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Termpaper, 2003, 20 Pages
Author: Roland-E. Schewior
Subject: Sociology - Individual, Groups, Society
Details
Institution/College: Hamburg University of Ecomomy and Policy
Tags: Rahmenbedingungen, Schwierigkeiten, Integration, Russlanddeutscher, Sozialpsychologie, Sozialisationstheorie
Year: 2003
Pages: 20
Grade: 1,0
Bibliography: ~ 17 Entries
Language: German
ISBN (E-book): 978-3-638-32328-4
File size: 257 KB
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Excerpt (computer-generated)
Rahmenbedingungen und Schwierigkeiten der
Integration jugendlicher Russlanddeutscher
von: Roland-E. Schewior
Inhaltsverzeichnis
I. Einleitung 1
1. Begriffliche Grundlegung 1
2. Historischer Hindergrund 3
3. Rechtlicher Status und Legitimation 4
II. Motive der Aussiedlung 5
1. Bisherige Lebensbedingungen 5
2. Hoffnungen und Erwartungen 6
III. Entwicklung der Aussiedler- und Integrationspolitik sowie des öffentlichen Meinungsbildes 8
IV. Integrationsschwierigkeiten und ihre Ursachen 10
1. Vorgefundene gesellschaftliche Rahmenbedingungen 11
2. Mitgebrachte Voraussetzungen der Aussiedler 11
2.1 Sprache 12
2.2 Ausbildungsstandard 12
2.3 Wertorientierung und sozio-kulturelle Prägung 13
V. Schlussbetrachtung und Ausblick 15
Literaturverzeichnis 17
I. Einleitung
Die vorliegende Arbeit beschäftigt sich mit den Rahmenbedingungen und Schwierigkeiten der Integration von Aussiedlern1 in Deutschland. Die Betrachtung erfolgt am Beispiel von jugendlichen2 Russlanddeutschen3, die aufgrund einer angeblichen Verweigerungshaltung gegenüber Integrationsbemühungen unserer Gesellschaft zunehmend in die Kritik geraten. In der öffentlichen Diskussion mangelt es allerdings dabei oft an einer vollständigen Berücksichtigung der Rahmenbedingungen, die zu den Integrationsschwierigkeiten führen.
Die Arbeit beginnt mit einer Definition des Integrationsbegriffs, einem knappen Exkurs über den historischen Hintergrund sowie den rechtlichen Status der Russlanddeutschen. Danach wird auf die Motive der Aussiedlung eingegangen, um eine Diskrepanz zwischen Hoffnungen und Erwartungen vor der Aussiedlung und der danach erfahrenen Realität erkennen zu können. Im Anschluss daran erfolgt eine Betrachtung der derzeitigen Aussiedler- und Integrationspolitik der deutschen Behörden. Abschließend werden Integrationsschwierigkeiten und ihre Ursachen erörtert.
1. Begriffliche Grundlegung
Im umgangssprachlichen Gebrauch wird der Begriff der Integration meist als Synonym für das Wort Eingliederung verwendet und in erster Linie als Zustand nach einem gewollten oder ungewollten Einfügen eines Einzelnen in eine Menge, die aus mindestens zwei Subjekten besteht, verstanden. Eine allgemeiner gehaltene Definition findet sich u.a. in einem der populären Nachschlagewerke, der den Integrationsbegriff als „Eingliederung in ein größeres Ganzes“4 beschreibt.
In der fachsprachlichen Verwendung gibt es ebenso wie im umgangssprachlichen Gebrauch vieldeutige Definitionsansätze. Allerdings wird Integration hier im Gegensatz zum umgangssprachlichen Verständnis eher als gesellschaftlicher Prozess -eines Annäherungsvorgangs zwischen Mehrheiten- und Minderheitengruppen- verstanden. Jener gesellschaftliche Prozess kann sich durch einen hohen Grad an harmonischer, konfliktfreier Zueinanderordnung der verschiedenen Elemente wie Rollen, Gruppen, Organisationen etc. auszeichnen. Für die Behandlung des vorliegenden Integrationsthemas kann eine weitere Definitionsvariante5 Gültigkeit haben, die Integration als Prozess einer erzieherischen Eingliederung bzw. erzwungenen Anpassung von Personen oder Gruppen an allgemein verbindliche Wert- und Handlungsmuster versteht. Die Frage, ob demnach Integrationsbemühungen stets als alleinige Anpassungsverpflichtung einer Minderheit gegenüber einer Majoritätsgesellschaft verstanden werden sollte, scheint derzeit nach weitläufiger Auffassung in Deutschland bejaht zu werden. Unbestritten ist, dass Integration sowohl soziale und psychische als auch kulturelle und rechtliche Komponenten aufweist. Wesentliche Merkmale für die Integration jungendlicher Aussiedler sind Sprache, Eingliederung in Schule, Ausbildung und Beruf, aber auch die Akzeptanz von Einheimischen. Kossolapow6 unterscheidet vier Integrationsphasen im Zusammenhang mit der Aufenthaltsdauer eines Aussiedler- Jugendlichen:
1. Erste Integrationsphase (0-1 Jahr Aufenthaltsdauer)/ sog. Einstiegsphase: gekennzeichnet durch hohe, z.T. unrealistische Erwartungshaltungen, Konsumdefizit, Fehlen einer eigenen materiellen Basis, soziokulturelle und psychosoziale Verunsicherung, konkurrierende Lebensentwürfe;
2. Zweite Integrationsphase (2-3 Jahre)/ sog. Kontaktnahmephase: gekennzeichnet durch schulische und berufliche Anknüpfung, vermehrten Umgang mit Einheimischen, erweiterte realitätsbezogene Einschätzung von Mitteln und Möglichkeiten, erhöhtes eigenes Bemühen um Anschlussgewinnung, allerdings existieren noch sog. Anpassungsimperative ( d.h. „etwas tun wollen“);
3. Dritte Integrationsphase (4-5 Jahre)/ sog. Einbezugsphase: gekennzeichnet durch örtliche, schulische, berufliche Konsolidierung, eine gewisse Vertrautheit mit den Einheimischenverhältnissen, mögliche kritische Reaktionen, Erfahrung struktureller Bedingungen, Erkennen von Grenzen des eigenen Bemühens auf der Basis sog. subkultureller Vorerfahrungen;
4. Vierte Integrationsphase (> 5 Jahre)/ sog. Identitätsfindungsphase: unter Bejahung der Herkunftsbedingungen ist sie gekennzeichnet durch die Herausbildung von typischen Misch-Kultur- Formen, Beibehaltung von hergebrachten Gewohnheiten neben neuen Wertvorstellungen von Zeit, Arbeit, Gemeinschaft usw.; Versuch einer Ausbalancierung der simultanen Lebensprinzipien unter übergeordnete Integrationsgesichtspunkten (z.B. Aufstieg, Demokratie, Glaube/ Religion u.a.). Zur Entwicklung eines Verständnisses über Ausreisemotive und der damit verbundenen emotionalen Faktoren ist die Kenntnis des historischen Hintergrunds von Bedeutung.
2. Historischer Hintergrund
[...]
1 In dieser Arbeit wird aus Vereinfachungsgründen auf eine Differenzierung zwischen weiblichem und männlichem Geschlecht sowie zwischen Aussiedler und Spätaussiedler verzichtet. Es ist davon auszugehen, dass es sich bei der hier behandelten Personengruppe ex definitione um sog. Spätaussiedler handelt. In der wissenschaftlichen Literatur findet nahezu ausschließlich der Terminus Aussiedler Verwendung.
2 Als jugendlich gilt in dieser Arbeit die Altersspanne zwischen 15 und 25 Jahren.
3 Unter dem Begriff Russlanddeutsche werden ex definitione alle deutschstämmigen Personen bezeichnet, die aus dem Gebiet der ehemaligen UdSSR stammen. Dieses Gebiet besteht aus verschiedenen Nationen, wobei auch deutschstämmige Aussiedler aus Kasachstan, Sibirien etc. zu der Gruppe der sog. Russlanddeutschen gezählt werden.
4 Brockhaus Enzyklopädie, Band 10, 19. Auflage, Mannheim 1990, S. 552
5 Brockhaus, a.a.O., S.552
6 L. Kossolapow, Aussiedler Jugendliche: Ein Beitrag zur Integration Deutscher aus dem Osten, Weinheim 1987, S. 67 ff.
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