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Freizeit als Spannungsfeld der industriellen Arbeit am Beispiel der Geschichte der Arbeiterklasse in Südafrika

Scholarly Paper (Advanced Seminar), 2003, 24 Pages
Author: Barbara Piechota-Lutum
Subject: African Studies

Details

Event: Historisches Hauptseminar: "Arbeit in Afrika"
Institution/College: University of Hamburg (Historisches Institut)
Tags: Freizeit, Spannungsfeld, Arbeit, Beispiel, Geschichte, Arbeiterklasse, Südafrika, Historisches, Hauptseminar, Arbeit, Afrika
Category: Scholarly Paper (Advanced Seminar)
Year: 2003
Pages: 24
Grade: 2,3
Bibliography: ~ 13  Entries
Language: German
Archive No.: V36112
ISBN (E-book): 978-3-638-35837-8
ISBN (Book): 978-3-638-65342-8
File size: 249 KB

Abstract

Im afrikanischen Kontext wird von der Freizeit im Zusammenhang mit dem Kolonialismus und dem Kapitalismus gesprochen. Zwar gab es auch in den vorkolonialen agrarischen Gesellschaften Afrikas ein Bewusstsein für Freizeit, eine schärfere Trennung von Arbeit und Freizeit erfolgte erst zusammen mit der Verbreitung der kapitalistischen Produktionsweisen. So wie in den Bereichen des sozialen, wirtschaftlichen und politischen Lebens in Afrika die kapitalistischen Konzepte der Europäer mit Verwendung unterschiedlicher Strategien umgesetzt wurden, wurde auch die Freizeit der Afrikaner eine Bühne der Konkurrenz, Konflikte, und Spannungen. Afrikaner versuchten eigene kulturelle Praktiken als Ort der Bewahrung ihrer Identität zu schützen und auszubreiten. Europäer brachten Konzepte, mit denen sie im Interesse der ökonomischen und politischen Profite die Freizeit der Afrikaner gestalten und kontrollieren wollten. Die vorliegende Arbeit beschäftigt sich allgemein theoretisch mit dem Begriff der Freizeit und mit der Geschichte der Freizeitkultur der südafrikanischen Arbeiterklasse unter den industriellen und kolonialen Bedingungen der zweiten Hälfte des 19. und der ersten Hälfte des 20. Jahrhunderts.


Excerpt (computer-generated)

Freizeit als Spannungsfeld der industriellen Arbeit am
Beispiel der Geschichte der Arbeiterklasse in Südafrika

von: Barbara Piechota-Lutum

 


1. Einleitung 3

2. Der Begriff der Freizeit 3

2.1 Geschichte des Begriffes 3
2.2 Probleme der Definition 4

3. Freizeit in Afrika 9

4. Freizeit der Arbeiterklasse in Südafrika 10

4.1 Die Geschichte der Industrialisierung und der Entstehung der Arbeiterklasse 10
4.2 Freizeitformen der Industriearbeiter 13

5. Die Freizeit der südafrikanischen Arbeiterklasse als Spannungsfeld der industriellen Arbeit 21

6. Schlußbetrachtung 22

7. Literaturverzeichnis 24


 

1. Einleitung

In der vorliegenden Arbeit werde ich mich mit der Freizeit der Arbeiterklasse unter den industriellen Bedingungen der zweiten Hälfte des 19. und der ersten Hälfte des 20. Jahrhunderts in Südafrika befassen. Zuerst setze ich mich allgemein theoretisch mit dem Begriff der Freizeit, indem ich auf die Geschichte des Begriffes und dann auf die Probleme der Definition eingehen werde. In diesem Teil der Arbeit möchte ich insbesondere danach fragen, inwieweit Freizeit als Gegenbegriff zu dem Begriff der Arbeit definiert werden kann sowie, welche allgemeingeltenden und charakteristischen Attribute dem Begr iff der Freizeit zugeschrieben werden können. Nach dem Kapitel zur Geschichte der Freizeit in Afrika werde ich die Geschichte der Entstehung der Arbeiterklasse in Südafrika sowie die wirtschaftlichen und sozialen Bedingungen der Herauskristallisierung der Arbeiteridentität darstellen. Im Hauptteil dieser Arbeit bespreche ich die Freizeitkultur der südafrikanischen Arbeiter und überlege, wie industrielle Arbeitsbedingungen diese Kultur beeinflußt haben. In der Schlußbetrachtung werden die wichtigsten Gedanken zusammenfaßt und eigene Ansichten dargelegt.

2. Der Begriff der Freizeit

2.1 Geschichte des Begriffes

Freizeit ist ein relativ junger Begriff, dessen Geschichte auf die Zeit der Entstehung der industriellen Produktionsweise zurückgeht. Zusammen mit der Industrialisierung erfolgte neben der räumlichen Trennung von Arbeits- und Lebensraum die zeitliche Aufteilung des Tages in die Zeit, in der gearbeitet wurde und die Zeit, in der nicht gearbeitet wurde, d.h. die von der Arbeit freie Zeit. In den vorindustriellen agrarischen Gesellschaften gab es zwar ein Bewußtsein für Freizeit, den Tagesverlauf charakterisierte jedoch eine zeitliche Struktur, die nicht in zwei aufeinanderfolgende Phasen von Arbeit und Nicht-Arbeit zerfiel. Man arbeitete nämlich solange wie es die Lichtverhältnisse zuließen oder bis die Aufgabe bewältigt wurde. Die Ausbreitung des Begriffes der Freizeit, historisch gesehen, hängt jedoch nur bedingt mit der sich veränderten Zeitstruktur des Tages zusammen. Der Begriff entstammt der Pädagogik, in der seit dem 17. Jahrhundert die "freye zugt" als Freistunde zu einem Gegenbegriff zur Arbeits- und Unterrichtsstunde wurde. Mit der Industrialisierung erfuhr dieser Terminus über den pädagogischen Bereich hinaus eine weitere Verbreitung. Weil in der Frühphase der Industrialisierung wegen der herrschenden Arbeitsbedingungen (ein zwölf- bis vierzehnstündiger Arbeitstag) noch kaum von Freizeit gesprochen werden konnte, wurde der Freizeitbegriff erst zusammen mit den Bemühungen um die Verkürzung der Arbeitszeit und Ausdehnung der von der Arbeit freien Zeit gebräuchlicher. 1

In dem französischen und angelsächsischen Sprachbereich wird Freizeit unter einem auf das lateinische "licet" (es steht frei, man darf, man kann) zurückgehenden Wort "loisir" (im Französischen) oder "leisure" bzw. unter dem Begriff "leisure time"(im Englischen und Amerikanischen) behandelt.2

2.2. Probleme der Definition

In der Soziologie wird Freizeit heute, laut Adolph Geck3 und Dieter Hahnart4, im weitesten Sinne als die nach der Arbeit übriggebliebene Zeit definiert und als Gegensatz zur Arbeitszeit verstanden, bei der es sich um alltägliche erwerbs- oder pflichtgemäße Tätigkeit handelt.

Die beiden Autoren grenzen diese Definition ein und formulieren den Begriff der Freizeit im enge n Sinne als die zur freien Verfügung stehende und nicht durch irgendwelche Geschäfte oder Pflichten ausgefüllte Zeit. Geck5 und Hahnart6 bemerken dabei, daß dieser Begriff dem alten deutschen Begriff "Muße" gleicht. Die beiden Auffassungen der Freizeit (im weiten und im engen Sinne) entsprechen der Unterscheidung, die ein anderer Autor, Erich Weber, hinsichtlich der Definition der Freizeit macht: Die Unterscheidung der Freizeit zwischen der Zeit, in der man "frei von" etwas ist (Freizeit im weiten Sinne) und der Zeit, in der man "frei zu" etwas ist (Freizeit im engen Sinne). Weber widmet sich darüber hinaus einer genaueren Bestimmung des Begriffes "Muße", den er ebenfalls im weiten und im engen Sinne definiert. Als "Muße" in weiter Bedeutung bezeichnet er "d ie Haltung einer spannungslosen und bedürfnislosen Uninteressiertheit an der Umwelt", "Träumen mit offenen Augen" oder "Dösen". Die Muße im engen und echten Sinne bedeutet dagegen, laut Weber, eine starke innere Beteiligung, die "jedoch nicht in der Weise des aktiven Tätigseins, sondern des kontemplativen Sich-ergreifen-Lassens" verstanden werden soll. Eine in dieser Form definierte Muße ist eine Voraussetzung dafür, daß der Mensch neben der Welt der Erwerbsarbeit und des Konsums, neben Erholung und Ruhe, neben freigewähltem Schaffen und Sich-bilden, neben Geselligkeit und Vergnügen, neben Spiel und Sport in seiner Freizeit den letzten und bedeutsamen Fragen der menschlichen Existenz gegenüber aufgeschlossen bleibt und in Bezug zur Transzendenz tritt, um Mensch im vollen Sinne zu bleiben."7 Damit definiert Weber die höchste Form der Freizeit, die jedoch in dieser Arbeit nicht als grundlegende Definition verwendet werden soll. Weber weist ferner auf verschieden weite Auffassungen des Freizeitbegriffes hin:

1. Freizeit ist jene Zeit, die zwischen den terminierten Perioden der Erwerbsarbeit liegt.
2. Freizeit ist jene Zeit, die nach Abzug der fremdbestimmten Arbeit, vor allem in der Form der Erwerbsarbeit und der notwendigen Schlafzeit, verbleibt.
3. Freizeit ist jene Zeit, die nach Abzug der in der 2. Definition genannten Freizeit und der sogenannten "arbeitsgebundenen Freizeit" verbleibt, die nicht als echte Freizeit gilt (wie z.B. die Zeit für den Arbeitsweg, Essen oder Körperpflege, Weiterbildung, Berufsversammlungen etc.).
4. Freizeit ist jene Zeit, die nach Abzug der in 1. bis 3. genannten Zeit verbleibt sowie der sämtlichen Erholungs- und Entspannungszeit, und schließlich der Zeit, die in irgendeiner Form Leistungen erfordert.

Weber bemerkt, daß die Übergänge zwischen den einzelnen Auffassungen des Freizeitbegriffes fließend sind.8

[...]


1 Schlösser, Manfred: Freizeit und Familienleben von Industriearbeitern. Frankfurt/Mein; New York 1981. S. 16f.

2 Geck, L. H. Adolph: Die Freizeitprobleme in der wissenschaftlichen Christlichen Gesellschaftslehre. Berlin 1973. S. 12.

3 Ebd., S. 12.

4 Hanhart, Dieter: Arbeiter in der Freizeit. Eine sozialpsychologische Untersuchung. Bern 1964. S. 33.

5 Geck, A.: Die Freizeitprobleme in der wissenschaftlichen Christlichen Gesellschaftslehre. S. 12.

6 Hahnart, D.: Arbeiter in der Freizeit. S. 32.

7 Weber, Erich: Das Freizeitproblem. Anthropologisch-pädagogische Untersuchung. München/Basel 1963. S. 15.

8 Ebd., S. 16.


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