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Die Staatsbibliotheken in Berlin mit einem Blick auf Bibliotheken in Oslo und Kopenhagen

Hauptseminararbeit, 2004, 31 Seiten
Autor: Melanie Kehr
Fach: Skandinavistik

Details

Veranstaltung: HS: Hauptstadtplanung und –architektur in Berlin und Oslo – Ein Vergleich
Institution/Hochschule: Humboldt-Universität zu Berlin (Nordeuropa-Institut)
Tags: Staatsbibliotheken, Berlin, Blick, Bibliotheken, Oslo, Kopenhagen, Hauptstadtplanung, Berlin, Oslo, Vergleich
Kategorie: Hauptseminararbeit
Jahr: 2004
Seiten: 31
Note: 1,0
Literaturverzeichnis: ~ 41  Einträge
Sprache: Deutsch
Archivnummer: V33521
ISBN (E-Book): 978-3-638-33971-1

Dateigröße: 428 KB


Textauszug (computergeneriert)

Humboldt-Universität zu Berlin
Philosophische Fakultät II
Nordeuropa-Institut
HS: Hauptstadtplanung und –architektur in Berlin und Oslo – Ein Vergleich

Die Staatsbibliotheken in Berlin mit einem Blick auf
Bibliotheken in Oslo und Kopenhagen

von: Melanie Maase

 


Inhaltsverzeichnis

Vorbemerkung 3

I) Staatsbibliothek zu Berlin – Preußischer Kulturbesitz 5

I.1) Staatsbibliothek zu Berlin – Haus Unter den Linden 5

I.1.1) Historische Entwicklung und Vorgängerbauten 5
I.1.2) Der Ihne-Bau 6
I.1.3) Entwicklung seit dem Zweiten Weltkrieg 7
I.1.4) Kritik 9
I.1.5) Funktion 10

I.2) Staatsbibliothek zu Berlin – Haus Potsdamer Straße 11

I.2.1) Stadtplanerisches Konzept und Architekturwettbewerb 12
I.2.2) Der Scharoun-Bau 12
I.2.3) Kritik 14
I.2.4) Funktion 16

II) Die Universitätsbibliothek Oslo – Georg Sverdrups Hus 17

II.1) Entwicklung und Vorgaben des Architekturwettbewerbes 17
II.2) Georg Sverdrups Hus 18
II.3) Kritik 19
II.4) Funktion 20

III) Der Erweiterungsbau der Königlichen Bibliothek Kopenhagen – Der „Schwarze Diamant“  21

III.1) Entwicklung und Vorgaben des Architekturwettbewerbs 21
III.2) Der „Schwarze Diamant“  22
III.3) Kritik 23
III.4) Funktion 24

IV) Schlussbemerkung 26

Literaturverzeichnis 29


 

Vorbemerkung

Bibliotheksbauten zählen zu den ältesten Gebäudetypen der Welt. Ihre Geschichte reicht bis in das dritte Jahrtausend v.Chr. zurück, in dem erstmals Bibliotheken in Mesopotamien entstanden. Ihre Architektur wurde im Wandel der Zeit aber immer von gleich bleibenden Faktoren bestimmt: Entscheidend waren sowohl die Form des aufzubewahrenden Mediums – von der Tontafel bis hin zu digitalen Dokumenten – , die wechselnde Art der Benutzung, die ununterbrochene Steigerung des Angebotes an Medien als auch der künstlerische bzw. architektonische Stilwandel. Bibliotheken übernahmen und übernehmen zeitgleich mehrere Aufgaben, denn sie sind zu einem Teil Zweckbauten bzw. Funktionsbauten, d.h. sie sollen ein Ort sein, an dem der Bibliotheksnutzer schnell gewünschte Informationen findet und diese unter möglichst optimalen Bedingungen studieren kann. Diese Aufgabe korrespondiert in hohem Maße mit der heute gültigen funktionsorientierten Definition des Begriffes „Bibliothek“: „Die Bibliothek ist eine Einrichtung, die unter archivarischen, ökonomischen und synoptischen Gesichtspunkten publizierte Information für die Benutzer sammelt, ordnet und verfügbar macht.“1 Weiterhin sind Bibliotheksgebäude Repräsentationsbauten, d.h., sie sollen den Stellenwert, den „das Wissen“ in der jeweiligen Gesellschaft hat, repräsentieren. Letztendlich sind Bibliotheken auch öffentlich finanzierte Bauten, d.h. sie müssen in sowohl ihren Baukosten als auch in ihren laufenden Kosten an die wirtschaftliche Situation angepasst sein.

Diese Multifunktionalität sollte im optimalen Falle natürlich in der Architektur berücksichtigt werden. Die komplizierten funktionalen und technischen Anforderungen beim Bau einer Bibliothek gehen weit über das übliche Maß dessen hinaus, was beispielsweise im Wohnungs- oder Verwaltungsbau gefordert ist. Lesesäle müssen z.B. sowohl repräsentative Aufgaben übernehmen als auch eine Atmosphäre erzeugen, die den Leser zu geistiger Arbeit inspiriert. Diese Arbeit unternimmt den Versuch, anhand der Beispiele der Staatsbibliothek zu Berlin – Preußischer Kulturbesitz, der neuen Universitätsbibliothek in Oslo und des Erweiterungsbaus der Königlichen Bibliothek in Kopenhagen die Entwicklung im europäischen Bibliotheksbau und die gewandelte Bedeutung von Bibliotheken zu veranschaulichen.

Die Gebäude sollen in ihrer Konzeption, Ausführung und Entwicklung beschrieben werden. Ein besonderes Augenmerk liegt hierbei auf der intendierten Funktion der jeweiligen Bibliothek, ausgehend von der zuvor skizzierten Multifunktionalität. Weiterhin soll – soweit es die Rezeptionsgeschichte zulässt – die Kritik an den Gebäuden Thema sein, wobei hauptsächlich funktionale Aspekte bewertet werden, aber auch der jeweilige „Zeitgeist“, besonders im Hinblick auf ästhetische Gesichtspunkte, nicht unberücksichtigt bleiben. Ein direkter baulicher Vergleich der beschriebenen Bauten soll allerdings schon aufgrund der unterschiedlichen Zeit der Entstehung nicht unternommen werden.

Die Schlussbetrachtung widmet sich nochmals genauer der Kritik an Bibliotheksbauten und versucht, zu beantworten, inwieweit der Bau einer „idealen Bibliothek“ überhaupt ein realistisches Ziel sein kann. Als Ausblick wird versucht, eine mögliche zukünftige Entwicklung der Bibliotheksarchitektur, angepasst an die gewandelte Bedeutung der Einrichtung Bibliothek, zu skizzieren.

I. Staatsbibliothek zu Berlin – Preußischer Kulturbesitz

Die Staatsbibliothek erstreckt sich in Berlin über zwei Gebäude: Das Haus Unter den Linden und das Haus Potsdamer Straße. Sie ist mit ihrem Bestand von ca. 10 Millionen Medien eine der größten Universalbibliotheken Deutschlands und übernimmt für den Publikationszeitraum von 1871 bis 1914 auch nationalbibliothekarische Funktionen. In kaum einer anderen Institution manifestiert sich die Spaltung Deutschlands und Berlins stärker. Beide Gebäude, das von Ernst von Ihne entworfene Bibliotheksgebäude Unter den Linden genauso wie die von Hans Scharoun entworfene Bibliothek am Kulturforum sind auch Ausdruck unterschiedlicher architektonischer Auffassungen von der Art der Wissensvermittlung.

I.1) Staatsbibliothek zu Berlin – Haus Unter den Linden

I.1.1) Historische Entwicklung und Vorgängerbauten

Die Staatsbibliothek zu Berlin wurde bereits 1661 vom Großen Kurfürsten Friedrich Wilhelm unter dem Namen Churfürstliche Bibliothek zu Cölln an der Spree gegründet. Dieser gab seine private Büchersammlung für den – zeitgemäß eingeschränkten – öffentlichen Gebrauch frei. Die Bibliothek befand sich im ersten Stock des sogenannten Apothekenflügels des Berliner Schlosses, einem nach Norden vorangetriebenen und an das Schloss angelehnten Gebäudeteil, welcher „im Stil der Spätrenaissance mit hohem Ziegeldach, Giebeln und Erker im sächsischen Geschmack“2 errichtet worden war. Der Name deutet auf die Hofapotheke hin, die im Erdgeschoss untergebracht war. 1701 wurde die Bibliothek unter König Friedrich I. in Königliche Bibliothek zu Berlin umbenannt. Im Apothekenflügel blieb die Bibliothek ca. 120 Jahre lang, aber das bei fast allen Bibliotheken immer wieder auftauchende Problem des Platzmangels verlangte dann nach einem neuen Gebäude. Als Folge wurde 1775-1784 ein eigenes Bibliotheksgebäude am Opernplatz errichtet, welches heute die Juristische Fakultät der Humboldt-Universität beherbergt. Die „Ähnlichkeit des Grundrisses mit der Linienführung einer barocken Kommode“3 brachte dem Bau im Volksmund den Beinamen (Alte) Kommode ein. Zur Eröffnung schreibt Eugen Paunel:

„Die Eröffnung des Bibliothekspalastes im Jahre 1784 bedeutet den Beginn einer neuen Aera in der Geschichte der Königlichen Bibliothek.“4 Bereits 1786 hatte die Bibliothek einen Bestand von 150.000 Bänden und um die Jahrhundertwende vom 19. zum 20. Jahrhundert „ist die Königliche Bibliothek nach Bestand und Benutzung zur größten und leistungsfähigsten Bibliothek des deutschen Sprachraumes“5 geworden. Die Bedingungen für die Benutzer waren allerdings kaum als gut zu bezeichnen. Es häuften sich Klagen über einen feuchten Lesesaal, in dem die Bücher stark litten, sowie über ein fast unmögliches Arbeiten in den kalten Räumen.6 Die Form des Gebäudes brachte gleichfalls für die Bibliothekare Probleme mit sich: „Die gewundenen Linien erlaub[t]en auch im Innern des Hauses nicht, den Saal und seine Bücherschätze mit einem Blick zu übersehen.“7 Hinzu kam, dass im Jahr 1905 der Bestand auf bereits 1,2 Millionen Bände angewachsen war und der Platzmangel nicht mehr durch Provisorien ausgeglichen werden konnte. Erneut bedurfte es der Errichtung eines neuen Bibliotheksgebäudes.

I.1.2) Der Ihne -Bau

[...]


1 Ewert, Gisela / Umstätter, Walther: Lehrbuch der Bibliotheksverwaltung. Stuttgart 1997, S. 10.

2 Paunel, Eugen: Die Staatsbibliothek zu Berlin. Ihre Geschichte und Organisation während der ersten zwei Jahrhunderte seit ihrer Eröffnung 1661-1871. Berlin 1965, S. 3 (künftig zitiert als: Paunel).

3 Ebd., S. 59.

4 Paunel, S. 55.

5 Staatsbibliothek zu Berlin – Preußischer Kulturbesitz (Hrsg.): 325 Jahre Staatsbibliothek in Berlin. Das Haus und seine Leute. Buch und Ausstellungskatalog. Wiesbaden 1986, S. 11.

6 Vgl. Paunel, S. 92.

7 Ebd., S. 60.


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