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Scholary Paper (Seminar), 2004, 28 Pages
Author: Magistra Artium Denise Demnitz
Subject: Sociology - Social System, Social Structure, Class, Social Stratification
Details
Institution/College: Martin Luther University (Institut für Soziologie)
Tags: Consensus“, Debatte, Thesen, John, Williamson, Auseinandersetzung, Joseph, Stiglitz, Seminar, Globalisierung, Weltgesellschaft, Ungleichheit
Year: 2004
Pages: 28
Grade: 2,7
Bibliography: ~ 16 Entries
Language: German
ISBN (E-book): 978-3-638-32572-1
ISBN (Book): 978-3-638-68720-1
File size: 321 KB
In dieser Arbeit geht es um die Auseinandersetzung mit dem Konzept des Washington Consensus, wie er von John Williamson beschrieben wurde, mit den Thesen von Joseph Stiglitz. Im ersten Kapitel wird dabei auf die Elemente des Washington Consensus und ihre Bewertung durch Williamson eingegangen. Das zweite Kapitel beinhaltet die Kritik Stiglitz am Konzept sowie seine Vorschläge zur Weiterentwicklung des Konzeptes zum Post-Washington-Consensus hin.
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Abstract
In dieser Arbeit geht es um die Auseinandersetzung mit dem Konzept des Washington Consensus, wie er von John Williamson beschrieben wurde, mit den Thesen von Joseph Stiglitz. Im ersten Kapitel wird dabei auf die Elemente des Washington Consensus und ihre Bewertung durch Williamson eingegangen. Das zweite Kapitel beinhaltet die Kritik Stiglitz am Konzept sowie seine Vorschläge zur Weiterentwicklung des Konzeptes zum Post-Washington-Consensus hin.
Excerpt (computer-generated)
Martin-Luther-Universität Halle-Wittenberg
Fachbereich Geschichte, Philosophie und Sozialwissenschaften
Seminar: Globalisierung, Weltgesellschaft und soziale Ungleichheit
Fachsemester: 7
Der „Washington Consensus“ -
Die Debatte um die Thesen von John Williamson
in Auseinandersetzung mit Joseph Stiglitz
von: Denise Demnitz
Inhaltsverzeichnis
EINLEITUNG 4
1 DER „WASHINGTON CONSENSUS“ NACH JOHN WILLIAMSON 7
1.1 DIE KRITERIEN DES WASHINGTON CONSENSUS 7
1.1.1 Finanzdefizite 8
1.1.2 Die Prioritäten der Staatsausgaben 8
1.1.3 Steuerreform 10
1.1.4 Finanz(markt)liberalisierung 10
1.1.5 Wechselkurse 11
1.1.6 Handelspolitik 12
1.1.7 Ausländische Direktinvestitionen 12
1.1.8 Privatisierung 13
1.1.9 Deregulierung 14
1.1.10 Eigentumsrechte 14
1.2 WILLIAMSONS BEURTEILUNG DER KRITERIEN DES WASHINGTON CONSENSUS 15
2 STIGLITZ’ AUSEINANDERSETZUNG MIT DEM „WASHINGTON CONSENSUS“ 18
2.1 STIGLITZ’ KRITIK AM WASHINGTON CONSENSUS 18
2.2 VERBESSERUNGSVORSCHLÄGE VON STIGLITZ 23
ZUSAMMENFASSUNG UND AUSBLICK 26
LITERATURVERZEICHNIS 29
Einleitung
„Die Globalisierung … kann eine segensreiche Kraft sein, und sie birgt das Potential in sich, den Wohlstand aller Menschen auf dem Planeten zu steigern.“ (Stiglitz 2002b, 7) Jedoch hat die Globalisierung in den Entwicklungsländern weder die Armut verringert noch Stabilität gewährleistet. Krisen in Lateinamerika und Asien stellen eine Bedrohung für die Stabilität anderer (Entwicklungs-)Länder dar, Ängste von weltweiten Finanzkrisen breiten sich aus und damit ein Bild von der Bedrohung der gesamten Weltwirtschaft. Die von Joseph Stiglitz formulierte Kritik am Globalisierungsprozess drückt eine Sichtweise aus, wie sie in den Entwicklungsländern seit längerer Zeit existiert, neu ist die Aufmerksamkeit der Probleme in den westlichen Ländern. Er argumentiert, dass für das Zusammenleben aller Menschen auf der Erde in einer „globalen Schicksalsgemeinschaft“ (Stiglitz 2002b, 13) die mit den bisherigen Globalisierungsprozessen noch nicht erfolgte Abschaffung von Ungleichheiten nötig ist.
Die Wahrnehmung der weltweiten Entwicklung hin zu immer größer werdenden Armut und der (empirisch mehr oder weniger) zunehmenden Ungleichheiten äußert sich nicht mehr nur in Unruhen in Entwicklungsländern sondern auch besonders medienwirksam in militanten Ausschreitungen von Globalisierungsgegnern zu Weltwirtschaftsgipfeln und anderen Ereignissen. Sie sind seit dem „Interkontinentalen Treffen gegen Neoliberalismus und für die Menschheit“ im Juli 1996 in Chiapas aktiv, wo 3.000 Menschen aus 54 Ländern zusammenkamen. Einen Höhepunkt der Auseinandersetzungen stellte der Juli 2001 dar, wo 200.000 Demonstranten zum Protest gegen die Politik der G8-Staaten durch die Straßen von Genua zogen. Bei gewalttätigen Auseinandersetzungen lieferten sich mehrere tausend Demonstranten eine blutige Straßenschlacht mit der Polizei, wobei am 20. Juli 2001 der Italiener Carlo Giuliani durch eine Polizeikugel starb (siehe auch Baus/Wilamowitz-Moellendorff 2004, 13 ff.). Die Kritik der Globalisierungsgegner richtet sich vorrangig gegen die Politiken der Weltbank, des Internationalen Währungsfonds (IWF) und die Welthandelsorganisation (WTO), die damit als das Ursache der weltweiten Ungleichheiten identifiziert werden. Diese Politiken werden als demokratisch nicht legitimiert mit negativen Auswirkungen globaler Tragweite angesehen. Außerdem würden die internationalen Finanzorganisationen von den Industrieländern als Instrumente zur Unterdrückung und Ausbeutung der Entwicklungsländer benutzt (vgl. Baus/Wilamowitz-Moellendorff 2004, 20; Stiglitz 2002b, 35). Stiglitz beschreibt die Politikinstrumente der internationalen Finanzorganisationen mit den Schlagworten Liberalisierung, Privatisierung und Stabilisierung und fasst sie unter dem Ausdruck des „Washington Consensus“ („Konsens von Washington“) zusammen (Stiglitz 2002a, 1).
Der Ursprung des Begriffs des Washington Consensus liegt bei John Williamson, der ihn das erste Mal in dieser Art 1990 mit seinem Artikel „What Washington Means by Policy Reform“ etablierte. Dieser Konsens umfasst standardisierte Antworten auf die Probleme der Entwicklungsländer in zehn Politikempfehlungen, wie sie von (meinungs)führenden Washingtoner Organisationen wie dem IWF und der Weltbank vertreten werden (vgl. auch Bundeszentrale für politische Bildung 2003, 36 f.; Sehring 2003, 3). Als bedeutendste dieser Empfehlungen können die Privatisierung öffentlicher Unternehmen und Dienstleistungen, die Liberalisierung des Außenhandels und die Deregulierung der nationalen Wirtschaft angesehen werden. Die Umsetzung dieser Empfehlungen erfolgt in den Entwicklungsländern meist unter erheblichem Druck des IWF, besonders während Finanzkrisen. Die Zahlung von Notfallkrediten z. B. kann an die Umsetzung des Rates des IWF gebunden werden. Verschiedene Krisen auf der Welt (wie Asien-, Russland- und Lateinamerikakrise) weisen auf die Ineffizienz der von IWF und Weltbank verfolgten Politikinstrumente des Washington Consensus hin. Joseph Stiglitz, Chefvolkswirt und Vize-Präsident der Weltbank von 1997 bis 2000, zeigt auf, dass es kaum gelungen ist, die Ziele des Washington Consensus zu erreichen. Es kam unter anderem weder zur Senkung der weltweiten Armut, noch zur Steigerung des Wirtschaftswachstums in Entwicklungsländern und Schwellenländern (vgl. Stiglitz 2002a, 1; Stiglitz 2002b, 20; Bundeszentrale für politische Bildung 2003, 36 f.). Aus seiner Kritik am Washington Consensus entwickelt er Vorschläge und Ideen für die Weiterentwicklung dieses Konzeptes. Er fordert die Umstrukturierung der Politik insbesondere des IWF, die Konzentration des IWF auf Kernaufgaben und die Ausrichtung der Maßnahmen der internationalen Organisationen hin zur Bekämpfung von Armut. Das beinhaltet die partnerschaftliche Zusammenarbeit von Markt und Staat und die Transparenz und Mitbestimmung der betroffenen Ländern. Er begründet die Notwendigkeit einer Verschiebung der Kernpunkte der Politik der internationalen Organisationen auf die Armutsbekämpfung nicht nur aus moralischer Sicht sondern auch in Hinsicht auf die Nachhaltigkeit des Planeten und das Überleben der Menschheit. Seiner Meinung nach zeigt die Verbreitung des Terrorismus die Bedrohung der Menschheit besonders deutlich. Er richtet sich vor allem gegen die Industrienationen, gegen die, die von der Globalisierung profitieren.
Mit seiner Argumentation zeichnet er den Beginn der Verlagerung des Konzeptes des Washington Consensus, wie er von John Williamson beschrieben wurde und dem Konzept einer „menschlicheren“ Globalisierung (Stiglitz 2002b, 288). Es ist möglich, dabei von einem Paradigmenwechsel auszugehen (vgl. Gore 2000; Sehring 2003; Müller 2002, 126). Die Verschiebung der Perspektive von makroökonomischen Faktoren im Mittelpunkt hin zur Armutsbekämpfung fundiert Stiglitz theoretisch mit der Leitidee, dass Märkte aufgrund ungleicher Informationsverteilung nicht perfekt funktionieren können. Dabei kommt es zu einem Übergang vom neoklassischen Gleichgewichtsmodell zu einer neokeynesianischen Denkrichtung, in der Institutionen eine entscheidende Rolle spielen (vgl. Sehring 2003, 16; Stiglitz 2001). In Folge dessen kann man die Etablierung eines sogenannten Post-Washington-Consensus vermuten. Diskussionen um diesen neuen Ansatz drehen sich einerseits darum, welche Elemente er enthalten sollte. Andererseits wird die Frage aufgeworfen, ob bei der Entwicklung der neuen Politikinstrumente von Weltbank und IWF von einem neuen Paradigma des Post-Washington-Consensus ausgegangen werden kann oder ob es sich lediglich um eine Public-Relations-Aktion dieser Institutionen handelt (vgl. Sehring 2000, 95 ff.; Müller 128 f.). In dieser Arbeit geht es um die Auseinandersetzung mit dem Konzept des Washington Consensus, wie er von John Williamson beschrieben wurde, mit den Thesen von Joseph Stiglitz. Im ersten Kapitel wird dabei auf die Elemente des Washington Consensus und ihre Bewertung durch Williamson eingegangen. Das zweite Kapitel beinhaltet die Kritik Stiglitz’ am Konzept sowie seine Vorschläge zur Weiterentwicklung des Konzeptes zum Post-Washington-Consensus hin.
1 Der „Washington Consensus“ nach John Williamson
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