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"M - Eine Stadt sucht einen Mörder": M als Variable

Hauptseminararbeit, 2004, 22 Seiten
Autor: Christian Heinzelmann
Fach: Medien / Kommunikation - Film und Fernsehen

Details

Veranstaltung: Hauptseminar
Institution/Hochschule: Universität Mannheim
Tags: Eine, Stadt, Mörder, Variable, Hauptseminar
Kategorie: Hauptseminararbeit
Jahr: 2004
Seiten: 22
Note: 1,7
Literaturverzeichnis: ~ 23  Einträge
Sprache: Deutsch
Archivnummer: V33271
ISBN (E-Book): 978-3-638-33790-8
ISBN (Buch): 978-3-638-65230-8
Dateigröße: 477 KB

Zusammenfassung / Abstract

Warte, warte nur ein Weilchen, Bald kommt der schwarze Mann zu dir, Mit dem kleinen Hackbeilchen, Macht er Schabelfleisch aus Dir: So beginnt Fritz Langs Film „M“ aus dem Jahr 1931. In der vorliegenden Arbeit möchte ich mich mit dem Warum und dem Was des „Ms“ bei Fritz Lang auseinander setzen. Aufgrund dieses Themas weicht auch meine Gliederung von den gängigen Schemata ab. Im Großen und Ganzen gehe ich aber zweigeteilt vor. Im ersten Teil gehe ich grob, es gibt ja Unmengen von Sekundärliteratur, auf Fritz Lang und sein Werk in den 20er und 30er Jahren in Deutschland ein. Ich erläutere die Entstehungsgeschichte von „M“ und die Besonderheiten dieses Films, der zeitlich in eine Epoche künstlerisch und ästhetischer Umbrüche fällt und deren zeitgeschichtlicher Rahmen mit der Kulturkrise der Weimarer Republik und dem aufkommenden Nationalsozialismus in Deutschland einen entscheidenden Interpretationsansatz liefert. Im zweiten Teil interpretiere ich die verschiedenen „M“s in Fritz Langs Film. Bedeutsam sind hier die Rolle des Mörders, die Rolle der Metropole Berlin in Fritz Langs Film, die Massenphänomene, die zu Tage treten im Film, die Emotionen, die sich im Zuschauer gegenüber dem Kindermörder regen, und zu guter Letzt das heikle Thema von Recht und Moral. Diese Punkte sehe ich im Zusammenhang mit einer Staats- und Kulturkrise, in der sich die Weimarer Republik befand, und ich ziehe einen Vergleich zwischen dem Gangster-Tribunal in Fritz Langs „M“ und anderen Tribunalen, die meines Erachtens Ähnlichkeiten aufweisen.


Textauszug (computergeneriert)

Universität Mannheim
Hausarbeit WS2003/2004
Lehrstuhl Neuere Germanistik
Hauptseminar: Kultfilm
8. Semester

M - Eine Stadt sucht einen Mörder: M als Variable

von: Christian Heinzelmann

 


Inhalt

Einleitung

Mythos : Fritz Lang und seine Filme, ein Überblick

Movie: Entstehung und Geschichte

Medium
Mörder
Metropole
Masse und Macht
Mitleid
Moral und Recht

Fazit

Anhang

Literaturangaben
 

 


Einleitung

Warte, warte nur ein Weilchen,
Bald kommt der schwarze Mann zu dir,
Mit dem kleinen Hackbeilchen,
Macht er Schabelfleisch aus Dir:
So beginnt Fritz Langs Film „M“ aus dem Jahr 1931.

Es ist immer schwierig, einen Film zu analysieren im Vergleich zu einem Roman. Die „normalen“ Interpretationsansätze eines Romans greifen hier nicht immer. Was man aber von Film auf Roman und auch auf die Kunst übertragen kann, ist die Bedeutsamkeit des Titels für die Interpretation. In der vorliegenden Hausarbeit möchte ich mich mit dem Warum und dem Was des „Ms“ bei Fritz Lang auseinander setzen. Aufgrund dieses Themas weicht auch meine Gliederung von den gängigen Schemata ab. Im Großen und Ganzen gehe ich aber zweigeteilt vor. Im ersten Teil der Hausarbeit gehe ich grob, es gibt ja Unmengen von Sekundärliteratur, auf Fritz Lang und sein Werk in den 20er und 30er Jahren in Deutschland ein. Ich erläutere die Entstehungsgeschichte von „M“ und die Besonderheiten dieses Films, der zeitlich in eine Epoche künstlerisch und ästhetischer Umbrüche fällt und deren zeitgeschichtlicher Rahmen mit der Kulturkrise der Weimarer Republik und dem aufkommenden Nationalsozialismus in Deutschland einen entscheidenden Interpretationsansatz liefert. Im zweiten Teil der vorliegenden Hauptseminararbeit interpretiere ich die verschiedenen „M“s in Fritz Langs Film. Bedeutsam sind hier die Rolle des Mörders, die Rolle der Metropole Berlin in Fritz Langs Film, die Massenphänomene, die zu Tage treten im Film, die Emotionen, die sich im Zuschauer gegenüber dem Kindermörder regen und zu guter Letzt das heikle Thema von Recht und Moral. Diese Punkte sehe ich im Zusammenhang mit einer Staats- und Kulturkrise, in der sich die Weimarer Republik befand, und ich ziehe einen Vergleich zwischen dem Gangster-Tribunal in Fritz Langs „M“ und anderen Tribunalen, die meines Erachtens Ähnlichkeiten aufweisen. All diese Punkte machen „M“ und seine Ms zu einem lohnenden Hausarbeitsthema, insbesondere deswegen, da in der mir zugänglichen Sekundärliteratur „M“ meist nur beiläufig im Werk von Fritz Lang gewürdigt wurde. Es werden zwar immer wieder die Qualitäten des Films hervorgehoben und technische Einzelheiten behandelt, jedoch habe ich bei meinen Recherchen kaum eine Interpretation der Handlung gefunden, die viel mehr als drei Buchseiten umfasst.

Mythos Fritz Lang und seine Filme – ein Überblick

Was macht heute noch den Mythos aus, den der Name Fritz Lang und seine Filme versprühen? Oberflächlich betrachtet handelt es sich um einen deutschen Regisseur in der Epoche des Übergangs vom Stumm- zum Tonfilm, der Garant für gefüllte Kinokassen war, und dessen Filme doch eher von banaler bzw. unterhaltsam populärer Thematik waren. Ich möchte diesem Aspekt in den folgenden Zeilen auf den Grund gehen.

Fritz Lang wurde 1890 in Wien geboren, er entstammte einem gutbürgerlichen Eltern- haus und war Sohn einer jüdischen Mutter; soweit nicht ungewöhnlich. Früh verfiel er der Kunst und bestritt seinen Lebensunterhalt vor Beginn des ersten Weltkriegs als eine Art Bohemien in Paris. Im ersten Weltkrieg verwundet, ging er zurück nach Wien und verfasste Drehbücher für Joe May1, recht abenteuerliche Geschichten über Gut und Böse, Verkleidungen und allerlei unkonventionelle technische Apparate. Erste Versuche als Regisseur folgten in eben diesem Genre und Lang lernte die Autorin Thea von Harbou kennen, eine recht nationalkonservativ eingestellte Frau, die er später heiratete. Seine Frau äußerte sich früh positiv gegenüber dem aufkeimenden Faschismus, während Lang unpolitisch blieb. Filmisch erreichte Lang 1921 den Durchbruch als Regisseur mit dem Film „Der müde Tod“, der auch international für Aufsehen sorgte. Der Plot handelt von einem jungen Pärchen, das in einer Gaststätte dem Tod begegnet. In der Sekundärliteratur wird in den heute noch bekannten Dr. Mabuse-Filmen von 1922 häufig eine Aufarbeitung von Inflation und Spartakus-Aufstand hineininterpretiert. Das mag zwar richtig sein, jedoch beziehen sich die historischen Tendenzen, die zu erkennen sind, hier wohl eher auf die Einflüsse der Romanvorlage von Norbert Jaques und auf das Drehbuch von Thea von Harbou. Langs Verdienst ist der deutlich hervortretende filmische Expressionismus und die Herausarbeitung der Charaktere. 1924 verfilmte Fritz Lang das „Nibelungenlied“ und experimentierte mit Architektur als stilgebendes Element seiner Filme, was mit „Metropolis“ (1927) seinen Höhepunkt erreichte. Neben den Mabuse-Filmen und „M“ ist „Metropolis“ noch heute einer der bekanntesten und eindrucksvollsten Filme Langs schlechthin. Nicht nur, dass hier das Genre des Science-Fiction filmisch erschaffen wurde, auch der Detailreichtum der Kulissen und die Handlung als sozial-politische Fabel können immer noch begeistern. Zugleich ist „Metropolis“ eine Collage von modernen Großstadt-Landschaften. Die Rezensionen zur damaligen Zeit waren jedoch nicht so begeisternd, wie „Metropolis“ heute vom Publikum aufgenommen wird. Die 500 Meter hohen Wolkenkratzer und die Gärten aus dem 18. Jahrhundert wirkten für manche Kritiker wie eine Mischung aus einem Über-New-York mit einer Berliner Schrebergartensiedlung. Die organische Stadt, die Fritz Lang konstruierte, und ihre maschinenhaft arbeitenden Menschen schockierten große Teile des Publikums.

Mit „Metropolis“ war Fritz Lang auf dem Höhepunkt des Stummfilms angekommen und manch einer behauptet, dass die Qualität seiner Filme darauf hin nachließ. Der Expressionismus war nicht mehr neu und mit dem neuen Medium Tonfilm mussten sich die Regisseure erst arrangieren. 1927 folgte noch „Spione“, ein Genrefilm, und 1929 „Die Frau im Mond“ bevor Fritz Lang 1931 seinen ersten Tonfilm „M“ drehte, der Inhalt der vorliegenden Hausarbeit ist.

[...]


1 Joe May, 1880 in Wien geboren, war er einer der Pioniere des frühen Weimarer Kinos. May führte unter anderem Regie bei den Filmen „Das indische Grabmal′ von 1921 und „Der Tiger von Eschnapur“, die Fritz Lang eigentlich für seine eigene Regiearbeit geschrieben hatte. Mitte der 20er Jahre gründet May sein eigenes Filmstudio, scheiterte jedoch finanziell. 1933 emigrierte May in die USA, drehte dort jedoch hauptsächlich nur noch B-Movies und verstarb 1954 in Hollywood.


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