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Platons Schriftkritik im Phaidros

Termpaper, 2002, 17 Pages
Author: Sindia Schuster
Subject: Philosophy - Philosophy of the Ancient World

Details

Event: Platon: Phaidros
Institution/College: http://www.uni-jena.de/ (Philosophie)
Tags: Platons, Schriftkritik, Phaidros, Platon, Phaidros
Category: Termpaper
Year: 2002
Pages: 17
Grade: 2,3
Bibliography: ~ 4  Entries
Language: German
Archive No.: V30939
ISBN (E-book): 978-3-638-32089-4

File size: 242 KB


Excerpt (computer-generated)

Platons Schriftkritik im Phaidros

von: Sindia Schuster
 

 

Inhaltsverzeichnis

1. Einleitung

2. Ansprüche an die Redekunst

2.1 Inhaltliche Einordnung in das Gesamtwerk
2.2 Die Regeln für eine „neue“ Redekunst

3. Die Kritik der Schriftlichkeit

3.1 Sokrates’ Sage über die Erfindung der Schrift
3.2 Das Gleichnis von Schrift und Malerei – Die schriftliche Rede als ein totes Werk

3.2.1 Gibt es schriftliche Reden, die dem Ideal der Redekunst entsprechen?

3.3 Die Schrift als Spiel des Philosophen
3.4 Das Zwiegespräch als einzig geeignete Form zur Vermittlung von Wissen

3.4.1 Was hätte wohl Sokrates zum Chatten gesagt?

3.5 Wann ist der Verfasser von Reden ein Philosoph und wann ein Redenschreiber?
3.6 Warum hat Platon selbst schriftliche Werke verfaßt?

4. Resümee – Die Aktualität der Schriftkritik Platons 2
 


 

1. Einleitung

Printmedien, wie Bücher, Zeitungen und das Internet sind für uns wichtige, wenn nicht sogar die wichtigsten Informationsträger. Ganz gleich zu welchem Thema man etwas sucht, man wird irgendwann einmal in jenen Schriften fündig. Die Fülle an Informationen, die uns dadurch zur Auswahl steht stellt uns oftmals vor das Problem, was denn davon nun auch wirklich weiter verwertbar ist und was nicht. Besonders bei Informationen aus dem Internet entsteht bei vielen von uns Uns icherheit über die Wahrheit und Fundiertheit des Inhalts und beginnen möglicherweise selbst, diesen zu überprüfen. Aber letztendlich vertrauen wir doch immer wieder auf die Printmedien als Vermittler von Wissen und geben sie auch noch stolz als die Quelle unseres Wissens an. Für Platon wären wir damit alle naiv. Er schloß es rigoros aus, daß man allein durch schriftliche Werke Wissen vermitteln kann. Die Vermittlung von Wissen nämlich könne laut Platon nur durch die mündliche Rede geschehen und auch dann nur sachgemäß, wenn bestimmte Regeln der Redekunst eingehalten werden. Die Schrift hatte für ihn bei weitem nicht die Bedeutung, wie für uns heute. Stellen wir uns einmal vor, es gebe keine Schrift mehr zur Wissensvermittlung: Wie würde dann unser Bildungssystem aussehen? Würde es zwischen Lehrern und Schüle rn dann nur noch Gespräche geben, kein Lesen mehr in Lehrbüchern o.ä.? Hätten dann alle Kulturen unterschiedliches Wissen oder würde es auch ohne die Schrift zu einem interkulturellen Austausch kommen? Hätte das Wissen eine andere Qualität, wäre es vielleicht eher grundlegender statt so spezifisch wie heute? Natürlich könnten wir ohne die Schrift zur Wissensvermittlung leben, aber gerade unsere heutige „Wissensgesellschaft“ würde es ohne diese Funktion der Schrift so nicht geben. Warum Platon schriftliche n Werken nicht zugestand, Wissen zu vermitteln möchte ich in dieser Hausarbeit näher erläutern. Ich werde mich dabei auf seine sog. Kritik der Schriftlichkeit im „Phaidros“ beziehen. Dazu werde ich zunächst Platons Argumentationsweise übernehmen und zuerst kurz auf seine Ansprüche an die Redekunst eingehen, um somit zu seiner Kritik der Schrift übergehen zu können. Ich werde darlegen, welche Defizite die Schrift hat und wofür man sie ve rwenden darf und wofür nicht, bzw. welche Anwendung der Schrift den Göttern wohlgefällig ist und welche nicht. Abschließen möchte ich diese Arbeit mit einer kurzen eigenen Stellungnahme zur Aktualität der Schriftkritik Platons.

2. Ansprüche an die Redekunst

2.1 Inhaltliche Einordnung in das Gesamtwerk

Sokrates trifft Phaidros, der soeben eine Rede des Redenschreibers Lysias hörte und noch völlig begeistert von dieser ist. Sokrates, nachdem Phaidros ihm die Rede vorlas, kann diese Begeisterung jedoch nicht teilen und hält auf Phaidros‘ Drängen zum gleichen Thema selbst eine Rede, um Phaidros zu zeigen, daß Lysias‘ Rede nicht die einzige und beste ist. Phaidros ist von Sokrates‘ Rede sehr beeindruckt. Jedoch ist Sokrates selbst eher unzufrieden, da seine Rede, wie auch die des Lysias, gegen Eros gerichtet war und dies einer Gotteslästerung gleichkomme. Um den Göttern wieder gerecht zu werden, hält er daraufhin noch einmal eine Rede, in der er Eros lobt. Durch diese drei Reden wird es Sokrates möglich, mit Phaidros über die Redekunst zu sprechen. In diesem Gespräch zeigt sich, daß Sokrates mit der Ausübung der Rhetorik zu seiner Zeit unzufrieden ist. In der Konversation mit Phaidros wird eine Art Regelwerk für die wahre Redekunst entwickelt. Dabei ist wichtig festzuhalten, daß Sokrates sich mit der `Rede` zwar primär auf deren „gesprochene, improvisierte oder vorbereitete, monologische oder dialogische“1 Form bezieht, deren „geschriebenes `Abbild`“2 dabei aber nicht ausschließt.3

2.2 Die Regeln für eine „neue“ Redekunst

Der erste Punkt, den Sokrates an der bestehenden Redekunst kritisiert, ist die gängige Auffassung, daß der Redner nicht mit der Wahrheit des Themas der Rede vertraut sein müsse, sondern lediglich mit dem, was der Menge als wahr erscheint (259 B – 262 B). Sokrates sieht das Wissen über den Gegenstand der Rede aber als die Voraussetzung, überhaupt etwas über diese Sache sagen zu können. Sokrates zeigt das an einem Beispiel: Wenn ein Redner, aus mangelnder Sachkenntnis, einen Esel für ein Pferd hält, dies den Menschen erzählt, diese ihm glauben und somit sowohl vom Redner, als auch von der Menge etwas Schlechtes für etwas Gutes gehalten wird, kann das verheerende Folgen mit sich führen, besonders auch für das Ansehen der Redekunst selbst, denn die Menschen werden dem Redner nicht mehr glauben können, wenn sich seine Reden als unwahr erweisen. Weiterhin ist die Kenntnis der Wahrheit über eine Sache die Grundvoraussetzung dafür, den Menschen Dinge so darzulegen, wie man es beabsichtigt, als gut oder schlecht. Somit wird es, so Sokrates, dem Redner möglich, die Menschen zu täuschen, ohne sich selbst täuschen zu lassen. Als zweites erachtet es Sokrates als wichtig, die Sache, über die geredet wird genau zu definieren. Er greift dabei auf die Rede des Lysias‘ zurück, der unvermittelt anfing über die Liebe bzw. das Verliebtsein zu reden, ohne zuvor genau geklärt zu haben, was denn eigentlich damit gemeint sei. Besonders bei Dingen, die nicht eindeutig bestimmt werden können, wo Uneinigkeit herrscht, sieht es Sokrates als notwendig, die Sache vorher zu definieren, um genau den Inhalt abzugrenzen. (263 A – 263 C)

[...]


1 Szlezák, Thomas Alexander, Platon lesen, Stuttgart, Bad Cannstatt 1993, S.57.

2 a.a.O., S.57.


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