenntnisse der Scheidungsforschung, die daraus abgeleiteten Anforderungen an die Beratungspraxis sowie die Möglichkeiten und Defizite, die sich aus den vorgestellten Beratungskonzepten ergeben, in den Entwurf eines umfassenden Modells der Trennungs- und Scheidungsberatung ein.

1 Die Familie im Prozeß von Trennung und Scheidung
Das einleitende Kapitel befaßt sich mit den psychischen Auswirkungen des Trennungs- und Scheidungsgeschehens auf die einzelnen Familienmitglieder. Hierzu werden vorrangig Studien aus den USA und Deutschland herangezogen. Der Schwerpunkt der vergleichenden Darstellung dieser Erhebungen liegt auf der Frage nach Faktoren, die eine positive bzw. negative Entwicklung der Scheidungsfamilie bedingen. Die Ermittlung dieser Schutz- und Risikofaktoren bildet die Grundlage für die Bewertung von Konzepten der Trennungs- und Scheidungsberatung.

1.1 Zum Stand der Scheidungsforschung
Bis in die 80er Jahre hinein war die Scheidungsforschung in Deutschland von einer defizitären Sichtweise geprägt. Die Scheidung eines Elternpaares wurde als Abbruch des natürlichen Familienzyklus, als pathologische Entwicklung der Kernfamilie betrachtet (Textor, 1991; Fthenakis, 1995a). Das Forschungsinteresse im Sinne des sogenannten „Desorganisationsmodells“ richtete sich auf die Analyse der Bedingungsfaktoren und auf die Auswirkungen der Scheidung auf die einzelnen Familienmitglieder. Insbesondere die Verhaltensauffälligkeiten von Kindern wurden als zwangsläufige Konsequenz der elterlichen Scheidung betrachtet (Napp-Peters, 1992).
Mit der zunehmenden Alltäglichkeit von Scheidungen und durch Untersuchungen zu allgemeinen familialen Übergängen wandelte sich - bereits in den 70er Jahren in den USA, eine Dekade später auch in Deutschland - die Forschungsperspektive (vgl. Sander, 1988; Textor, 1991; Fthenakis et al. 1992). Aus einem systemisch orientierten Blickwinkel stellt Scheidung sich nicht mehr als ein einmaliges traumatisches Erlebnis dar, sondern als ein Prozeß, der bereits lange vor der Trennung einsetzt und sich bis weit über die Scheidung hinaus erstrecken kann. Die Ursachen für Anpassungsprobleme der Scheidungsfamilie werden in Bezug zu den inner- wie außerfamiliären Systemen gesetzt. Darüber hinaus wird zwischen Auswirkungen der familialen Prozesse vor der Trennung, Schwierigkeiten der akuten Trennungssituation sowie ungünstigen Einflüssen der Nachscheidungssituation unterschieden.

[...]


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