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Rembrandts Selbstporträts

Presentation (Elaboration), 2003, 25 Pages
Author: Anne-Barbara Knerr
Subject: Art - Painting

Details

Category: Presentation (Elaboration)
Year: 2003
Pages: 25
Grade: sehr gut
Bibliography: ~ 7  Entries
Language: German
Archive No.: V33389
ISBN (E-book): 978-3-638-33879-0

File size: 657 KB


Excerpt (computer-generated)

UNIVERSITÄT KOBLENZ LANDAU
ABTEILUNG LANDAU
Institut für Kunstwissenschaft und bildende Kunst
Veranstaltung: Die Selbstdarstellung des Künstlers
5. Semester

Rembrandts Selbstporträts

von: Anne-Barbara Knerr

 


Inhalt

1 Biographie 1

2 Eine Auswahl seiner Selbstbildnisse 3

2.1 Selbstbildnis als junger Mann 4
2.2 Raffaels Bildnis des Baldassare Castiglione und sein Einfluss auf Rembrandt 6

2.2.1 Raffael: Bildnis des Baldassare Castiglione 7
2.2.2 Rembrandt: Selbstbildnis von 1640 8
2.2.3 Selbstbildnis mit Barett und aufgestelltem Kragen 8

2.3 Selbstbildnis von 1658 9
2.4 Selbstbildnis als Zeuxis 10

2.4.1 Zeuxis, der legendäre Maler der Antike 10
2.4.2 Rembrandt als Zeuxis 10

3 Die Funktionen von Rembrandts Selbstporträts 12

3.1 Selbstbildnisse, die als Tronies anzusehen sind 12
3.2 Selbstbildnisse als Muster für Rembrandts außergewöhnliche Technik 13
3.3 Die „Vermarktung“ der eigenen Person 13

3.3.1 Selbstbildnis mit Hut und eingestütztem Arm 14

4 Schlussbemerkung 14

Literatur 16

Bildbeispiele 17

Anmerkungen 23


 

1 Biographie1

1606 Rembrandt van Rijn (im folgenden R) wird am 15.7. in Leiden als neuntes Kind des Müllers Harmen Gerritsz van Rijn geboren.
1620 Einschreibung an der Leidener Universität
1622 R geht bei dem Leidener Maler Jacob Isaacsz. van Swanenbruch (1571-1638) für drei Jahre in die Lehre.
1625 Die Steinigung des hl. Stephanus, das früheste datierte Gemälde R’s , zeigt bei einem der Zuschauer R’s Züge (typisch für mehrere frühe Historeinbilder R’s). vermutlich
1625/26 Lehre bei dem Historienmaler Pieter Lastman (1583-1633) in Amsterdam
Um 1626 R lässt sich als selbstständiger Maler in Leiden nieder
1629 Frühestes gemaltes und datiertes Selbstbildnis
1631 R geht nach Amsterdam, führt in erster Linie Porträtaufträge aus und lehrt an der „Academie“ der Kunsthandlung van Uylenburghs, der ein erfolgreicher Kunsthändler ist.
1633 Ab diesem Jahr signiert er mit „Rembrandt f“, das f steht für fecit (=machte es). Dies ist eine Nachahmung der großen italienischen Meister wie Leonardo (1452-1519), Raffael (1483- 1520) und Tizian (1488-1576). Er verlobt sich mit Saskia van Uylenburg, einer Großkusine seines Arbeitgebers.
1634 R wird Mitglied der Amsterdamer Malergilde. Am 22.6 heiratet er Saskia.
1639 R kauft ein vornehmes Kaufmannshaus in Amsterdam, das heutige Museum Het Rembrandthuis. Er zeichnet im Hause des Don Alfonso Lopez in Amsterdam Raffaels (italienischer Maler und Baumeister, 1483-1520, Hauptmeister der italienischen Hochrenaissance) Porträt des Baldassare Castiglione, das R als Kompositionsvorlage für ein gemaltes und ein radiertes Selbstbildnis diente.
1641 Geburt von Titus, dem einzigen Kind von Saskia und R, das am Leben blieb
1642 Tod von Saskia; sie bestimmt in ihrem Testament, dass R nur erbt, wenn er nicht wieder heiratet. Samuel van Hoogstraeten (1627-1678) kommt zu R in die Lehre.
1647 Hendrickje Stoffels, R’s spätere zweite große Liebe, wird als Haushälterin bei ihm tätig.
ab 1653 R verschuldet sich für den Kauf eines Hauses und gerät zunehmend in Geldnot.
1654 Hendrickje Stoffels bekommt vom reformierten Gemeinderat den Vorwurf gemacht, mit R Hurerei zu betreiben. Im Oktober kommt die uneheliche Tochter Cornelia zur Welt.
1656 R muss Konkurs anmelden. Er hat sich verspekuliert und der Kunsthandel läuft schlecht. Seine Kunstsammlung und zahlreiche Kostbarkeiten werden versteigert. R leiht sich immer noch von allen Seiten Geld. In dem auffallend detailliert aufgestellten Inventar seiner Besitztümer befindet sich nicht ein einziges seiner um die 60 bis jetzt hergestellten Selbstporträts. Er muss sie also alle verkauft haben.2
1658 Sein Haus in der Jodenbreestraat wird zwangsversteigert. Mit ungebrochenem Selbstbewusstsein malt er sich selbst als thronenden Malerfürsten.
Um 1659 Arent de Gelder (1645-1727) wird Schüler R’s.
1660 Hendrickje und Titus übernehmen die „Kompagnie und Handel für Gemälde, Papierkunst, Kupferstiche und Holzschnitte“. R hat keine Kontrolle mehr über seine finanziellen Angelegenheiten und darf nur noch malen.
1661 Hendrickje wird in einem Dokument als Ehefrau R’s bezeichnet, obwohl sie nie geheiratet haben.
1663 Tod Hendrickjes, die wahrscheinlich Opfer einer Pestepidemie wurde.
1666 Titus wird gesetzlicher Sachverwalter für R.
1668 Tod von Titus, der kurz zuvor noch geheiratet hatte
1669 In seinem letzten Lebensjahr malt R drei Selbstbildnisse. Er stirbt am 4.10. und wird am 8.10. in einem anonymen gemieteten Grab in der Amsterdamer Westkerk beigesetzt.

2 Eine Auswahl seiner Selbstbildnisse

In der Geschichte des Selbstporträts spielt R eine Schlüsselrolle. Er baute es durch eine völlig eigenständige Leistung zu einer wichtigen Bildgattung aus.3 R malte über 70 Selbstbildnisse in mehr als 40 Jahren. Betrachtet man sie in zeitlich geordneter Reihenfolge, so ergibt sich eine regelrechte gemalte Autobiographie.4 Ich habe hier eine Auswahl aus Anfang, Mitte und Ende seines Schaffens vorgenommen. Bevor ich zur Bildbeschreibung komme, möchte ich kurz noch das Problem des Rechts und Links beim Selbstbildnis klären. Normalerweise sehen wir auf der Leinwand links die rechte Seite der dargestellten Person. Da beim Selbstbildnis der Maler aber vor dem Spiegel sitzt, sehen wir seitenverkehrt auf der rechten Bildseite auch seine rechte Körperseite. Bei Radierung oder Holzschnitt kehrt sich das Ganze wieder um (rechte Seite auf dem Blatt = linke Körperseite).

2.1 Selbstbildnis als junger Mann

1629, Öl auf Holz, 15,5 x 12,7 cm, München, Alte Pinakothek Diese kleine Tafel, auf der der Künstler sich uns im Alter von 23 Jahren zeigt, ist das früheste gemalte und datierte Selbstbildnis des jungen Meisters. Am auffälligsten ist die Komposition des Bildes. Der Maler scheint wie zufällig von links unten nach rechts oben diagonal ins Bild zu lugen und sich dabei selbst zu überraschen. Verblüfft von seinem eigenen Anblick zieht er die Augenbrauen hoch und reißt seine Augen weit auf. Sein Mund ist vor Erstaunen leicht geöffnet. Das lockige Haar fällt wirr in seine Stirn und steht rings um den Kopf in alle Richtungen ab. Seine Kleidung ist schlicht, ein einfaches weißes Hemd mit einer schwarzen Jacke.

Es versteht sich von selbst, dass es nicht möglich ist, sich selbst dabei zu überraschen, sich selbst zu malen, und das auch noch über so lange Zeit, bis das Bild fertig ist. Wie kommt es also zu dieser ungewöhnlichen Pose? Leider wissen wir darüber nichts von Rembrandt selbst, da er nicht über seine Malweise geschrieben hat. Was aber bekannt ist, ist, dass zu R’s Zeit sogenannte „Tronies“ groß in Mode waren. Tronies sind Charakterköpfe, Ausdrucksstudien eines anonymen Modells. Sie dienten den Künstlern zu Übungszwecken, fanden aber auch am Kunstmarkt Käufer. Ein wichtiger Schüler R’s, Samuel van Hoogstraten, schrieb ein 1678 in Rotterdam erschienenes Malereitraktat, „De hooge schoole der schilderkonst“. Dort be- schreibt er, wie ein Maler zu guten Ausdrucksstudien kommt: Da Emotionen sehr leicht am Gesicht abzulesen sind, ist der beste Weg, diese selbst darzustellen und dabei in den Spiegel zu schauen. Man geht davon aus, dass van Hoogstraten diese Vorgehensweise bei R gelernt hat. Der Maler wird dabei quasi zum Schauspieler.5 Auf unser Beispiel übertragen heißt das, dass R womöglich studieren wollte, wie jemand aussieht, der überrascht wird. Er versetzte sich also in die Lage eines Menschen, der gerade überrascht wird und schaute dabei in den Spiegel. Damit kann man sagen, dass sein Hauptinteresse hier nicht der Selbstdarstellung, sondern dem ganz bestimmten Affekt des Überrascht-Seins galt.

[...]


1 White/Buvelot, 1999, S. 75 ff

2 ebd., 1999, S. 28

3 Parmentier, 1998 (Die Seitenzahlen sind mir leider nicht bekannt, da ich mir diesen Aufsatz aus dem Internet ausgedruckt habe. In dieser Internetvariante befindet sich die Stelle auf S. 2. Ich kann Ihnen diesen Aufsatz auf Wunsch gerne zur Verfügung stellen.)

4 White/Buvelot, 1999, S. 40

5 Brusati, 1995, S. 41


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