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Termpaper, 2004, 20 Pages
Author: Julia Gebert
Subject: Politics - International Politics - Region: Near East, Near Orient
Details
Institution/College: Free University of Berlin (Otto-Suhr-Institut)
Tags: Zionismus, Einfluss, Politik, Religion
Year: 2004
Pages: 20
Grade: 1,3
Bibliography: ~ 9 Entries
Language: German
ISBN (E-book): 978-3-638-35142-3
File size: 225 KB
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Excerpt (computer-generated)
Freie Universität Berlin
Otto- Suhr- Institut für Politikwissenschaft
PS „Politik und Religion“
3. Semester
Der Zionismus und sein Einfluss
von: Julia Gebert
Inhaltsverzeichnis
1 Einleitung 4
2 Zionismus 5
2.1 Geschichte 5
2.2 Zionistische Instrumentalisierung von Religion 6
2.3 Zionismus vs. Orthodoxie 8
3 Religion in Gesellschaft und Politik 9
3.1 Zivilreligion in Israel 9
3.2 Religion in der Politik 11
3.2.1 Politische Parteien 11
3.3 Religion in der Gesellschaft 15
3.3.1 Religiöse Gruppierungen 16
3.4 Diaspora 18
3.5 Der Zionismus im Nahostkonflikt 19
4 Schluss 20
5 Bibliographie 21
1 Einleitung
Die Beschäftigung mit Israel oder der palästinensischen Bevölkerung in Gaza, Westjordanland und Ost-Jerusalem kann niemals ohne den Kontext des Nahostkonflikts betrachtet werden. In dieser Auseinandersetzung mischen sich politische Absichten und religiöse Einstellungen – beide Seiten reklamieren sakrale Stätten und heiligen Boden auf dem Territorium des früheren Palästina, beide bemühen die jeweilige heilige Schrift für ihre politische Argumentation und ihr politisches Handeln. Der Nahostkonflikt, der als ein prominentes Beispiel für die uferlose Vermischung von Religion und Politik genügend Material böte, soll in dieser Arbeit allerdings nicht das Hauptthema sein. Im Rahmen der Betrachtung des Verhältnisses von Politik und Religion in der Region soll hier der Schwerpunkt auf der Betrachtung von Religion, Politik und Gesellschaft in Israel liegen, wenngleich beachtet wird, dass dies immer Auswirkungen auf die palästinensische Bevölkerung hat.
Da aber in Israel, das auf Grund seiner Entstehungsgeschichte und der Geschichte der Juden überhaupt eine heterogene Gesellschaft hat, dementsprechend viele unterschiedliche Ausprägungen von Religiosität und politischen Richtungen herrschen, beschränkt sich die Betrachtung hier auf den Zionismus. Dieser Ideologie, deren Gedankengut älter als der Staat Israel selbst ist, wird dabei ein beträchtlicher Einfluss auf den gesellschaftlich-politischen Prozess zugeschrieben. Wie jede Weltanschauung hat der Zionismus Anhänger und Widersacher, ist aber auf Grund seiner historischen Rolle bei der Staatsgründung keine marginale Erscheinung, sondern ein Phänomen, dessen Einfluss sich in allen Jahrzehnten in der israelischen Politik widerspiegelt.
Der Bezug des Zionismus auf religiöse Werte und die Verunglimpfung zionistischer Argumentation durch z.B. orthodoxe Juden zeigt, dass Religion auch in Israel – wenngleich im Kontext der arabischen Nachbarstaaten relativ säkular – noch stark in andere gesellschaftliche Bereiche hineinspielt. Die Durchsetztheit der israelischen Gesellschaft mit religiösen Inhalten spiegelt sich in vielen Bereichen wieder: Im Bezug des Zionismus auf das Heilige Land, das den Kindern Israels zustehe, in der anhaltenden Debatte um religiöse Themen in der israelischen Politik und in den Verwerfungen zwischen Säkularisten und Orthodoxen denen eine große Mehrheit von Bürgern gegenüber steht, die nicht streng gläubig sind, aber viele der jüdischen Rituale praktizieren.
Religionsangehörigkeit ist in Israel immer noch ein Politikum, das zeigen schon die Begriffe jüdischer Staat und Judenstaat die von vornherein terminieren, welcher Glaubensrichtung hier Priorität eingeräumt wird. So bald Religion aber ein Politikum ist, zeigt sich, dass es nicht mehr in erster Linie um die Suche nach Erfüllung und Glück im Glauben geht, sondern in Wahrheit um diesseits bezogene, irdische Ziele. Neben den Streitigkeiten in der Gesellschaft und dem breiten Spektrum politischer Parteien in Israel, von denen bezeichnender Weise die meisten auf religiöse Inhalte rekurrieren, soll vor allem der Zionismus als politische Ideologie gezeigt werden, bei der es von Anfang an mehr um Staatlichkeit, Wirtschaftlichkeit und Macht denn um Transzendenz, Glaube und religiöse Bestimmung ging.
2 Zionismus
2.1 Geschichte
Das Ziel des Zionismus ist die Rückkehr der in der Diaspora lebenden Juden ins Heilige Land. Die Einwanderung nach Palästina begann Ende des neunzehnten Jahrhunderts und verlief in mehreren Wellen, den sog. "Alijas". Die Immigranten siedelten auf palästinensischem Boden, das zu Kolonialzeiten noch dem britische n Mandat unterstand. In der 1917 verabschiedeten Balfour- Deklaration sprach die britische Regierung den jüdischen Siedlern ein Recht auf eine Heimstätte in Palästina zu und trat ihnen das Mandatsgebiet schließlich 1948 ab. Im selben Jahr erfolgte die Unabhängigkeitserklärung und Staatsgründung Israels. Für die massive Einwanderung nach Palästina im Vorfeld des zweiten Weltkriegs ist ein schon im neunzehnten Jahrhundert in Europa virulenter Antisemitismus in Europa verantwortlich, der in Hitlers drittem Reich mit der systematischen Verfolgung und Ermordung von Juden seinen Höhepunkt erreichte. Aus der feindlichen Umgebung in der Diaspora und der Besinnung auf die Jahrhunderte lange Verfolgungsgeschichte der Juden entstand die politische Idee und die praktische Notwendigkeit in die historische Heimat Zion auszuweichen. Ein wichtiger Beförderer des zionistischen Gedankenguts war Theodor Herzl, der 1896 das Buch "Der Judenstaat" schrieb, dessen gleichnamiges Programm die ultimative Lösung der Judenfrage darstellen sollte. Ein Jahr später organisierte Herzl den ersten Zionistenkongress in Basel, auf dem die Fundamente für das Programm zur Rückkehr der Juden in das Land Israel gelegt wurden.
Nach der ersten Alija im neunzehnten Jahrhundert folgten weitere Juden ab 1907. In dieser zweiten Einwanderungswelle kamen – im Gegensatz zur ersten Alija – weniger Orthodoxe, sondern viel mehr osteuropäische Juden des sog. neuen Jishuvs, der neuen jüdischen Gesellschaft ins Land. Aus dieser Zeit entstammen die Kibbuzim, sozialistisch organisierte selbst- versorgende Kommunen, deren Bewohner sich vor allem über körperliche Arbeit auf dem Feld als gute Juden definierten, nicht durch ein intensives Studium der Thora.1 Die meisten Immigranten der ersten beiden Alijas wanderten auf Grund der schlechten wirtschaftlichen Bedingungen wieder aus. Die wenigen, die blieben, wurden später die Begründer des Staates Israel – wie z.B. David Ben Gurion, der erster Ministerpräsident von Israel wurde.
Diese Juden, die den neuen Jishuv – die jüdisch-zionistische Gemeinschaft – gründeten, unterschieden sich von traditionell- orthodoxen Juden auch durch ihre Einstellung zum Staat: Der Zionismus sieht als nationale Ideologie im Staat den Versorger und Beschützer des Volkes, während die ursprüngliche jüdische Gemeinde der Diaspora auf den Staat nicht angewiesen war, da sie ihre eigene Wirtschaft und Infrastruktur aufbaute.
2.2 Zionistische Instrumentalisierung von Religion
[...]
1 Der Entwurf des "neuen Juden" und des neuen Jishuvs war auch dafür verantwortlich, dass es Holocaust-Überlebende – absurder Weise – teilweise schwer hatten, in Israel in den 50er Jahren einzuwandern. Sie gehörten zu den "alten Juden" der Diaspora und passten nicht in diesen neuen Entwurf.
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