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Scholarly Paper (Advanced Seminar), 2004, 19 Pages
Author: Peter Faulstich
Subject: Philosophy - Philosophy of the Present
Details
Institution/College: LMU Munich (Philosophie)
Tags: Donald, Davidson, Können, Gründe, Ursachen, Handlungen, Hauptseminar, Kausalität
Year: 2004
Pages: 19
Grade: gut
Bibliography: ~ 7 Entries
Language: German
ISBN (E-book): 978-3-638-32471-7
File size: 224 KB
Davidsons Ereignisbegriff wurde von ihm selbst über Jahre hinweg in seinen Aufsätzen immer wieder modifiziert. Die Diskussion der Ereignisontologie wurde v.a. von Jeagwon Kim angeregt. Deshalb ist Vorsicht im Umgang mit dem Begriff "Ereignis" in Davidsons Philosophie geboten. Viel Spaß beim Lesen!
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Excerpt (computer-generated)
LMU München
Hauptseminar: Kausalität HF: Philosophie
5. Semester
Donald Davidson –
Können Gründe Ursachen von Handlungen sein?
von: Peter Faulstich
1. Einleitung
2. Was ist eine Handlung?
3. Möglichkeiten der Verursachung
3.1 Kausale Erklärung von Ursache und Wirkung
3.2 Gründe als Ursachen
4. Die Kompatibilität von kausaler und rationaler Verursachung – Davidsons anomaler Monismus
5. Einwände und Probleme
„In der Philosophie sollte man diesen Zusammenhang sicherlich geheimnisvoll finden“ (Hampshire)
Zunächst möchte ich die Aufgabenstellung eingrenzen, indem ich relevante Aufsätze nenne, die Donald Davidson zu diesem Thema veröffentlicht hat und die für diese Hauptseminararbeit verwendet wurden. Im Wesentlichen sind dies 3 Aufsätze:
1. Handlungen, Gründe und Ursachen (1963)
2. Geistige Ereignisse (1970)
3. Handeln (1971)
Im ersten Aufsatz „Handlungen, Gründe und Ursachen“ findet sich die Antwort auf die Ausgangsfrage, ob Gründe wirklich Ursachen von Handlungen sein können. Da die Argumentation von Davidson sich plausibler und vollständiger unter Hinzunahme weiterer, zeitlich später verfasster Aufsätze gestaltet, werden diese ebenfalls herangezogen, vor allem die beiden Aufsätze „Geistige Ereignisse“ und „Handeln“ sollten Davidsons Argumentation weiter erhellen. Weitere hier zitierte Primärtexte von Davidson sowie verwendete Sekundärliteratur finden sich im Literaturverzeichnis im Anhang dieser Arbeit.
1. Einleitung
Die auf den ersten Blick trivial erscheinende Feststellung, dass Gründe Ursachen von Handlungen sein können, ist, wie so manches in der Philosophie, eine These, die im Alltagsgebrauch der Sprache gewöhnlich nicht zur Disposition steht. Donald Davidson schlägt sich in dem Diskurs der philosophischen Handlungstheorie auf die Seite des Common sense. In seinem 1963 veröffentlichten Aufsatz „Handlungen, Gründe und Ursachen“ plädiert er dafür, dass die Angabe eines Grundes einer Handlung im Sinne einer Rationalisierung, eine Form der kausalen Erklärung sei (vgl. 1963, S.19).
Worin besteht grundsätzlich der Unterschied zwischen einem Grund und einer Ursache? Die fundamentale Differenz ist die Anwendung der Begriffe auf verschiedenartige Wirkursachen. Zum einen ist ein Grund etwas, das einem Subjekt als Legitimation einer Handlung zugeschrieben werden kann und diese somit verstehbar werden lässt. Gründe nachzuvollziehen bedeutet Interpretation. Hingegen bezieht sich der Begriff der Ursache auf eine abgeschlossene physikalische Welt, in der im Idealfall präzise Vorhersagen getroffen werden können. Gründe erfordern die Methode der Hermeneutik und Ursachen fallen in den Zuständigkeitsbereich der Naturwissenschaften, oder man kann diese Differenzen auch als den Unterschied von Verstehen und Erklären beschreiben. Eben jene weitreichende Unterscheidung geht wesentlich auf W. Dilthey im 19. Jahrhundert zurück, der diesen Sachverhalt auf eine griffige Formel brachte: „Die Natur erklären wir, das Seelenleben verstehen wir.“1 Im Folgenden soll nun erst einmal geklärt werden, was Davidson unter einer Handlung versteht und wie diese in einem kausalen Verhältnis stehen kann. Sind die Relata einer Handlung ausfindig gemacht, kann man sich der Möglichkeit der Verursachung widmen. Davon findet man zwei Arten, nämlich kausale Erklärungen einer Verursachung auf der Ebene der physikalischen Welt und eine mentale Verursachung im Sinne einer Rationalisierung einer Handlung durch Gründe. Sollen Gründe eine Form kausaler Erklärungskraft besitzen, müssen sie allgemeinen strikten Gesetzen folgen. Wie das möglich sein soll, ohne das mentale Vokabular dem präziseren physischen Vokabular zu opfern, d.h. auf dieses zu reduzieren, das ist unter anderem der Aufgabenbereich seines Anomalen Monismus, der Versuch die Beziehung zwischen Geistigem und Physischem zu veranschaulichen.
2. Was ist eine Handlung?
Es gibt Ereignisse, die wir als Handlung bezeichnen und solche, lediglich Geschehnisse, bei denen wir dies nicht tun. Nach Davidson kann eine ziemlich genaue Menge von Ereignissen bestimmt werden, die Handlungen sind (vgl. 1971, S.74).
Gesucht wird zunächst nach einem Kriterium, das eine Unterscheidung zwischen einem Ereignis und einer Handlung liefern kann. „Er blinzelte, kullerte aus dem Bett, machte das Licht an, hustete, schwitzte, verschüttete den Kaffee und stolperte über den Teppich“ (1971, S.75). Das sind Vorgänge, bei denen wir uns in dieser aus dem Kontext gerissenen Darstellung im Unklaren darüber sind, ob sie Handlungen sind, da wir z.B. nicht wissen, ob jemand in einer bestimmten Absicht blinzelt oder, ob das Blinzeln ungewollt stattfindet. Zweifelsohne haben diese Beschreibungen in entsprechenden Kontexten das Potenzial eine Handlung zu sein, aber was fehlt, sind weitere Informationen über diese Ereignisse. Hat der oder diejenige absichtlich geblinzelt, gehustet und ist über den Teppich gestolpert? Als Kandidaten, der als Distinktion von Handlung und bloßem Geschehnis fungieren könnte, führt Davidson die Absicht ins Feld. Allerdings ist es nicht hinreichend für eine Handlung, eine Absicht zu haben, denn Absichtlichkeit impliziert zwar Handeln, jedoch muss es umgekehrt nicht gelten, d.h. von einer Handlung kann man unter Umständen auch dann sprechen, wenn keine Absicht vorliegt. Dabei unterscheidet Davidson zwischen 3 Szenarien einer Handlung. Als Beispiel nennt er u.a. das Verschütten eines Kaffees, das er in drei möglichen Szenarien darstellt. In allen drei Fällen sprechen wir normalerweise von einer Handlung. Erstens besteht die Möglichkeit, dass jemand fälschlicherweise der Meinung ist, in seiner Tasse befinde sich Tee und diese eben absichtlich verschüttet, dann ist das Teeverschütten intendiert, aber nicht das Kaffeeverschütten.
[...]
1 zitiert nach: Sandkühler Hans Jörg, Enzyklopädie Philosophie, Meiner, 1999, Bd. 2, S.1698
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