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Die Informationsgesellschaft im Globalisierungsprozess. Strukturelle Eigenschaften, politische Gestaltung und Risiken

Scholarly Paper (Advanced Seminar), 2004, 37 Pages
Author: Aleksander Szumilas
Subject: Politics - International Politics - Topic: Globalisation, Political Economics

Details

Category: Scholarly Paper (Advanced Seminar)
Year: 2004
Pages: 37
Grade: 1,3
Bibliography: ~ 29  Entries
Language: German
Archive No.: V34165
ISBN (E-book): 978-3-638-34468-5

File size: 455 KB


Excerpt (computer-generated)

Die Informationsgesellschaft im Globalisierungsprozess.
Strukturelle Eigenschaften, politische
Gestaltung und Risiken

von: Aleksander Szumilas

7. Semester

 


Inhaltsverzeichnis

1. DIE INFORMATIONSGESELL SCHAFT IM GLOBALISIERUNGSPROZESS 2

2. STRUKTURELLE EIGENSCHAFTEN DE R INFORMATIONSGESELLSCHAFT 4

2.1 Neue Produktivkräfte 4
2.2 Neue Informations- und Kommunikationstechnologien 7
2.3 Wandel der Arbeit 8
2.4 Zunehmende inner- und außergesellschaftliche Interdependenz 10

3. POLITISCHER KONTEXT: PROZESSE AUF DER EBENE DER EUROPÄISCH EN UNION 12

3.1 Vorgeschichte der Europäischen Telekommunikationspolitik 12
3.2 Leitbild der „europäischen“ Informationsgesellschaft: einheitlicher Binnenarkt im Telekommunikationssektor 15
3.3 Liberalisierungsmaßnahmen und (erhoffte) Entwicklungen bzw. Potentiale der Informationsgesellschaft auf europäischer Ebene 16

4. DIE INFORMATIONSGESELLSCHAFT UND DEREN ENTWICKLUNG IN DEUTSCHLAND 19

4.1 Sozialpolitische Programme der Bundesregierung und deren Ministerien 19
4.2 Wirtschaftsprogrammatische Maßnahmen und Zielsetzungen 22
4.3 Um bau von Bürokratie. Ziel: effizientere staatliche Dienstleistungen und steigende Partizipationschancen der Bürger 25

5. RISIKEN DER INFORMATIONSGESELLSCHAFT 27

5.1 Problem der Sicherheit 27
5.2 Neue soziale Risiken für das Individuum 29

6. RESÜMEE UND AUSBLICK 31

7. LITERATURVERZEICHNIS 34


 

1. Die Informationsgesellschaft im Globalisierungsprozess

Globalisierung, das Schlagwort in Politik, Ökonomie und Soziologie, bezeichnet mehr als nur transnationale Verflechtungen und zunehmende Interdependenz zwischen einzelnen Volkswirtschaften bzw. Märkten. Dass es eine Epoche bezeichnet, in der Kapitalströme so ungehindert wie noch nie zuvor zwischen Finanzmärken fließen und Börsenmakler die Anlagemöglichkeiten weltweit innerhalb kürzester Zeiten vergleichen können, ist lediglich eine der vielen Facetten der Globalisierung. Auch die Produktionsverlagerung einzelner Unternehmen in Niedriglohnländer, mit dem Ziel, die Kosten-Nutzen Relation im Bereich der Produktion ergiebig auszuschöpfen und sich auf dem Weltmarkt zu behaupten, ist nur ein weiterer – zwar nicht zu unrecht – aber dennoch lediglich zu sehr auf die ökonomische Seite ausgerichteter Blick. Viele Autoren beschränken sich auf die Analyse der Bestimmungszwänge durch den „Weltmarkt“ bzw. durch transnationale Konzerne, so auch Narr und Schubert, die von der „ Weltökonomie als Definitionsmacht“ 1 ausgehen und durch eine etwas pessimistisch angehauchte Herangehensweise auffallen. Dies stellt der Leser spätestens dann fest, wenn die These einer übergeordneten und erfolgreichen Weltregierung zerschlagen wird und der „ Weltstaat gewaltförmigen Konflikten eher zuarbeite als diese eindämme.“ 2 Doch auch komplexere und weiter ausgelegte Analysen liegen vor. Treffend differenziert beispielsweise Michael Zürn den Prozess der Globalisierung detaillierter aus. Hierbei versteht er die „Ausweitung gesellschaftlicher und wirtschaftlicher Handlungszusammenhänge über die politischen Grenzen des Nationalstaates hinaus.“ 3 Somit bewegt sich die Betrachtungsweise neben der ökonomisch-politischen Dimension auch auf die soziologische Ebene. Darunter stoßen Fragen nach gesellschaftlichen Wandlungsprozessen ebenso auf wie eine Skepsis gegenüber traditionellen nationalstaatlichen Aufgaben und Handlungsweisen. Folglich sind nicht nur ökonomische Faktoren entscheidend, auch innergesellschaftlicher Wertewandel und ökologische Risiken sind relevant, so auch Zürn: „die Zerstörung der stratosphärischen Ozonschicht, die Klimaerwärmung, die Abnahme der Artenvielfalt, die zunehmende Wüstenbildung sind heute Ausdruck einer Weltrisikogesellschaft.“ 4

Was aber verbindet den Begriff der „Informationsgesellschaft“ mit dem Globalisierungsprozess? Die Antwort darauf kann – ohne langwierige Überlegungen – sofort gegeben werden: die Informationsgesellschaft ist eine der vielen Facetten der Globalisierung. Einerseits bedingt sie den Globalisierungsprozess, da dieser mit der Informationsgesellschaft innerhalb eines Staates – sowohl durch Wechselwirkungen zwischen den einzelnen Individuen, als auch zwischen Individuen und Gruppen bzw. Organisationen – getragen wird. Dies beinhaltet vor allem Prozesse und Veränderung en auf der innergesellschaftlichen Ebene. Andererseits wird die „gesellschaftliche Informierung“ durch die Globalisierung verstärkt und in bestimmte Entwicklungsfelder gelenkt. Dabei dominieren wieder die makrostrukturellen Gegebenheiten und Abläufe, wie beispielsweise politische Organisationen und deren gefällte Richtlinien. Vereinfacht gesagt: „Informationsgesellschaft und Globalisierung gehen Hand in Hand.“ 5 Die Informationsgesellschaft soll als neuer Vergesellschaftungstypus der Globalisierung verstanden werden, die die Industrienation des traditionellen Nationalstaates ablöst. Z war forcieren die Staaten die Entwicklungen „ihrer“ Informationsgesellschaft, doch kann die Informationsgesellschaft nicht mehr „national“ abgegrenzt werden. Die Informationsgesellschaft ist ein grenzüberschreitender bzw. transnationaler Gesellschaftstypus. Global ist er aber aufgrund regionaler und nationaler Disparitäten noch lange nicht, auch wenn dies unter anderem von den bedeutenden OECD-Staaten – zumindest laut Aussagen – angestrebt wird. In der folgenden Arbeit sollen zunächst Eigenschaften bzw. Strukturen der Informationsgesellschaft wiedergegeben werden, welche sich in den letzten 20 bis 30 Jahren herausgebildet haben und immer noch einer kontinuierlichen Entwicklung unterliegen. Hierbei handelt es sich vor allem um Veränderungen der Arbeits- und Lebenswelt, welche nicht zuletzt durch neue Informations- und Kommunikationstechnologie komplexer wird. Dann soll gezeigt werden, welche Initiativ en auf politischer Ebene gestartet wurden, um den Prozess der „Informatisierung“ in der Europäischen Union voranzutreiben. Dabei wird sichtbar, welche Entwicklungen gefördert werden sollen und worauf der eigentliche politische Fokus liegt. Darauf werden einige Initiativen seitens der Bundesregierung bezüglich der Informationsgesellschaft vorgestellt. Hierbei gilt es vor allem, die aufgezeigten Schritte in ihrer Wirkungsweise und ihren Ergebnissen darzustellen. Anschließend folgt eine Analyse möglicher – oftmals nicht ernst genommener – Risiken des Konzeptes der Informationsgesellschaft.

2. Strukturelle Eigenschaften der Informationsgesellschaft

Die ersten Ansätze und Überlegung en zu Informationsgesellschaft6 entstanden bereits in den 60´er Jahren des zwanzigsten Jahrhunderts, so auch Steinbicker im Bezug auf den japanischen Autor Tadao Umesao und dessen Verständnis des Begriffs de r Informationsgesellschaft: „Für Umesao bezeichnet die sich hier abzeichnende „Industrialisierung des Geistes“ eine dritte fundamentale Stufe der Evolution der Menschheit nach Agrikultur und Industrie, in der die Manipulation von Symbolen zur zentralen gesellschaftlichen Aktivität und zum Leitprinzip der Gesellschaft wird.“ 7 Die strukturellen Eigenschaften konzentrieren sich überwiegend auf neuen Produktivkräfte, auf Informations- und Kommunikationstechnologien, auf dem Wandel der Arbeit und nicht zuletzt damit einhergehend auch auf die Veränderungen bzw. Verdichtungen der gesellschaftlichen Zusammenhänge im Zuge der Ablösung der Industrienation.

2.1 Neue Produktivkräfte

Neue Produktivkräfte der Informationsgesellschaft unterscheiden sich von den Arbeitskräften des Industriezeitalters vor allem hinsichtlich der Materialien bzw . der Stoffe, die in den Verarbeitungs- und Wertschöpfungsprozes s einfließen. Während dies im Industriezeitalter überwiegend Rohstoffe waren und die körperliche Arbeit dominierte, so stellt die Informationsgesellschaft Produktivkräfte in einer Volkswirtschaft dar, wobei „die Mehrheit der Beschäftigten in Informationsberufen arbeiten, also mehr mit Information, Signalen, Symbolen, Zeichen oder Bildern umgehen als mit Kraft und Stoff.“ 8 Die Autoren Stockinger und Stifter definieren die Informationsgesellschaft als „ein System , in dem Bildung und Wissen, also Informationen, der wichtigste Faktor der Gesellschaftsentwicklung sind.“ 9 Die Prinzipien der Wertschöpfung belauf en sich also hauptsächlich auf Wissen und Innovation. Steinbickers Vergleich der Theoretiker Peter Drucker, Daniel Bell und Manuel Castell liefert – trotz einiger Unterschiede in deren Ausarbeitungen – dennoch Gemeinsamkeiten in vielerlei Hinsicht. So ist sowohl bei Drucker als auch bei Bell Wissen „ein zentraler Aspekt der Informationsgesellschaft“ 10, wodurch sich tief greifende Veränderung in Organisationsstrukturen und innergesellschaftlichen System en ergeben.

[...]


1 Narr, Wolf-Dieter/Schubert, Alexander: Weltökonomie. Die Misere der Politik, Frankfurt am Main 1994, S.12

2 Ebd., S.16

3 Zürn, Michael : Regieren jenseits des Nationalstaats, Frankfurt am Main 1998, S.9

4 Ebd., S.14

5 Fortschrittsbericht zum Aktionsprogramm der Bundesregierung. Innovation und Arbeitsplätze in der Informationsgesellschaft des 21. Jahrhunderts, Bundestagsdrucksache 14/8456 vom 7.3. 2002, S.39

6 Alternativ zum Begriff der „Informationsgesellschaft“ fallen in der Literatur auch Bezeichnungen wie „virtuelle Gesellschaft“, „Freizeitgesellschaft“, „Wissensgesellschaft“.

7 Steinbicker, Jochen: Zur Theorie der Informationsgesellschaft, Opladen 2002, S.17

8 Otto , Peter/Sonntag, Phillip: Wege in die Informationsgesellschaft, München 1985, S.7

9 Stockinger, Gottfried/ Stifter, Martin : Wege in die Informationsgesellschaft, Frankfurt am Main, 1999, S.95

10 Steinbicker, Jochen: Zur Theorie der Informationsgesellschaft, Opladen 2002, S.115


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