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Autor: Jette Pauck
Fach: Medien / Kommunikation - Massenmedien allgemein
Details
Institution/Hochschule: Universität Siegen (Medien-Planung, -Entwicklung und -Beratung)
Tags: Daily Soap, Figurenkonzepte, Serien, Funktion von Soap Operas für den Rezipienten, Soaps, Marienhof, Verbotene Liebe, Lindenstraße
Jahr: 2000
Seiten: 27
Note: 1,3
Sprache: Deutsch
Dateigröße: 208 KB
ISBN (E-Book): 978-3-638-12206-1
Detaillierte Erarbeitung von Figurenkonzepten in Serien, Funktionen von Soap Operas für den Rezipienten, Genredefinition, Sozialisationseffekten und Identifiktionspotentialen.
164 KB
Textauszug (computergeneriert)
Faszination Daily Soap. Umsetzung von Figurenkonzepten und Funktionen von Soap Operas für ihre Zuschauer.
von Jette Pauck
Inhaltsverzeichnis
1. Einleitung 1
2. Genredefinition 2
3. Wirklichkeitsdarstellung 3
4. Bildung und Funktion von Stereotypen 5
5. Die Figurenkonzepte als Identifikationsangebot 6
5.1 Die Traumgirls 8
5.2 Die Mädchenschwärme 8
5.3 Die Intriganten 10
5.4 Die Leidenden 11
5.5 Die Übermütter 12
5.6 Die Vaterfiguren 13
5.7 Die Karrierefrauen 14
5.8 Die Bösewichte 15
6. Funktion für den Rezipienten 16
6.1 Vergleichs- und Identifikationspotential 16
6.2 Orientierung 17
6.3 Parasoziale Funktion 17
6.4 Eskapismus 18
6.5 Unterhaltung 18
7. Motivation zur Rezeption 18
7.1 Formale Gestaltungsmittel 19
7.2 Inhaltliche Mittel 20
7.3 Bindung durch Emotionen 20
8. Fazit 21
9. Literaturverzeichnis 24
1. Einleitung
"Fernsehen, so heißt es, ist ein Fenster zur Welt. Dabei erfindet es auch seine eigenen Welten: TV entführt uns in `Die Straßen von San Francisco´ und lässt uns - jeden Sonntag vor dem `Weltspiegel´ - teilhaben am Schicksal der Familie Beimer. In guten wie in schlechten Zeiten möchte es vor allem unserer Unterhaltung dienen."1
Doch Unterhaltung ist nur eine Leistung, die das Fernsehen erbringt. Fernsehen lässt uns in fremde Welten eintauchen, es gibt uns die Möglichkeit, mal in die Haut eines anderen Menschen zu schlüpfen oder uns mit dargestellten Personen zu vergleichen. Fernsehen übernimmt heutzutage eine ausgeprägte Orientierungsfunktion den Zuschauern, und besonders den Jugendlichen gegenüber. Es dient somit nicht nur der Ausbildung und Pflege von Trends, sondern wird auch zur Vermittlungsinstanz von Werten und Normen, erhält Vorbildfunktion.
Eine ganze Reihe von Serien, die sich in den letzten Jahren im deutschen Fernsehen etablierten, haben diesen Orientierungscharakter. Diese Serien, die entweder wöchentlich oder sogar täglich ausgestrahlt werden, sprechen unterschiedliche Alters- und Zielgruppen an und gehören mit zu den beliebtesten Programmangeboten. Gemeint sind deutsche Soap Operas wie `Verbotene Liebe´, `Marienhof´, `Gute Zeiten, schlechte Zeiten´ oder auch die `Lindenstraße´.
Dieses Genre ist zentraler Kern meiner Ausarbeitung. Im Folgenden werde ich den theoretischen Aufbau von Soap Operas darstellen und erläutern, welche Funktion Figurenstereotypen in Serien haben, wie sie in der Theorie angelegt sind und anhand von Beispielen zeigen, wie sie in der Praxis umgesetzt werden. Im zweiten Teil gehe ich auf weitere Funktionen der Daily Soap für ihre Zuschauer ein und versuche darzustellen, mit welchen Mitteln das Genre es immer wieder schafft, seine Zuschauer zum Einschalten zu motivieren. Abschließend werde ich anteilig den tatsächlichen Einfluss von Soap Operas auf das wirkliche Leben seiner Zuschauer kritisch betrachten.
2. Genredefinition
Bei der Definition des Genres Serien muss grundsätzlich berücksichtigt werden, dass es unterschiedliche Formen von Fortsetzungsgeschichten gibt, auch wenn allen gemeinsam ist, dass sie mehrteilig sind. Prinzipiell unterscheidet man zwischen dem Mehrteiler, der Reihe (series) und der Serie (serial).
Der Mehrteiler erzählt eine in sich abgeschlossene Geschichte vom Anfang bis zum Ende. Die lediglich im Hinblick auf das Ende der Erzählung zukunftsorientierte Handlung wird dabei in meist vier bis zwölf Folgen geschildert. In der Reihe werden einzelne Abschnitte aus dem Leben der Protagonisten erzählt. In der Regel ist die Handlung innerhalb einer Folge abgeschlossen, sodass Folgen auch unabhängig voneinander bestehen und konsumiert werden könnten.
Die Serie dagegen erzählt eine offene, zukunftsorientierte Geschichte, die auf Unendlichkeit angelegt ist. Diese Struktur wird in den Soap Operas und besonders in den Daily Soaps aufgegriffen.
Die einzelnen Formen des Genres unterscheiden sich natürlich auch noch in anderer Hinsicht voneinander. Doch da ich mich in der nachfolgenden Ausarbeitung speziell auf die Soap Opera beziehe, möchte ich nur diese Serienform ausführlicher beschreiben.
Die Geschichte der Soap Opera begann in den 30er Jahren in Amerika, wo täglich im Radio Fortsetzungshörspiele zur Bewerbung von Waschmittelprodukten gesendet wurden. Zielgruppe dieser von Waschmittelkonzernen finanzierten Beiträge waren vorwiegend Hausfrauen. Mitte der 50er Jahre wurde die Soap Opera nun auch in Deutschland im Fernsehen gezeigt. Seit der Etablierung der kommerziellen Programme im deutschen Fernsehen in den 80er Jahren nahm die Zahl der täglich ausgestrahlten Serien stetig zu.
Die Daily Soap ist eine langlaufende Serie, die durch die Form der neverending story keinerlei inhaltliche Geschlossenheit aufweist. Jede Folge besteht aus mehreren parallel zueinander verlaufenden Handlungssträngen, von denen allenfalls einer mit einer vorläufigen (Problem-) Lösung abschließt. Die Handlung ist insgesamt endlos und zukunftsorientiert.
Jede Folge einer Daily Soap schließt mit einem Cliffhanger ab. Hierbei werden stets emotional aufgeladene oder besonders spannende Situationen von der Kamera festgehalten, die die Neugier der Zuschauer auf die nächste Folge wecken sollen. Handlungsinhalte der Soap sind Lebens- und Alltagsprobleme der Protagonisten wie Beruf, Geld, Macht, Freundschaft, Krankheit, Sexualität, Kriminalität oder Schicksalsschläge.
Die in den Daily Soaps dargestellten Personen und Familien sind meistens Menschen aus dem durchschnittlichen bis oberen Mittelschichtsmilieu. Es gibt einen zentralen Kern von Charakteren, auf den ich im weiteren noch detailliert eingehen werde. Die auftretenden Darsteller lassen sich, bewusst leichtgemacht, in "gut" und "böse", "beliebt" und "unbeliebt" kategorisieren. Sie sind gleich stark gewichtet, es gibt somit keine Hauptdarsteller im klassischen Sinn.
Der Bekanntheitsgrad der Schauspieler und ihre Gage sind entsprechend gering. Ebenso kostengünstig ist die Produktion einer Folge, da auch die gesamte Ausstattung nicht sehr aufwendig ist und vorwiegend in geschlossenen Räumen bzw. Studios gedreht wird.
Gesendet werden Daily Soaps hauptsächlich im Nachmittagsprogramm oder am frühen Abend. Die Sendelänge variiert zwischen 30 und 60 Minuten.
Neben der Daily Soap gibt es noch die sogenannte prime time serial, die einmal pro Woche in den Abendstunden ausgestrahlt wird. Im Gegensatz zur eher weiblichen Zielgruppe aus der Unter- und Mittelklasse der Daily Soaps wird hier mehr ein männliches Publikum angesprochen.
Das Genre Serien ist außerordentlich vielfältig. Der Vollständigkeit halber möchte ich auch die Variationen des oben beschriebenen Genres, nämlich Krankenhaus-, Familien-, Arzt-, Krimi-, Western-, Science Fiction-Serien und ethnische Serien (mit farbigen Mittelpunktsfiguren) nennen.
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