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Viktor Frankl und die Logotherapie

Termpaper, 2004, 20 Pages
Author: Christian Lange
Subject: Pedagogy - Pedagogic Psychology

Details

Institution/College: University of Tubingen
Tags: Viktor, Frankl, Logotherapie
Category: Termpaper
Year: 2004
Pages: 20
Grade: 1.0
Bibliography: ~ 8  Entries
Language: German
Archive No.: V35530
ISBN (E-book): 978-3-638-35421-9

File size: 230 KB

Abstract

Viktor Frankls Logotherapie, die von manchen Autoren neben der Psychoanalyse Sigmund Freuds und der Individualpsychologie Alfred Adlers auch als die Dritte Wiener Schule der Psychotherapie bezeichnet wird, findet heute in erstaunlich vielen Bereichen Anwendung: Lebensberatung, Pädagogik, Eheberatung, Suchtkrankenhilfe und Bibliotherapie bedienen sich der Logotherapie ebenso wie Seelsorge, Krisenprävention, Schulpsychologie und Sterbehilfe. Dies ist ein Indiz dafür, wie wichtig die Sinnsuche im Leben für uns Menschen ist. Die Erfahrung scheinbarer Sinnlosigkeit hat Frankl selbst zu verschiedenen Zeitpunkten in seinem Leben gemacht: die Jahre der Pubertät, der Ausschluss aus dem Verein für Individualpsychologie, die Jahre im Konzentrationslager sowie die Zeit danach haben ihn jeweils mit einem starken Gefühl von Sinnlosigkeit konfrontiert. So verwundert es nicht, wenn Frankl von sich selbst behauptet (1991, S.7): „Ich glaube, man könnte sagen, dass ich meine Lehre zunächst einmal für mich selbst entdeckt habe. Man sagt ja für gewöhnlich, dass jeder, der ein System der Psychotherapie begründet hat, letzten Endes seine eigene Krankengeschichte geschrieben und darin niedergelegt hat. [...] Ich muss sagen, dass ich keine Ausnahme von dieser Regel bin.“ Die Entstehungsgeschichte sowie die Inhalte der Logotherapie sind entsprechend eng mit der Lebensgeschichte ihre Begründers, Viktor Frankl, verknüpft. Die vorliegende Arbeit verfolgt die Absicht, einen Überblick über das Leben und das Werk Viktor Frankls zu geben. Aus diesem Grund wird zunächst die Biographie Frankls in den Blickpunkt gerückt, wobei besonders auf sein Elternhaus (1.1), seine Kindheit und Jugend (1.2), die verschiedenen Krisenzeiten seines Lebens (1.3) sowie den internationalen Durchbruch der Logotherapie (1.4) eingegangen wird. Sodann kommt die Logotherapie selbst mit ihren wesentlichen Grundannahmen und Zielen zur Sprache (2.1) sowie die innerhalb der Logotherapie postulierten ‚drei Wege zum Sinn’ (2.2). Abschließend werden die möglichen Anwendungsbereiche für Logotherapie näher erläutert (3.0).


Excerpt (computer-generated)

Viktor Frankl und die Logotherapie

von: Christian Lange

3. Semester

 


Inhalt

EINLEITUNG 3

1 DIE BIOGRAPHIE VIKTOR FRANKLS 5

1.1 DAS ELTERNHAUS 5
1.2 KINDHEIT UND JUGEND 7
1.3 KRISENZEITEN UND DIE SUCHE NACH SINN 9

1.3.1 AUSSCHLUSS AUS DER INDIVIDUALPSYCHOLOGISCHEN VEREINIGUNG 9
1.3.2 DIE ZEIT IM KONZENTRATIONSLAGER 10
1.3.3 DAS LEBEN NACH DEM KONZENTRATIONSLAGER 11

1.4 INTERNATIONALE ANERKENNUNG DER LOGOTHERAPIE 12

2 DIE GRUNDZÜGE DER LOGOTHERAPIE 14

2.1 GRUNDANNAHMEN UND ANLIEGEN DER LOGOTHERAPIE 14
2.2 DIE DREI WEGE ZUM SINN 18

3 AUSBLICK: ANWENDUNGSBEREICHE FÜR DIE LOGOTHERAPIE 19

Literatur



Einleitung

Viktor Frankls Logotherapie, die von manchen Autoren neben der Psychoanalyse Sigmund Freuds und der Individualpsychologie Alfred Adlers auch als die Dritte Wiener Schule der Psychotherapie bezeichnet wird, findet heute in erstaunlich vielen Bereichen Anwendung: Lebensberatung, Pädagogik, Eheberatung, Suchtkrankenhilfe und Bibliotherapie bedienen sich der Logotherapie ebenso wie Seelsorge, Krisenprävention, Schulpsychologie und Sterbehilfe. Dies ist ein Indiz dafür, wie wichtig die Sinnsuche im Leben für uns Menschen ist. Die Erfahrung scheinbarer Sinnlosigkeit hat Frankl selbst zu verschiedenen Zeitpunkten in seinem Leben gemacht: die Jahre der Pubertät, der Ausschluss aus dem Verein für Individualpsychologie, die Jahre im Konzentrationslager sowie die Zeit danach haben ihn jeweils mit einem starken Gefühl von Sinnlosigkeit konfrontiert. So verwundert es nicht, wenn Frankl von sich selbst behauptet (1991, S.7):

„Ich glaube, man könnte sagen, dass ich meine Lehre zunächst einmal für mich selbst entdeckt habe. Man sagt ja für gewöhnlich, dass jeder, der ein System der Psychotherapie begründet hat, letzten Endes seine eigene Krankengeschichte geschrieben und darin niedergelegt hat. [...] Ich muss sagen, dass ich keine Ausnahme von dieser Regel bin.“

Die Entstehungsgeschichte sowie die Inhalte der Logotherapie sind entsprechend eng mit der Lebensgeschichte ihre Begründers, Viktor Frankl, verknüpft.

Die vorliegende Arbeit verfolgt die Absicht, einen Überblick über das Leben und das Werk Viktor Frankls zu geben. Aus diesem Grund wird zunächst die Biographie Frankls in den Blickpunkt gerückt, wobei besonders auf sein Elternhaus (1.1), seine Kindheit und Jugend (1.2), die verschiedenen Krisenzeiten seines Lebens (1.3) sowie den internationalen Durchbruch der Logotherapie (1.4) eingegangen wird. Sodann kommt die Logotherapie selbst mit ihren wesentlichen Grundannahmen und Zielen zur Sprache (2.1) sowie die innerhalb der Logotherapie postulierten ‚drei Wege zum Sinn’ (2.2). Abschließend werden die möglichen Anwendungsbereiche für Logotherapie näher erläutert (3.0).

1 Die Biographie Viktor Frankls

1.1 Das Elternhaus

Die familiäre Abstammung der Mutter Viktor Frankls war durchaus ‚besonders’ und so leitet er, mit Sicherheit nicht ohne Stolz, seine Biographie mit folgenden Sätzen ein (2002, S.1):

„Meine Mutter stammte aus einem alteingesessenen Prager Patriziergeschlecht – der Prager deutsche Dichter Oskar Wiener [...] war ihr Onkel. [...] Zu ergänzen wäre, dass meine Mutter von Raschi, der im 12. Jahrhundert gelebt hat, abstammt, aber auch vom ‚Maharal’, dem berühmten ‚Hohen Rabbi Löw’ von Prag.“ Frankl bezeichnet seine Mutter als einen herzensguten und frommen Menschen, sie war für ihn „die Güte in Person“ (Längle 2001, S.15). In verschiedenen Berichten wird sie als eine verständnisvolle, nachgiebige Persönlichkeit beschrieben, als der warme und ruhige Pol der Familie. Von seiner Mutter hatte Viktor Frankl eine tiefe Emotionalität mit auf seinen Lebensweg bekommen, Längle spricht in diesem Zusammenhang auch von einer „Gefühlsverwandtschaft“ (ebd., S.16) zwischen Mutter und Sohn. Frankls Vater war der Sohn eines Buchbindermeisters und stammte aus Südmähren. Aus finanziellen Gründen musste er ein Medizinstudium abbrechen und trat daraufhin in den Staatsdienst ein, „wo er es im Ministerium für soziale Verwaltung bis zum Direktor brachte.“ (Frankl 2002, S.4) Von seiner Persönlichkeit her war Frankls Vater das Gegenteil der Mutter (ebd., S.3 ff.):

„Wenn ich gesagt habe, dass meine Mutter ein seelensguter und herzensfrommer Mensch gewesen sei, dann war mein Vater charakterologisch eher das Gegenteil. Er besaß eine spartanische Lebensauffassung und eine ebensolche Vorstellung von Pflicht. Er hatte seine Prinzipien und blieb ihnen treu. [...] Meines Vaters Lebensauffassung hätte man nicht nur als spartanisch, sondern auch als stoisch bezeichnen können [...].“

Entsprechend waren Prinzipientreue, Stoizismus sowie Perfektionismus die charakteristischen Eigenschaften, die Frankl seinem Vater zu verdanken hatte. Die obigen Ausführungen machen deutlich, dass der junge Viktor auf höchst konträre Art und Weise von seinen Eltern geprägt wurde – er selber fasst diesen Umstand wie folgt in Worte (ebd., S.4):  „Die Eigenschaften, die ich aber von meiner Mutter geerbt haben mag, dürften zusammen mit denen meines Vaters in meiner Charakterstruktur eine Spannung erzeugt haben. Erstmals testete mich ein Psychologe [...] mit dem Rorschach-Test und behauptete dann, so etwas habe er noch nie gesehen, eine solche Spannweite zwischen extremer Rationalität einerseits und tiefgreifender Emotionalität andererseits. Erstere habe ich vermutlich von meinem Vater geerbt, letztere von meiner Mutter – nehme ich an.“

Auch wenn die Vermutung nahe liegt, Frankl hätte sich aufgrund der geschilderten Verteilung der Charaktereigenschaften seiner Eltern eher zu seiner Mutter als zu seinem Vater hingezogen gefühlt, so erweist sich dieser Schluss als nicht zutreffend. Der Vater war für den Sohn nicht nur eine Autorität, die ihm Richtlinien vorgab, sondern auch eine Person, die ihm das Gefühl von Geborgenheit vermittelte (Längle 2001, S.32):

„Ich muss fünf Jahre alt gewesen sein, als ich [...] an einem sonnigen Morgen [...] erwachte. Während ich die Augen noch geschlossen hielt, wurde ich von einem unsäglich beglückenden und beseligenden Gefühl durchflutet, geborgen, bewacht und behütet zu sein. Als ich die Augen öffnete, stand mein Vater lächelnd über mich gebeugt.“ Trotz der großen charakterlichen Unterschiede von Mutter und Vater war das Verhältnis zwischen Eltern und Sohn von Respekt, Liebe und einer starken Anhänglichkeit geprägt, war die Bindung Frankls an sein Elternhaus sehr eng (Frankl 2002, S.1):

[...]


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