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Das frühe Jungpaläolithikum in Polen

Hausarbeit, 2003, 11 Seiten
Autor: Stefan Ertmer
Fach: Archäologie

Details

Kategorie: Hausarbeit
Jahr: 2003
Seiten: 11
Note: 2
Literaturverzeichnis: ~ 7  Einträge
Sprache: Deutsch
Archivnummer: V32473
ISBN (E-Book): 978-3-638-33183-8

Dateigröße: 1400 KB
Anmerkungen :
Die Arbeit stellt einen Reader-Beitrag zur gleichnamigen Exkursion nach Polen im August 2003 dar.



Textauszug (computergeneriert)

Eberhard-Karls-Universität Tübingen
Institut für Ur- und Frühgeschichte und Archäologie des Mittelalters
Abteilung Ältere Urgeschichte und Quartärökologie
Seminar: Das Paläolithikum in Polen

Das frühe Jungpaläolithikum in Polen

von: Stefan Ertmer

 


Gliederung

I. Einleitung

II. Freilandfundstellen

II.1. Kraków-Zwierzyniec I
II.2. Góra-Pulawska II
II.3. Nowa Huta

III. Höhlenfundplätze

III.1. Mamutowa
III.2. Oblazowa

IV. Schluß




I. Einleitung

Das frühe Jungpaläolithikum in Polen fällt in die späte Weichseleiszeit (Isotopenstufe 3), in der Nordpolen vom Inlandeis bedeckt war, an das sich Frostschutt- und Löß-Tundra anschlossen (Schwarzbach 1961, 163). Die Warmzeiten waren jeweils nur von sehr kurzer Dauer, nachweisbar durch Bodenbildungen, die auf 32-30ka BP datiert werden. Das Aurignacien ist in Polen an drei Bodentypen gebunden: äolischer Löß (z.B. Kraków-Zwierzyniec I), verlehmter Löß und fossile Böden, meist mit Solifluktion (z.B. Kraków-Spadzista A, Piecary II) (Sachse-Kozlowska 1978, 2f.).
Neben dem Aurignacien, das für die Zeit von etwa 35-30ka BP angenommen werden kann (es gibt nur zwei absolute Datierungen: Kraków-Spadzista A mit 32.000 BP und Piekary II mit 31.100 + 1100 BP), existierten in Polen weiterhin Übergangsindustrien mit mittelpaläolithischen Blattspitzen: Bohinicien, Jerzmanowizien und Szeletien. Dieses zeitgleiche Bestehen konnte z.B. an den Fundstellen Mamutowa-Höhle und Kraków-Zwierzyniec nachgewiesen werden (Kozlowski 2000, 84f.). Ebenfalls zeitgleich mit dem Aurignacien ist das sogenannte Zwierzyniecien, auf das weiter unten eingegangen wird (Kozlowski&Kozlowski 1996, Fig.7).

Es gibt in Polen mehr als 30 Aurignacien-Fundstellen, die sich jedoch fast alle durch Rohmaterial, Schlagtechnik und Zusammensetzung der Werkzeuge unterscheiden, weshalb auch angenommen wird, daß es in Polen keine eigenständige Entwicklung gab, sondern das Land eher als Korridor diente und von verschiedenen Gruppen aufgesucht wurde (Kozlowski 2000, 84 f.). Die Fundstellen sind meist Oberflächenfunde (z.B. Lubotýn 1/10, Piotrowice Wielke 4B, Malomeřice-Borki II, Křepice) und oft gestört und mit anderen Industrien vermischt. Dieser Umstand ist auf Erosion zurückzuführen, wie z.B. die Fundstelle Kraków-Spadzista C zeigt, wo in nur 20 cm starken Sedimenten drei Bodenbildungen nachweisbar sind, die mehrere Jahrtausende repräsentieren (Sachse-Kozlowska 1978, 2f.). Da bisher keine Freiland- oder Höhlenfundstellen mit ausreichender Schichtenfolge bekannt sind, gibt es kein stratifiziertes Aurignacien in Polen, das eine Entwicklung beobachten ließe.

II. Freilandfundstellen

Im Gegensatz zu Westeuropa überwiegen in Polen für das Aurignacien die Freilandfundstellen gegenüber Höhlen. Dies hat den Nachteil meist gestörter Sedimente und einer fehlenden Stratigraphie für den Ablauf des frühen Jungpaläolithikums. Es liegen sowohl Fundstellen vor, die ein einzelnes Ereignis repräsentieren und mit ihrem Inventar einen geschlossenen Fund darstellen, als auch solche, die wiederholt aufgesucht wurden und zum Teil auch mit Übergangsindustrien vermischt sind.

II.1. Kraków-Zwierzyniec I

Die Fundstelle liegt in einem westlichen Krakówer Vorort auf einem lößbedecktem Sporn zwischen Weichsel und Rudarabach. Der Komplex aus Mittel- und Jungpaläolithikum mit teilweise gestörten Schichten wurde bereits 1935/36 von Jura gegraben. Weitere Grabungen erfolgten 1948/49 durch Sawicki und 1975 durch Chmielewski.
Die Grabung durch Jura erbrachte etwa 100 Artefakte, die dem Aurignacien zugeordnet werden können, das wahrscheinlich im fossilen Boden und oberhalb der Solifluktions-schichten vorhanden war. Die Stratigraphie wird von Jura wie folgt beschrieben: über Schottern der Elstereiszeit liegt Sand, überlagert von jüngerem Löß I (mit Moustérien), einer Verlehmungszone (mit ‚typischem Mittelaurignacien’), darüber 4m jüngerer Löß II, gefolgt von einer Schicht mit jüngerem Aurignacien (Jura 1938, 63). Das Mittelaurignacien wird nach Jura durch Kielkratzer und Stichel charakterisiert. Das ‚Jungaurignacien’ dürfte mit Federmessern und Mikrolithen eher einem späteren Abschnitt zugeordnet werden, was schon aus der stratigraphischen Trennung durch 4 m Lößaufwehungen ersichtlich wird, deshalb wird hier nicht näher darauf eingegangen. Für das ‚Mittelaurignacien’ aus der Verlehmungszone des Lösses I ist eher eine Mischung aus Kostenkien, Aurignacien und Jerzmanowizien anzunehmen (Hahn 1977, 137), die aufgrund der schlechten Dokumentation nur noch typologisch zu trennen ist.

[...]


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