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Sexueller Missbrauch von Kindern im sozialen Nahraum

Hausarbeit, 2003, 21 Seiten
Autor: Christian Lange
Fach: Pädagogik - Familienerziehung

Details

Kategorie: Hausarbeit
Jahr: 2003
Seiten: 21
Note: 1.0
Literaturverzeichnis: ~ 22  Einträge
Sprache: Deutsch
Archivnummer: V35528
ISBN (E-Book): 978-3-638-35420-2

Dateigröße: 233 KB

Zusammenfassung / Abstract

Einleitung Das Phänomen des sexuellen Missbrauchs von Kindern ist bei weitem nicht neu, sondern durchzieht die Geschichte wie ein roter Faden, der bei den antiken Hochkulturen seinen Anfang nimmt und den Bogen über das Mittelalter bis hin zur Neuzeit spannt. Hierfür gibt es zahlreiche Quellen aus der Geschichte: Im antiken Griechenland beispielsweise wurden sexuelle Beziehungen von Männern zu Jungen unter 12 Jahren mit harten Strafen geahndet, während gleichzeitig in griechischen Hafenstädten Mädchen wie Jungen als Prostituierte arbeiteten bzw. per Vertrag gemietet werden konnten. Etwas später, zur Zeit des Alten Testaments, war sexueller Missbrauch eher ein Eigentumsdelikt zuungunsten des Mannes als ein Delikt gegen die sexuelle Selbstbestimmung des Opfers, was folgendes Zitat aus dem Deuteronomium (Dtn 22, 28-29) belegt: „Wenn ein Mann einem unberührten Mädchen, das noch nicht verlobt ist, begegnet, sie packt und sich mit ihr hinlegt und sie ertappt werden, soll der Mann, der bei ihr gelegen hat, dem Vater des Mädchens fünfzig Silberschekel zahlen (...).“ Seit Ende des 13. Jahrhunderts versuchte man, sexuellen Missbrauch durch Gesetze zu verhindern und dennoch wurden weiterhin zahllose Kinder Opfer dieses Vergehens. Daran hat sich auch heute nicht viel geändert. Trotz zahlreicher rechtlicher Bestimmungen, die sich im Grundgesetz (Artikel 2), im Strafgesetzbuch (§171, §§173 – 184c), im BGB (§§1626, 1631, 1666) sowie im KJHG (§1) finden, vergehen sich nach wie vor zahlreiche Erwachsene an Kindern. Lediglich die Tatsache, dass sexueller Missbrauch von Kindern seit einigen Jahren kein Tabuthema mehr ist, sondern öffentlich und fachlich diskutiert wird, ist neu. Es hat allerdings den Anschein, dass der Fokus innerhalb der fachlichen und öffentlichen Auseinandersetzung mit diesem Thema mehr auf die Kinder in ihrer Eigenschaft als Opfer und weniger auf die erwachsenen Täter gerichtet wird. Aus diesem Grund sollen in der vorliegenden Arbeit Letztere im Mittelpunkt stehen. Nachdem einige Aspekte zur Begriffsbestimmung sexuellen Missbrauchs genannt wurden (Kapitel 1), soll der Frage nachgegangen werden, wer die Täter eigentlich sind (Kapitel 2) und aus welchen Motiven heraus sie handeln (Kapitel 3). Vor diesem Hintergrund werden dann die Ziele therapeutischer Täterarbeit (Kapitel 4) sowie einige Möglichkeiten der Prävention sexuellen Missbrauchs dargestellt (Kapitel 5).


Textauszug (computergeneriert)

Sexueller Missbrauch von Kindern im sozialen Nahraum

von: Christian Lange

1. Semester

 


Inhalt

Einleitung 1

1 Sexueller Missbrauch von Kindern – einige Aspekte zur Begriffsklärung 2

2 Die Täter 6

3 Die Motive 8

4 Ziele therapeutischer Arbeit 12

5 Ausblick: Missbrauchsprävention als gesellschaftliche Herausforderung 16

Quellenangaben

Anhang



Einleitung

Das Phänomen des sexuellen Missbrauchs von Kindern ist bei weitem nicht neu, sondern durchzieht die Geschichte wie ein roter Faden, der bei den antiken Hochkulturen seinen Anfang nimmt und den Bogen über das Mittelalter bis hin zur Neuzeit spannt. Hierfür gibt es zahlreiche Quellen aus der Geschichte: Im antiken Griechenland beispielsweise wurden sexuelle Beziehungen von Männern zu Jungen unter 12 Jahren mit harten Strafen geahndet, während gleichzeitig in griechischen Hafenstädten Mädchen wie Jungen als Prostituierte arbeiteten bzw. per Vertrag gemietet werden konnten. Etwas später, zur Zeit des Alten Testaments, war sexueller Missbrauch eher ein Eigentumsdelikt zuungunsten des Mannes als ein Delikt gegen die sexuelle Selbstbestimmung des Opfers, was folgendes Zitat aus dem Deuteronomium (Dtn 22, 28-29) belegt:

„Wenn ein Mann einem unberührten Mädchen, das noch nicht verlobt ist, begegnet, sie packt und sich mit ihr hinlegt und sie ertappt werden, soll der Mann, der bei ihr gelegen hat, dem Vater des Mädchens fünfzig Silberschekel zahlen (...).“

Seit Ende des 13. Jahrhunderts versuchte man, sexuellen Missbrauch durch Gesetze zu verhindern und dennoch wurden weiterhin zahllose Kinder Opfer dieses Vergehens. Daran hat sich auch heute nicht viel geändert. Trotz zahlreicher rechtlicher Bestimmungen, die sich im Grundgesetz (Artikel 2), im Strafgesetzbuch (§171, §§173 – 184c), im BGB (§§1626, 1631, 1666) sowie im KJHG (§1) finden, vergehen sich nach wie vor zahlreiche Erwachsene an Kindern. Lediglich die Tatsache, dass sexueller Missbrauch von Kindern seit einigen Jahren kein Tabuthema mehr ist, sondern öffentlich und fachlich diskutiert wird, ist neu. Es hat allerdings den Anschein, dass der Fokus innerhalb der fachlichen und öffentlichen Auseinandersetzung mit diesem Thema mehr auf die Kinder in ihrer Eigenschaft als Opfer und weniger auf die erwachsenen Täter gerichtet wird. Aus diesem Grund sollen in der vorliegenden Arbeit Letztere im Mittelpunkt stehen. Nachdem einige Aspekte zur Begriffsbestimmung sexuellen Missbrauchs genannt wurden (Kapitel 1), soll der Frage nachgegangen werden, wer die Täter eigentlich sind (Kapitel 2) und aus welchen Motiven heraus sie handeln (Kapitel 3). Vor diesem Hintergrund werden dann die Ziele therapeutischer Täterarbeit (Kapitel 4) sowie einige Möglichkeiten der Prävention sexuellen Missbrauchs dargestellt (Kapitel 5).
1 Sexueller Missbrauch von Kindern – einige Aspekte zur Begriffsklärung

Die gängigen Vorstellungen davon, was sexueller Missbrauch von Kindern ist bzw. was ihn kennzeichnet, sind vielfältig und von ungeheurer Bandbreite. Dies liegt einerseits daran, dass in der Diskussion um sexualisierte Gewalt an Kindern und Jugendlichen mehrere Begriffe, wie beispielsweise ‚sexuelle Ausbeutung’, ‚sexuelle Kindesmisshandlung’, ‚sexuelle Übergriffe’, ‚sexuelle Belästigung’, ‚sexuelle Gewalt’ oder ‚sexualisierte Gewalt’, synonym verwendet werden, was allgemein Verwirrung stiftet. Gleichzeitig wird der Blick auf das, was sexuellen Missbrauch ausmacht bzw. worin er besteht, durch die Berichterstattung der Medien, vor allem verschiedener, mehr oder weniger seriöser Printmedien, verstellt. Hier werden Vokabeln verwendet und Szenarien entworfen, die suggerieren, sexueller Missbrauch bestünde ausschließlich aus Geschlechtsverkehr zwischen einem Erwachsenen und einem Kind. Dies ist eine landläufig sehr weit verbreitete Meinung und gleichzeitig ein fataler Trugschluss, da sexueller Missbrauch an Kindern und Jugendlichen bereits weitaus früher ansetzt, als gemeinhin angenommen. Dies geht aus der Studie der Diplompsychologin C. Lange sehr deutlich hervor, die 1998 die Ergebnisse einer Befragung von Schülerinnen im Alter von 16 und 17 Jahren zu Erfahrungen mit sexueller Gewalt veröffentlichte und hierbei vier Kategorien bezüglich der Intensität sexuellen Missbrauchs herausfand:

1. Sexueller Missbrauch ohne Körperkontakt. Hierunter fallen alle Formen des Exhibitionismus. Die betroffenen Jugendlichen mussten sich beispielsweise Pornos anschauen oder wurden von den Tätern beim Baden beobachtet.
2. Weniger intensiver sexueller Missbrauch. In diesen Bereich gehören alle Versuche des Täters, Genitalien oder Brust der Opfer anzufassen. Auch sexualisierte Küsse, wie Zungenküsse, fallen in diese Kategorie.
3. Intensiver sexueller Missbrauch. Die auf diese Weise missbrauchten Jugendlichen mussten vor dem Täter masturbieren bzw. mussten zusehen, wenn der Täter masturbierte. Die Täter fassten die Genitalien ihrer Opfer an, die Opfer wurden gezwungen, dies auch bei den Tätern zu tun.
4. Sehr intensiver sexueller Missbrauch. Hiermit ist die versuchte oder vollendete vaginale, anale oder orale Vergewaltigung gemeint. Die Opfer mussten die Täter oral befriedigen oder anal penetrieren.

Diesen Befund fasst Brückner (2002, S.29) wie folgt zusammen:

„Sexuelle Missbrauchshandlungen reichen von sexuellen Berührungen über Masturbation und pornographische Aktivitäten bis hin zu allen Formen des Geschlechtsverkehrs.“ Des weiteren „wird (...) zwischen verschiedenen Schweregraden des Missbrauchs unterschieden: ‚sehr schwere Formen’ (Penetration), ‚schwere’ (Petting), und ‚weniger schwere’ (sexuelle Berührungen im bekleideten Zustand, exhibitionistische Kontakte).“

Charakteristisch für sexuellen Missbrauch von Kindern ist, so Brückner, des weiteren, dass Mädchen und Jungen aller Alterstufen und aus Familien aller soziokulturellen Schichten betroffen sind, wobei der überwiegende Anteil der missbrauchten Opfer zum Zeitpunkt des Missbrauchs im Durchschnitt zwischen zehn und zwölf Jahre alt ist. Auch in pädagogischen Einrichtungen wie beispielsweise Pflegeheimen oder Internaten findet, so Brückner, sexueller Missbrauch statt, wobei auffallend ist, dass er sich sowohl in Familien, als auch in Heimen,

„desto eher wiederholt und über Jahre andauert, je vertrauter und enger Täter und Opfer zusammenleben.“ (ebd.)

[...]


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