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Hausarbeit, 2004, 29 Seiten
Autor: Ingrid Brüggemann
Fach: Archäologie
Details
Tags: Bronzekessel, Germanenbüsten, Königsgrab, Musov
Jahr: 2004
Seiten: 29
Note: 1,0
Literaturverzeichnis: ~ 12 Einträge
Sprache: Deutsch
ISBN (E-Book): 978-3-638-33090-9
Dateigröße: 2232 KB
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3. Semester mittelalterliche Geschichte / 2. Semester Ur– und Frühgeschichte
Bronzekessel mit den "Germanenbüsten"
aus dem "Königsgrab" von Musov
von: Ingrid Brüggemann
Inhaltsverzeichnis
1. Einleitung 3
2. Fundbeschreibung 4
3. Zur Darstellung und Fertigung der Büsten 4
3.1 Exkurs zum Suebenknoten 5
3.2 Ausgewählte römische und provinzialrömische Darstellungen im Vergleich zu der Darstellung der Mu(?)over Büsten 6
3.3 Vergleichsfunde innerhalb des Barbaricums 7
3.4 Werkstätten und Herstellung 7
4. Exkurs zu den Markomannenkriegen 8
5. Interpretation 9
5.1 Wer ist auf den Mu(?)over Büsten dargestellt? 9
5.2 Zur Datierung des Objektes 10
5.3 Geschenk oder Auftrag? - Funktion und Verwendung des Bronzekessels 12
6. Resümee 14
7. Literatur- und Abbildungsverzeichnis 15
8. Abbildungen 17
1. Einleitung
Das im Herbst 1988 am Südwestrand von Mu(?)ov am linken Ufer der Thaya in Südmähren entdeckte Prunkgrab stellt hinsichtlich seines Beigabenreichtums und der Exklusivität des Inventars eine archäologische Sensation dar. Es handelt sich um Körperbestattungen von zwei Männern und einer Frau, wobei unklar ist, ob die Grablege gleichzeitig oder nacheinander erfolgte ( Pe(?)ka u.a. 2002, 510). Das überhügelte Kammergrab zeichnet sich durch äußerst prächtige antike, provinzialrömische und typisch germanische Beigaben aus. Es vereint eine einzigartige Kollektion von 187 Gegenständen aus frühaugustäischer Zeit bis in die Zeit der Markomannenkriege (Pe(?)ka 2000, 203). Zur Zeit wird das Grab anhand der jüngsten Beigaben in die Zeit um 170 - 180 n. Chr., beziehungsweise B2/C1 datiert (Pe(?)ka u.a. 2002, 501 f.). Die absolute Datierung ist nicht sicher. Die gängige Interpretation eines romfreundlichen markomannischen oder quadischen „Königs“ wirft indes vor dem Hintergrund der Markomannenkriege ( 166-180 n. Chr.) in diesem Gebiet Fragen auf. Zwischen den ungewöhnlich vielen importierten Bronzegefäßen (min. 8 Stück – das Grab wurde antik beraubt) ragt der frühe Westlandkessel mit seinen vier äußerst naturalistisch gearbeiteten Attaschen in Form von Germanenbüsten mit Suebenknoten deutlich hervor1. Dieser Bronzekessel ist neben dem erst kürzlich entdeckten Westlandkessel von Czarnówko mit drei Germanenappliken mit Suebenknoten2 der „...einzige Fund außerhalb des römischen Limes [...], der zweifellos im Römischen Reich gefertigte Germanenbildnisse aufweist.“ ( Krierer 2002, 367), welche aufgrund ihrer Haartracht eindeutig ethnisch und nicht mythisch zu deuten sind. Sollte es sich etwa um ein Abbild eines der Bestatteten handeln, der es sich gönnte, während der Markomannenkriege die Büsten als Auftragsarbeit in einer provinzialrömischen Werkstatt fertigen zu lassen? Oder handelt es sich um ein symbolisches Geschenk der Ehrerbietung seitens Rom? Wie kann man das Objekt datieren und welcher Verwendung unterlag es? Wie fügt es sich in den Gesamtkontext ein? Im Folgenden soll mit Hilfe der Arbeiten von Jaroslav Pe(?)ka, Jaroslav Tejral, Susanna und Ernst Künzl, Horst Wolfgang Böhme und vor allem Karl R. Krierer Fragen der genaueren Bestimmung jener Ethnizität nachgegangen, auf Schwierigkeiten der Datierung und dem damit verbundenen Diskurs eingegangen, sowie auf Möglichkeiten der Verwendung hingewiesen werden. Dies geschieht vergleichend anhand von ausgewählten Funden mit Blick auf die Gesamtinterpretation des Mu(?)over Prunkgrabes von Pe(?)ka und Tejral, 2002.
2. Fundbeschreibung
Der Bronzekessel wurde in seiner ursprünglichen Position (Pe(?)ka 2000, 203), allerdings auf dem Kopf , an der südöstlichen Schmalseite des Kammergrabes isoliert neben einem Opfertier aufgefunden3. Er besitzt eine Höhe von 209 mm und am oberen Rand einen Durchmesser von 348 mm. Abnutzungsspuren sind nicht vorhanden ( Krierer 2002, 383). Der Erhaltungszustand ist gut. Der Kessel ist nur zum Aufhängen geeignet, eine Standfläche fehlt. Hinsichtlich des Typus’ ist er am ehesten mit einem frühen Westlandkessel, Typ Ekholm 1954/55 Gruppe Ia oder mit einem frühen Neupotzer Kessel, Typ NE 4 vergleichbar.4 Ein Henkel ist nicht vorhanden. Die vier Henkelattaschen in Gestalt männlicher Kopfbüsten, die regelmäßig nach den vier Himmelsrichtungen ausgerichtet sind, sowie die dazugehörigen Ringe sind sekundär angebracht worden und bis auf eine kleine Lücke in der Oberlippe einer Büste perfekt erhalten ( Künzl u.a. 2002, 358 f.). Sie wurden jeweils aus einer eigenen Form gegossen und individuell nachbearbeitet ( Krierer 2002, 370 f.). Demzufolge unterscheiden sie sich in ihrer Größe (H: 87-94 mm; B: 70-75 mm; Dm Ring: 75-79mm) und ihrer Darstellung. Die Ringe sind oberhalb der Büsten am Kesselrand über einen Steg vom Hals der Büste zum Kessel hin lediglich mit Zinnblei angelötet worden und rahmen diese in der heruntergeklappten Variante. Die Büsten selber sind mit Hilfe eingekerbter Bronzeblättchen an ihrem unteren Rand an der Kesselwand mittels eines Zinnbleilotes befestigt worden (Krierer 2002, 369). Die gemeinsame Löttechnik und das identische Material lässt darauf schließen, dass die Aufhängungsringe und die Büsten zeitgleich angebracht worden sind.
3. Zur Darstellung und Fertigung der Büsten5
Die Einmaligkeit der Büsten zeigt sich zum ersten in ihrer Darstellung eines ethnisch bestimmbaren Menschenbildes, zum zweiten in der äußerst naturalistischen und qualitativ hochwertigen Ausarbeitung, zum dritten in ihrem sehr guten Erhaltungszustand und zum vierten darin, dass sie im Barbaricum gefunden worden sind. Dargestellt sind vier Männer mittleren Alters von Kopf bis Brustbein mit vollem Bart und einer Suebenknotenfrisur. Nur aufgrund der Haar- und Barttracht und nicht aufgrund der Physiognomie lassen sich die Büsten als Angehörige eines germanischen Ethnos deuten ( Krierer 2002, 367). Die durch die separate Herstellung bedingte individuelle Nachbearbeitung lässt die Büsten im Detail verschieden aussehen. Eine gewollte Darstellung vier verschiedener Menschen, beispielsweise im Sinne einer Ahnenfolge, würde ich aufgrund der doch zu hohen Gemeinsamkeiten in der Darstellung ablehnen. Eine so naturalistisch arbeitende Werkstatt hätte bewusstere Unterschiede eingebaut. Kopf A ist am besten ausgearbeitet und stellt womöglich das Vorbild für Kopf B, C und D dar ( Krierer 2002, 371). Auffallend ist, dass der Oberkörper im Gegensatz zum Kopf eher simpel ausgearbeitet wurde. Stilistische Merkmale finden sich vor allem bezüglich des Bartes. Der Oberlippenbart beginnt erst seitlich der äußerst wulstigen Lippen und fällt spiralförmig als Vollbart ab. Die Korkenzieherlocken des Vollbartes sind bis zur Gesichtshälfte linksdrehend, dann rechtsdrehend und vereinfachen sich Richtung Ohr. Die Ohren erscheinen ziemlich groß. Hinsichtlich der Augen sind die festumrissene Iris und die gebohrten Pupillen auffallend. Lässt man die Büsten auf sich wirken, stellt man fest, dass sie eine starke Seriosität und Würde ausstrahlen. Da der Kessel nur zur Aufhängung geeignet ist, könnte man vermuten, dass die Büsten auf die um den Kessel Versammelten feierlich hinabblickten. Es handelt sich also um eine sehr positive Darstellung eines für Rom fremden Menschenbildes, das konträr zum gängigen negativen Barbarentopos der Schriftquellen und zu den zahlreichen negativen Barbarendarstellungen steht.
3.1 Exkurs zum Suebenknoten
[...]
1 Siehe Abb.1.
2 Siehe Abb.2.
3 Siehe Abb.3.
4 Siehe Abb.4.
5 Siehe Abb.5.
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