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Details

Veranstaltung: ÄDL-Seminar
Institut: Regensburg (Universität)
Tags: Beispiel, Hartmann, Aues, Iwein
Kategorie: Hausarbeit
Jahr: 2004
Seiten: 14
Note: 2,3
Literaturverzeichnis: ~ 6  Einträge
Sprache: Deutsch
Dateigröße: 239 KB
Archivnummer: V36885
ISBN (E-Book): 978-3-638-36396-9

Textauszug (computergeneriert)

"aventiure - waz ist daz?" Am Beispiel von
Hartmann von Aues "Iwein"

von: Barbara Bradl

 


Inhaltsverzeichnis

1 Einleitung  4

2 Begrifflichkeit der âventiure  5

3 Historische und gesellschaftliche Hintergründe der âventiure 6

3.1 Die âventiure-Suchenden – die juvenes 6
3.2 Das Verhalten der juvenes 7
3.3 Familiärer Hintergrund 7
3.4 Ideologisierung des Ritterwesens in literarischen Werken 8

4 Interpretationen der âventiure im ‚Iwein’  8

4.1 Strukturelle Interpretation  8

4.1.1 Wiederholung, Variation und Umkehrung im ‚Iwein’  8
4.1.2 Iweins Entwicklung  9

4.2 Âventiure als Defnition der Experimentalexistenz des modernen Menschen 11

4.2.1 Die Experimentalexistenz des modernen Menschen 11
4.2.2 Curiositas und âventiure  12

5 Fazit  13

6 Literaturverzeichnis 15

6.1 Primärliteratur 15
6.2 Sekundärliteratur 15

 


1 Einleitung

‚Âventiure- waz ist daz?’

(Vs. 526)
fragt in Hartmann von Aues Artusroman ‚Iwein’ ein Waldmensch den Artusritter Kalogreant, der auf Suche nach âventiure ausgeritten war. Kalogreant antwortet ihm folgendermaßen:

‚daz will ich dir bescheiden baz.
nû sich wie ich gewâfent bin:
ich heize ein riter und hân den sin daz ich suochende rîte,
einen man der mit mir strîte,
der gewâfent sî als ich.
daz prîset in, und sleht er mich:
gesige aber ich im an,
sô hât man mich vür einen man,
und wirde werder danne ich sî.’
(Vs. 527-537)

Diese Frage nach der Bedeutung von âventiure beschäftigt bereits seit Jahrhunderten Historiker und Sprachforscher. Doch zu einem übereinstimmenden Ergebnis gelangte man bis heute nicht. In dieser Arbeit soll der Begriff der âventiure näher beleuchtet werden, indem zuerst auf die verschiedenen – häufig vernachlässigten – Bedeutungen der âventiure bis hin zur ritterâventiure und auf ihre historischen und gesellschaftlichen Hintergründe eingegangen wird.1

Danach werden zwei Interpretationen des Romans, die âventiure unterschiedlich auslegen, herangezogen. Peter Kern vertritt die Ansicht, dass Wiederholung, Variation und Umkehrung die Struktur des ‚Iwein’ prägen. Darüber hinaus spricht er von einer Weiterentwicklung Iweins Auffassung von âventiure. Michael Nerlich, der sich hauptsächlich mit Chrétiens Fassung beschäftigte 2, sieht in der âventiure Definition die Grundlagen der Experimentalexistenz des Menschen enthalten und stellt somit die einzig für ihn noch heute gültige Definition des Menschseins dar. Mit Hilfe der historischen und gesellschaftlichen Hintergründe und der beiden Interpretationen soll geprüft werden, was âventiure speziell in Hartmann von Aues Roman ‚Iwein’ bedeutet.

2 Begrifflichkeit der âventiure

Âventiure hat mehrere Bedeutungen, einige davon sind bis heute nahezu unbekannt. In Beneckes Wörterbuch wird die âventiure zum einen als ritterlicher Zweikampf, zum anderen als Geschichte, Erzählung definiert3. Genau diese Definition kritisiert Michael Nerlich als unzureichend; denn bei der âventiure handele es sich um „das Schlüsselwort der europäischen Kultur (...) und um die Dekonstruktion endloser und z.T. äußerst verhängnisvoller geistesgeschichtlicher Spekulationen, die sich auch und vor allem auf die Fehlinformationen über die Bedeutung des Wortes stützten.“4

Neben der âventiure5 als Begrifflichkeit für den Triumph des Abenteuer-Denkens kam die âventiure auch im Bereich der Ökonomie und speziell des Fernhandels vor. Diese Bedeutung erlangte die âventiure nicht erst nach der Herausarbeitung der Ritterabenteuer-Ideologie; im Gegenteil: aus dem ökonomischen Begriff entwickelte sich das Ritterabenteuer. Dass dies der Forschung entgangen ist, erklärt Nerlich damit, dass „die Erforschung des Ritterwesens bei Herder noch (...) eingebettet in eine rationale Erforschung sozio-kultureller Zusammenhänge insgesamt“6 war; sich der „Diskurs über den Ritter bei Novalis (...) nach und nach in eine mystische Verklärung des (germanischen) Ritter- und Minnewesens“7 wandelte. Durch die Konzentration auf alles, was germanischer Herkunft war und „die romantische Vorstellung vom Ritterwesen zu bestätigen schien“8, wurde alles Übrige aus der Betrachtung ausgeklammert. So auch die ökonomische Bedeutung von âventiure. Frédéric Godefroy bewies jedoch 1880, dass Ende des 13., Anfang des 14. Jahrhunderts sehr wohl noch eine andere Bedeutung von âventiure als Abenteuer existierte: „Einige Fischer hatten ihre Netze im Meer ausgeworfen; einer, der dort anwesend war, kaufte die adventure dieses Unternehmens [den zu erwartenden Fang]“9. Âventiure konnte also im Altfranzösischen unter anderem die Bedeutung von „Ernte, Fischfang, Ertrag, Profit, Gewinn, (ungesichertes) Einkommen“ 10 haben. Im Alexiuslied aus dem Jahre 1040 nimmt das Wort noch eine weitere Bedeutung an: Geschick/ Schicksal.11 Diese Bedeutung wiederum entwickelte sich aus der Bedeutung „(ungesichertes) Einkommen“12, denn: „jeder, der von unsicherem Einkommen lebt, wird dessen Ausbleiben als Schicksalsschlag empfinden!“13.

Den Forschungen zu Folge begannen die Ritter spätestens im 11. Jahrhundert, ihren materiellen Besitz, also die Beute aus Plünderungen des dritten Standes, mit dem Begriff âventiure zu bezeichnen, der – wie eben erwähnt, unsicheres Einkommen etc. bezeichnete und so ebenfalls auf die Beute der Ritter zutraf. Besser konnten die Ritter ihre Beute aus Plünderungen gar nicht umschreiben, da âventiure schon über ein großes Bedeutungsvolumen verfügte und der Begriff ihnen ein höheres Sozialprestige verlieh als zum Beispiel Raub, was allenfalls Angst vor den Rittern schürte.

3 Historische und gesellschaftliche Hintergründe der âventiure

3.1 Die âventiure-Suchenden – die juvenes

[...]


1 Eigene Anmerkung: den historischen und gesellschaftlichen Hintergründen liegt hauptsächlich der Artikel ‚Wirklichkeit und höfischer Traum’ von Georges Duby zu Grunde.

2 Eigene Anmerkung: s eine Erkenntnisse sind aber ebenso für Hartmanns Fassung gültig

3 Benecke, G.: Wörterbuch zu Hartmanns Iwein. Wiesbaden 1965. S.12.

4 Nerlich, M: Abenteuer oder das verlorene Selbstverständnis der Moderne: von der Unaufhebbarkeit experimentalen Handelns. München 1997. S. 263.

5 Eigene Anmerkung: in den verschiedenen Quellen finden sich oft unterschiedliche Schreibweisen von âventiure. Ich werde –außer bei Zitaten – einheitlich Beneckes Schreibweise der âventiure verwenden. Ebenso benutze ich bei allen mittelalterlichen Begriffen eine einheitliche Schreibweise.

6 Nerlich, M.: Abenteuer.... S. 259.

7 Nerlich, M.: Abenteuer.... S. 259.

8 Nerlich, M.: Abenteuer.... S. 259.

9 Nerlich, M.: Abenteuer.... S. 260.

10 Nerlich, M.: Abenteuer.... S. 261.

11 die von Nerlich genannte Strophe aus dem Alexiuslied: „Ach, ich Arme, Unglückliche, welche harte aventure ist mir widerfahren“

12 Nerlich, M.: Abenteuer.... S. 261.

13 Nerlich, M.: Abenteuer.... S. 263.

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