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Die klassische Migrationstheorie von Hoffmann-Nowotny: Darstellung und kritische Anmerkungen

Termpaper, 2003, 29 Pages
Author: Judith Katenbrink
Subject: Sociology - Classics, Basics and Theoretical Directions

Details

Event: Soziologische Migrationstheorie und transnationale Migration
Institution/College: University of Osnabrück
Tags: Migrationstheorie, Hoffmann-Nowotny, Darstellung, Anmerkungen, Soziologische, Migrationstheorie, Migration
Category: Termpaper
Year: 2003
Pages: 29
Grade: 1,5
Bibliography: ~ 27  Entries
Language: German
Archive No.: V35657
ISBN (E-book): 978-3-638-35502-5

File size: 226 KB
Notes :
Thema der vorliegenden Arbeit ist die Migrationstheorie ‚Theorie struktureller und anomischer Spannungen’ des Schweizer Soziologen Hans-Joachim Hoffmann-Nowotny. Nach einer allgemeinen Einführung in die Thematik der Migrationsforschung die Theorie ausführlich dargestellt und kritisch betrachtet.



Excerpt (computer-generated)

Universität Osnabrück, Fachbereich Sozialwissenschaften
Seminar: Soziologische Migrationstheorie und transnationale Migration
8. Fachsemester

Die klassische Migrationstheorie von Hoffmann-Nowotny:
Darstellung und kritische Anmerkungen

von: Judith Katenbrink

 


Inhaltsverzeichnis

1. Einleitung 1

2. Migration und Migrationsforschung 2

2.1 Zur Relevanz und Begriffsklärung der Migration 2
2.2 Zur Entwicklung der internationalen Migrationsforschung: klassische und neuere Ansätze 5

3. Darstellung der Migrationstheorie von Hoffmann-Nowotny 10

3.1 Ausführliche Darstellung der Theorie 10
3.2 Kritische Anmerkungen zur Theorie 21

4. Zusammenfassung und Fazit 24

5. Literaturverzeichnis 26


 

Einleitung

In der vorliegenden Arbeit wird die Migrationstheorie des Schweizer Soziologen Hans-Joachim Hoffmann-Nowotny dargestellt und kritisch betrachtet. Seine ‚Theorie struktureller und anomischer Spannungen’ ist erstmalig in den 70er Jahren veröffentlicht worden (Hoffmann-Nowotny, 1970, 1973, 1987; Hoffmann-Nowotny und Hondrich, 1982). Sie stellt einen mikro- und makrosoziologischen Ansatz dar, und zählt heute zu den klassischen Migrationstheorien. Ziel der Theorie ist es, eine allgemeine Erklärung und Analyse von Migrationsprozessen zu liefern. Im Rahmen der Theorie werden die Folgen und Voraussetzungen von Migrationsprozessen für die Herkunfts- und Ankunftsregionen und die einzelnen Migranten untersucht. Ausgangspunkt in dieser Theorie sind soziale und strukturelle Spannungen, die durch nicht-balancierte Macht-Prestige Relationen entstehen. Können diese nicht ausgeglichen werden, entstehen anomische Spannungen. Migration – als ein Wechsel der Positionen im sozietalen System – stellt dabei eine von mehreren möglichen Verhaltensweisen dar, durch die Spannungen abgebaut und transferiert werden können.

Hans-Joachim Hoffmann-Nowotny gilt heute als der Begründer der westeuropäischen Migrationssoziologie, da er als einer der ersten Sozialwissenschaftler in den 60er Jahren das Phänomen der Migration theoretisch wie empirisch thematisierte. Sein Ansatz ist neben der handlungsorientierten, individualistischen Theorie von Hartmut Esser (1980) eine theoretisch wie methodologisch befriedigendste Theorie im Bereich der Migrationssoziologie (Nauck, 1988).
Bevor jedoch genauer auf die ‚Theorie der strukturellen und anomischen Spannungen’ eingegangen bzw. diese detailliert dargestellt werden kann, wird im folgenden Kapitel zunächst allgemein in die Thematik der Migrationsforschung eingeführt. In Kapitel 3 wird dann die Theorie ausführlich dargestellt sowie kritisch diskutiert. Das letzte Kapitel dieser Arbeit beinhaltet eine Zusammenfassung und Resümee dieser Arbeit.

1. Migration und Migrationsforschung

Ziel dieses Kapitels ist es, eine kurze Einführung in die Thematik der Migration zu geben. Hierbei geht es zum einen um die Relevanz und die Begriffsklärung des Phänomens Migration. Zum anderen wird die Entwicklung der Migrationsforschung thematisiert und die klassische und neue Migrationsforschung dargestellt. Eine Differenzierung zwischen diesen beiden ist notwendig, da ihnen unterschiedliche Paradigmen und Konzeptualisierungen zugrunde liegen. Durch diese Einführung soll dem Leser eine bessere Verständlichkeit und Einordnung der Theorie von Hoffmann-Nowotny in den Gesamtkontext der Migrationsforschung ermöglicht werden.

1.1 Zur Relevanz und Begriffsklärung der Migration

Migration und Wanderungsbewegungen gehören zur Kulturgeschichte der Menschen und stellen damit eine Grunderfahrung der Menschheit dar (Bade und Bommes, 1996; Han, 2000; Pries, 1997, 2001; Treibel, 1999). Schon zur Zeit der Jäger- und Sammlerkulturen gab es Wanderbewegungen, ferner sind u.a. die (unfreiwilligen) Massenwanderungen der Arbeitskräfte im 17. und 18. Jahrhundert aus Afrika nach Nordamerika (Sklavenhandel) und die Massenwanderungen der Europäer im 18. und 19. Jahrhundert nach Nordamerika dokumentiert. In Europa lässt sich eine ständig zunehmende Migrationsbewegung seit dem 2. Weltkrieg feststellen wobei die Migrationsströme der so genannten Gastarbeiter aus den südlichen in die nördlichen europäischen Länder in den 50er und 60er Jahre besonders hohe Ausmaße erreichten. Im Laufe der Zeit wurden diese Wanderbewegungen immer differenzierter, so dass heute von einem „age of migration“ (Castles und Miller, 1993, S. 3) gesprochen wird. Nach Schätzungen leben momentan weltweit über 100 Millionen Menschen nicht dort wo sie geboren sind, d.h. weltweit gibt es über 100 Millionen Migranten und Flüchtlinge (Opitz, 1997).
Die enorme Relevanz und Bedeutung der Migration als soziales, gesellschaftliches Phänomen wird ersichtlich, wenn die verschiedenen Ebenen bzw. gesellschaftlichen Einheiten betrachtet werden, welche durch Migration und Migrationsbewegungen „soziale Einschnitte“ (Treibel, 1999, S. 13) erfahren. Migrationsbewegungen wirken sich einmal auf die sozialen und gesellschaftlichen Strukturen der Herkunfts- und Ankunftsregionen aus. Zudem bedeuten sie soziale Veränderungen sowohl für die soziale Gruppe der Migranten im Herkunftsland als auch für die soziale Gruppe in der Ankunftsregion, auf die die Migranten treffen. Drittens wirkt sich eine Migration natürlich auf das migrierende Individuum selbst aus, auf dessen soziale Umwelten, ökonomischen, kulturellen und sozialen Lebensbedingungen, dessen Orientierungen, Wertesysteme, Verhaltensweisen und Identitätsentwicklung (Treibel, 1999). Außerdem wirkt sich eine Migration auch auf die physische und psychische Gesundheit der Individuen aus.
Damit wird deutlich, dass eine Migration und Migrationsbewegungen auf die verschiedenen gesellschaftlichen Einheiten Einfluss ausüben, und zwar auf die individuelle, die Gruppen- und die makrogesellschaftliche Ebene. Damit stellt die Migration nicht nur für die Sozialwissenschaften ein relevantes Phänomen dar, sondern auch für viele weitere wissenschaftliche Disziplinen:

In den Sozialwissenschaften liegt das Interesse vor allem bei den gesellschaftlichen Folgen der Migration, die Auswirkungen der Migration für die Ankunfts- und Herkunftsregion, sowie die Verhaltensmodelle der Migranten und der autochthonen Bevölkerung. In den Erziehungswissenschaften hingegen liegt der Schwerpunkt eher auf den Fragen der Integration der Migranten (und der zweiten und weiteren nachfolgenden Generationen) in Schule, Freizeit und dem Bildungsbereich, und der Theorie und Praxis der interkulturellen Erziehung (z.B. Prengel, 1995). In der Psychologie wird auf die persönlichkeitsbedingten Ursachen und Auswirkungen der Migration fokussiert, wobei hier je nach Teildisziplin unterschiedliche Schwerpunkte gesetzt werden. So interessiert z.B. einmal die Identitätsentwicklung der Migranten (in der Entwicklungs- und Persönlichkeitspsychologie), ein andermal die Einstellungen und Wertehaltungen der Migranten und einheimischen Bevölkerung sowie Gruppenprozesse und -konflikte zwischen diesen Gruppen (in der Sozialpsychologie). Die Auswirkungen der Migration auf die physische und psychische Gesundheit und Kausalfaktoren werden in der Gesundheitspsychologie und der Klinische Psychologie erforscht.

Auch in vielen weiteren Disziplinen, wie z.B. den Rechtswissenschaften, den Wirtschaftswissenschaften, der Geographie, der Demographie und der Anthropologie ist Migration ein wichtiges Thema und wird unter den entsprechenden inhaltlichen Ausrichtungen thematisiert. Diese kurze Einleitung hat deutlich gemacht, dass Migration kein neues Phänomen ist, sondern ein Teil der Menschheitsgeschichte. Außerdem ist das Phänomen der Migration für Gesellschaften auf verschiedenen Ebenen (der individuellen, der Gruppenebene und den sozialen ökonomischen Strukturen) als auch für die wissenschaftlichen Diskurse (in den Sozialwissenschaften und angrenzenden Disziplinen) von großer Bedeutung und aktueller Relevanz

[...]


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