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Scholarly Paper (Advanced Seminar), 2004, 29 Pages
Author: Florian Hoffarth
Subject: German Studies - Linguistics
Details
Institution/College: Technical University of Darmstadt (Institut für Sprach- und Literaturwissenschaft)
Tags: Anglizismen, Sprachförderung, Sprachpolitik
Year: 2004
Pages: 29
Grade: 1,7
Bibliography: ~ 35 Entries
Language: German
ISBN (E-book): 978-3-638-33845-5
File size: 205 KB
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Excerpt (computer-generated)
Technische Universität Darmstadt
Institut für Sprach- und Literaturwissenschaft
Seminar: Sprachförderung und Sprachpolitik
"Bitte mailen Sie mir doch ein Courriel" - Ein Vergleich der
Sprachpolitik in Frankreich und Deutschland
am Beispiel von Anglizismen
von: Florian Hoffarth
Inhaltsverzeichnis
1 Einleitung 1
2 Der Einfluss der englischen Sprache auf Deutschland und Frankreich 3
2.1 Der Status des Englischen 3
2.2 Der Einfluss auf Deutschland und Frankreich 3
3 Sprachpolitik in Frankreich 5
3.1 Geschichte der Sprachpolitik 5
3.1.1 Die Anfänge 5
3.1.2 Vom 17. bis zum 19. Jahrhundert 6
3.1.3 Das 20. Jahrhundert 8
3.2 Sprachpolitische Institutionen und Sprachgesetzgebung 10
3.2.1 Die verschiedenen Institutionen 10
3.2.2 Die Sprachgesetze - ‚Loi Bas-Lauriol’ und ‚Loi Toubon’ 12
4 Vergleich – Sprachpflege und Sprachpolitik in Deutschland 17
4.1 Historisches 17
4.2 Deutsche Sprachpflegeinstitutionen heute 19
5 Fazit 21
Literaturverzeichnis 24
1 Einleitung
Seit dem Jahr 2003 ist französischen Beamten, die in behördlichem Auftrag durch die Weiten des Cyberspace surfen, die Benutzung der E-Mail – untersagt: „Sprachlich gesehen, versteht sich. Statt des englischen, respektive amerikanischen Ausdrucks haben die Staatsdiener nunmehr das Kunstwort ‚courriel’ zu verwenden, wie das Amtsblatt ‚Journal officiel’ schreibt“1. Die elektronische Post heißt in Frankreich nach den Anordnungen der Académie Française jetzt Courriel. Auch andere Termini des Multimedia- und Computerjargons, wie beispielsweise Computer, Software und sogar das @-Zeichen wurden von staatlicher Seite in die französischen Äquivalente ordinateur, logiciel und arrobe umbenannt. Im Zuge der Globalisierung und des rasanten Fortschritts der Computertechnologie, wie des Internets, hat die englische Sprache längst weltweit ihren Siegeszug als lingua franca angetreten. Der massive Einfluss des Englischen wird besonders an der immer stärkeren Verwendung von Anglizismen deutlich, die sich auf viele Bereiche des Lebens erstrecken und uns im Alltag fast überall begegnen: „Ob wir am Service-Point eine Bahn-Card kaufen oder Brötchen im Back-Shop, überall treffen wir auf das Englische - oder auf eine Art Englisch“.
Diese Vermischung zwischen Deutsch und Englisch, von Sprachschützern und Sprachpflegern abschätzig als ‚Denglisch’ oder auch ‚Engleutsch’ bezeichnet, finden sich zumeist in der Werbung und wirtschaftlichen Berufszweigen: „Oft kommen technische Innovationen und neue Geschäftsideen aus den USA - die dort geprägten Begriffe werden eins zu eins übernommen. Außerdem gilt Englisch als besonders hip“2. Dass nicht jedes englisch und weltmännisch klingende Wort auch tatsächlich Bestandteil des angelsächsischen oder amerikanischen Sprachgebrauchs ist, zeigt das wohl prominenteste Beispiel ‚Handy’ (engl.: ‚mobile phone’ oder ‚cellular phone’). Dass die häufige Verwendung englischer Slogans in der Werbung (z.B. ‚Come in and find out’, Douglas) bei den Konsumenten oftmals nicht die gewünschte Wirkung erzielt, zeigte jüngst eine Studie von Isabel Kick und Walter Krämer an der Universität Dortmund. Bei statistischen Untersuchungen „reagierten Probanden deutlich stärker auf deutschsprachige als auf englische Slogans.“ Weniger als die Hälfte der Deutschen seien in der Lage, die englischen Sprüche richtig zu übersetzen. Ebenso scheint der „Aufmerksamkeitsbonus des Englischen […] angesichts allgegenwärtiger ‚Best Price’-Angebote, ‚Happy Hours’ und ‚Chicken Wings’ aufgebraucht. Wer den Konsumenten ansprechen wolle, müsse das offenbar in seiner Muttersprache tun“3. Auch wenn die Flut von Anglizismen in den Medien und der Werbung in absehbarer Zeit wieder etwas zurückgehen sollte, bleibt das Englische im Alltags- und Berufsleben weiterhin präsent. Nicht zuletzt die Jugend bedient sich ausgiebig an der reichhaltigen Vielfalt des englischen Wortschatzes, dessen Lexeme höchst innovativ und phantasievoll als Mittel der Abgrenzung und Distanz zur Erwachsenenwelt in die Umgangssprache integriert werden. So wird beispielsweise ‚verlieren’ zu ‚abloosen’, ‚sich ausruhen’ zu ‚chillen’. Häufig ist auch eine pseudo-englische Lautung und Schreibweise bei deutschen Wörtern zu beobachten, wie: ‚phedd’ oder ‚phädd’ für ‚fett’ (sehr gut). Angesichts der Dominanz des Englischen und des immer größer werdenden Einflusses amerikanischen ‚Lifestyles’ in Deutschland wächst die Furcht vor einer ‚Amerikanisierung’ und einem damit verbundenen Verfall der deutschen Sprache. Da in der Bundesrepublik keine staatlichen Sprachinstitutionen existieren und auch – mit Ausnahme der Rechtschreibreform – der Sprachgebrauch nicht durch Gesetze reguliert wird, fordern Kritiker ein solches Gremium als Schutz- und Kontrollinstanz. Immer wieder betonen Sprachschützer die Vorbildfunktion unseres Nachbarlandes Frankreich, das seit Mitte des 20. Jahrhunderts per Gesetz die offizielle Verwendung von Anglizismen unter Strafe stellt und – darüber hinaus – die Pflege der französischen Sprache auch innerhalb der frankophonen Gebiete als wichtigstes Anliegen postuliert. So bezeichnete der damalige Präsident George Pompidou das „Sprachproblem“ als das „wichtigste unserer Epoche“ (Braselmann 1999: 6). Das Ziel der vorliegenden Arbeit ist es, die Sprachpolitik von Frankreich unter Berücksichtigung des Anglizismen-Problems zu untersuchen und zu klären, ob das Modell der französischen Sprachgesetzgebung auch auf Deutschland übertragbar ist. Hierbei soll die sprachpolitische Situation in der Bundesrepublik ergänzend als Vergleich herangezogen werden. Um die aktuelle Situation der Sprachpolitik in Frankreich nachvollziehen zu können, ist es vorher jedoch notwendig, sie aus ihren Anfängen heraus zu betrachten und in nachfolgenden Abschnitten herauszuarbeiten, welche Institutionen an der Entwicklung der französischen Sprache maßgeblich beteiligt sind – und wie sie sich von der Situation in Deutschland unterscheiden. Im folgenden Kapitel soll zunächst auf den aktuellen Status des Englischen und dessen Einflüsse auf die deutsche und französische Sprache kurz eingegangen werden.
2 Der Einfluss der englischen Sprache auf Deutschland und Frankreich
2.1 Der Status des Englischen
Englisch ist heute die am weitesten verbreitete Sprache der Welt; rund 510 Millionen Menschen sind Mutter- oder Zweitsprachler.4 Englisch erfüllt nicht nur zahlreiche Funktionen als Verkehrs- und Handelssprache; in vielen Ländern wird sie in der Schule als erste Fremdsprache gelehrt und zugleich in nahezu allen internationalen Organisationen (z.B. UNO, EU) offiziell verwendet. Die Bedeutung des Englischen wächst – insbesondere im Zuge der Globalisierung – mit der stetigen Verbreitung und Weiterentwicklung neuer Technologien wie Medien, Luft- und Raumfahrt. „Englisch ist die vorherrschende Sprache in der ganzen Welt, ja sie ist überhaupt die erste Weltsprache der Menschheitsgeschichte. […] Heute kann man durch alle Kontinente reisen: Überall ist bzw. wird Englisch das wichtigste Verständigungsmittel zwischen Angehörigen unterschiedlicher Nationen.“ (Hoberg 2002: 179) Der Status des Englischen als Weltsprache basiert auf einem starken Machtfaktor, der von politischen, militärischen, ökonomischen und soziokulturellen Aspekten getragen wird (vgl. Kupper 2003: 26). Die massive Ausweitung der englischen Sprache gründet sich zum einen auf die geographische Ausdehnung des britischen Empire, die am Ende des 19. Jahrhunderts ihren Höhepunkt erreichte; zum anderen auf die Entwicklung der USA zur herrschenden Weltmacht im 20. Jahrhundert. Die Dominanz der Vereinigten Staaten und deren Einflüsse in Europa zeigten sich insbesondere in der Besatzungszeit nach dem Ende des 2. Weltkriegs durch die Verbreitung des amerikanischen ‚Way of Life’, der Musik, Kleidung, des Freizeitverhaltens und dergleichen (vgl. ebd.). Die politische und wirtschaftliche Rolle der USA hat entscheidend dazu beigetragen, den Einfluss des Englischen – und der damit eng verbundenen Weltanschauung und Kultur – auf nahezu alle Sprachen der Welt zu verstärken und sogar das Französische „als Verhandlungssprache auf dem internationalen Parkett und als Prestigesprache im alltäglichen Leben“ (Schelper 1995: 1, zit. nach Kupper 2003: 28) zu verdrängen.
2.2 Der Einfluss auf Deutschland und Frankreich
[...]
1 <http://www.manager-magazin.de/ebusiness/artikel/0,2828,256583,00.html>.
2 <http://www2.onkarriere.t-online.de/dyn/c/08/48/96/848968.html>.
3 <http://www.scienceticker.info/news/EpApkVEFElacPjcqEy.shtml>.
4 vgl. http://de.wikipedia.org/wiki/Englische_Sprache.
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