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Der Fall 'Kirch' in der Berichterstattung der Medien

Hauptseminararbeit, 2004, 27 Seiten
Autor: Frederik Schubert
Fach: Medien / Kommunikation - Journalismus, Publizistik

Details

Kategorie: Hauptseminararbeit
Jahr: 2004
Seiten: 27
Note: 1,0
Sprache: Deutsch
Archivnummer: V34460
ISBN (E-Book): 978-3-638-34670-2
ISBN (Buch): 978-3-638-65272-8
Dateigröße: 269 KB

Zusammenfassung / Abstract

Im ersten Quartal des Jahres 2002 stand ein Unternehmer und sein „Firmen-Konglomerat“ im Mittelpunkt der Berichterstattung, der sonst die mediale Öffentlichkeit scheute und lieber hinter den Kulissen der bunten Medienwelt agierte - Leo Kirch! Die vorliegende Arbeit untersucht die Berichterstattung über Leo Kirch bzw. die KirchGruppe in fünf ausgewählten, in Deutschland erscheinenden überregionalen Tageszeitungen. Der Schwerpunkt liegt dabei auf Artikeln und Kommentaren, die die so genannte „Springer-Option“ (Kap. 3.) und das Bloomberg-TV Interview des damaligen Deutsche Bank Vorstandssprechers Rolf-Ernst Breuer (Kap. 4.) thematisierten. Als Untersuchungsobjekt wurden Tageszeitungen gewählt, da sie aufgrund der täglichen Erscheinungsweise (Montag bis Freitag/Samstag) interessante Untersuchungsergebnisse ermöglichen. Zum einen kann über mehrere Tage die Berichterstattung einer Zeitung zu einem bestimmten Thema verfolgt werden und zum anderen sind Vergleiche der jeweiligen Berichterstattung in den Tageszeitungen untereinander möglich. Mit der Methode der Inhaltsanalyse lassen sich so Rückschlüsse auf die Quellen und bestimmte Tendenzen in der Berichterstattung herausarbeiten. Für die Untersuchung ausgewählt wurden fünf überregionale deutsche Tageszeitungen, die alle über Kompetenzen in den Bereichen Wirtschaft- und Unternehmensberichtserstattung sowie im Medienressort verfügen. Nahe liegend war es, die beiden „WirtschaftsTageszeitungen“ in Deutschland, das Handelsblatt (HB) und die Financial Times Deutschland (FTD) in die Untersuchung mit einzubeziehen. Der Schwerpunkt bei beiden Zeitungen liegt auf den Bereichen Wirtschaft und Finanzen. Bei der Frankfurter Allgemeinen Zeitung (F.A.Z.), der Süddeutschen Zeitung (S.Z.) und DIE WELT handelt es sich um überregionale Tageszeitungen im klassischen Sinne. Süddeutsche Zeitung und F.A.Z. sind die beiden mit Abstand auflagenstärksten überregionalen Tageszeitungen in Deutschland.


Textauszug (computergeneriert)

Der Fall ′Kirch′ in der Berichterstattung der Medien

von: Frederik Schubert

7. Fachsemester

 


Inhaltsverzeichnis

1. Einleitung 4

2. Vorbemerkungen zur Untersuchung der Berichterstattung im Fall Leo Kirch 6

2.1. Auswahl der Tageszeitungen 6
2.2. Die Beziehungen zwischen Leo Kirch und dem Axel Springer Verlag AG 8
2.3. Die Situation der KirchGruppe Ende des Jahres 2001  9

3. Die „Springer-Option“ - „Schlägt Springer den Kirch-Turm?“  11

3.1. Der Wert der „Springer-Option“  11
3.2. Spekulationen - Die Berichterstattung vor dem 30.01.2002 12
3.3. Reaktionen – Die Berichterstattung ab dem 30.01.2002  15

4. Leo Kirch und die Banken - (Das „Breuer-Interview“)  14

4.1. Kirchs Bankkredite  17
4.2. Das Fernsehinterview von Rolf-E. Breuer 16
4.3. Reaktionen – Die Berichterstattung nach dem 04.02.2002 20

5. Fazit  23

6. Literatur- und Quellenverzeichnis 24

6.1. Literaturverzeichnis 24
6.2. Quellenverzeichnis 25

7. Anlage 26


 

1. Einleitung

Unternehmensmeldungen sind, neben wirtschaftspolitischen Themen, ein Schwerpunkt der Wirtschaftsberichterstattung in den Medien. In Deutschland stehen zumeist die großen Aktiengesellschaften des Deutschen Aktien Index (DAX) wie zum Beispiel Daimler Chrysler, Siemens, Deutsche Telekom oder die Banken und Versicherungen im Vordergrund. Spätestens mit dem Aufkommen der „New Economy“ und dem damit eng verbundenen Hype an den Börsen weltweit, gewannen die Wirtschaftsthemen in allen Medien an Bedeutung. Dementsprechend wurden die Angebote in Qualität und Quantität deutlich ausgebaut. In der Berichterstattung selbst spielten die Vorstandsvorsitzenden eine immer wichtigere Rolle. Namen wie Jürgen Schrempp, Josef Ackermann oder Heinrich von Pierer1 sind längst auch außerhalb von Bank- und Finanzkreisen bekannt. „Die Vorstandsvorsitzenden waren plötzlich nicht mehr Männer in grauen Anzügen – sondern Superstars.“2 Genau diese Popularität der Führungskräfte kam auch, in meist freundlichen, schon fast boulevardesken Titelstories von Wirtschafts- und Anlegermagazinen zum Ausdruck. War diese Personalisierung der richtige Ansatz für eine kritische und möglichst objektive Wirtschaftsberichterstattung? Denn dies sollte ja im Sinne der Zuschauer und Leser das Ziel sein. Zumindest ein Teil der Informationen und Daten über die Unternehmen beruhen aber nach wie vor auf standardisierten Regeln.

Für große Kapitalgesellschaften (v.a. Aktiengesellschaften) bestehen in Deutschland bzw. Europa strenge Publizitätspflichten. Zum einen auf Grundlage von Gesetzen3 zum anderen in Form von Vorschriften der Börsen, an denen die Aktien notiert sind. Das heißt, sowohl UnternehmenS.Z.ahlen (z.B. Jahresabschlüsse, QuartalS.Z.ahlen) als auch Nachrichten, die den Kurs der entsprechenden Aktien beeinflussen könnten („ad hoc Meldungen“4), müssen von den entsprechenden Aktiengesellschaften veröffentlicht werden. Diese Informationen bilden eine wichtige Grundlage für die Wirtschaftsberichterstattung in den Medien. Denn jede ad hoc Meldung, jede Presseerklärung und jeder Kommentar eines Vorstandsmitgliedes wird umgehend von den Experten der Banken und Versicherungen analysiert. Über die Nachrichtenagenturen und Wirtschaftsdienste werden in sekundenschnelle entsprechende Einschätzungen oder Empfehlungen an die verschiedenen Presse- und Rundfunkmedien verbreitet. So gelangen diese Informationen vor allem per Fernsehen, Zeitschrift und Zeitung an den interessierten Rezipienten.

Doch, was ist mit Unternehmen, die nicht an den Börsen notiert sind, aber trotzdem Umsätze in Milliardenhöhe erwirtschaften? Welche UnternehmenS.Z.ahlen gibt es von Haribo, dem Otto- Versand oder Aldi? Zwar müssen diese Unternehmen, die meist als Personen- bzw. Handelsgesellschaften (OHG, KG) firmieren, auch Geschäftsberichte und Jahresabschlüsse erstellen und vorlegen.5 Nur müssen diese Angaben im Gegensatz zu den Regelungen für Kapitalgesellschaften (s. oben) eben nicht veröffentlicht werden. Hans Riegel (Haribo), Werner Otto (Otto-Versand), Klaus und Theo Albrecht (ALDI) und einige andere Unternehmer und deren Familien können so verhindern, dass Ihr Vermögen bzw. der Wert ihrer Unternehmen über die Medien bekannt wird. Stattdessen existieren in der Öffentlichkeit nur geschätzte oder unvollständige UnternehmenS.Z.ahlen.

In diesen Fällen gibt es keine Aktienkurse, keine QuartalS.Z.ahlen, keine Kaufempfehlungen von Analysten, keine Spekulationen über neue Fusionen und Strategien, ja nicht mal ein paar kontroverse Äußerungen eines Vorstandsmitglieds. Genau deshalb stehen diese Unternehmen und Unternehmer nur äußerst selten im Fokus der (tagesaktuellen) Wirtschaftsberichterstattung. Es sei denn, es passiert Außerordentliches, denn auch ein noch so verschwiegenes Familienunternehmen wird schlagartig interessant, wenn eine Pleite droht. Dann sind nicht nur die Arbeitsplätze der Arbeiter und Angestellten in Gefahr sondern häufig auch die von den Banken zur Verfügung gestellten Kredite. Da in Deutschland zumindest die großen Privatbanken alle als Aktiengesellschaften firmieren, hätte so ein Kreditausfallrisiko sofort Auswirkungen auf die GeschäftS.Z.ahlen und somit auch auf den Kurs der Aktie. Damit ist es auch auf jeden Fall ein Thema für die Wirtschaftsberichterstattung. Eine besondere Situation entsteht, wenn es sich bei dem angeschlagenen Unternehmer nicht um einen Produzenten von Gummibärchen sondern um einen „Filmpaten“6 handelt. Im ersten Quartal des Jahres 2002 stand ein Unternehmer und sein „Firmen-Konglomerat“7 im Mittelpunkt der Berichterstattung, der sonst die mediale Öffentlichkeit scheute und lieber hinter den Kulissen der bunten Medienwelt agierte - Leo Kirch!8

2. Vorbemerkungen zur Untersuchung der Berichterstattung im Fall Kirch

2.1. Auswahl der Tageszeitungen

Die vorliegende Arbeit untersucht die Berichterstattung über Leo Kirch bzw. die KirchGruppe an fünf ausgewählten, in Deutschland erscheinenden überregionalen Tageszeitungen. Der Schwerpunkt liegt dabei auf Artikeln und Kommentaren, die die so genannte „Springer-Option“ (Kap. 3.) und das Bloomberg-TV Interview des damaligen Deutsche Bank Vorstandssprechers Rolf-Ernst Breuer (Kap. 4.) thematisierten. Auf eine ausführliche Darstellung der Biografie von Leo Kirch sowie der Entstehungsgeschichte der KirchGruppe soll an dieser Stelle verzichtet werden.9 Da sich die Untersuchungen auf zwei ausgesuchte Ereignisse im Januar und Februar 2002 beziehen, werden die in diesem Zusammenhang wichtigen Fakten, sowie relevanten Kooperationen und Beteiligungen der KirchGruppe in den entsprechenden Kapiteln aufgezeigt und kurz erläutert.

Als Untersuchungsobjekt wurden Tageszeitungen gewählt, da sie aufgrund der täglichen Erscheinungsweise (Montag bis Freitag/Samstag) interessante Untersuchungsergebnisse ermöglichen. Zum einen kann über mehrere Tage die Berichterstattung einer Zeitung zu einem bestimmten Thema verfolgt werden und zum anderen sind Vergleiche der jeweiligen Berichterstattung in den Tageszeitungen untereinander möglich. Mit der Methode der Inhaltsanalyse lassen sich so Rückschlüsse auf die Quellen und bestimmte Tendenzen in der Berichterstattung herausarbeiten. Für die Untersuchung ausgewählt wurden fünf überregionale deutsche Tageszeitungen, die alle über Kompetenzen in den Bereichen Wirtschaft- und Unternehmensberichtserstattung sowie im Medienressort verfügen.

[...]


1 „Die meistgenannten Manager in der Süddeutschen Zeitung/in der Frankfurter Allgemeinen Zeitung“ in Medien Tenor Forschungsbericht Nr. 120, 15.Mai 2002, Seite 46. www.medien-tenor.de/rankings/20-tab.pdf

2 Münchau, Wolfgang: Die vierte Gewalt in der Kritik, in Financial Times Deutschland, 30.Juli 2002, Seite 30.

3 gemäß Handelsgesetzbuch § 316 ff und Aktiengesetz (AktG)

4 §15 Wertpapierhandelsgesetz (WphG)

5 gemäß Publizitätsgesetz, wenn zwei der folgenden drei Kriterien erfüllt werden: Bilanzsumme über EUR 65 Mill., Umsatz über 160 Mill. EUR, mehr als 5.000 Mitarbeiter.

6 Clark, Thomas: Der Filmpate - Der Fall des Leo Kirch, Hoffmann und Campe Verlag, Hamburg, 1. Auflage, 2002

7 Hachmeister, Lutz und Rager, Günther: Wer beherrscht die Medien? Die 50 größten Medienkonzerne der Welt - Jahrbuch 2003, Verlag C.H.Beck oHG, München, 2002, Seite 241.

8 „Präsenz von Unternehmen in Süddeutscher Zeitung und FAZ“ in Medien Tenor Forschungsbericht Nr. 120, 15.Mai 2002, Seite 39. www.medien-tenor.de/rankings/20-tab.pdf

9 ausführlich in: Clark, Thomas: Der Filmpate - Der Fall des Leo Kirch, Hoffmann und Campe Verlag, Hamburg, 1. Auflage, 2002


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