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Annette von Droste-Hülshoffs "Der Erzbischof Engelbert von Köln" - Adaption und Interpretation von Quellen am Beispiel der historischen Ballade

Termpaper, 2004, 18 Pages
Author: Linda Giesecke
Subject: German Studies - Modern German Literature

Details

Category: Termpaper
Year: 2004
Pages: 18
Grade: 1,7
Bibliography: ~ 9  Entries
Language: German
Archive No.: V31607
ISBN (E-book): 978-3-638-32548-6

File size: 230 KB


Excerpt (computer-generated)

Universität Trier
Fachbereich II – Germanistik
PS III „Annette von Droste-Hülshoff“
2. Fachsemester

Annette von Droste-Hülshoffs "Der Erzbischof Engelbert von Köln" -
Adaption und Interpretation von Quellen
am Beispiel der historischen Ballade

von: Linda Giesecke

 

Inhaltsverzeichnis

1. Einleitung 1

2. Zur Entstehung der Ballade 1

3. Angewandte Quellen und deren Umsetzung 2

3.1. Caesarius als allgemeine Grundlage 2
3.2. Montanus d. i. Vincenz Jacob von Zuccalmaglio 3
3.3. Friedrich Rautert 4
3.4. Johann Friedrich Knapp 5
3.5. Umsetzung 5

4. Balladenanalyse 6

4.1. Form und Aufbau 6
4.2. Die Rolle der Natur in der Ballade 8
4.3. Die Stellung der Protagonisten 9
4.4. Rhetorische Mittel und Stil 11
4.5. Ziele der Annette von Droste-Hülshoff 12

5. Interpretation 13

6. Schluss 15

7. Literatur 16



 

1. Einleitung

Annette von Droste-Hülshoff verfasste im Frühjahr des Jahres 1841 die Ballade „Der Tod des Erzbischofs Engelbert von Köln“. Als Basis für das Werk galten die historischen Überlieferungen zur Ermordung des Erzbischofs Engelbert, Graf von Berg, am 7. November 1225 im Wald bei Gevelsberg. Die Motivation zu diesem Stück und weiteren westfälischen Balladen erhielt sie durch den befreundeten Levin Schücking. Veröffentlicht wurde die Ballade dann in dem Sammelband „Das malerische und romantische Westphalen“, herausgegeben von Ferdinand Freiligrath und Levin Schücking. Droste-Hülshoff setzte sich mit der Thematik auseinander, indem sie mehrere Quellen über die Geschehnisse als Grundlage bearbeitete. Im Kern dieser Arbeit liegt die Beschäftigung mit der Art und Weise, mit der Annette von Droste-Hülshoff Quellen bearbeitete, sowie die Frage, in welchem Verhältnis die Realität bzw. die Überlieferungen eine Rolle für die Ballade spielten.

2. Zur Entstehung der Ballade

Die vorliegende Ballade wurde von Droste-Hülshoff während der Epoche der Restaurationszeit - also zu Beginn des 19. Jahrhunderts - verfasst, genau genommen zwischen dem 23. April und dem 30. Mai des Jahres 1841. Zu den Idealen dieser Zeit gehörten das „Leben“ und die „Wirklichkeit“, das Weltbild war kritisch und konservativ. Diese Eigenschaften spiegeln sich auch in Drostes Umgang mit dem Stoff zur Konzeption der Ballade wieder. Zu ihren Zielen gehörte, aus den vorhandenen Quellen die Stellen zu exzerpieren, welche Strukturen und Inhalte des historischen Kontexts konzentriert beinhalteten. Gleichzeitig bemühte sie sich um eine sensationelle Darstellung, um das Interesse des Lesers zu wecken und zu erhalten (Woesler, 1997, S. 1395). In diesem Zeitraum spielte auch die in England entwickelte Rheinromantik eine bedeutende Rolle, es entstand das Bild eines romantischen und malerischen Deutschlands. Ideale Landschaften in bestimmten Regionen, hier ein düsterer Wald in Westfalen, wurden in Balladen mit regional-historischen Überlieferungen verknüpft (Klein, 1988, S. 244). Dies ist eindeutig auch in „Der Tod des Erzbischofs Engelbert von Köln“ der Fall. Zwar scheint hier in erster Linie die Darstellung der historischen Umstände im Vordergrund zu stehen, doch gelingt es Annette von Droste-Hülshoff, diese sehr geschickt mit den Naturidealen und Regionaldarstellungen zu verknüpfen. Dieser Aspekt wird später genauer analysiert. Bei der Bearbeitung des Themas kam es bei Droste-Hülshoff auch zu einem Bewusstseinswandel. So entschied sie sich entgegen ihrer vorhergegangenen Werke gegen eine Gespenster- oder Schauerballade und für eine historische Ballade. Dies fällt auf bei der Betrachtung des Titelwandels: Ursprünglich sollte die Ballade nach „Friedrich von Isenberg“ benannt werden, jedoch schien der Autorin der Graf von Berg, der es immerhin zum Erzbischof gebracht hatte, als Titelfigur geeigneter (Klein, 1988, S. 247). Dennoch löste sich Droste-Hülshoff bei ihren Balladen für das „Malerische und romantische Westphalen“ nicht völlig von ihren vorherigen Idealen, und so können die Balladen als eine Synthese von Schaurigem und Schicksalhaftem betrachtet werden. Es handelt sich um historische Schicksalsballaden, die ein Stück westfälischer Geschichte aufgreifen und gestalten. Das historische Geschehen wird hierbei im Sinne des Schuld-Sühne-Denkens der Annette von Droste-Hülshoff perspektiviert (Schneider, 1995, S. 85). Typisch für die Droste-Hülshoffschen Balladen ist die Kombination von balladeskem Schauer, psychologisch-realistischer Perspektivierung und religiösem Sinnbezug, von schicksalshafter Fügung, numinosem Walten einer verborgenen Gerechtigkeit und ethischem Handlungsappell (Schneider, 1995, S. 90). Diese Kriterien sind alle in der vorliegenden Ballade zu finden und scheinen also wegweisend für Droste-Hülshoffs Konzept der Ballade gewesen zu sein.

3. Angewandte Quellen und deren Umsetzung

Annette von Droste-Hülshoff verfolgte mit der Konstruktion ihrer Ballade die Intention, eine neutrale und aufklärende Wiedergabe der Ereignisse zu schaffen. Um größtmögliche Authentizität zu erreichen, setzte sie sich ausführlich mit der Problematik der Geschehnisse von 1225 auseinander. Sie befasste sich mit mehreren unterschiedlichen Quellen, die über die Umstände und den Mord berichten. Zu den ersten Belegen der Ermordung zählen die Werke von Abt Emo von Werum, Gottfried von Köln und Caesarius von Heisterbach. Für Droste-Hülshoff waren offenbar die Arbeit des Letzteren und die auf seiner Arbeit aufbauenden späteren Werke von Montanus, Knapp und Rautert am wichtigsten (Woesler, 1997, S. 1371). Daher beschäftigt sich diese Arbeit ausschließlich mit diesen Werken.

a. Caesarius als allgemeine Grundlage

Als Zeitzeuge Engelberts zählt der Cisterziensermönch Caesarius von Heisterbach zu einem der wenigen, die sich schon kurze Zeit nach der Tat mit der Thematik auseinandersetzten und darüber berichteten. Caesarius schrieb Engelberts Biographie, die „Vita Engelberti“. Den Auftrag hierzu erhielt er im Jahre 1226 durch den neuen Erzbischof. Er sollte „die Taten und Wunder Engelberts“ aufzeichnen (Klein, 1988, S. 253). Da hiermit die Heiligsprechung Engelberts angestrebt wurde, kann man bei der „Vita Engelberti“ von einer apologetischen Schrift der Kölner Kirchenpartei sprechen. In Anbetracht der Glaubwürdigkeit der Angaben lässt sich hier also wenig Objektivität aufweisen. Der Tod Engelberts wurde im Rahmen einer Heiligenvita stilisiert und musste somit alle Züge einer grausamen Abschlachtung erhalten, um die Heilige Schrift zu erfüllen. So lassen sich auch eindeutig Parallelen zur Bibel aufweisen: Aufgrund eines Pfiffs von Herenbert Rennekoies hin wird Engelbert angegriffen. Verteidigt wird er von Konrad von Dortmund; vergleichbar hierzu ist, wie Petrus das Schwert für den Herren ziehen will. Daraufhin fliehen jedoch alle, und hier macht Langosch aufmerksam auf Mt. 26,56: „Da verließen ihn alle Jünger und flohen“ (Klein, 1988, S. 254). Annette von Droste-Hülshoff scheint nun diese Hintergründe zu kennen und den überlieferten Tatsachen mit Vorsicht gegenüber zu treten. So heißt es beispielsweise in der Droste-Hülshoff-Ballade, dass Engelbert während des Angriffs mutig und männlich am Buchenstamme stehe und noch prüfend nach seinen Waffen greife (Strophe XIII, 5 bis XIV, 7). Diese Art von Heroismus ist bei Caesarius allerdings nicht auffindbar; in seinen Ausführungen kriecht Engelbert am Boden und versucht zu fliehen (Klein, 1988, S. 254). Beide versuchen mit unterschiedlichen Methoden, die Position des Ermordeten aufzuwerten, ihm Anerkennung zu verschaffen. Caesarius lässt Engelbert in seiner Hagiographie als Märtyrer ehrenvoll sterben, während Annette von Droste-Hülshoff ihn offensichtlich als einen mutigen Helden darstellen möchte.

[...]


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