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Veranstaltung: G.A. Bequer - Iniciador de la Modernidad
Institution/Hochschule: Humboldt-Universität zu Berlin (Romanistik)
Kategorie: Hausarbeit
Jahr: 2001
Seiten: 34
Note: 1,3
Sprache: Deutsch
Dateigröße: 351 KB
Archivnummer: V3255
ISBN (E-Book): 978-3-638-11975-7
ISBN (Buch): 978-3-638-63805-0

Zusammenfassung / Abstract

In meiner Arbeit soll es um den Erzählstandpunkt und die Erzähltechniken in den Leyendas von Gustavo Adolfo Bécquer gehen. Ich habe in der Einleitung versucht, die Fragen, die jenen nach dem Stanpunkt und den Techniken des Erzählens vorausgehen, anzudeuten. Jedes Erzählen geht auf die Ursituation zurück und den Strategien des Autors diese im Text wiederherzustellen. Wenn ich nach dem Standpunkt des Erzählers frage, so frage ich automatisch danach, wer erzählt, warum, wann und wie und wer hört zu. Ich frage nach einem Weg durch das Labyrinth der Fiktionen. Ich suche nach den Mechanismen der Verführung. Im folgenden werde ich anhand einer der Leyendas Bécqers, La Cruz del diablo, die Erzählstandpunkte untersuchen und auf die Erzähltechnik des Autors eingehen. Vorerst aber will ich einen kurzen Überblick über die Situation in Spanien und der literarischen Bemühungen zu Lebzeiten Bécqers geben sowie die Lebensdaten des Autors selber einfließen lassen in diese Darstellung des Zeitgeschehens, auf dessen Boden die Leyendas entstanden.

Textauszug (computergeneriert)

Erzählstandpunkt und Erzähltechniken in den Leyendas Bécquers

von Anke Schmidt



Inhalt

1. EINLEITUNG 3

2. WERK UND ZEIT BÉCQUERS 4
2.1. SPANIEN IM 19. JAHRHUNDERT - EIN HISTORISCHER ABRIß 4
2.2. DIE ROMANTIK 6
2.3. DIE PERSON BÉCQUER 7
2.4. DER AUTOR BÉCQUER 8

3. LA CRUZ DEL DIABLO 10
3.1. EINE NACHERZÄHLUNG 10
3.2. EINE ANALYSE 12
3.2.1. Paratext - Motto 12
3.2.2. Der Reisebeschreiber in der Rahmenhandlung 15
3.2.3. Der Geschichtenerzähler 17
3.2.4. Der Sterbende 20
3.2.5. Das skeptische Gewissen- der Gefängniswärter 21
3.2.6. Wer erzählt im Motto? 22
3.3. ERZÄHLTECHNIK BÉCQUERS UND DIE ERZÄHLERFIGUREN IN DEN LEYENDAS 24

4. ZUR THEORIE 26
4.1. ERZÄHLSTANDPUNKT 26
4.2. POE, BÉCQUER UND DIE VERFÜHRUNG DES LESERS 28
5. ZUSAMMENFASSUNG 32

Literaturliste

1. Einleitung

In einer Rede über Traum und Realität sprach die Schriftstellerin Isabel Allende über ihre Kindheit in einem arabischen Land, das sie unbenannt ließ. Sie berichtete über die traditionellen Geschichtenerzähler, die am Rand der Straße Platz zu nehmen pflegten oder in einem Park saßen, umringt von ihren Zuhörern. Eine jede ihrer Erzählungen begann mit denselben Sätzen: Sie sagten ihren Zuhörern, daß sie ihnen eine Geschichte erzählen werden und fragten diese, ob sie zuhören werden. Ihr Publikum antwortete: "Ja. Wir wollen die Geschichte hören." Daraufhin sagten sie, daß nicht alles stimmen müsse in ihrer Erzählung und die Zuhörer wiederholten, daß sie die Geschichte dennoch hören möchten. Die Erzähler sagten schließlich, daß die Geschichte erfunden sei und nichts wahr wäre, von dem was sie erzählten, und die Zuhörer antworteten wieder, daß sie genau diese Geschichte hören möchten. Was sie taten, war eine Art Vertrag abzuschließen. Die Hörer willigten in einen anderen, einen phantastischen, Diskurs ein, während der Erzähler seine Art der Verführung einleitete.
Jenseits dieser oralen Tradition existiert die des Geschichtenschreibens. Auch hier gibt es Mechanismen, die den Leser, der den klassischen Hörer abgelöst hat, auf eine andere, außerhalb der alltäglichen Realität liegende Ebene des Erzählens vorbereiten. Der schreibende Autor erschafft neben einem Erzähler auch einen Hörer. Beide sind durch verschiedene Stufen der An- und Abwesenheit im Text charakterisiert.
Seit dem Ende der fünfziger Jahre wird die Absonderung der Person des Erzählers von der Persönlichkeit des Autors als eine romantheoretische Errungenschaft behandelt. Der Erzähler, als eine, innerhalb gewisser Grenzen, eigenständige Figur, die vom Autor geschaffen worden ist, stellt sich mit Eigenpersönlichkeit der Interpretation. Das ist jedoch keine Voraussetzung, und die Eigenpersönlichkeit des Erzählers ist keine feste Größe. Durch die Unterscheidung von Autor und Erzähler ist lediglich eine Deutungsdimension verfügbar geworden: Die Funktion des Erzählers ist es, als Vermittler zwischen Autor und Leser und zwischen die Geschichte und den Leser zu treten. Allein die Frage, wer dieser Erzähler ist, füllt Bände der hiesigen literaturwissenschaftlichen Veröffentlichungen.
Ich gehe weiterhin davon aus, daß der Leser eine textimmanente Größe ist, die den Erzähldiskurs determiniert. Der Autor benötigt die Person des Lesers als Motivation, als Basis des Schreibens. Im Angesicht dieses unsichtbaren Seins am anderen Ende des Textes, stellt der Autor Fallen, legt Seile aus, offenbart oder verhüllt, um ihn, seinen Zu-Hörer, gefangenzunehmen in einem Wald aus Fiktionen. Hier verweise ich auf Umberto Eco oder Edgar Alle Poe als Paten dieser Idee. Letzterer offenbart in seinem Essay "Die Theorie der Komposition" die Strategien des Schreibens, das nicht aufgrund höherer Inspiration geschieht oder auf irgendeinem mysteriösen Wahnsinn beruht, sondern auf der Frage, was gefällt dem Leser, was erwartet der Leser und wie muß ich schreiben, um den Leser an den Text zu fesseln.
In meiner Arbeit soll es um den Erzählstandpunkt und die Erzähltechniken in den Leyendas von Gustavo Adolfo Bécquer gehen. Ich habe in der Einleitung versucht, die Fragen, die jenen nach dem Stanpunkt und den Techniken des Erzählens vorausgehen, anzudeuten. Jedes Erzählen geht auf die Ursituation zurück und den Strategien des Autors diese im Text wiederherzustellen. Wenn ich nach dem Standpunkt des Erzählers frage, so frage ich automatisch danach, wer erzählt, warum, wann und wie und wer hört zu. Ich frage nach einem Weg durch das Labyrinth der Fiktionen. Ich suche nach den Mechanismen der Verführung.
Im folgenden werde ich anhand einer der Leyendas Bécqers, La Cruz del diablo, die Erzählstandpunkte untersuchen und auf die Erzähltechnik des Autors eingehen. Vorerst aber will ich einen kurzen Überblick über die Situation in Spanien und der literarischen Bemühungen zu Lebzeiten Bécqers geben sowie die Lebensdaten des Autors selber einfließen lassen in diese Darstellung des Zeitgeschehens, auf dessen Boden die Leyendas entstanden.

2. Werk und Zeit Bécquers

2.1. Spanien im 19. Jahrhundert - Ein historischer Abriß
Zu Lebzeiten Bécquers ist Spanien ein in zwei Teile zerstrittenes Land. Es ist "... im 19. Jahrhundert zuerst durch die einschneidende französische Fremdherrschaft, eine zweimal restaurierte Monarchie, sowie das kurze Ereignis einer ersten Republik geprägt. Diese bewegte lange Epoche.... ist gekennzeichnet durch das Hin und Her zwischen herrschaftlichem Absolutismus und volksfreiheitlichem Liberalismus, Beherrschung und Selbstbestimmungsverlangen."
Dieser Abschnitt der Geschichte Spaniens ist tatsächlich nichts anderes als ein "dauernder Kampf zwischen absolutistas und liberales, Traditionalisten und Modernisten, kurz: zwischen den Zwei Spanien."
Unter Isabels Herrschaft kommen die wirtschaftlichen Interessen der Liberalen an die Macht. Es kann sich eine kleine Schicht von Besitzbürgern herausbilden. Mit der Desamortisation, dem Verkauf von Kirchengütern und Gemeindeflächen zur Umverteilung und Demokratisierung des Landbesitzes, gelangt der Boden in den Besitz einiger finanzstarker Adliger und Bürger. Gleichzeitig entsteht eine zentralistisch ausgerichtete Administration, die sich auf Madrid als Hauptstadt orientiert. Es entsteht ein System von Banken, die das Kapital dynamisieren. Vor allem mit dem Bau der Eisenbahn, als Liniennetz sternförmig von Madrid ausgehend, kann viel Geld verdient werden. Der Hochadel und das Finanzbürgertum übernehmen mit Hilfe des Heeres die Macht.
"Verlierer" dieser Epoche waren die Kirche und religiöse Orden, die natürlich Widerstand leisteten. In der "Era Isabelina" kam es zu drei Carlistenkriegen, die durch den Ausschluß Don Carlos, Isabellas Vater, aus der altkastilischen Thronfolge hervorgerufen wurden und die tiefe Wunden ins Land schnitten.
In den 40er Jahren teilen sich die Liberalen in einen konservativen und einen radikalen Flügel: in moderados und progresistas. Die moderados, denen auch die Königin zugeneigt ist, vertreten das Großbürgertum, die pogresistas dagegen das Mittel- und Kleinbürgertum. Sie fordern das allgemeine Wahlrecht und die Demokratisierung des Landes. Gegen Ende der "Era Isabelina" gibt es bereits erste Arbeiterassoziationen sowie den linksbürgerlichen Republikanismus als politische Bewegungen.
1868 kommt es zur Bürgerlichen Revolution in Spanien. Im Ergebnis dieser Revolution wird Isabel nach Frankreich vertrieben. Es folgen zwei Interimsregierungen: von 1869-1870, die provisorische Regierung des Marschall Serrano und von 1871-1873, die von Amadeo von Aosta, dem Sohn des italienische Königs Viktor Emanuell II. 1873 wird in Spanien für ein Jahr die demokratische Republik ausgerufen; aber da ist Gustavo Adolfo Bécquer bereits tot.

2.2. Die Romantik
Die literaturwissenschaftliche Geschichtsschreibung definiert das 19. Jahrhundert anhand der literarischen Etappen Romantik, Realismus/ Naturalismus und dem Außenseiter: der Bewegung von 1898, die dem Konzept der Literaturthreorie entsprechend, eher mit dem 20. Jahrhundert in Verbindung zu bringen ist.
Die spanische Romantik ist eine der literarischen Strömungen, die um 1830 ihren Anfang nahm und bis weit in die zweite Hälfte des Jahrhunderts andauerte. Sie ist charakterisiert durch eine "...tiefgreifende Ambiguität: Einerseits zollt sie der Vergangenheit und der spanischen Tradition Respekt; nicht umsonst knüpft sie u.a. an Formen und Themen des Siglo de Oro an. Andererseits aber lehnt sie sich gegen den Fundamentalismus traditioneller Normen auf, den sie im Namen neuer Freiheitsideen ebenso bekämpft wie in dem eines weltzugewandten Pragmatismus."

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