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Scholary Paper (Seminar), 2005, 27 Pages
Author: Robert Sippl
Subject: German Studies - Modern German Literature
Details
Institution/College: Friedrich-Alexander University Erlangen-Nuremberg (Institut für Germanistik)
Tags: Hugo, Hofmannsthals, Elektra, Adaption, Stoffes, Mythologie, Proseminar, Phänomen, Dekadenz, Literatur
Year: 2005
Pages: 27
Grade: 1,7
Bibliography: ~ 32 Entries
Language: German
ISBN (E-book): 978-3-638-34199-8
File size: 106 KB
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Excerpt (computer-generated)
Universität Erlangen-Nürnberg
Institut für Germanistik
Proseminar Das Phänomen der Dekadenz in der Literatur um 1900
3. Fachsemester
Hugo von Hofmannsthals Elektra - eine moderne
Adaption eines Stoffes der antiken Mythologie
von: Robert Sippl
1. Einleitung S.4
2. Hugo von Hofmannsthals Elektra – eine moderne Adaption eines Stoffes der antiken Mythologie S.5
2.1. Antike Überlieferung, Hofmannsthals Rezeption des sophokleischen Dramas und weitere moderne Gestaltungen S.5
2.2. Die Figur Elektra S.7
a)der erste Auftritt Elektras S.8
b)Elektra und Chrysothemis S.10
c)Elektra – eine Femme fatale? S.13
d)Elektras Handlungsgehemmtheit S.15
e)Elektras Tod S.16
2.3. Hofmannsthals Elektra als Dokument ästhetischer und geistiger Strömungen um 1900 S.18
a)Das veränderte Antikenbild S.18
b)Das Interesse an der Psychologie S.20
c)Die Rolle des Dialoges und die Erkenntniskrise um 1900 S.20
3. Literaturverzeichnis S.24
3.1. Primärliteratur S.24
3.2. Sekundärliteratur S.26
1. Einleitung
Aischylos, Sophokles und Euripides, die bedeutendsten griechischen Tragiker der Antike, beeinflussten die Weltliteratur auf mannigfache Weise nachhaltig und wurden zum Vorbild für eine kaum zu beziffernde Anzahl von späteren Schriftstellern. Die Stoffe ihrer Dramen wurden übernommen und neu bearbeitet. Das in der deutschsprachigen Literatur wohl bekannteste Beispiel ist Goethes Iphigenie auf Tauris. Als antike Vorlage diente Goethe vor allem Iphigenie bei den Taurern von Euripides. Aber nicht nur die Stoffe, sondern auch die dramatischen Techniken der antiken Dichter wurden nachgeahmt. Als bekannte Beispiele wären etwa das Lustspiel Der zerbrochene Krug von Heinrich von Kleist und das Drama Gespenster von Henrik Ibsen zu nennen. Beide Dramen übernehmen die von Sophokles in der Tragödie König Ödipus meisterhaft verwendete Technik des analytischen Dramas. Bei allen Adaptionen antiker Stoffe bzw. Techniken gibt es im Vergleich zur antiken Vorlage Konstanten, aber natürlich auch Veränderungen. Letztere sind für die Interpretation einer modernen Adaption besonders relevant, da die individuelle Gestaltung auf Leben, Fühlen und Denken des jeweiligen Verfassers und auf die ästhetischen und geistigen Strömungen seiner Zeit verweist. Dies ist besonders bei dem Drama Elektra von Hugo von Hofmannsthal der Fall. Hofmannsthal selbst war sich dessen wohl bewusst: „Ich ging von dem Gedanken aus eine Art freier Nachdichtung zu schaffen, dann aber bemächtigte sich die Phantasie des Stoffes und es wurde eben eine völlig neue Dichtung daraus, die wahrscheinlich für einen späteren Leser einmal sehr deutlich das Gepräge ihrer Entstehungszeit, Anfang des XXten Jahrhunderts, tragen wird.“1
Ziel dieser Arbeit soll es sein, die wichtigsten Grundlinien des Charakters der Elektra aufzuzeigen. Ein abschließender Abschnitt skizziert kurz das Verhältnis von Hofmannsthals Elektra zum veränderten Griechenbild, zur Beschäftigung mit der Psychologie, zur Rolle des Dialoges im Drama und der Erkenntniskrise um 1900. Ein einführender Abschnitt gibt einen kurzen Überblick über Überlieferung und verschiedene antike und moderne Bearbeitungen der Elektra-Thematik.
2. Hugo von Hofmannsthals Elektra - eine moderne Adaption eines Stoffes der antiken Mythologie
2.1. Antike Überlieferung, Hofmannsthals Rezeption des sophokleischen Dramas und weitere moderne Gestaltungen
Erstmals schriftlich festgehalten wurden die Grundzüge der Handlung, aus denen sich später der Elektra-Stoff entwickeln sollte, in der Odyssee des Homer. Berichtet wird von der Ermordung Agamemnons durch Klytämnestra und Ägisth sowie von der anschließenden Rache durch Orest.2 Elektra wird nicht erwähnt. Erstmals - soweit durch Überlieferung bekannt - dramatisch behandelt wurde der Stoff von Aischylos im zweiten Teil der Oresteia, den Grabesspenderinnen. Vor Aischylos wurde die Orestie vermutlich schon von den dorischen Dichtern Xanthos und Stesichoros bearbeitet.3 Als eigenständiges Theaterstück verarbeitete erstmals Sophokles die Elektra-Thematik und leistet damit die „eigentliche Gründung dieser Gestalt als einer ganz und gar von Rachedurst erfüllten, aber auch leidenden Elektra.“4 Eine weitere Fassung von Euripides ist erhalten. Hofmannsthal greift vor allem auf die Bearbeitung von Sophokles zurück. Im Ganzen handelt es sich bei Hofmannsthals Drama jedoch um eine sehr freie Bearbeitung des überlieferten Stoffes: „Das Verhältnis zu Sophokles ist ein sehr freies, ich habe die Gestalten so behandelt, wie ich sie gesehen habe, meine Intention war ganz pietätlos, etwas zu machen, das auf Menschen unserer Zeit wirken kann und zwar nicht nur auf die Bildungsgefühle, sondern auf die gewöhnlichen menschlichen Gefühle.“5
Übernommen hat Hofmannsthal nur das äußere Handlungsgerüst: Den einleitenden Monolog Elektras sowie die vier Dialoge zwischen Elektra und Chrysothemis, Elektra und Klytämnestra, Elektra und Chrysothemis sowie Elektra und Orest. Prolog und Chor fehlen.6 Bei den dramatis personae wurde auf Pylades verzichtet. Diese Fassung der Elektra wurde 1903 mit der Schauspielerin Gertrud Eysoldt als Elektra uraufgeführt. Eine Opernfassung des Stückes von Richard Strauss wurde am 25. Januar 1909 uraufgeführt und übertraf den Erfolg des Theaterstücks bei weitem.7
[...]
1 Brief an Robert Breuer vom 23. September 1928. In: Hugo von Hofmannsthal, Sämtliche Werke. Kritische Ausgabe. Veranstaltet vom Freien Deutschen Hochstift. Hrsg. von Rudolf Hirsch, Christoph Perels und Heinz Rölleke. Bd. VII. Dramen 5. Hrsg. von Klaus E. Bohnenkamp und Mathias Mayer. Frankfurt am Main 1997, S.474.
2 Vgl. Homer, Odyssee, 3,234ff.
3 Vgl. Maria Hirsch-Bachmeier, Moderne Adaptionen des Elektra-Stoffes. Hofmannsthal, Sartre, Giraudoux. Magisterarbeit. Erlangen 1986, S.3.
4 Käte Hamburger, Von Sophokles bis Sartre. Griechische Dramenfiguren antik und modern. Stuttgart 1962, S.77.
5 Brief an Christiane Thun-Salm vom 12. Oktober [1903]. In: Hofmannsthal, Sämtliche Werke VII, S.376.
6 Vgl. Michael Worbs, Nervenkunst. Literatur und Psychoanalyse im Wien der Jahrhundertwende. Frankfurt am Main 1983, S.277.
7 Vgl. ebd., S.270.
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