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Zunehmende Popularität von Chinesischen Filmen im Westen - Besonderheiten/ Spezifika (taiwanesisch/ volksrepublikanisch)

Autor: Thomas Konermann
Fach: Orientalistik / Sinologie - Chinesisch / China

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Details

Kategorie: Essay
Jahr: 2004
Seiten: 16
Note: sehr gut (1)
Sprache: Deutsch
Dateigröße: 207 KB
Archivnummer: V36696
ISBN (E-Book): 978-3-638-36244-3
Anmerkungen :
In den 90er Jahren sind Chinesische Filme im Westen zunehmend verbreitet. Diese Arbeit diskutiert anhand der Filme EAT DRINK MAN WOMAN und SHOWER dieses Phänomen. Weiterhin wird auf die Besonderheiten des Chinesischen Filmes, sei er nun taiwanesisch oder volksrepublikanisch, eingegangen. Abschließend wird versucht, eine Erklärung für Erfolg oder Misserfolg beim westlichen Publikum zu finden.

Textauszug (computergeneriert)

Zunehmende Popularität von Chinesischen Filmen im
Westen - Besonderheiten/ Spezifika (taiwanesisch/ volksrepublikanisch)

von: Thomas Konermann





„Alles in Eat Drink Man Woman unterscheidet sich sehr von dem, was ich in anderen
Filmen gemacht habe. Es gibt eine größeres Schauspielteam und eine wesentlich komplexere Geschichte…Ich habe angefangen, über Familien nachzudenken und darüber wie sie kommunizieren. Manchmal tun sich Eltern schwer damit, Dinge ihren Kindern gegenüber auszudrücken. Wenn das geschieht, sind wir beim Ritual. Für die Familie Chu, ist das Ritual das Abendessen am Sonntag…Bei jedem Abendessen kommt die Familie zusammen und dann geschieht etwas, was die Familie immer weiter auseinander bringt.“

Ang Lees (oder An Li) Kommentar zu seinem Film Eat Drink Man Women, lässt keine Zweifel aufkommen: Die Probleme, mit denen die Familie Chu sich auseinandersetzten muss, passieren in vielen Familien auf der ganzen Welt und sind stets aktuell. Die Schwierigkeiten, die bei Generationen übergreifenden Gesprächen auftreten, kennt jeder aus seinem eigenen Leben. Und wie wichtig die Identifikation des Publikums mit den Protagonisten für den Erfolg einer Produktion ist, das haben die Filmemacher aus ihrer Vorlesung über aristotelisches Theater mitgenommen.

Dass aber die Situation eines allein erziehenden Vaters nicht unbedingt in einem Drama enden muss, weiß der deutsche Zuschauer spätestens seit Heinz Erhardts Witwer mit fünf Töchtern (1957). Doch baut Lees Komödie nicht weiter auf diesen besonderen Umstand auf. Nur später, als dem Zuschauer klar wird, dass der Vater auf der Suche nach einer neuen Lebensgefährtin ist und er nicht genau weiß, wie er seine Wahl den Kindern mitteilen soll, spielt das wieder eine Rolle. Während bei Heinz Erhardt die Einordnung in ein bestimmtes Genre nicht schwer fällt, ist die Zuordnung von Eat Drink Man Woman nicht so eindeutig. Während die einen auf Komödie plädieren und die anderen den Hang zum Drama sehen, gibt es ebenfalls Zuordnungen zur Romanze. Egal welches Genre nun vorliegen mag, in der Hauptsache ist jeder Protagonist bei diesem Werk Ang Lees mit der Liebe und seinem eigenen Leben beschäftigt.

Dabei hat Ang Lee das Thema nicht neu erfunden, wohl aber eine reizvolle Einbettung der Geschichte. Rahmen für die Handlung ist das Essen und die besondere Zubereitung nach alter chinesischer Tradition. Dabei ist es von besonderer Symbolik, denn das Verlieren des Geschmacks von Meister Chu (Sihung Lung)geht einher mit dem Verlieren der Lebenslust. Nach dem Tode seiner Frau und dem Erwachsenwerden seiner Töchter, fehlt ihm die Würze in seinem Leben.
Tochter Jia-Chen darf nicht in seine Fußstapfen treten und den Beruf der Köchin ergreifen. Die Traditionskette wird somit unterbrochen.
Tochter Jia-Ning bildet das Gegengewicht zur Tradition. Sie symbolisiert den Einzug westlicher Kultur in das moderne China und die Essgewohnheiten seiner Bewohner. Die Veränderung eines ganzen Landes, Generationen übergreifend, wird von Lee auf der Ebene des Essens parabolisch ausgetragen.
Vergisst man das Essen für einen Moment, so bleiben nur noch die Familie und ihre ganz normalen Probleme übrig, im Vordergrund dabei der ganz normale Abnabelungsprozess der Töchter.
Lee zeichnet ein Frauenbild, dass so gar nicht in die Frauenbewegung der 90er passen will. Jede der Töchter verhält sich völlig untypisch.
Die älteste, Jia-Jen (Kuei-Mei-Yang), ist eine unverheiratete Mittelschullehrerin Ende 20. Die mittlere Tochter, Jia-Chen (Chien-Lien Wu), ist eine leitende Verwaltungsangestellte einer Airline, deren Karriere wichtiger als alles andere ist. Die jüngste, Jia-Ning (Yu-Wen Wang), ist eine 20jährige Romantikerin, die in einem Fast-Food Restaurant arbeitet. Nun, wird der Leser sagen, jede Tochter entspricht doch den Erwartungen westlicher Feministen. Die älteste führt ein vorbildliches Singleleben als Lehrerin, die mittlere befindet sich auf dem aufsteigenden Ast ihrer Karriere und entspricht so ganz dem Klischee einer modernen Managerin. Jung, schön, erfolgreich und Gelegenheitssex – Attribute, die Sex and the city zum großen Erfolg Ende der 90er machen. Vermutlich ist auch die Ähnlichkeit der Filmmusiken beider Produktionen nicht ohne Zufall.
Und die jüngste Tochter hat sich bereits dem westlichen Leben, sie arbeitet für eine Fast-Food-Kette, geöffnet. So scheint es zumindest.

Tatsächlich entspricht die jüngste Tochter keineswegs dem Ideal eines westlichen oder jugendlichen Single-Lebens. Sie ist die erste, die auszieht, um mit dem Mann ihrer Träume ein gemeinsames Leben zu führen. Von ihr hatte man erwartet, dass sie die letzte sein würde, die das Haus verlässt und eventuell eine universitäre Laufbahn einschlägt, eben in die Fußstapfen ihrer älteren Schwester tritt.
Diese ist aber genau damit gar nicht so zufrieden. Was ist nur los mit der Frauengeneration der Emanzipation? All die Argumente, die bei dem Vierer-Gespann aus Sex and the City jahrelang so eine große Rolle spielten, sind für Jia-Chen bedeutungslos.
Sie lebt eigentlich noch immer in der Vergangenheit und hätte, anstatt das Angebot für ihre Airline ins Ausland zu gehen, lieber das Angebot bekommen, Küchenchefin zu werden. Obwohl in ihrem jetzigen Beruf sehr erfolgreich, lebt sie noch immer unglücklich mit der einstigen Entscheidung ihres Vaters, sie nicht Köchin werden zu lassen. Jede Feministin hätte sich in den 90ern die Haare gerauft. Bloß nicht dem Klischee eines „Heimchen am Herd“ entsprechen.
Auch die älteste Tochter erscheint nur auf den ersten Blick fortschrittlich und modern. Sie ist mit Ende 20 noch immer Single, verbittert über die Tatsache, dass ihr Freund sie in der Collegezeit sitzen gelassen hat (was sich später im Film nicht als wahr herausstellt). Doch das ist auch schon alles.

[...]

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