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Scholary Paper (Seminar), 2002, 21 Pages
Author: Barbara Piechota-Lutum
Subject: German Studies - Miscellaneous
Details
Institution/College: University of Hamburg (Germanistik)
Tags: Kulturelle, Stereotype, Literatur, Seminar, Hauptstudium, Migration, Fremdheit, Differenz, Literatur
Year: 2002
Pages: 21
Grade: 1,7
Bibliography: ~ 6 Entries
Language: German
ISBN (E-book): 978-3-638-35431-8
ISBN (Book): 978-3-638-81796-7
File size: 216 KB
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Abstract
Die vorliegende Arbeit befaßt sich mit verschiedenen Bedeutungsaspekten des Stereotypbegriffs und mit der Verwendung von kulturellen Stereotypen in der Literatur. In der Erklärung des Enstehungsmechanismus wird die Verwandschaft dieses Begriffes zu dem Begriff der Kategorie gezeigt. Doch unterscheidet sich Stereotyp von einer Verallgemeinerung wesentlich. Während Kategorien von dem Menschen als ein System von Grundbegriffen gebildet werden, welches ihm dazu dienen soll, die ihn umgebende Welt zu erklären, sind Stereotype Typiesierungen, die unreflektiert und jenseits von jeweiliger Erfahrung übernommen werden. Kulturelle Stereotype in den literarsichen Darstellungen erfüllen abhängig von der jeweiligen Auffassung unterschiedliche Funktionen, ziehen aber immer eine Verzerrung des Dargestellten nach sich. Als eine Voraussetzung für erfolgreiche Kommunikation wird deswegen eine individuelle Auseinandersetzung mit der Sprache vorgeschlagen.
Excerpt (computer-generated)
Kulturelle Stereotype in der Literatur
von: Barbara Piechota-Lutum
Inhaltsverzeichnis
1. Einleitung 3
2. Definition des Stereotypbegriffs 3
2.1 Der Begriff des Stereotyps in der Sozialwissenschaft 3
2.2 Der Begriff des Stereotyps in der Linguistik 7
2.3 Kulturelle Stereotype 8
3. Entstehungsmechanismus von Stereotypen 9
4. Funktion von Stereotypen 13
4.1. Stereotype im soziologischen und psychologischen Bereich 13
4.2. Stereotype in der Literatur 15
5. Schlußbetrachtung 19
6. Literaturverzeichnis 21
1. Einleitung
Die vorliegende Arbeit wird sich mit verschiedenen Aspekten des Stereotypbegriffs befassen. Ausgehend von der Entstehungsgeschichte des Begriffes soll zuerst seine ursprüngliche Bedeutung in der Sozialwissenschaft und weiterhin die wichtigsten Bedeutungsaspekte erläutert werden. Nach der Präsentation der von Quasthoff und Wenzel formulierten Definitionen des Stereotyps in der Linguistik soll der Begriff insbesondere in Verhältnis zu den Begriffen der Kategorie oder der Verallgemeinerung gesetzt und der Zusammenhang zwischen diesen Begriffen dargestellt werden. In der Erläuterung des Entstehungsmechanismus von Stereotypen soll dies sichtlich gemacht werden. Weil einzelne Autoren von einem unterschiedlichen Verständnis des Stereotyps ausgehen, werden auch seine Funktionen unterschiedlich bestimmt. Mit der Frage danach, wie und wozu kulturelle Stereotype in den literarischen Darstellungen verwendet werden, wird sich das letzte Kapitel dieser Arbeit befassen. In der Schlußbetrachtung sollen die erarbeiteten Ergebnisse zusammengefaßt werden.
2. Definition des Stereotypbegriffs
2.1 Der Begriff des Stereotyps in der Sozialwissenschaft
Der Begriff "Stereotyp" ist auf den Publizisten und Sozialwissenschaftler Walter Lipmann zurückzuführen. Den aus der Buchdrucksprache entnommenen Begriff hat Lippmann zum ersten Mal 1922 in seinem Buch "Public Opinion" verwendet. In der Buchdrucksprache bezeichnet "Stereotypie", wie Angelika Wenzel erläutert, ein Verfahren zur Vervielfältigung von Hochdruckformen, dessen Ergebnis Schriftsätze sind, die aus unbeweglich verbundenen Druckzeilen bestehen. 1 Die Gleichförmigkeit und die Unveränderlichkeit der in diesem Verfahren entstandenen Sätze kommen als wichtige Charakteristika des Begriffes hinzu. Der Begriff wird umgangsprachlich auch im Sinne von "feststehend", "unveränderlich" und "sinnentleert" gebraucht. Die eigentliche Bedeutung dieses Begriffes in der Sozialwissenschaft geht jedoch über die umgangssprachliche Verwendung hinaus. Lippmann verwendet ihn für die Benennung der Prozesse der sozialen Urteilsbildung.
Diverse Autoren interpretieren den Lippmannschen Stereotypbegriff auf verschiedene Art und Weise. Nach Waldemar Lilli bezeichnet Lippmann als Stereotyp "Bilder in unserem Kopf", worunter er die Vorstellungen versteht, die wir über die äußere Welt haben, die jedoch mit dieser Welt nicht übereinstimmen müssen, unser Verhalten aber stärker beeinflussen als die wirklich bestehenden Bedingungen. Lilli unterstreicht, daß Lippmann in seiner Theorie auf die Diskrepanz zwischen den inneren Vorgängen des Wahrnehmens und Denkens und den äußeren Vorgängen in der Umwelt hinweist sowie darauf, daß die im Kopf entstehenden Bilder Vorstellungen sind, die noch vor der wirklichen Erfahrung entstehen. 2 Eine andere Interpretin des Lippmannschen Stereotypbegriffs, Uta Quasthoff, weist auf weitere Aspekte seiner Definition hin. Stereotypensysteme sind, zitiert sie Lippmann, "ein geordnetes mehr oder minder beständiges Weltbild, dem sich unsere Gewohnheiten, unser Geschmack, unsere Fähigkeiten, unser Trost und unsere Hoffnung angepaßt haben. Sie bieten vielleicht kein vollständiges Weltbild, aber sie sind das Bild einer möglichen Welt, auf das wir uns eingestellt haben." Stereotypensysteme sind weiterhin laut Lippmannschen Wortverwendung "nicht neutral" und nicht nur "eine Methode, der großen, blühenden, summenden Unordnung der Wirklichkeit eine Ordnung unterzuschieben", sondern auch "die Projektion unseres Wertbewußtseins, unserer eigener Stellung und unserer Rechte auf die Welt." Die stereotypisierte Welt ist "nicht wie sie uns wünschenswert erscheint", sondern "die Welt unserer Erwartungen". Quasthoff faßt den Lippmannschen Stereotypbegriff als Bezeichnung für ein System von Einstellungen, Meinungen und Überzeugungen, das die Wahrnehmung strukturiert und selektiv steuert.3
Angelika Wenzel faßt den Stereotypbegriff bei Lippmann als Ausdruck für die von der Kulturgemeinschaft vorgeprägten und vom Einzelnen übernommenen Konzepte auf, mit denen der Mensch die Welt wahrnimmt. Diese Konzepte werden dem Menschen von der bildenden Kunst, Literatur, Philosophie und Religion vermittelt, mit deren Hilfe er die Welt betrachtet und interpretiert. Stereotype sind "Bilder in unseren Köpfen", die der Welt ihre Form aufprägen. Diese Bilder entstehen nicht aufgrund eigener Erfahrungen, sondern werden in der Sozialisation als fertige Bilder übernommen.4 Die Eigenart des Menschen, in Stereotypen zu denken, habe für Lippmann, sagt weiterhin Wenzel, positive und negative Aspekte. Einer der negativen Aspekte liegt darin, daß dieses vorgeformte Denken es dem Menschen erschwert, aus sich selbst herauszusehen. Es besteht die Gefahr, daß der Einzelne seine Umwelt nur noch typisiert wahrnimmt und sie auf ein paar Schemata reduziert. Die Neigung des Menschen in Stereotypen zu denken, führe nach Lippmann auf das Verlangen nach Vereinfachung und Bequemlichkeit zurück. Anderseits erkennt Lippmann im Denken in Stereotypen zwei positive Funktionen, nämlich die der Ökonomie und der Verteidigung. Typisierungen erweisen sich nach ihm bis zu einem gewissen Grad als notwendig, um den Einzelnen überhaupt handlungsfähig zu machen. Um zu allgemeinen Schlüssen und Theorien zu gelangen, ist es notwendig, Ähnlichkeiten und Verschiedenheiten zu erkennen. Neben der ökonomischen Funktion sieht Lippmann in dem Stereotyp die Funktion der Verteidigung des Einzelnen. Stereotype geben dem Einzelnen Kategorien in die Hand, an denen es sich orientieren kann und die seine Position in der Gesellschaft bestimmen. In dem, was Lippmann die Verteitigungsfunktion nennt, wird sehr deutlich der Aspekt der Orientierung sichtbar.5
[...]
1 Wenzel, Angelika: Stereotype in gesprochener Sprache. Form, Vorkommen und Funktion in Dialogen. München: Max Hueber Verlag 1978. S. 19.
2 Lilli, Waldemar: Grundlagen der Stereotypisierung. Göttingen [u.a.]: Verlag für Psychologie Hogrefe 1978. S. 3.
3 Quasthoff, Uta: Soziales Vorurteil und Kommunikation - Eine sprachwissenschaftliche Analyse des Stereotyps. Ein interdisziplinärer Versuch im Bereich von Linguistik, Sozia lwissenschaft und Psychologie. Frankfurt am Main: Athenäum Verlag 1973. S. 18.
4 Wenzel, A.: Stereotype in gesprochener Sprache. S. 19f.
5 Ebd., S. 20.
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