Von den Utopien der neuen Frauenbewegung hin zu einer feministischen Demokratietheorie

Autor: Janine Ketering
Fach: Politik - Politische Theorie und Ideengeschichte

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Details

Kategorie: Seminararbeit
Jahr: 2005
Seiten: 32
Note: gut
Literaturverzeichnis: ~ 27  Einträge
Sprache: Deutsch
Dateigröße: 413 KB
Archivnummer: V33592
ISBN (E-Book): 978-3-638-34036-6

Textauszug (computergeneriert)

RWTH Aachen
Institut für Politische Wissenschaft
Proseminar: Perspektiven der Differenz. Reflexionen über Demokratie,
Geschlecht und Kultur - auf der Basis der Schriften von Seyla Benhabib

Von den Utopien der neuen Frauenbewegung
hin zu einer feministischen Demokratietheorie

von: Janine Ketering

 


Inhaltsverzeichnis

Einleitung 3

1. Frauenbewegung und Feminismus- eine Begriffserläuterung  5

2. Die deutsche Frauenbewegung  6

2.1. Die Anfänge 6
2.2. Die erste Frauenbewegung 7
2.3. Die neue Frauenbewegung 10

3. Utopien der Neuen Frauenbewegung 14

3.1. Politische Struktur 15
3.2. Ökonomie/ Ökologie 17
3.3. Gesellschaft/ Individuum und Gemeinschaft 18

4. Von der Utopie zur feministischen Demokratietheorie 19

4.1. Pro und Contra: Direkte Demokratie 20
4.2. Warum feministische Demokratietheorie direktdemokratisch sein sollte 27

5. Zusammenfassung 29

Literaturverzeichnis 31




Einleitung

Feminismus?!
Ein Wort, das aus unserem alltäglichen Sprachgebrauch meist nicht mehr weg zu denken ist. Immerhin gibt es feministische Literatur und Zeitschriften, feministische Wissenschaft, feministische Parteien, feministische Buchläden, feministische Kunst und vieles mehr. Die Suchmaschine Google findet für den Begriff „feministisch“ rund 170.000 Internetseiten in deutscher Sprache.
Doch fragt man Frauen –vor allem jüngere Frauen- was sie mit dem Begriff Feminismus verbinden, bekommt man häufig solche Antworten: „Feministinnen tragen lila Latzhosen und haben kurze Haare“, „Feministinnen hassen alle Männer“ oder „Feminismus, ist das überhaupt noch zeitgemäß?“.
Bei dem Begriff „Frauenbewegung“ herrscht meist noch größere Ratlosigkeit. Wer kennt schließlich heute noch Frauen wie Luise Otto-Peters oder Clara Zetkin?

In dieser Arbeit wird deshalb ein breiter Bogen gespannt, von der Geschichte der Frauenbewegung, über deren literarische Utopien des 20. Jahrhunderts hin zu einer heute aktuellen – auf den Utopien basierenden - feministischen Demokratietheorie. Zu Anfang werden erst einmal die zwei grundlegenden Begriffe dieser Arbeit - Feminismus und Frauenbewegung - definiert und in Relation zueinander gestellt (Kapitel 1). Im zweiten Kapitel wird dann die historische und aktuelle Entwicklung der deutschen Frauenbewegung besprochen. Ziel dieses Kapitels ist es, zu zeigen was die Frauenbewegung früher war und was sie heute ist. Im Anschluss daran gehe ich auf die literarischen Utopien der 70er Jahre ein (Kapitel 3). Am Anfang steht hier eine kurze Schilderung der Situation bzw. der Lebensumstände der Frau in dieser Zeit, um deutlich zu machen, wie solche Utopien entstanden sind und entstehen konnten. Danach werde ich versuchen die Inhalte der utopischen Romane zusammenfassend zu skizzieren. Hauptaugenmerk liegt hierbei auf der politischen Organisation, der ökonomischen und ökologischen Struktur und auf dem Individuum innerhalb der Gemeinschaft. Von der literarischen Utopie spanne ich dann den Bogen zur feministischen Demokratietheorie (Kapitel 4), d. h. in diesem Kapitel steht der Versuch von diesen feministischen Utopien ausgehend zu Ansätzen einer feministischen Demokratietheorie zu gelangen. Am Anfang des vierten Kapitels steht eine kurze Begründung, warum eine feministische Demokratietheorie berechtigt ist zu existieren bzw. vielmehr warum sie existieren muss. Am Ende des Kapitels stelle ich die These auf, dass Formen direkter Demokratie in Deutschland umsetzbar und vor allem auch durchaus wünschenswert für Feministinnen sind, da sie helfen können demokratische Defizite zu füllen. Und das aus diesem Grund eine feministische Demokratietheorie direktdemokratisch sein sollte. Im anschließenden Text werde ich von direktdemokratischen Institutionen immer als Ergänzung der parlamentarischen Demokratie sprechen. In den darauf folgenden Kapiteln habe ich die direkte Demokratie auf ihre Umsetzbarkeit und Übereinstimmung mit dem Feminismus untersucht. Kapitel 4.1. widmet sich der Umsetzbarkeit der direkten Demokratie in Deutschland und diskutiert deren Pros und Contras. In Kapitel 4.2. zeige ich dann auf, warum eine feministische Demokratietheorie – meiner Meinung nach - direktdemokratisch sein sollte. Den Abschluss meiner Arbeit bildet eine kurze Zusammenfassung, in der auf die wichtigsten Inhalte und Aussagen dieser Arbeit noch einmal kurz eingegangen wird.

An dieser Stelle möchte ich noch kurz die für meine Arbeit wichtigsten Autoren nennen. Für die Darstellung der Geschichte der deutschen Frauenbewegung waren die Bücher von Nave- Herz, Cordes und Gerhard am hilfreichsten. Diese Bücher bieten einen sehr ausführlichen Überblick über die gesamte Geschichte von 1845 bis heute. Literatur zu den feministischen Utopien der 70er Jahre zu finden war immens viel schwerer. Als einziges Buch, das hier einen guten Überblick verschaffen kann, ist „Utopien der Neuen Frauenbewegung“ von Holland- Cunz zu nennen. Abschließend möchte ich aus der Masse der Bücher über direkte Demokratie die Arbeiten Jungs und Schillers herausheben.

1. Frauenbewegung und Feminismus – eine Begriffserläuterung

„Die Begriffe Frauenbewegung und Feminismus hängen irgendwie zusammen – aber wie? Unter Feminismus stelle ich mir eher etwas Theoretisches vor, unter Frauenbewegung eher etwas Praktisches; Konkretes“ (Pusch 1982, S.9). Aber was bedeuten diese Begriffe und worin genau besteht ihr Zusammenhang? Dieser Frage geht Pusch in der Einleitung ihres Buches „Feminismus- Inspektion der Herrenkultur“ nach. Einige Zeilen später gibt sie die Antwort: „Die Frauenbewegung ist eine soziale Bewegung, die sich für die Rechte der Frau einsetzt“ (Pusch 1982, S.9). Im Brockhaus findet man die Definition etwas ausführlicher. Hier bezeichnet man die Frauenbewegung als eine soziale und politische Bewegung, „die alle Versuche und Initiativen von Frauen umfasst, ihre spezifischen Interessen organisiert zu vertreten, ihrer Benachteiligung auf politischem, sozialem und wirtschaftlichem Gebiet entgegenzuwirken sowie geschlechtsspezifische Rollenzuweisung und Arbeitsteilung aufzuheben“ (www.brockhaus.de). Die Frauenbewegung in Deutschland unterteilt sich in die ältere oder erste Frauenbewegung (ca. seit 1865) und in die Neue Frauenbewegung (ca. seit 1969).

Feminismus dagegen bezeichnet einerseits die Theorie der Frauenbewegung (wobei diese Theorie eigentlich aus vielen einander ergänzenden und einander auch widersprechenden theoretischen Ansätzen besteht), andererseits kann man diesen Begriff auch für die Frauenbewegung selbst benutzen. Allerdings wird die Bezeichnung Feminismus meist nur für die Neue Frauenbewegung verwendet, da die alte Frauenbewegung auf dem Gebiet der Theorien eigentlich nicht gearbeitet hat. Die Umkehrung gilt aber logischerweise nicht: Frauenbewegung bezeichnet nicht die Theorie der Frauenbewegung (vgl. Pusch 1982, S.9). „Gemeinsam ist allen feministischen Positionen der Kampf gegen das Patriarchat als Herrschaft der Männer über die Frauen, das sowohl historisch wie gegenwärtig die gesellschaftlichen und individuellen Beziehungen kennzeichnet und prägt“ (Lissner 1988, S.304). Differenzen gibt es unter den Vertreterinnen der verschiedenen feministischen Positionen jedoch um die Wege dorthin und um die Rangfolge und Bewertung der Strategien, die diese grundlegenden Veränderungen ermöglichen und durchsetzen sollen. Nave- Herz zitiert in ihrem Werk „Die Geschichte der Frauenbewegung in Deutschland“ Ingrid Schmidt- Harzbach, eine Vertreterin der Neuen Frauenbewegung. Diese schreibt über diese Definitionen hinaus: „Feminismus ist nicht nur eine politische Überzeugung. Es ist eine neue Lebensform, die wir uns Schritt für Schritt erkämpfen müssen. Deshalb haben wir auch nichts Fertiges zu bieten. Den Frauen soll nichts von außen aufgesetzt werden, weder politisches Wissen noch Engagements für andere. Sie sollten vielmehr sich selbst in den Mittelpunkt stellen, ihre eigene Unzufriedenheit benennen und mit anderen betroffenen Frauen zusammenarbeiten“ (Nave- Herz 1993, S.70).

2. Die deutsche Frauenbewegung

2.1. Die Anfänge

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