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Termpaper, 2004, 20 Pages
Author: Agnes Reuter
Subject: Art - Overall Considerations
Details
Tags: Autobiografische, Bezüge, Frühwerk, Louise, Bourgeois, Beispiel, Personnages
Year: 2004
Pages: 20
Grade: gut
Bibliography: ~ 12 Entries
Language: German
ISBN (E-book): 978-3-638-34095-3
File size: 338 KB
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Abstract
Während der langen Schaffensperiode von Louise Bourgeois lässt sich eine Entwicklung in ihren Werken beobachten. Da sind die frühen Zeichnungen, die Figuren der Personnages, den Installationen der Cells, die wohl am Bekanntesten von ihr geworden sind, bis hin zu ihren letzten Werken, bei denen sie sich wieder der Zeichnung zugewandt hat. Im Laufe der vorliegenden Arbeit fokussierte sich mein Blick auf die Personnages, die sich durch ihre Abstraktion und Ästhetik in besonderem Maße auszeichen und an denen sich autobiografische Bezüge im Werk von Louise Bourgeois erkennen lassen. Dafür ist es wichtig neben ihrer Biografie auch auf den Primitivismus einzugehen, da die langen hölzernen Stelen (frei stehende Säulen) formal von ihm geprägt sind. Des Weiteren wird ein Vergleich zu den Künstlern Constantin Brancusi, Alberto Giacometti und Max Ernst bedeutsam um somit das künstlerische Umfeld um Louise Bourgeois zu beleuchten. Louise Bourgeois’ Leben ist sehr eng mit ihrer Kunst verknüpft und man kann beides nicht losgelöst voneinander betrachten.
Excerpt (computer-generated)
Autobiografische Bezüge im Frühwerk von Louise Bourgeois
am Beispiel der Personnages
von: Agnes Reuter
Gliederung
1. Einleitung
2. Biografie von Louise Bourgeois
3. Die Personnages
3.1. Der Primitivismus und sein Einfluss auf die Personnages
3.2. Vergleiche der Personnages mit Werken von Alberto Giacometti, Constantin Brancusi und Max Ernst
4. Autobiografische Bezüge in Werk von Louise Bourgeoise
4.1. Bezüge von Louise Bourgeois Leben in den Personnages
5. Resümee
6. Bibliografie
1. Einleitung
Die erste Begegnung, die ich mit dem Werk von Louise Bourgeois gemacht habe, war die mit ihren großen Spinnen. Eine von ihnen ist vor dem Guggenheim Museum in Bilbao/ Spanien ausgestellt und scheint mit ihrer überproportionalen Größe die Besucher zu beobachten. Ergriffen von den filigranen, schlanken Beinen und dem großen metallenem Körper war es eine Mischung aus Unbehagen und Faszination, die mich bannte. (Abb.1) Ein Jahr später fuhr ich im Zuge eines Seminars zu einer Exkursion nach Berlin um mir unter anderem eine Ausstellung von Louise Bourgeois anzuschauen. Wir wurden mit solchem Enthusiasmus und Anteilnahme durch die Ausstellung geführt, dass mein Interesse für die Künstlerin weiter gesteigert wurde. Während der Auseinadersetzung mit der Künstlerin Louise Bourgeois und ihren Werken wuchs meine Begeisterung für sie. Es erschien mir immer unglaublicher, dass eine Künstlerin seit so vielen Jahren bis ins hohe Alter von 94 Jahren, immer noch tätig ist.
Während ihrer langen Schaffensperiode kann man eine Entwicklung in ihren Werken beobachten. Da sind die frühen Zeichnungen, die Figuren der Personnages bis hin zu den Installationen der Cells, die wohl am Bekanntesten von ihr geworden sind, bis hin zu ihren letzten Werken, bei denen sie sich wieder der Zeichnung zugewandt hat. Ursprünglich war es mir ein Bedürfnis über die Angst im Werk der Künstlerin zu schreiben. Da es sich jedoch bei ihr um einen Menschen handelt, der sich vor vielem fürchtet und ihre Ängste des Lebens in allen ihrer Arbeite n zu Ausdruck bringt, wäre dies ein zu großes Gebiet geworden, da ich all ihre Werke und Schaffensprozesse mit hätte einbeziehen müssen. Im Laufe der Recherchen fokussierte sich mein Blick auf die Personnages, die mich durch ihre Abstraktion und Ästhetik bannten. In dieser Arbeit möchte ich autobiografische Bezüge im Werk von Louise Bourgeois am Beispiel der Personnages untersuchen. Dafür finde ich es wichtig neben ihrer Biografie auch auf den Primitivismus einzugehen, da die langen hölzernen Stelen (frei stehende Säulen) formal von ihm geprägt sind. Des Weiteren finde ich einen Vergleich zu den Künstlern Constantin Brancusi, Alberto Giacometti und Max Ernst bedeutsam um das künstlerische Umfeld um Louise Bourgeois zu beleuchten. Louise Bourgeois’ Leben ist sehr eng mit ihrer Kunst verknüpft und man kann beides nicht losgelöst voneinander betrachten.
2. Biografie von Louise Bourgeois
Wenn man sich mit autobiografischen Bezügen im Werk von Louise Bourgeois auseinandersetzt, ist es wichtig ein Gespür für die Künstlerin zu entwickeln und sich so weit wie möglich in ihre Lebenszeit hinein zu versetzen. Dafür müssen wir in das Paris vor fast hundert Jahren zurück reisen. Eine Stadt voller moderner Entwicklungen und bestimmend in dem internationalen Kunstdiskurs. Eine Metropole für Menschen mit neuen kreativen Ideen. Es ist die Zeit des Moulin Rouge, des Amüsements und neuartigen technischen Erfindungen. In diese Stadt wird am 25.12.1911 Louise Bourgeois als Tochter eines Teppich- Restaurateurs geboren. Als zweite Tochter hatte sie mit Vorwürfen des Vaters ihr gegenüber zu kämpfen, nicht als Junge geboren worden zu sein.
„Wenn man eine Tochter in die Welt setzt, muß einem erst vergeben werden, so wie meiner Mutter vergeben wurde, weil ich das genaue Ebenbild meines Vaters war. Das war der erste Punkt bei dem ich Glück hatte. Vielleicht, weil er mich wie den Sohn behandeln konnte, den er gewollt hatte. Ich war begabt genug, um die Ansprüche meines Vaters zu erfüllen. Das war der zweite Punkt, bei dem ich Glück hatte.“ (S.19)1 Um den Vater gnädig zu stimmen erhielt sie dessen Name: Louise. Sie verbrachte ihre Kindheit in den Wirren des 1.Weltkrieges. Ihr Vater kam schon bald als Kriegsverwundeter aus dem Kriege zurück. Nach dessen Genesung nahm die Familie die beiden Söhne seines Bruders auf, der im Kampf gefallen war. Louise Bourgeois hatte das Gefühl ihr Territorium gegenüber den älteren Jungen jeden Tag auf neue verteidigen zu müssen.2
In der Zeit nach 1918 war das Leben der jungen Louise Bourgeois geprägt von der Pflege der Mutter, die an der spanischen Grippe erkrankt war und zeitlebens nicht mehr ganz gesund wurde. Louise Bourgeois und ihre Geschwister (eine ältere Schwester und ein jüngerer Bruder) erhielten privaten Englischunterricht von Sadie Gordon Richmond, die 10 Jahre lang die Geliebte des Vaters, mit Duldung der Mutter, war. Louise Bourgeois litt sehr unter der Mätresse des Vaters, die gleichzeitig ihre Lehrerin war, der man Respekt erweisen musste. In der neuen Frauenmode von Coco Chanel zu einer Zeit, da das Korsett für die Frauen noch gar nicht lange zurück lag, konnte man die zur Dame heranwachsende Louise durch die Stadt spazieren sehen. Es war die Zeit in der die emanzipatorische Bewegung langsam ihren Lauf nahm. Die Kleider waren nicht mehr so tailliert, sondern sehr viel bequemer. Sie symbolisierten das neue Frauenbild. Durch die Tapisserierestauration ihres Vaters erlangte Louise Bourgeois schon früh ein künstlerisches Handwerk, indem sie half Zeichnungen für zerstörte Partien in Teppichen zu fertigen. Sie kreierte neue dekorative Muster und Figuren, die in alte Teppiche eingewebt wurden.
[...]
1 Rainer Crone, Petrus Graf Schaesberg. Louise Bourgeois – Das Geheimnis der Zelle. Prestel Verlag, 1998 S.19
2 Vgl. Ebenda S.21
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