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Essay, 2005, 12 Pages
Author: Julian Hamann
Subject: Sociology - Classics, Basics and Theoretical Directions
Details
Institution/College: University of Bamberg (Institut für Soziologie)
Tags: Feld, Geisteswissenschaften, Krise, Hauptseminar, Pierre, Bourdieu
Year: 2005
Pages: 12
Grade: 1,0
Bibliography: ~ 10 Entries
Language: German
ISBN (E-book): 978-3-638-34014-4
File size: 173 KB
Die von Bourdieu in "Homo academicus" beschriebene Krise des Feldes der philosophischen Fakultäten wird mit der gegenwärtigen Krise der Geisteswissenschaften in Deutschland in Zusammenhang gebracht. Gliederung: Verortung und Struktur, Ausbruch der Krise(n), Synchronisierung der Einzelkrisen, Lösungsmöglichkeiten.
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Excerpt (computer-generated)
Fachgruppe für Soziologie der Universität Bamberg
Lehrstuhl für Soziologie II
HS Allgemeine Soziologie: Ausgewählte Probleme – Pierre Bourdieu
5. Semester
Das Feld der Geisteswissenschaften in der Krise
von: Julian Hamann
1. Einleitung 2
2. Verortung und Struktur der Geisteswissenschaften 3
3. Die Krise 6
3.1 Ausbruch der Krise 6
3.2 Ausweitung der Krise/Synchronisation der Einzelkrisen 8
4. Lösungsmöglichkeiten 11
Verwendete Literatur: 13
1. Einleitung
In diesem Essay soll die derzeitige Situation der Geisteswissenschaften in Deutschland mit den Ausführungen von Pierre Bourdieu zum Begriff des Feldes der philosophischen Fakultät und seiner Strukturen und Mechanismen in Zusammenhang gebracht werden. Voraussetzung für die Herstellung eines Zusammenhangs ist die Annahme, daß das universitäre Feld im Frankreich des Jahres 1968, also Bourdieus vornehmlicher Untersuchungsgegenstand, in seinen Strukturen, Regeln und Mechanismen mit dem zur Zeit in Deutschland vorherrschenden universitären Feld weitgehend homolog ist. Diese Homologie wird im vorliegenden Essay ohne eingehende Prüfung angenommen, zum einen, weil die Feststellung einer Homologie oder Nicht-Homologie bei weitem nicht im Umfang dieses Essays zu bewerkstelligen wäre. Zum anderen liegt der Fokus dieser Arbeit auf dem Vergleich der Krisen der beiden Felder, und einige von Bourdieus Überlegungen zu Krisen „lassen sich, [...], auf jede Krise (oder Revolution) ausdehnen“ (Bourdieu, 1992, S. 258). Aufgrund der Fokussierung der Krisen der beiden Felder stehen eventuelle Unterschiede in der Funktionsweise oder Struktur dem Erkenntnisgewinn also nicht direkt im Wege und sind demnach als zweitrangig zu betrachten. Bekannte Unterschiede in der Struktur der universitären Felder Frankreichs und Deutschlands, z. B. die Existenz französischer Eliteuniversitäten in Form der Grandes Écoles, werden natürlich in die Überlegungen mit einbezogen. Eine weitere (zumindest ungefähre) Übereinstimmung, die in dieser Arbeit vorausgesetzt wird, ist die zwischen den „philosophischen Fakultäten“, die Bourdieu behandelt, und den „Geisteswissenschaften“, die momentan in Deutschland Gegenstand zahlreicher Diskussionen sind.
Diese Diskussionen, die sich vorrangig um den „Nutzen“ der Geisteswissenschaften für die Gesellschaft und damit verbundene Forderungen und/oder Warnungen drehen, sollen hier als Äquivalent zur von Bourdieu beschriebenen Krise des universitären Feldes in Frankreich im Jahr 1968 dienen. So können Unterschiede oder Gemeinsamkeiten bezüglich der Struktur und Funktionsweise der Krisen hervorgehoben werden. Unter Berücksichtigung des Themas des Seminars, in dessen Rahmen dieses Essay geschrieben wird, erfolgt die Darlegung der Bourdieuschen Ausführungen zur Krise der philosophischen Fakultät ausführlicher als die Beschreibung des Zustands der Geisteswissenschaften in Deutschland.
Zu Beginn wird unter Punkt 2 dargestellt, wo Bourdieu die philosophische Fakultät/Geisteswissenschaften im universitären Feld verortet, außerdem soll dem Leser ein Bild von der Struktur der philosophischen Fakultät ermöglicht werden. Ferner wird versucht, die Geisteswissenschaften in Deutschland in ein Feld einzuordnen. Der Zustand der Krise wird unter Punkt 3 phasenweise vom Ausbruch und seinen möglichen Gründen zu der Ausweitung, Symbiose und möglichen Folgen sowohl im Bereich der Geisteswissenschaften in Deutschland als auch in der Konzeption Bourdieus beschrieben. Im Anschluss sollen unter Punkt 4 eventuelle Lösungsmöglichkeiten für die behandelten Krisen aufgezeigt werden.
2. Verortung und Struktur der Geisteswissenschaften
Im folgenden sollen zunächst die Struktur und das Umfeld der philosophischen Fakultät in Frankreich beschrieben werden. Die von Bourdieu den philosophischen und humanwissenschaftlichen Fakultäten zugeordneten Geisteswissenschaften (vgl. Bourdieu, 1992, S. 77) liegen ihm zufolge zwischen den äußersten Polen des universitären Feldes. Diese Pole sind durch unterschiedliche Legitimationsprinzipien gekennzeichnet, zum einen der gesellschaftliche oder weltliche Pol, welcher durch die Abhängigkeit von den Prinzipien des weltlich orientierten Macht-Feldes gekennzeichnet ist. Zum anderen nennt Bourdieu den Wissenschaftspol, hier ist eine Betonung der Autonomie der wissenschaftlichen und intellektuellen Ordnung zu beobachten (vgl. Bourdieu, 1992, S. 101). So wird eine Struktur des universitären Feldes gezeichnet, an dessen einem Ende die gesellschaftlich einflussreichen und wissenschaftlich dominierten, eher forschungsorientierten Fakultäten (beispielsweise Jura und Medizin) stehen, während an dem anderen Pol die gesellschaftlich dominierten und wissenschaftlich dominanten Fakultäten (Naturwissenschaften) zu finden sind. Der Hauptunterschied zwischen den beiden Extremen ist der Stellenwert und die Form von wissenschaftlicher Arbeit (vgl. Bourdieu, 1992, S. 107). Zwischen diesen Polen des universitären Feldes siedelt Bourdieu die philosophischen Fakultäten, also auch die Geisteswissenschaften, an. Ihm zufolge werden an diesem Ort sowohl die Eigenschaften des Wissenschaftspols als auch die Logik des weltlichen Pols vereint. Demnach ist die philosophische Fakultät in sich noch einmal nach dem Prinzip des gesamten universitären Feldes gegliedert. Die jeweils an den Polen herrschenden Legitimations- oder Hierarchisierungsprinzipien sind in der philosophischen Fakultät in ausgeglichenerer Form vertreten (vgl. Bourdieu 1992, S. 133). Aufgrund der Existenz dieser zwei Hierarchisierungsprinzipien gibt es auch zwei Machtformen in der philosophischen Fakultät, nämlich die universitäre Macht und „ein Ensemble unterschiedlicher Machtarten“ (Bourdieu, 1992, S. 142/143), welches vorwiegend im wissenschaftlichen oder intellektuellen Gebiet angesiedelt ist.
[...]
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