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Zeichentheoretische Aspekte der Körpersprache

Thesis (M.A.), 2004, 85 Pages
Author: Carina Dickschus
Subject: German Studies - Linguistics

Details

Category: Thesis (M.A.)
Year: 2004
Pages: 85
Grade: 1,7
Bibliography: ~ 45  Entries
Language: German
Archive No.: V33495
ISBN (E-book): 978-3-638-33947-6

File size: 1247 KB


Excerpt (computer-generated)

U n i v e r s i t ä t D u i s b u r g - E s s e n
Campus Duisburg
Fakultät 2: Germanistik
Linguistik

Zeichentheoretische Aspekte der Körpersprache

Magisterarbeit

zur Erlangung
des akademischen Grades Magistra Artium

vorgelegt von

Carina Dickschus

Essen, 23. Juni 2004

 

Inhaltsverzeichnis

1 Einleitung ... 1

2 Menschliche Kommunikation ... 4
2.1 Definition von Kommunikation ... 4
2.2 Einfaches Kommunikationsmodell ... 7
2.3 Der Kommunikationskode ... 8
2.4 Kommunikationsmodell nach Bühler ... 10

3 Theoretische Grundlagen der Zeichentheorie ... 12
3.1 Semiotik  ... 12
3.2 Der Zeichenbegriff ... 13
3.3 Das semiotische Dreieck  ... 15
3.4 Die Semiose - Die drei Dimensionen des Zeichens ... 16
3.5 Typologie der Zeichen ... 18
3.6 Arbitrarität und Konventionalität ... 21

4 Theoretische Grundlagen der Körpersprache ... 25
4.1 Körpersprache und nonverbale Kommunikation ... 27
4.2 Die Elemente der Körpersprache ... 29
4.2.1 Gestik ... 29
4.2.2 Mimik ... 30
4.2.3 Blickkommunikation ... 34
4.2.4 Taktile Kommunikation ... 38
4.2.5 Proxemik ... 41
4.2.6 Chronemik ... 43
4.3 Allgemeine Ansätze zur nonverbalen Kommunikation ... 46
4.3.1 Der kinesische Ansatz nach Birdwhistell ... 47
4.3.2 Der klassifizierende Ansatz nach Ekman und Friesen ... 49
4.4 Die drei wichtigen Verwendungsbereiche von Körpersprache ... 51
4.4.1 Mitteilung von Gefühlen ... 51
4.4.2 Äußerung von interpersonalen Einstellungen ... 52
4.4.3 Mitteilungen über die Persönlichkeit ... 53

5 Zusammenspiel von verbaler und nonverbaler Kommunikation ... 57
5.1 Gestik in der Rede ... 59
5.2 Typologie von Gesten ... 61
5.2.1 Sprachunabhängige Gesten ... 61
5.2.2 Sprachabhängige Gesten ... 62
5.3 Die Hände als Mittel zur Darstellung ... 64
5.4 Körpersprache als entscheidendes Moment in der verbalen Sprache ... 67

6 Schlussbetrachtung: Zeichencharakter nonverbaler Kommunikation ... 70
6.1 Der nonverbale Zeichenbegriff und seine Typologie ... 70
6.2 Die drei Dimensionen nonverbaler Kommunikation ... 72
6.3 Arbitrarität und Konventionalität von nonverbalen Zeichen ... 73
6.4 Körper - Zeichen - Sprache ... 75

7 Abbildungsverzeichnis ... 77

8 Literaturverzeichnis ... 78

 

1 Einleitung

Der Mensch ist ein sozial geprägtes Wesen und sein Leben wird von Geburt an durch Kommunikation bestimmt1. Kommunikation besitzt daher einen wichtigen Stellenwert im menschlichen Leben. Die zwischenmenschliche Kommunikation besteht jedoch nicht nur aus verbalen Botschaften, sondern auch aus einer Reihe von nonverbalen Signalen. Wenn Menschen sich miteinander unterhalten, bedienen sie sich ihrer Körpersprache2, die wie automatisch in die Konversation mit einfließt und dem Bereich des Bewussten meist verborgen bleibt. Wie in dieser Arbeit herausgestellt wird, besteht zwischen der verbalen Sprache und der Körpersprache eine Verbindung. Die beiden Bereich befinden sich in einem Zusammenspiel. Die nonverbalen Kommunikationsmöglichkeiten können der verbalen Sprache Nachdruck verleihen, sie modifizieren oder sie auch völlig ersetzen. Aus diesem Grund ist es auch notwendig, wenn man sich mit der Untersuchung von verbaler Kommunikation beschäftigt, auch den Bereich des Nonverbalen hinzuzuziehen. Dieser Erkenntnis versperren sich jedoch die meisten Wissenschaften, die sich nicht explizit mit dem Thema Körpersprache beschäftigen3. Wie sich zeigen wird, ist gerade die Analyse von Körpersprache in ihrer Verknüpfung zur verbalen Kommunikation sinnvoll. 

Anders als in den Wissenschaften steht die Körpersprache heutzutage im Mittelpunkt des gesellschaftlichen Interesses: „... es ist modern geworden, sich mit Körpersprache zu beschäftigen.“ (Argyle 1985, S. 21) Das Interesse der Menschen ihre eigenen nonverbalen Fähigkeiten zu entdecken und zu beherrschen ist groß. Daher ist das Thema Körpersprache und ihre Bedeutung in der zwischenmenschlichen Kommunikation auch den Medien nicht verschlossen geblieben und sie präsentieren es ihren Konsumenten als den geheimnisvollen Bestandteil der zwischenmenschlichen Kommunikation, den es zu entschlüsseln gilt.

Menschen benutzen die Sprache ihres Körpers fortwährend. Selbst während eines Telefongespräches bei dem der Gesprächspartner nicht sichtbar ist, wird die Körpersprache eingesetzt. Wenn man sich die Aufgabe stellen würde, den Kontakt zu einem anderen Menschen bewusst zu vermeiden, würde es nicht gelingen, keinen Eindruck zu hinterlassen4. Verantwortlich dafür sind die verschiedenen nonverbalen Elemente, wie Gestik, Mimik, Blickkommunikation, taktile Kommunikation, Proxemik und Chronemik, die dazu beitragen, dass Menschen beurteilt werden. Die Art ihrer körpersprachlichen Erscheinung lässt Rückschlüsse auf mögliche Einstellungen oder Absichten des Gegenüber zu. Diese Interpretation erfolgt jedoch zum größten Teil unbewusst. Eine verschränkte Armhaltung, das Meiden eines Blickkontaktes oder auch eine Berührung des Gesprächspartners sind nonverbale Signale5, die durch den Empfänger automatisch mit einer Bedeutung belegt werden. Ein bewusstes Nachdenken über die Körpersprache ereignet sich erst, wenn sie dem Kode widerspricht. Es zeigt sich in dieser Arbeit, dass der Kommunikationskode kulturell determiniert ist und in der zwischenmenschlichen Kommunikation eine wichtige Rolle erfüllt, denn er bestimmt das Repertoire an verbalen wie auch nonverbalen Kommunikationsmitteln, die zur Kommunikation benutzt werden und ohne eine kulturelle Übereinkunft nicht zu verstehen sind.

Die verbale Sprache besteht aus einem System von kleineren Einheiten6. Die Zeichentheorie hat es sich zur Aufgabe gemacht die verbale Sprache und ihre Zeichen zu untersuchen. Im Bezug auf die nonverbale Kommunikation stellt sich die Frage, ob nonverbale Signale auch im Sinne der Zeichentheorie als Zeichen zu sehen sind und inwieweit verbale Zeichen und nonverbale Signale miteinander in Beziehung stehen? Um diese Fragen zu klären ist es notwendig in Kapitel 2 die zwischenmenschliche Kommunikation in ihren Grundzügen darzustellen, um einen geeigneten Hintergrund zu erhalten. Anschließend werden in Kapitel 3 dieser Arbeit grundlegende Elemente der Zeichentheorie erläutert, um später einen Maßstab zu bekommen, mit dem der Zeichencharakter in der nonverbaler Kommunikation ermittelt werden kann. Um zeichentheoretische Aspekte in der Körpersprache ausmachen zu können, muss deshalb auch auf die einzelnen Elemente der Körpersprache, sowie auf Theorien nonverbaler Kommunikation und ihrer Verwendungsbereiche, eingegangen werden. Damit beschäftigt sich Kapitel 4. Anschließend wird in Kapitel 5 am Beispiel der Gestenverwendung dargestellt, inwieweit verbale und nonverbale Kommunikation miteinander in Beziehung stehen. Am Ende dieser Arbeit werden die erläuterten Aspekte der Körpersprache und der Zeichentheorie in Kapitel 6 miteinander verglichen, um den Zeichencharakter nonverbaler Kommunikation ermitteln zu können.

2 Menschliche Kommunikation

In diesem Kapitel geht es um Kommunikation im Allgemeinen. Was versteht man unter Kommunikation? Wie verläuft der Kommunikationsvorgang? Folgt er bestimmten Regeln? Die Beantwortung dieser Fragen soll im Mittelpunkt dieses Kapitels stehen.

2.1 Definition von Kommunikation

Bevor jedoch einzelne Aspekte der menschlichen Kommunikation betrachtet werden können, muss geklärt sein, was genau unter Kommunikation verstanden wird. Kommunikation ist eine allgemeine Sammelbezeichnung für alle Vorgänge, in denen eine bestimmte Information gesendet und empfangen wird. Der Informationsaustausch erfolgt durch den Ausdruck und die Wahrnehmung von Zeichen7 aller Art. Diese Zeichen können systematisch einer:

[....]


1 Nach der Geburt eines Kindes ist die Mutter-Kind-Beziehung die erste körpersprachliche Verbindung (vgl. Gibson, Ingold 1993, S. 11).

2 Die Begriffe Körpersprache und nonverbale Kommunikation werden in Kapitel 4.1 näher erläutert.

3 Ein Grund für die Vernachlässigung des Themas Körpersprache ist die vorherrschende Auffassung von der Trennung Ratio und Emotio. Aufgrund der Annahme bezüglich einer Zweiteilung in höhere und niedere Gehirnfunktionen wird die Ratio, die in den höheren Gehirnfunktion lokalisisert wurde, mit der verbalen Sprache gleichgesetzt. Die Emotio, die den niederen Gehirnfunktion zugeordnet wurde, entspricht der Körpersprache (vgl. Kühn 1999, S. 54).

4 Watzlawick geht davon aus, dass es unmöglich ist, nicht zu kommunizieren. Selbst Schweigen ist ein Akt der Kommunikation (vgl. Watzlawick, Beavin, Jackson 1996, S. 51).

5 Der Terminus des nonverbalen Signals wird in dieser Arbeit für jegliche körpersprachliche Äußerung verwendet werden.

6 Die kleineren Einheiten in der verbalen Sprache sind zum Beispiel Sätze, Wörter oder Buchstaben. Die nonverbale Kommunikation lässt sich zwar auch in ihre einzelne körpersprachliche Elemente einteilen, jedoch ist die verbalen Sprache viel komplexer strukturiert.

7 In diesem Kapitel über die menschliche Kommunikation kann der Begriff des Zeichens auch auf den Bereich des Nonverbalen bezogen werden.


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