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Offener Unterricht und Kindorientiertes Lernen

Examination Thesis, 2004, 145 Pages
Author: Gina Giede
Subject: Pedagogy - School Pedagogics

Details

Category: Examination Thesis
Year: 2004
Pages: 145
Grade: 1,3
Bibliography: ~ 90  Entries
Language: German
Archive No.: V33507
ISBN (E-book): 978-3-638-33957-5

File size: 3465 KB


Excerpt (computer-generated)

Offener Unterricht
und Kindorientiertes Lernen

Schriftliche Hausarbeit 

im Rahmen der
Ersten Staatsprüfung für das Lehramt für die Primarstufe
dem Staatlichen Prüfungsamt für Erste
Staatsprüfungen für Lehrämter an Schulen Essen

vorgelegt von: 

Gina Giede

Essen, Mai 2004
Universität Duisburg-Essen, Standort Essen
Erziehungswissenschaften E2

 

Inhaltsverzeichnis

1. Einleitung ... 4

2. Forschungsstand, Quellenlage und aktuelle Bedeutung des Offenen Unterrichts  ... 8

3. Ansätze der klassischen Reformpädagogik – die historischen Wurzeln des Offenen Unterrichts  ... 15
3.1. Ellen Key  ... 16
3.2. Maria Montessori  ... 18
3.3. Berthold Otto  ... 20
3.4. Hugo Gaudig  ... 23
3.5. Célestin Freinet  ... 26
3.6. Helen Parkhurst  ... 29
3.7. Peter Petersen  ... 31
3.8. Resümee über die reformpädagogischen Ansätze  ... 34

4. Neue reformpädagogische Ansätze  ... 39
4.1. Community Education  ... 40
4.2. Alternativschulpädagogik  ... 43
4.3. Offener Unterricht  ... 46

5. Unterschiede zwischen den klassischen und den neuen Reformpädagogiken  ... 50

6. Offener Unterricht und Kindorientiertes Lernen  ... 54
6.1. Zum Begriff „Kindorientiertes Lernen“  ... 54
6.2. Was bedeutet „Öffnung“ bzw. „Offener Unterricht“?  ... 56
6.3. Merkmale, Dimensionen und Ziele des Offenen Unterrichts  ... 59
6.4. Unterrichtsformen  ... 66
6.4.1. Freie Arbeit  ... 67
6.4.2. Wochenplanarbeit  ... 70
6.4.3. Stationslernen  ... 77
6.4.4. Werkstattunterricht  ... 80
6.4.5. Projektunterricht  ... 83
6.5. Der pädagogischer Auftrag der Grundschule  ... 87
6.6. Zur Begründung Offenen Unterrichts  ... 90
6.6.1. Veränderte Kindheit  ... 90
6.6.2. Schlüsselqualifikationen  ... 97
6.7. Konzept Ganztagsgrundschule  ... 101
6.8. „Stufenmodell“ zum Offenen Unterricht  ... 106

7. Einführung des Offenen Unterrichts  ... 110

8. Grundschulpädagogische Konsequenzen  ... 114
8.1. Lehrersein im Offenen Unterricht  ... 114
8.2. Voraussetzungen für Offenen Unterricht und damit verbundene Veränderungen in den Grundschulen  ... 126

9. Resümee  ... 137

Literaturverzeichnis  ... 140

Abbildungsverzeichnis  ... 145

 

1. Einleitung

„Offener Unterricht und Kindorientiertes Lernen“ ist das Thema meiner Arbeit. Ich möchte dem Leser das Konzept des Offenen Unterrichts aufzeigen und dabei eine Orientierung in einer Fülle von Definitionen und Vorstellungen schaffen. In meiner bisherigen universitären Ausbildung habe ich im Zusammenhang mit Offenem Unterricht oft Begriffe gehört, wie z.B. offenes Lernen, offene Lernsituationen, Öffnung von Schule, Wochenplanunterricht ¸ Projektunterricht, Freie Arbeit, entdeckendes Lernen, selbstgesteuertes Lernen, u.a.. Meiner Arbeit werden keine einzelnen Begriffserklärungen vorausgehen, da ich es wichtiger finde, die Begriffe in einem Gesamtzusammenhang zu klären. Vorab kann man jedoch sagen, dass es keine einheitliche Definition gibt, genauso wenig wie es den Offenen Unterricht gibt.

Die Motivation für das Thema der folgenden Arbeit kam aus meinen bisherigen Praktika an zwei Essener Grundschulen, in denen ich erste praktische Erfahrungen mit Offenem bzw. geöffnetem Unterricht sammeln durfte. Im Vergleich zu meiner eigenen Grundschulzeit, die nunmehr fünfzehn Jahre zurückliegt und in der, mit Ausnahme einiger Stuhlkreise, überwiegend ein gleichschrittiger Frontalunterricht stattfand, hat sich Einiges verändert. Inspiriert begann ich damit, mich mit dem Thema Offener Unterricht zu beschäftigen. Ich las zunächst „Offene Schule – Offener Unterricht“, ein Ratgeber für Eltern und Lehrer von Wulf Wallrabenstein und „Offener Unterricht zum Schulanfang“, ein Erfahrungsbericht der Grundschullehrerin Bärbel Nicolas und realisierte erstaunt, dass das Thema bereits zu meiner Schulzeit aktuell war. Obwohl ich keine schlechten Erfahrungen mit meiner Grundschulzeit verbinde, hegte ich während des Lesens insgeheim den Wunsch, solch einen Unterricht miterlebt zu haben. Da ich nun bald ins Referendariat einsteigen werde, ergibt sich mir die Chance, geöffneten Unterricht zu erleben und zu praktizieren.

„Was fällt Ihnen bei einer Reise in Ihre Schulzeit ein? [...] Schließen Sie die Augen, und entdecken Sie die alten Bilder!“ (Wallrabenstein 1998, S. 24f.) Mit diesen Worten lädt Wallrabenstein seinen Leser zu dem Gedankenexperiment ein, sich an Geschichten seiner Schulzeit zu erinnern. Ich bin dieser Einladung gefolgt und landete mit meinen Gedanken in der 3. Klasse im Religionsunterricht:


Wir haben vor einigen Wochen die 10 Gebote besprochen. Heute lautet unsere Aufgabenstellung: „Wie stellst du dir Gott vor? Male ein Bild von ihm.“ Meine Einwände, dass man sich nach dem ersten Gebot doch kein Bild von Gott machen soll, werden zunächst mehrfach ignoriert. Nachdem alle Schüler damit begonnen haben ihre Vorstellung zu Papier zu bringen, versucht meine Religionslehrerin mich durch Überzeugungskraft und Argumenten, wie „Die anderen Kinder malen doch auch!“, zur Aufgabe zu zwingen. Sie scheitert und ich verbringe den Rest der Religionsstunde vor der Tür.

Enttäuscht komme ich von meiner Gedankenreise zurück. Leistung war wichtiger als Schülerorientierung, Platz für alternatives Denken gab es nicht.

Ein am Kind orientierter Unterricht fördert die selbstständige Entwicklung der Lernfreude und Lernbereitschaft. Die Fähigkeit „Lernen zu lernen“ ist eine Grundvoraussetzung für das Leben und steht im Zentrum des Offenen Unterrichts. Die Schulreform und die Einführung des Offenen Unterrichts sind eine Reform von „unten“ nach „oben“, d.h. der Beginn liegt in der Grundschule. Aus diesem Grund und durch meinen Studiengang Lehramt für die Primarstufe begründet werde ich mich in dieser Arbeit auf die Grundschule beziehen.

Im Folgenden zeige ich meine methodische Vorgehensweise auf:

Zu Beginn der Arbeit werde ich auf die grundschulpädagogische Diskussion seit 1970 eingehen, die sich mit dem Thema Öffnung beschäftigt und mich anschließend mit der aktuellen Thematik des Offenen Unterrichts befassen.

In diesem Zusammenhang werde ich die zentralen Quellen meiner Arbeit vorstellen. 

Im weiteren Verlauf führe ich einen historischen Exkurs durch, um aufzuzeigen, dass die Forderung nach Öffnung von Schule und Unterricht auf die klassische Reformpädagogik zurückzuführen ist, deren Ansätze bereits Anfang des 20. Jahrhunderts formuliert wurden. Ich beziehe mich auf sieben bedeutende Reformpädagogen – Ellen Key, Maria Montessori, Berthold Otto, Hugo Gaudig, Célestin Freinet, Helen Parkhurst und Peter Petersen – und werde die verschiedenen Ansätze auf Gemeinsamkeiten und Unterschiede, sowie auf ihre Bedeutung für den heutigen Offenen Unterricht untersuchen. Nach dem historischen Exkurs in die klassische Reformpädagogik werde ich meinen Blick auf neuere reformpädagogische Ansätze richten. Die wichtigsten Ansätze der neuen Reformpädagogik sind Community Education, Alternativschulpädagogik und Offener Unterricht. Um die klassischen und neuen reformpädagogischen Ansätze in Bezug zueinander zu bringen, werde ich anschließend auf Gemeinsamkeiten und Unterschiede beider eingehen.

Im folgenden Teil gehe ich dann auf den Offenen Unterricht und Kindorientiertes Lernen ein und werde nach der Klärung und Einordnung der zentralen Begriffe die Merkmale, Dimensionen und Ziele des Offenen Unterrichts genauer untersuchen. Diesbezüglich werde ich anschließend auf die fünf Formen – Freie Arbeit, Projektunterricht, Wochenplanarbeit, Stationsarbeit und Werkstattunterricht – eingehen und ihre Umsetzung und Anwendbarkeit im Offenen Unterricht näher erläutern. Um Offenen Unterricht zu begründen, werde ich vorab einen Einblick in den pädagogischen Auftrag der Grundschule geben und anschließend zur Begründung auf die Aspekte „Veränderte Kindheit“ und „Stärkung der Schlüsselqualifikationen“ eingehen. Die Forderung auf Veränderungen zu reagieren hat das Konzept der Ganztagsschule ins Gespräch gebracht, das ich im Bezug zum rhythmisierten Schulalltag vorstellen werde. Zum Abschluss dieses Teils werde ich in einem Exkurs das Stufenmodell von Falko Peschel vorstellen und bewerten.

[....]


Comments

Jürgen Göndör
16.09.2008 21:58:08
Kommentar
Das Stufenmodell Falko Peschels stellt einen Bruchteil seiner Arbeit dar, die in Bezug auf den Offenen Unterricht als kopernikanische Wende bezeichnet werden darf. Der Rest der Arbeit scheint - nach dem Inhaltsverzeichnis und der Einleitung zu urteilen - davon keine Kenntnis zu nehmen. Insofern wird hier möglicherweise ein veralteter Forschungsstand referiert. Die reformpädagogischen Ansätze lassen die wichtigen Ansätze der Versuchsschulen und Lebensgemeinschaftsschulen der zwanziger Jahre vollkommen aus. Insofern wird ein unvollständiger Forschungsstand referiert. Die Bewertung von 1,3 ist somit nicht ganz nachzuvollziehen - der Preis - da muss jeder selbst entscheiden.
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