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Untertitel: Die kunstgeschichtliche Entwicklung der Ikonographie und Ikonologie vor und nach A. M. Warburg
Autor: Annette Luzia Heitmann
Fach: Kunst - Kunsthandwerk
Details
Institution/Hochschule: Rheinische Friedrich-Wilhelms-Universität Bonn (Kunsthistorisches Institut der Universität Bonn)
Tags: Genesis, Ikonologie, Geschichte, Kunstgeschichte
Jahr: 2004
Seiten: 14
Note: 1-2
Literaturverzeichnis: ~ 15 Einträge
Sprache: Deutsch
Dateigröße: 165 KB
ISBN (E-Book): 978-3-638-35344-1
ISBN (Buch): 978-3-638-81002-9
Mit einem Blick in die Geschichte wird die Entwicklung der Ikonographie und Ikonologie vor A. M. Warburg aufgezeigt sowie Warburgs eigene Methode dargelegt.
Zusammenfassung / Abstract
Ikonographie und Ikonologie zählen auch heute noch zu den wichtigsten kunstwissenschaftlichen Arbeitsmethoden. Die ikonographische Methode ist unumstrittenes Instrumentarium, die Ikonologie hingegen wird zwar auf ihre Effektivität hin, den Gehalt eines Kunstwerks zu eruieren, nicht unterschätzt, doch was zum Zeitpunkt ihrer Inzeption eine die herkömmliche Ikonographie erweiternde und traditionelle Ansätze der Kunstgeschichte überschreitende Arbeitsmethode war und erst später ihre Systematisierung, ihren Namen, ihre eigentliche Ausformung, und Erweiterung erfahren hat, wurde inzwischen in ihrem Wert und ihrer Effektivität relativiert. „The Warburgian Method“ (dtsch. „Die Warburg Methode“), wie eine die moderne Ikonologie einleitende Arbeitsmethode zuerst genannt wurde, die der deutsche Kunsthistoriker Abraham (Aby) M. Warburg (13. 6. 1866 - 26. 10. 1926)1 für die Entschlüsselung der Fresken des Palazzo Schifanoja in Ferrara, Italien, entwickelte und auf dem internationalen Kunsthistoriker Kongress in Rom 1912 vorstellte,2 bedeutete zu seiner Zeit eine wissenschaftlich überzeugende Erweiterung historischer, ikonographischer Arbeitsmethoden, die u.a. auf Warburgs Ablehnung eng gefaßter stilgeschichtlicher Ansätze beruhte, auf seinem akuten Interesse für kultur-geschichtliche Aspekte der Kunstgeschichte, seinem spezifischen Interesse an Rezeptionsgeschichte sowie dem aktuellen wissenschaftlichen Diskurs der Zeit seines Schaffens. Im Folgenden wird mit einem Blick in die Geschichte die kunstgeschichtliche Entwicklung der Ikonographie und Ikonologie vor A. M. Warburg aufgezeigt sowie seine eigene Methode dargelegt.
Textauszug (computergeneriert)
Die Genesis der Ikonologie
von: Annette Luzia Heitmann
INHALTSVERZEICHNIS
1. Einleitung 4
2. Die Anfänge der Ikonographie und Ikonologie 5
3. Die Ikonographie im 19. Jahrhundert 6
3.1 Die kunsthistorische Fachdiskussion am Ende des 19. Jhs 7
3.2 Aby M. Warburgs kunsthistorische Position 8
4. Aby M. Warburgs Forschungen zu den Schifanoja Fresken 9
4.1 Die Schifanoja Fresken in Ferrara 9
4.2 Der Weg zur Enträtselung der März-, April- und Juli-Fresken 11
5. Aby M. Warburgs ikonologische Analyse – Ikonologie 14
6. Bibliographie 16
7. Anhang 17
1. Einleitung
Ikonographie und Ikonologie zählen auch heute noch zu den wichtigsten kunstwissenschaftlichen Arbeitsmethoden. Die ikonographische Methode ist unumstrittenes Instrumentarium, die Ikonologie hingegen wird zwar auf ihre Effektivität hin, den Gehalt eines Kunstwerks zu eruieren, nicht unterschätzt, doch was zum Zeitpunkt ihrer Inzeption eine die herkömmliche Ikonographie erweiternde und traditionelle Ansätze der Kunstgeschichte überschreitende Arbeitsmethode war und erst später ihre Systematisierung, ihren Namen, ihre eigentliche Ausformung, und Erweiterung erfahren hat, wurde inzwischen in ihrem Wert und ihrer Effektivität relativiert. „The Warburgian Method“ (dtsch. „Die Warburg Methode“), wie eine die moderne Ikonologie einleitende Arbeitsmethode zuerst genannt wurde, die der deutsche Kunsthistoriker Abraham (Aby) M. Warburg (13. 6. 1866 - 26. 10. 1926)1 für die Entschlüsselung der Fresken des Palazzo Schifanoja in Ferrara, Italien, entwickelte und auf dem internationalen Kunsthistoriker Kongress in Rom 1912 vorstellte,2 bedeutete zu seiner Zeit eine wissenschaftlich überzeugende Erweiterung historischer, ikonographischer Arbeitsmethoden, die u.a. auf Warburgs Ablehnung eng gefaßter stilgeschichtlicher Ansätze beruhte, auf seinem akuten Interesse für kultur-geschichtliche Aspekte der Kunstgeschichte, seinem spezifischen Interesse an Rezeptionsgeschichte sowie dem aktuellen wissenschaftlichen Diskurs der Zeit seines Schaffens. Im Folgenden wird mit einem Blick in die Geschichte die kunstgeschichtliche Entwicklung der Ikonographie und Ikonologie vor A. M. Warburg aufgezeigt sowie seine eigene Methode dargelegt.
2. Die Anfänge der Ikonographie und Ikonologie
Die Begriffe ‚Ikonographie? und ,Ikonologie? sind seit dem 16. Jahrhundert in Beschreibungs- und Sammelwerken von Bildern und Darstellungsmustern gebräuchlich. Im 16. Jahrhundert wurde ,Iconographia? für die Beschreibung und Sammlung vornehmlich antiker Porträts verwendet, wie zum Beispiel ‚,Illustrium imagines ex antiquis marmoribus“’ von Fulvio Ursini oder später ‚,Iconographia“ des Canini, eine Bildnissammlungen des 17. Jahrhunderts. In der klassischen Archäologie war der Begriff der Iconographia für Sammelwerke antiker Porträtbüsten, Porträtmünzen und -medaillons, wie z. B. die Arbeiten des Archäologen J. J. Bernoulli zur antiken Porträtkunst ‚Römische Ikonographie? oder ‚Griechische Ikonographie? zeigen, noch bis ins frühe 20. Jahrhundert geläufig. Der Begriff Iconologia des 16. Jahrhunderts bezeichnete kompendiumartig aufgebaute Sammlungen von Darstellungsmustern der bildenden Kunst, wie z. B. das Werk Cesare Ripas ,,Iconologia“, das 1593 in Rom erschien. Solche ,Iconologiae? können bis ins 18. Jahrhundert nachgewiesen werden; noch 1756 kam in Frankreich ein ‚,Dictionnaire iconologique“ von Lacombe de Prezel heraus. Bis zu dieser Zeit verstand man unter ‚Ikonologie? die Zusammenstellung von gebräuchlichen oder auch die Erfindung von neuen Allegorien und anderen zeichenhaften Darstellungsmustern. Sie sollte dem Gebrauch des Auftraggebers oder Künstlers bei der Gestaltung von Bildprogrammen dienen.
Dazu trat in der ersten Hälfte des 19. Jahrhunderts eine andere Bedeutung. So waren zwei Werke gleichen Titels ‚,Iconographie chrétienne“ erschienen, das des Franzosen Adolphe Napoléon Didron und das seines Landsmannes Augustin Crosnier, die sich beide mit den Themen und Inhalten der christlichen Kunst befaßten. Hierbei stand die Sammlung und Klassifizierung von bildlichen Darstellungen christlichen Inhalts sowie die Angaben der literarischen Quellen im Mittelpunkt. Zu den ersten deutschen Veröffentlichungen in dieser Richtung zählen J. von Radowitz ‚,Ikonographie der Heiligen“ aus dem Jahre 1834 und G. Helmsdörfers ‚,Christliche Kunstsymbolik und Ikonographie“ von 1839. Weitere wichtige Werke waren A. Springers ‚,Ikonographische Studien“ von 1860, H. Detztels ‚,Christliche Ikonographie“ von 1894 und die ikonographischen Studien von F. X. Kraus.
3. Die Ikonographie im 19. Jahrhundert
Im Laufe des 19. Jahrhunderts entwickelte sich die wissenschaftliche Ikonographie als ein eigenständiger Forschungsbereich, u.a. auch um die Symbolsprache der frühchristlichen Kunst und die bildlich dargestellten Offenbarungstatsachen zu verstehen, die der christliche Bilderkreis vor Augen führte. Die dargestellten Personen in ihrer besonderen Mimik und Gestik, ihrer Haltung, ihren Attributen und ihrem motivisch beschreibbaren Handeln und die thematische Bedeutung sollten durch ein Aneignen entsprechender kultureller bzw. kulturgeschichtlicher Kenntnisse erkannt werden. Um das Thema z. B. eines Bildes zu bestimmen, werden alle erreichbaren Textquellen erforscht, die in einer thematischen Beziehung zu dem nur auf dem Wege über das Motiv erschließbaren Thema des Kunstwerks stehen. Je nach dem Thema bedient sie sich dabei biblischer, mythologischer, literarischer und/oder historiographischer Texte. Das erste Erkenntnisziel ist erreicht, sobald man die einer Person oder einem dargestellten Ereignis eindeutig zugehörige(n) Textquelle(n) ausfindig gemacht hat, sich dieses Thema durch den Rückgriff auf die Typengeschichte im historischen Vorkommen seines motivischen Ausdrucks erwiesen hat, und man damit das zunächst verborgene Thema des Kunstwerks in Form nachprüfbarer Behauptungen aufgedeckt hat. Nach ihrer (interpretativen) Beschreibung sucht sie sodann die dargestellten Themen nach gewissen Kriterien zu klassifizieren. Die Ikonographie blieb hiermit jedoch immer eine rein (themen)beschreibende Wissenschaft.
3.1 Die kunsthistorische Fachdiskussion am Ende des 19. Jhs.
[...]
1 Für biographische Angaben s. Anhang 1.
2 S. WARBURG 1998: 459-481.
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