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Subtitle: Das frühe Interesse Goethes an der bildenden Kunst
Scholarly Paper (Advanced Seminar), 2004, 34 Pages
Author: Agnieszka Studzinska
Subject: German Studies - Miscellaneous
Details
Institution/College: Ruhr-University of Bochum (Germanistisches Institut)
Tags: Goethe, Zeichner, Maler, Goethe
Year: 2004
Pages: 34
Grade: 1,7
Bibliography: ~ 12 Entries
Language: German
ISBN (E-book): 978-3-638-32706-0
ISBN (Book): 978-3-638-68721-8
File size: 593 KB
Diese Hausarbeit beschäftigt sich mit dem Verhältnis des jungen Goethe (1749-1775) zur bildenden Kunst
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Abstract
Zuerst konzentriert sich der Blick auf die Lebensereignisse des jungen Goethe, in denen er der bildenden Kunst begegnet. Chronologisch sind diese auf das Wichtigste reduziert und wiedergegeben. Als nächstes wendet sich der Text dem Thema zu, welche Möglichkeiten Goethe gehabt hat, in Frankfurt während seiner Kindheit und Jugendzeit der bildenden Kunst zu begegnen und sie zu erfahren. Im Anschluss geht diese Arbeit den Fragen nach: Welche Aufgabe hat Goethe der Kunst zugeschrieben? Warum und wie ist er zu dieser Ansicht gekommen? Dabei wird das Naturverständnis des jungen Goethe zum Thema, da die Beziehung zwischen der Natur und Kunst – nicht nur der bildenden, sondern auch der dichterischen – im künstlerischen Schaffen Goethes eine wesentliche Rolle spielt. Abschließend sind die Zeichnungen des jungen Goethe der hauptsächliche Bestandteil des Arbeitsthemas, um schließlich auf Grund der Motivwahl und Darstellungsweise feststellen zu können, ob er dem Kunstanspruch, den er an die Kunst u. a. selbst gestellt hat, gerecht geworden ist und somit auch nun als „bildender Künstler“ bezeichnet werden kann.
Excerpt (computer-generated)
Ruhr-Universität Bochum
Germanisches Institut
Seminar: Der junge Goethe
6. Semester
Der junge Goethe - auch ein Zeichner und Maler
von: Agnieszka Studzinska
Inhaltsverzeichnis
I. Einleitung S. 1
II. Hauptteil S. 3
1. Wann, wo und wie begegnet der junge Goethe der bildenden Kunst? S. 3
2. Woher das Kunst-Interesse? S. 9
3. Kunst-Natur-Verständnis des jungen Goethe S. 14
4. Der junge Goethe auch ein Zeichner und Maler? S. 20
III. Schlussbetrachtung S. 25
IV. Literaturverzeichnis S. 27
V. Abbildungsverzeichnis S. 28
I. Einleitung
Sowohl das Thema der Kunst als auch das Thema Goethe ist ein sehr breites Feld – um es mit den Worten von T. Fontane auszudrücken. Aus diesem Grund konzentriert sich diese Hausarbeit auf wenige Bereiche (genau vier), die das Verhältnis Goethes zur bildenden Kunst in dem Zeitraum von 1749-1775 veranschaulichen. Folglich ergeben sich die Themengebiete aus der Beobachtung, dass man oft überrascht ist, wenn man erfährt, dass sich Goethe auch (noch) mit der bildenden Kunst befasst hat. Erstaunt ist man erst recht, wenn man erfährt, dass das dichterische Genie auch noch selbst gezeichnet hat. Infolgedessen entstehen Fragen: Wann ist er der Kunst begegnet? In welcher Form hat er sie erfahren? Was, wie, wann und warum hat er gemalt?... Fragen über Fragen, die zu Leitfragen dieser Arbeit geworden sind und auf die diese Arbeit in den folgenden vier Kapiteln Antworten zu geben versucht: Zuerst konzetriert sich der Blick auf die Lebensereignisse des jungen Goethe, in denen er der bildenden Kunst begegnet. Chronologisch sind diese auf das Wichtigste reduziert und wiedergegeben (Kap.1). Als Haupttextquelle benutzt dieses Kapitel die Biographie Goethes von Annette Seemann; außerdem: die 5-bändige Ausgabe Der junge Goethe von Hanna Fischer- Lamberg, so wie die zwei Bücher von Bräuning-Oktavio Herausgeber und Mitarbeiter der Frankfurter Gelehrten Anzeigen 1772 und Wetterleuchten der literarischen Revolution, ferner einzelne Textpassagen aus der selbststilisierenden Autobiographie Goethes Aus meinem Leben. Dichtung und Wahrheit.
Als nächstes wendet sich der Text dem Thema zu, welche Möglichkeiten Goethe gehabt hat, in Frankfurt während seiner Kindheit und Jugendzeit der bildenden Kunst zu begegnen und sie zu erfahren. Dadurch veranschaulicht dieses zweite Kapitel zugleich, was Goethe bereits in seinen jungen Jahren in Bezug auf die Kunst geprägt hat und warum sich infolgedessen seine Kunstinteressen vorwiegend in die Richtung der Landschaftsmalerei, aber auch der Antike entwickelt haben. Als Literaturhilfe, um diese Entwicklung erläutern zu können, stützt sich der Text in erster Linie auf Heinrich Voelkers Buch Die Stadt Goethes. Anschließend geht diese Arbeit den Fragen nach: Welche Aufgabe hat Goethe der Kunst zugeschrieben? Warum und wie ist er zu dieser Ansicht gekommen? Dabei geht dieses Kap.3 genau auf das Naturverständnis des jungen Goethe ein, wobei die Betrachtung der Beziehung zwischen der Natur und Kunst – nicht nur der bildenden, sondern auch der dichterischen – eine wesentliche Rolle spielt und somit näher erläutert wird. Als wissenschaftliche Textgrundlage sind das Buch von Günter Bergmann Goethe der Zeichner und Maler, das Buch J.W. Goethe, Zeichnungen von Petra Maisak und Theodor Hetzlers Goethe und die bildende Kunst benutzt worden, so wie Die Leiden des jungen Werther und wieder einzelne Textstellen der bereits erwähnten Autobiografie Goethes.
Zum Schluss, d.h. im Kap.4, sind die Zeichnungen des jungen Goethe der hauptsächliche Bestandteil des Arbeitsthemas, um schließlich auf Grund der Motivwahl und Darstellungsweise feststellen zu können, ob er dem Kunstanspruch, den er an die Kunst u.a. selbst gestellt hat, gerecht geworden ist und somit auch nun als „bildender Künstler“ bezeichnet werden kann. Für die Betrachtung der zahlreichen Zeichnungen Goethes hat als Quelle hauptsächlich das 10- bändige Werk Gerhard Femmel Corpus der Goethezeichnungen gedient, aber auch das bereits für das vorige Kap.3 verwendete Buch von Petra Maisak J. W. Goethe, Zeichnungen. Zusätzlich wurden einzelne Textpassagen durch die bereits mehrmals verwendete Goetheautobiografie gestützt.
Somit ist diese Hausarbeit keine Rechtfertigung des jungen Goethe als eines bildenden Künstlers. Es ist lediglich ein Versuch, ihn als Zeichner zu verstehen, indem sowohl der Umgang seines Umfeldes mit der Kunst als auch das Verständnis der Kunst in seiner Zeit näher betrachtet wird. Denn nur aus diesem Kontext ist seine Einstellung zur Kunst und seine Umgangsweise mit der Kunstmaterie greifbar, wodurch auch seine Zeichnungen begreifbar werden.
II. Hauptteil
1. Wann, wo und wie begegnet der junge Goethe der bildenden Kunst?
Schon in den frühen Jahren seines Lebens begegnet der kleine Goethe der bildenden Kunst. Zuerst durch seinen Vater, der mit 32 Jahren auf Grund seines Wohlstands sich ganz seinen Hobbys und privaten Studien widmen kann, so dass er in den Jahren 1753-1775 eine eigene Gemäldesammlung im Haus am Hirschgraben errichtet. Durch diese Sammlung des Vaters lernt der kleine Johann Wolfgang schon sehr früh die Werke der Maler kennen, die bei der Frankfurter Prominenz zu dieser Zeit sehr angesehen sind: J. Junker, J.L.E. Morgenstern, J.B. Nothnagel, J.C. Seekatz, C. Stöcklin und J.G. Trautmann. Außerdem befinden sich in der Sammlung des Vaters neben diesen Gemälden auch Grafiken, kunstgewerbliche und naturwissenschaftliche Gegenstände, sowie wissenschaftliche Geräte. Zu all dem hat der kleine Junge Zutritt, so dass er nach Bedarf und Belieben die Kunstwerke betrachten kann. Dank der umfangreichen, vielseitigen und fördernden Erziehung, die der Vater gut durchdacht und mit Hilfe eines Stundenplans selbst gestaltet, ist es dem kleinen Sprössling ebenfalls möglich, auf eine selbstpraktizierende Weise der Kunst zu begegnen. Kein Talent der Kinder soll unbeachtet bleiben, so dass mit neun Jahren Johann Wolfgang Zeichenunterricht von J.M. Eben erhält1, den Goethe später selbst jedoch eher für einen „Halbkünstler“ hält.2 Bereits ein Jahr später lernt Goethe zusätzlich einige der bekanntesten Maler, die ihm schon aus der Gemäldegalerie des Vaters (s.o.) bekannt sind, persönlich kennen. Es sind: Junker, Hirt, Seekatz, Schütz und Trautmann. Diese Bekanntschaft schließt der zehn Jährige während des siebenjährigen Krieges, als der Graf Thoran von Grasse in das Bürgerhaus der Goethefamilie einquartiert ist und als dieser das Gemäldezimmer des Vaters sieht sofort einige der Künstler in das Haus bestellt, damit diese für ihn malen.3 Diesen Meistern darf dann der kleine Johann Wolfgang über die Schulter gucken und sogar ungeniert seine Meinung bezüglich der Darstellungsweise äußern:
„Da ich alle diese Männer von meiner frühsten Jungend an gekannt, uns sie oft in ihren Werkstätten besucht hatte, auch der Graf mich gern um sich leiden mochte; so war ich bei den Aufgaben, Beratschlagungen und Bestellungen, wie auch bei den Ablieferungen gegenwärtig, und nahm mir zumal wenn Skizzen und Entwürfe eingereicht wurden, meine Meinung zu eröffnen gar wohl heraus.“ 4
[...]
1 Vgl. Annette Seemann: „Goethes Leben und seine Beziehung zur bildenden Kunst“. In: Schulze Sabine (Hrsg.): Goethe und Kunst. Schirn-Kunsthalle Frankfurt Ausstellungskatalog. Ostfilden 1994, S. 581.
2 Vgl. J. W. Goethe: Aus meinem Leben. Dichtung und Wahrheit. Stuttgart 1991, S. 122.
3 Vgl. ebd., S. 90./ Auf diese Stelle geht später noch einmal das Kap.2 ein.
4 Vgl. ebd., S. 95.
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