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Fibelanalyse

Subtitle: Analyse des Wortschatzes der Fibel „Lesezauber“

Scholary Paper (Seminar), 2002, 26 Pages
Author: Tanja Vorderstemann
Subject: German - Pedagogy, Didactics, Literature Studies

Details

Event: Schriftspracherwerb
Institution/College: University of Frankfurt (Main)
Tags: Fibelanalyse, Schriftspracherwerb
Category: Scholary Paper (Seminar)
Year: 2002
Pages: 26
Grade: 1,0
Bibliography: ~ 5  Entries
Language: German
Archive No.: V36918
ISBN (E-book): 978-3-638-36420-1
ISBN (Book): 978-3-638-65377-0
File size: 332 KB

Abstract

Bis heute wird dem Schriftspracherwerb eine entscheidende Rolle in der intellektuellen Entwicklung eines Kindes zugesprochen. Aus diesem Grunde ist es nicht verwunderlich, dass es in der Entwicklungsgeschichte des Erstleseunterrichts und somit auch dem Schriftspracherwerb so viele Versuche gab, den methodischen Weg des Lesen- und Schreibenlernens praktisch zu verbessern. Die Geschichte des Erstleseunterrichts beginnt bereits im 16. Jahrhundert. Seit dem 19. bzw. 20. Jahrhundert kann man von einem Methodenstreit bezüglich des Schriftspracherwerbs sprechen, in dessen Rahmen vor allem in den 70er Jahre schulische Fibellehrgänge massiv kritisiert und dem zufolge in verschiedenster Hinsicht verändert und erneuert wurden. Im Rahmen der heute gängigen analytisch-synthetischen Verfahrensweisen zum Schriftspracherwerb, möchte ich zunächst die Kritikpunkte an der Fibel aufzeigen und Kriterien dargelegt, die ein guter Fibelwortschatz erfüllen sollte. Schwerpunkt der Analyse wird die Untersuchung des Fibelwortschatzes der Fibel Lesezauber von Paul Mahr u.a. . In Anlehnung an die von Wolf Dieter Ortmann zusammengestellten Hochfrequente deutschen Wortformen wird untersucht werden, inwiefern der Fibelwortschatz den in der deutschen Schriftsprache am häufigsten vorkommenden Wortformen entspricht


Excerpt (computer-generated)

Johann Wolfgang Goethe – Universität Frankfurt am Main
Institut für Deutsche Sprache und Literatur I
Seminar: Schriftspracherwerb (im Rahmen de Moduls)

Fibelanalyse

von: Tanja Vorderstemann

 


Gliederung

I. Einleitung 1

1. Der Schriftspracherwerb 1- 2
2. Kritik an der Fibel 3
3. Kriterien für einen „guten“ Fibelwortschatz. 4

a) Kindgemäße Gesichtspunkte des Lernwortschatzes 4
b) Charakteristische, rechtschriftliche Gesichtspunkte 4- 5
c) Häufigkeitsgesichtspunkte beim Lernwortschatz 5

5. Diskussion der drei Gesichtspunkte 6- 7

II Analyse des Fibelwortschatzes 7

1. Vorstellung der Kaeding – Zählung 8- 9

a) Alphabetische Sortierung 9
b) Rangreihe – Sortierung 9

2. Wortschatz der Fibel Lesezauber 10-11
3. Vergleichende Analyse mit der Kaeding – Zählung:

a) Vergleich des Fibelwortschatzes mit der alphabetischen Liste 11- 14
b) Vergleich des Fibelwortschatzes mit der Rangreihe -Liste 14- 17

III. Fazit 17-18

IV Literaturverzeichnis 19

V Anhang


 

I. Einleitung:

Bis heute wird dem Schriftspracherwerb eine entscheidende Rolle in der intellektuellen Entwicklung eines Kindes zugesprochen. Aus diesem Grunde ist es nicht verwunderlich, dass es in der Entwicklungsgeschichte des Erstleseunterrichts und somit auch dem Schriftspracherwerb so viele Versuche gab, den methodischen Weg des Lesen- und Schreibenlernens praktisch zu verbessern. Die Geschichte des Erstleseunterrichts beginnt bereits im 16. Jahrhundert. Seit dem 19. bzw. 20. Jahrhundert kann man von einem Methodenstreit bezüglich des Schriftspracherwerbs sprechen, in dessen Rahmen vor allem in den 70er Jahre schulische Fibellehrgänge massiv kritisiert und dem zufolge in verschiedenster Hinsicht verändert und erneuert wurden. Im Rahmen der heute gängigen analytisch-synthetischen Verfahrensweisen zum Schriftspracherwerb, möchte ich zunächst die Kritikpunkte an der Fibel aufzeigen und Kriterien dargelegt, die ein guter Fibelwortschatz erfüllen sollte. Schwerpunkt der Analyse wird die Untersuchung des Fibelwortschatzes der Fibel Lesezauber von Paul Mahr u.a. . In Anlehnung an die von Wolf Dieter Ortmann zusammengestellten Hochfrequente deutschen Wortformen wird untersucht werden, inwiefern der Fibelwortschatz den in der deutschen Schriftsprache am häufigsten vorkommenden Wortformen entspricht

1. Das Stufenmodell des Schriftspracherwerbs

Ende der 60er Jahre, nach dem Behaviorismus, begann die wissenschaftliche Psychologie sich wieder mehr und mehr mit dem Lesen und Schreiben des Erwachsenen zu beschäftigen. Man erkannte bald, dass das kindliche Lesen und Schreiben, das zuvor lediglich im pädagogischen und didaktischen Bereich seinen Platz fand, von den Erkenntnissen der wissenschaftlichen Analysen über Lese- und Schreibverhalten von Erwachsenen profitieren konnte 1. Es wurde festgestellt, dass Erwachsene beim Lese- und Schreibprozess qualitativ unterschiedliche Teilprozesse durchlaufen. Sie nutzen sowohl Graphem-Phonem-Korrespondenzen, orthographische und morphologische Strukturen und orientieren sich auch an lexikalischen Eintragungen im Gedächtnis. „Bei der Analyse des Schriftspracherwerbs zeigte sich nun, dass Kinder nicht gleichzeitig und kontinuierlich in diese Strategie hineinwachsen, sondern einzelne Zugriffsweisen zu bestimmten Zeitpunkten ihrer Entwicklung bevorzugen“ 2. Aus diesen Erkenntnissen heraus wurden Modelle entwickelt, die die stufenweise Schreibentwicklung von Kindern darstellen. In Anlehnung an das zunächst von Uta Frith entwickelte und an englischen Kindern gewonnene Dreiphasenmodell versuchten auch deutsche Wissenschaftler und Didaktiker, die Schreibentwicklung von Kindern modellhaft darzustellen3. Hier wären vor allem G. Scheerer-Neumann, K.-B. Günther und H. Brügelmann zu nennen. Im Folgenden soll das Modell von G. Scheerer-Neumann in gekürzter Form erläutert werden:

Nach diesem Modell konstruieren Kinder zu Beginn ihres Schreiblernprozesses zunächst willkürliche Buchstabenfolgen sozusagen Pseudowörter. Diese Phase wird auch Kritzelphase genannt. Buchstaben eines Wortes werden ohne Bezug zum Lautwert auswendig gelernt, z.B. die des eigenen Namen. Im Anschluss daran beginnen die Kinder in kleineren Teilschritten die Phonem-Graphem-Korrespondenz zu erwerben. Erste Versuche werden gestartet, die gesprochene Sprache zu übersetzen. Allmählich setzt die phonemisch gestützte Speicherung von Lernwörtern ein. Die entwickelte phonemische Strategie wird nun durch strukturelle Regelmäßigkeiten korrigiert und in diesem Zusammenhang auch immer mehr Lernwörter erworben. Schließlich überwiegt das Abrufen von Lernwörtern über Konstruktionen und Automatisierung. Festzuhalten ist, dass die einzelnen Stufen nicht der Reihe nach durchlaufen werden, sondern sich vielmehr zeitweise überlappen. Auch können Kinder bereits die volle phonemische Strategie erworben haben und diese trotzdem nicht immer einsetzen und beim Schreiben Buchstaben weglassen. Sie fallen quasi von einer Stufe auf die Vorherige zurück, was jedoch nicht als Rückschritt gedeutet werden darf.

2. Kritik an der Fibel

Nicht nur die Erkenntnisse über den Schriftspracherwerb und die Entwicklung der genannten Stufenmodelle veranlasste, traditionelle Unterrichtsverfahren, wie zum Beispiel den Fibellehrgang, genauer zu beleuchten und in Frage zu stellen. Der Fibelunterricht stellte den Lehrer und die Fibel als Arbeitsmittel in den Mittelpunkt des Unterrichts, nicht aber den individuellen Schüler selbst. Kinder kommen mit sehr unterschiedlichen Kenntnissen und Fähigkeiten in die Schule. Sie bringen unterschiedliche Erfahrungen mit und bevorzugen verschiedene Lernwege. So befinden sich einige Kinder beispielsweise in der „Kritzelphase“, in der sie Buchstaben noch ohne Bezug zu Lauten sehen. Andere hingegenverfügen bereits über eine rudimentäre phonemische Strategie. Zum anderen wurde festgestellt, dass Schüler unterschiedliche Lernwege bevorzugen und eine Schulfibel ließe aufgrund ihres starren Leselehrgangs solchen individuellen Lernern keinen Platz und seien deshalb ungeeignet. All diese wissenschaftlichen Erkenntnisse haben dazu geführt, die Fibel und den traditionellen Fibelunterricht als zeitgemäße Unterrichtsmaterialien und -formen in Frage zu stellen.

Es ist aber denkbar, dass Teile der Fibel mit Materialien wie Anlauttabellen und Übungsmaterialien aufeinander bezogen werden und im sinnvollen Wechsel eingesetzt werden. Außerdem werden seit einiger Zeit bei der Erstellung von Fibeln die Methoden des offenen Unterrichts mitberücksichtigt. Somit ist auch mit der Fibel ein differenzierter und gegebenenfalls individualisierter Unterricht möglich. Fibeln sind heute zum Teil umfangreiche Lehrsysteme mit Arbeitsheft, Kopiervorlage, Schreiblehrgängen u.a.m. Eine Differenzierung ist also durchaus möglich, wenn mit Zusatzmaterial gearbeitet wird und die Fibel in einen sinnvollen Zusammenhang gestellt wird.

4. Kriterien für einen „guten“ Fibelwortschatz.

[...]


1 vgl. Scheerer-Neumann, G., S. 54

2 vgl. Scheerer-Neumann, G., S. 54

3 vgl. Ossner, J., S. 28


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