Please wait
Please install the Adobe Flash Player if no e-book is displayed.
Termpaper, 2002, 35 Pages
Author: Eva-Christina Glaser
Subject: American Studies - Literature
Details
Institution/College: Justus-Liebig-University Giessen (Neuere englische und amerikanische Literaturwissenschaft)
Tags: Chinaman, Chance, Expliziter, Kulturenkampf, David, Hwangs, Family, Devotions, American, Culture, Theatre, Recent, American, Drama
Year: 2002
Pages: 35
Grade: 1
Bibliography: ~ 31 Entries
Language: German
ISBN (E-book): 978-3-638-35130-0
ISBN (Book): 978-3-638-65289-6
File size: 283 KB
Other users also were interested in the following titles:
Abstract
Betrachtet man Geschichte und gegenwärtige Situation der ethnischen Minoritäten in den USA, zeigt sich eine fundamentale Problematik, die all diese Gruppen gemeinsam haben und die von Myrl Guy Jones in seinem Aufsatz "Rereading American Culture" als "doubleness of vision" bezeichnet wird. Gemeint ist die hybride Position der so genannten "hyphenated Americans", die sich aus der Determiniertheit durch Rasse und Ursprungsland einerseits und dem Einfluss des gegenwärtigen kulturellen Milieus andererseits konstituiert. Um dieser Problematik zu begegnen, bleiben dem Immigranten scheinbar nur zwei Möglichkeiten: Aufrechterhaltung der eigenen Kultur im fremden Land oder Assimilation an die dortigen Sitten und Gebräuche. Die Gruppe der Asien-Americans nimmt innerhalb dieser Thematik eine Sonderstellung ein, da sie den Angehörigen anderer Immigrantengruppen in Amerika nicht nur zahlenmäßig überlegen sind, sondern sich im Laufe der Zeit den Status einer Model Minority zugelegt haben - einer Minderheit, die sich der amerikanischen Kultur in vorbildlichem Maße angepasst hat und dafür mit Akzeptanz belohnt wird. Impliziert nun aber der Begriff der Model Minority, dass alle Asiaten das Problem der "doubleness of vision" durch größtmögliche Anpassung an die amerikanische Kultur gelöst haben, überrascht es dennoch nicht, dass durchaus nicht alle Asian-Americans den Weg der lückenlosen Assimilation gegangen sind. Einen wichtigen Beleg dafür liefert nicht zuletzt die Entwicklung einer eigenen Theatertradition seit 1970. Zu den bedeutendsten Vertretern dieses neuen Theaters zählt der chinesisch-amerikanische Dramatiker David Hwang, dessen Stück über die Konflikte innerhalb einer chinesisch stämmigen Familie in den USA hier behandelt werden soll. Dabei wird zunächst die Frage im Mittelpunkt stehen, in welcher Weise sich die im Stück behandelte Thematik in die amerikanische Gegenwartskultur einfügt bzw. inwieweit das Drama die Kultur Amerikas im Allgemeinen sowie die Situation der Asian-Americans im Besonderen widerspiegelt. Im Anschluss daran soll untersucht werden, auf welche Art Thema und Inhalt dramatisch dargestellt werden bzw. wie Hwang die Handlung stilistisch umsetzt. Basierend darauf geht es abschließend um die Frage, welche Aussagen sich anhand des Inhalts und der Konzeption des Dramas über Hwangs persönliche Position bezüglich der konkreten Situation der asiatischen Einwanderer in den USA und damit auch der "doubleness of vision" machen lassen.
Excerpt (computer-generated)
"Not a Chinaman′s Chance" - Expliziter und impliziter
Kulturenkampf in David Hwangs "Family Devotions"
von: Eva-Christina Glaser
9. Semester
Inhalt
Einleitung 1
1 Family Devotions als Spiegel der amerikanischen Gesellschaft 3
1.1 Asian Americans - Die Model Minority 3
1.1.1 Verdrängung der roots durch Materialismusstreben 3
1.1.2 Verdrängung der roots durch Gottesglauben 7
1.1.3 Rudimente des asiatischen Erbes 10
1.2 Heterogenität der Asian-American Community 13
2 Family Devotions – ein Stück zwischen Humor und Tragik 17
2.1 Parodie des American Way of Life 17
2.2 Überschreitung der realistischen Darstellungsweise 21
2.2.1 Glassymbolik 21
2.2.2 Feuersymbolik 23
2.2.3 Das Symbol des „racial shadow“ 26
3 Asian-Americans: Asiaten in Amerika vs. Amerikaner aus Asien 28
Literaturverzeichnis 31
Einleitung
Der Aberglaub’, in dem wir aufgewachsen,
Verliert, auch wenn wir ihn erkennen, darum
Doch seine Macht nicht über uns. – Es sind
Nicht alle frey, die ihrer Ketten spotten.
Lessing. Nathan der Weise. (IV.iv. 377-380)
Betrachtet man Geschichte und gegenwärtige Situation der verschiedenen ethnischen Minoritäten in den USA, sei es der afrikanischen, der lateinamerikanischen oder der asiatischen, erkennt man zwangsläufig eine fundamentale Problematik, die alle diese Gruppen gemeinsam haben und die von Myrl Guy Jones in seinem Aufsatz „Rereading American Culture“ als „doubleness of vision“ (253) bezeichnet wird. Gemeint ist damit die hybride Position der sogenannten hyphenated Americans, die sich aus der Determiniertheit durch Rasse und damit verbundenem Ursprungsland einerseits und dem Einfluß des gegenwärtigen kulturellen Milieus andererseits konstituiert.1 Um dieser Problematik zu begegnen bzw. um sich trotz der unausweichlichen Zerrissenheit zwischen zwei Kulturen im neuen Heimatland eine Identität aufzubauen, bleiben dem Immigranten in Amerika sowie seinen Nachkommen oberflächlich betrachtet scheinbar nur zwei Möglichkeiten. Entweder er versucht, allen Widerständen zum Trotz die Kultur, aus der er stammt, aufrecht zu erhalten und sich so seinen ethnischen Stolz zu bewahren, oder er gibt seine Wurzeln zugunsten einer möglichst vollständigen Assimilation an die Sitten und Gebräuche der neuen Kultur auf.
Obwohl nun aber die „doubleness of vision“ sowie die Frage ihrer Handhabung eine gemeinsame Basis aller ethnischen Minoritäten darstellt bzw. gerade im Hinblick auf diese Gemeinsamkeit, wird bei genauerer Betrachtung der Problematik deutlich, daß es eine Gruppierung gibt, die innerhalb dieser Thematik eine Sonderstellung einnimmt. Es handelt sich hierbei um die Gruppe der aus Japan, China und von den Philippinen stammenden Immigranten, kurz um die Asian-Americans. So unterscheiden sich diese nämlich nicht nur durch die Jahrtausende alte Kultur ihres Herkunftslandes von den meisten anderen ethnischen Minderheiten. Auch die Tatsache, daß sie den Angehörigen anderer immigrierter Gruppen zahlenmäßig überlegen sind, da in neuerer Zeit jeder zweite Einwanderer in die USA aus Asien kommt (vgl. Zinzius: 63), ist nicht als Hauptkriterium für die Sonderstellung der Asian-Americans zu sehen. Vielmehr stellen altüberlieferte Kultur und erhöhte Einwanderungszahlen hier vermutlich nur die Ursache bzw. das Ergebnis einer Entwicklung dar, die die asiatischen Einwanderer seit der ersten offiziellen chinesischen Immigration in die USA im Jahre 1820 (vgl. Gall: 41) in den Augen der breiten Öffentlichkeit durchgemacht haben: die Entwicklung zur Model Minority2, einer Minderheit also, die sich scheinbar der amerikanischen Kultur in vorbildlichem Maße angepaßt hat und gleichsam im Gegenzug dazu mit Akzeptanz und einem angenehmen Leben belohnt wird.
Impliziert nun aber der Begriff der Model Minority, daß alle Asiaten das Problem der „doubleness of vision“ für sich durch größtmögliche Anpassung an die amerikanische Kultur gelöst haben, so überrascht es wohl dennoch keinesfalls, daß durchaus nicht alle Asian-Americans den Weg der bedingungs- und lückenlosen Assimilation gegangen sind, sondern sich für die zweite Möglichkeit, also die Bewahrung ihrer Ursprungskultur entschieden haben. Einen wichtigen und anschaulichen Beleg dafür liefert nicht zuletzt die Entwicklung einer eigenen Theatertradition. Zwar setzte diese Form der Rückbesinnung auf die Wurzeln bei den Asian-Americans nicht so früh ein, wie es etwa bei den African-Americans der Fall war, und sie nahm und nimmt wohl hier auch nicht dieselben radikalen Ausmaße an. Dennoch sind bereits in der Zeit um 1970 erste Anfänge eines Theaters der asiatischen Minorität in den USA zu erkennen, die bald zur Gründung verschiedener nationaler Theatergruppierungen führten. Hier sind beispielsweise der Asian-American Theatre Workshop in San Francisco, die Northwest Asian Theatre Company in Seattle sowie das New Yorker Pan American Repertory zu nennen (vgl. Bigsby: 327).
Zu den bedeutendsten und erfolgreichsten Dramatikern dieses neuen Theaters zählt neben dem japanisch-amerikanischen Autor Philip Kan Gotanda und dem ursprünglich aus China stammenden Frank Chin schließlich auch der chinesisch-amerikanische Dramatiker David Hwang (vgl. Grabes: 175ff.), dessen Stück über die Konflikte innerhalb einer chinesisch stämmigen Familie in den USA hier behandelt werden soll. Dabei wird zunächst die Frage im Mittelpunkt stehen, in welcher Weise sich die im Stück behandelte Thematik in die amerikanische Gegenwartskultur einfügt bzw. inwieweit das Drama die Kultur Amerikas im allgemeinen sowie die Situation der Asian-Americans im besonderen widerspiegelt. Im Anschluß daran soll untersucht werden, auf welche Art Thema und Inhalt des Stücks dramatisch dargestellt werden bzw. wie Hwang die Handlung stilistisch umsetzt. Basierend darauf wird dann abschließend der Versuch unternommen, die Frage zu klären, welche Aussagen sich anhand des Inhalts und der Konzeption des Dramas über Hwangs persönliche Position bezüglich der konkreten Situation der asiatischen Einwanderer in den USA und damit auch der „doubleness of vision“ ganz allgemein machen lassen.
1 Family Devotions als Spiegel der amerikanischen Gesellschaft
1.1 Asian-Americans - Die Model Minority
1.1.1 Verdrängung der roots durch Materialismusstreben
Das weit verbreitete Bild der Asian-Americans als Model Minority gründet sich im wesentlichen auf die Tatsache, daß sich nicht nur viele Mitglieder dieser Bevölkerungsgruppe um größtmögliche Anpassung an die „mainstream culture des angelsächsischen, weißen, protestantischen Amerikas“ (Doerries: 224) bemühen, sondern daß sie sich gerade durch diese Bemühungen nachweislich zur erfolgreichsten ethnischen Minderheit in den USA entwickelt haben. So glänzen Japaner und Chinesen nicht nur durch hervorragende Leistungen in Ausbildung und Erziehung sowie durch eine auffallend niedrige Kriminalitätsrate, sondern die Statistiken zeigen auch, daß nicht wenigen Asian-Americans der berufliche Aufstieg in hohe Positionen gelungen ist und die Einkommenszahlen in dieser Gruppe stetig ansteigen (vgl. Osajima: 166). Dies hat dazu geführt, daß man die asiatischen Immigranten heute als regelrechte „Verkörperung des American Dream“ (Zinzius: 207) ansieht.
Betrachtet man sich nun Hwangs Stück im Hinblick auf diese Entwicklung, erkennt man auch hier deutlich das stereotype Bild der Immigranten, die durch Distanzierung von ihrem kulturellen Erbe, ihren roots, und ausgeprägten Anpassungsbemühungen zu nicht unbeträchtlichem Reichtum gelangt sind. Dies zeigt sich schon zu Anfang ganz offensichtlich durch die Beschreibung des setting. Während nämlich Kalifornien im allgemeinen wegen niedriger Grundstückspreise und gesellschaftlicher Stabilität ein favorisiertes Ausreiseziel für chinesische Mittel- und Oberklassefamilien darstellt (vgl. Zinzius: 96), wird der Reichtum der Immigrantenfamilie im Stück noch dadurch besonders betont, daß sie in Bel Air, „the most elite, most pretentious, and most Caucasian of California communities“ (Street: 23), angesiedelt ist.
[...]
1 Zwar behandelt Jones unter dem Stichwort „doubleness of vision“ in erster Linie die Position immigrierter Schriftsteller und anderer Künstler in den USA, wobei das Moment des aktiven Sehens, also „vision“, den Prozeß der bewußten Reflexion der Umwelt hervorhebt. Dennoch erscheint diese Formulierung auch ganz allgemein auf die Mitglieder der ethnischen Minderheiten anwendbar zu sein, da sie sich der Diskriminierung und anderer Schwierigkeiten, die ihnen aufgrund ihrer Herkunft zwangsläufig begegnen, wohl nicht völlig entziehen können, weshalb sie geradezu gezwungen sind, die Unterschiede beider Kulturen, denen sie angehören, zu „sehen“. Auch wenn sie dies nicht aktiv anstreben, sondern es vielleicht sogar vermeiden wollen.
2 Zur Entstehung des Bildes von der asiatisch-amerikanischen Bevölkerungsgruppe als Model Minority in den sechziger Jahren und seiner trotz gesellschaftlicher Veränderungen auch weiterhin fortbestehen- den Popularität vgl. Osajima, Keith. „Asian Americans as the Model Minority. An Analysis of the Popular Press Image in the 1960s and 1980s“. In: Gary Y. Okihiro et.al. (Hg.). Reflections on Shattered Windows. Promises and Prospects for Asian American Studies. Washington: Washington State UP, 1988. 165-174.
Comments
No comments yet
Other users also were interested in the following titles:
Die These von der 'Klassenjustiz' bzw. dem 'Klassenrecht' vor dem Hintergrund schichtspezifischer Kriminalität
Author: Harder BerndSociology - Social System, Social Structure, Class, Social Stratification, 2005 Download as PDF-file for 7,99 EUR
Max Weber - Der Werturteilsstreit
Author: Thomas SchröderSociology - Classics, Basics and Theoretical Directions, 2001 Download as PDF-file for 2,99 EUR
Das Verhältnis von Rechtssoziologie und Rechtsdogmatik am Leitfaden der Auffassung Max Webers
Author: Stefan RedlinLaw - Philosophy, History and Sociology of Law, 2004 Download as PDF-file for 19,99 EUR
Entwicklung oder Desillusionierung: "Das kunstseidene Mädchen" von Irmgard Keun als Frauentyp der Weimarer Republik
Author: Manuela WolfGerman Studies - Modern German Literature, 2003 Download as PDF-file for 8,99 EUR
Zu Bedeutung und Sinn der Strafverfolgung Drogen konsumierender Menschen unter besonderer Berücksichtigung ihrer Lebenslage
Author: Jasmin RaulandSocial Pedagogy / Social Work, 2005 Download as PDF-file for 10,99 EUR
Sucht und Justiz
Author: Peter EngertSocial Pedagogy / Social Work, 1997 Download as PDF-file for 7,99 EUR
This text can be quoted and accessed from this url: