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Intermediate Examination Paper, 2004, 13 Pages
Author: Kathrin Rosi Würtz
Subject: German Studies - Miscellaneous
Details
Institution/College: University of Bonn (Germanistisches Seminar)
Tags: Genuss, Hans, Robert, Jauß, Proseminar
Year: 2004
Pages: 13
Grade: 1
Bibliography: ~ 1 Entries
Language: German
ISBN (E-book): 978-3-638-32627-8
File size: 100 KB
Die vorliegende Arbeit beinhaltet meine Zwischenprüfung zum Thema "Ästhetik" im Sommersemester 2004. 6 Seiten ausformulierte Klausur, Rest Notizen
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Excerpt (computer-generated)
Ästhetischer Genuss bei Hans Robert Jauß
von: Kathrin Rosi Würtz
Fragestellung in der Klausur:
• Theorie des Genusses als elementare Form ästhetischer Erfahrung im Gegensatz zum herkömmlichen Genuss
• Kritik an Adorno
Aus einer älteren Klausur:
• Theorie des Genusses für die Konstruktion der ästhetischen Erfahrung Unterschied von Genuss und ästhetischem Genuss Wie wird ästhetischer Genuss bei der Analyse von Spleen II berücksichtigt?
Ausformulierte Klausur:
Die grundlegende Annahme Jauß bei seiner Beschreibung des ästhetischen Genusses ist der Selbstgenuss im Fremdgenuss. Wie Jauß dies in seiner Theorie der ästhetischen Praxis in Bezug auf die ästhetische Erfahrung näher ausführt, ist im Folgenden Thema meiner Darstellung. Des weiteren ist die Erläuterung des ästhetisch genießenden Verhaltens, das sowohl Freisetzung von und für etwas ist, anhand der ästhetischen Grundfunktionen der Poiesis, Aisthesis und Katharsis mein Anliegen. Als erster Anknüpfungspunkt dient die Antwort auf die Frage, wie sich ästhetischer Genuss als elementare Form ästhetischer Erfahrung vom einfachen Genuss unterscheide und wie Jauß diese Unterscheidung in seiner Rezeptionsästhetik verankert. Der einfache Genuss ist demnach die sinnlich unmittelbare Hingabe des Ichs an ein Objekt. Dies wiederum beschreibt einen Zustand des Genusses in Isolation und ohne Bezug zu seiner Umwelt, d.h. das Ich geht quasi im Genuss auf, ohne sich in Relation zum Objekt setzen zu wollen. Ästhetisches Genießen jedoch, so Jauß, setze eine Art Wechselspiel zwischen Subjekt und Objekt voraus, z.B. zwischen dem Leser und der gelesen Literatur. Daraus folgt, dass sich ästhetisches Genießen am fern gestellten Gegenstand nicht, wie z.B. Adorno postuliert, am interesselosen Wohlgefallen mit der Bestimmung der ästhetischen Distanz allein festmacht. Für Jauß wird der fern gestellte Gegenstand bzw. der aus dem Alltag des Betrachters herausgenommene Gegenstand, vielmehr gerade nicht interesselos betrachtet, sondern vom genießenden Betrachter als imaginäres Objekt von diesem produziert. Die eingangs erwähnte Freisetzung von und für etwas ist in diesem Zusammenhang mit der Loslösung des Betrachters aus den Interessen und Verstrickungen seiner Alltagswelt zu erklären. Außerdem findet die ästhetische Erfahrung in der Imagination ihre Basis, d.h. durch den Selbstgenuss im Fremdgenuss gewinnt das Subjekt im imaginierten Objekt die ästhetische Freiheit und kann somit sein freies Urteil bilden. Jauß beschreibt den Zustand, in dem der Betrachter oder der Leser von Literatur sein freies Urteil im genießenden Verhalten fällen kann, als eine Hin- und Herbewegung zwischen zwei entgegen gesetzten Polen: Zum einen ist dies der rein mystische Objektgenuss und zum anderen der sentimentale Selbstgenuss des Subjekts. Wird diese Schwebe - wie Giesz diese Einstellung nennt und Jauß diese Bezeichnung in seine Theorie einbindet – aus dem Gleichgewicht gebracht, verfällt der ästhetische Genuss und damit auch seine gesellschaftliche Funktion, Normen des Handelns vermitteln zu können, also die kommunikative Funktion der in der Katharsis liegenden ästhetischen Grunderfahrung. Die Hin- und Herbewegung, in der ästhetischer Genuss sich vollzieht, ist somit zwischen einer „uninteressierten Kontemplation und erprobenden Teilhabe“ zu suchen. Sich im anderen, im gegenüber genießen zu können, setzt beim Rezipienten eine aktive Bereitschaft voraus, an der Konstitution des Imaginären mitzuwirken und die ästhetische Distanz durch ein „Interesse an der Interesselosigkeit“ neu zu definieren.
Jauß Verständnis des ästhetischen Genusses als elementare Form ästhetischer Erfahrung kann demnach auch als Einheit von verstehendem Genießen und genießendem Verstehen betrachtet werden. Die im Laufe der Begriffsgeschichte verloren gegangene Bedeutung gleichzeitiger Teilhabe an etwas und Aneignung von etwas in Zusammenhang mit Genießen ist laut Jauß somit zusammengeführt und bildet wieder eine Einheit. Die Frage, warum genießendes Verstehen für die ästhetische Erfahrung offenbar unveräußerlich und nicht ersetzbar sei, begründet Jauß mit der Erkenntnisleistung des ästhetischen Genießens und dessen Wirkungsmacht im gesellschaftlichen Bereich. Im Gegensatz hierzu steht die Kritik Adornos an der genießenden Erfahrung: Genießen bedeute im heutigen gesellschaftlichen Kontext laut Adorno, die Befriedigung von Konsum- und Kitschbedürfnissen. Seine Bemerkung „Wer an Kunstwerken Genuss suche und finde, sei ein Banause!“ zeugt von einer Ablehnung genießender Erfahrung, die Adorno als ästhetische Ersatzbefriedigung bei der Betrachtung von Kunst außen vorlässt. Ästhetisches Verhalten, das Identifikation mit dem Dargestellten suche, diene allein der Sublimierung und der Affirmation der jeweils Herrschenden, so Adorno. Genießen in der heutigen Zeit wird im Gegensatz zu Arbeiten betrachtet und von Erkennen und Handeln abgesetzt. Vielmehr kann sich ästhetische Erfahrung, jenseits des ästhetischen Genusses, nur auf der höheren Ebene der ästhetischen Reflexion einstellen. Adorno spricht damit der Kunst ihre kommunikative Seite ab, sie bleibt eine vom Rezipienten unabhängige Kunst, die ihren Ursprung in der Gesellschaft negieren muss.
Konträr zur Ästhetischen Theorie nach Adorno kann sich der ästhetische Genuss in der Jauß’schen Theorie der ästhetischen Praxis in den drei Grundfunktionen der ästhetischen Erfahrung entfalten. Die Poiesis, die produktive Seite der ästhetischen Erfahrung, bietet dem Künstler bzw. Autor Genuss am selbst kreierten Werk. Die rezeptive Seite der ästhetischen Erfahrung, die Aisthesis findet den ästhetischen Genuss in der dialektischen Beziehung des erkennenden Sehens und sehendes Wiedererkennens. Erkenntnis kann durch sinnliches Empfinden und Fühlen erlangt werden.
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