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Scholarly Paper (Advanced Seminar), 2002, 34 Pages
Author: Uta Brengelmann
Subject: German Studies - Didactics
Details
Tags: Therapie, Lese-, Rechtschreibschwäche, Kindern
Year: 2002
Pages: 34
Grade: 2,0
Bibliography: ~ 18 Entries
Language: German
ISBN (E-book): 978-3-638-36063-0
ISBN (Book): 978-3-638-65355-8
File size: 304 KB
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Abstract
Viele Kinder haben Probleme mit dem Lesen und dem Schreiben. Diese Kinder müssen gefördert werden. Hier wird die Lese- und Rechtschreibschwäche eines Grundschülers näher analysiert. Es wird auch der Begriff Lese- Rechtschreibschwäche und die allgemeinen Ursachen einer Schwäche im Lesen und im Schreiben erläutert.
Excerpt (computer-generated)
Die Therapie der LRS
von: Uta Brengelmann
4. Fachsemester
Inhaltsverzeichnis
1. Einleitung 4
2. Bedeutung der Begriffe Legasthenie und Lese- Rechtschreibschwäche 4
3. Ursachen für eine Lese- Rechtschreibschwäche 6
4. Wie macht sich eine Lese- Rechtschreibschwäche bei Kindern bemerkbar 9
5. Früherkennung einer Lese- Rechtschreibschwäche 12
6. Behandlungsmöglichkeiten und Förderkonzepte der Lese - Rechtschreibschwäche bei Kindern in der ersten und zweiten Klasse 13
6.1 Die Wichtigkeit einer Förderung Lese- Rechtschreibschwacher Kinder 13
6.2 Wessen Aufgabe ist die Behebung der Lese- Rechschreibschwäche? 14
6.3 LRS - Erlasse 16
6.4 Grundbedingungen für den Lese- und Schreibprozess 17
6.5 Beispiele von Förderungsmaßnahmen 18
6.5.1 Fördergruppen 18
6.5.2 Übungen zum Beheben einer Lese-Rechtschreibschwäche 19
6.5.3 Die Spieltherapie 28
6.5.4 Auswahl der Übungsmaterialien 28
6.6 Der Übergang der verschiedenen Entwicklungsstufen 29
6.7. Was wird vom Lehrer bei der Förderung verlangt? 30
7. Rolle der Eltern bei Kindern mit einer LRS 31
8. Außerschulische Maßnahmen 32
9. Schluss 32
Literaturverzeichnis 34
1. Einleitung
In meiner Hausarbeit beschäftige ich mich mit der Lese- und Rechtschreibschwäche oder kurz mit der LRS. Sie wird definiert als eine Minderleistung im Lesen oder / und im Rechtschreiben. Ich versuche auf die Ursachen einer Lese- Rechtschreibschwäche einzugehen. Im weiteren Verlauf werde ich im Hauptteil der Hausarbeit versuchen auf die Therapie der Lese- Rechtschreibschwäche einzugehen. Dabei werde ich mich besonders mit Förderungskonzepten für Schüler im ersten und zweiten Schuljahr beschäftigen.
2. Bedeutung der Begriffe Legasthenie und Lese- Rechtschreibschwäche
Wörtlich übersetzt bedeutet Legasthenie Leseschwäche. Der Begriff stammt aus dem lateinischen: Legere heißt lesen und Asthenie bedeutet Schwäche. 1916 bezeichnete der Neurologe P. Ranschberg Kinder mit einer Störung beim Erwerb des Lesens und des Schreibens als Legastheniker. Bei Kindern spricht man von einem speziellen Versagen im Erlernen des Lesens und der Rechtschreibung bei normaler oder im Verhältnis zu dieser partiellen Schwäche zumindest relativ besseren Intelligenz.1 1951 definiert die Schweizer Psychologin M. Linder Legasthenie als eine „spezielle, aus dem Rahmen der übrigen Leistung fallende Schwäche im Erlernen des Lesens bei sonst intakter Intelligenz.“2
Ihrer Meinung nach ist Legasthenie „eine partielle Lernstörung im Bereich Lesen und Rechschreiben, die im Missverhältnis steht zu einer relativ guten Allgemeinbegabung und mindestens durchschnittlichen Leistungen in anderen Schulfächern.“3 Frau Lindner brachte mit ihrem Zitat die Diskussion um die Legasthenie wieder ins Rollen. Sie untersuchte die Intelligenz von Schülern und Schülerinnen mit Leseschwächen. Das Ergebnis war erstaunlich. Es stellte sich heraus, dass diese Kinder durchschnittlich bis überdurchschnittlich intelligent sind. Durch diese Untersuchung schaffte es die Schweizerin, betroffene Kinder aus der Isolation der Sonderschule herauszuholen und die Öffentlichkeit auf die Probleme der Kinder aufmerksam zu machen. Die Annahme vieler Leute, dass die Lese- Rechtschreibschwäche mit einem geringen Intelligenzquotienten zusammen hängt, lässt sich also nicht bestätigen.
Dieser Begriffsbestimmung von M. Linder schließen sich die meisten Autoren an. Sie unterscheiden sich lediglich in der Abgrenzung des Versagens. Schubenz versteht unter Legasthenie das Phänomen der bedeutsamen Inkongruenz von relativ guter allgemeiner Begabungshöhe und der relativ geringen Fähigkeit, das Lesen und orthographisch richtige Schreiben in der von der Schule dafür eingeräumten Zeit und mit dem vorgesehenen Maß an Training zu erlernen. 4 In den siebziger Jahren kam es zu einer kämpferischen Ablehnung des Begriffes Legasthenie. Denn Legasthenie wurde als eine Art Krankheit eingeschätzt, für die der Patient aber nichts konnte. Da man die Legastheniker nicht mehr schulisch benachteiligen wollte, entschied man sich den Begriff Legasthenie nicht mehr zu verwenden.
G. Scheerer-Neumann ist der Meinung, dass der Begriff Legasthenie weder theoretisch sinnvoll noch praktisch therapeutisch brauchbar ist. Die Kultusministerkonferenz hat 1978 beschlossen den umstrittenen Ausdruck Legasthenie nicht mehr zu verwenden. Der Begriff Legasthenie sollte ersetzt werden mit „besonderen Schwierigkeiten beim Erlernen des Lesens und des Rechtschreibens“, abgekürzt mit LRS.5 In den neueren und didaktischen Diskussionen wird der Ausdruck auch in diesem Sinne behandelt. Aus diesem Grund spricht der Lese- Rechtschreiberlass in Nordrhein - Westfalen nicht von Legasthenie, sondern von Schülern mit isolierter Lese- Rechtschreibschwäche.
Außerdem einigten sich die Kultusminister in einer KMK – Empfehlung, Schüler mit besonderen Schwierigkeiten im Lesen und Rechtschreiben zu fördern. Nun dauerte es wieder viele Jahre, bis sich diese Empfehlung in neuen LRS – Erlassen durchsetzte. Im Erlass von 1985 heißt es dann schließlich: „ Eine Legasthenie liegt vor, wenn bei mindestens durchschnittlicher Intelligenz erhebliche Ausfälle im Lesen und/oder in der Rechtschreibung auftreten.“6 Man ist der Meinung, dass der Begriff Legasthenie völlig unbrauchbar ist. Aus diesem Grunde sollte er ganz aus dem Sprachgebrauch der Schule gestrichen werden. Es existieren einfach zu vielen Definitionen der Wissenschaftler!
3. Ursachen für eine Lese- Rechtschreibschwäche
Von 1910 bis 1950 sprach man von einer allgemeinen Retardierung, was soviel heißt wie: Legastheniker sind eben dumm und daran gibt es auch nichts zu rütteln. Nach 1950 setzte in Deutschland und in Österreich eine intensive Suche nach den Ursachen der Legasthenie ein. 7
Viele Autoren sind der Meinung, dass ein Kind durch eine körperliche Entwicklungsverzögerung, gesundheitliche Auffälligkeiten sowie eine hirnorganische Schädigung zum Legastheniker werden kann. Ursachen für diese Schäden am Hirn sind z.B. Virusinfektionen, Ernährungsmängel, Antikörper des rhesus -negativen mütterlichen Organismus, mechanische Einwirkungen oder Anoxie bei einer komplizierten Geburt, Hirnblutungen bei Frühgeburten und Meningitis. 8 Von 1950 bis 1970 suchte man die Ursachen in der Erziehung und im Milieu. Man kam zu dem Ergebnis, dass Legasthenie nicht auf einem vererbten Gehirnschaden beruht, sondern ebenso auf Konflikten in der Beziehung des Betroffenen und auf seine Umwelt zurückzuführen sind. Gründe für eine Lese-Rechtschreibschwäche waren demnach das Leben in einem anregungsarmen Milieu mit ökonomischen Restriktionen, beengten Wohnverhältnissen, hoher Geschwisteranzahl, schlechter Schulbildung der Eltern und wenig Gesamteinkommen der Eltern. Es gab keine oder wenig Bücher und nur eine kleine Anzahl von Zimmern. So konnte dem Kind kein eigenes Zimmer zur Verfügung zu stellen. Dieses förderte das Desinteresse und den Mangel an Spielaktivität.9
Doch diese milieutheoretischen Erklärungen stießen nicht immer auf Zustimmung. Man kam zu dem Entschluss, dass die milieutheoretischen Erklärungen im Zusammenhang mit der Lesefertigkeit des Kindes stehen. Bemerkenswert aber ist, dass ca. drei Viertel der Kinder mit LRS aus der Unterschicht stammen. Trempler vertritt einen extremen Standpunkt. Er ist der Meinung, dass lese-rechtschreibschwache Kinder, egal aus welcher Schicht sie kommen, emotional vernachlässigt werden. Er ist der Auffassung, dass sie keine Anerkennung und Selbstbestätigung finden und in vielen Fällen auch kognitiv zu wenig gefördert werden.10
[...]
1 vgl.: Kossow: Zur Therapie der Lese- Rechtschreibschwäche; S. 12, Z. 33
2 vgl.: Valtin: Legasthenie- Theorien und Untersuchungen; S. 15, Z. 22
3 Aufrecht: Lese- und Rechtschreibschwächen; S.12, Z.13
4 vgl.: Grissemann: Die Legasthenie als Deutungsschwäche; S. 16; Z. 6
5 vgl.: Heckt, Sandfuchs: Grundschule von A-Z; S. 173
6 vgl.: www.lrs.de
7 vgl.: Bartnitzky, Christiani, Stumpenhorst: Lese- und Rechtschreibschwierigkeiten: vorbeugen und überwinden; S. 16, Z. 13- 21
8 vgl.: Grissemann: Die Legasthenie als Deutungsschwäche; S. 17; Z.3
9 vgl.: Bartnitzky, Christiani, Stumpenhorst: Lese- und Rechtschreibschwierigkeiten: vorbeugen und überwinden; S. 17
10 vgl.: Castell: Lernbehinderung; S. 20
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