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Rhetorik für Frauen - Geschlechtspezifische Unterschiede im verbalen und non-verbalen Kommunikationsverhalten

Autor: Kirsten Achenbach
Fach: Rhetorik / Phonetik / Sprechwissenschaft

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Details

Kategorie: Hausarbeit
Jahr: 2000
Seiten: 35
Note: keine
Literaturverzeichnis: ~ 13  Einträge
Sprache: Deutsch
Dateigröße: 229 KB
Archivnummer: V3702
ISBN (E-Book): 978-3-638-12284-9

Textauszug (computergeneriert)

Rhetorik für Frauen - Geschlechtspezifische Unterschiede im verbalen und non-verbalen Kommunikationsverhalten

von Kirsten Achenbach

Inhaltsverzeichnis:

1. Einleitung

2. Die Asymmetrie der Sprache
2.1. Geschlechtsspezifische Dialektik (Genderlekte)
2.2. Dominanz und Kontrolle durch Körpersprache

3. Geschlechtsspezifische Sozialisation
3.1. Frühkindliche Erziehung
3.2. Auswirkung auf das Sprachverhalten, Gestik und Mimik

4. Rhetorik für Frauen
4.1. "Jetzt rede ich!"

4.1.1. Satzaufbau
4.1.2. Aussprache
4.1.3. Stimmlage und -volumen
4.1.4. Sprechpausen
4.1.5. Atmung
4.1.6. Kommunikationsfallen
4.1.7. Kommunikationscharaktere

4.2. Körpersprache

4.2.1. Körpersprache der Geschlechter- Kleider, Körper und Geschlecht
4.2.2. Raum nehmen- Raum beanspruchen
4.2.3. Stand und Stellung gleich Darstellung
4.2.4. Sitzen eine Frage des Standpunktes
4.2.5. Hände sprechen Bände

5. Abschließende Bemerkungen und Ausblick

6. Literaturverzeichnis



1. Einleitung

Im Wintersemester 1999/ 2000 hatten wir Gelegenheit am Seminar Rhetorik für Frauen teilzunehmen. Deutlich wurde uns hier die geschlechtsbedingte Asymmetrie der Sprache, der wir in der nachfolgenden Ausarbeitung das zweite Kapitel widmen.
Die Entwicklung dieser Asymmetrie wird durch geschlechtspezifische Sozialisationsbedingungen von Frauen und Männern geprägt, die im dritten Kapitel Berücksichtigung finden. Zusammenhänge zur weiblichen Sprachentwicklung und deren Gebrauch im Erwachsenenalter werden aufgezeigt. Im dritten Teil der Arbeit werden praktische Anknüpfungen für Frauen dargestellt, einige Grundlagen der Redekunst und der Körpersprache dargestellt.

2. Die Asymmetrie der Sprache

Die Soziolinguistin Deborah Tannen zeigt in ihrer Arbeit einen Zusammenhang zwischen Geschlecht und Sprachstil auf. Nicht nur ist das Redeverhalten in der Öffentlichkeit von geschlechtsspezifischen Verhaltensweisen geprägt, auch kommt es oft zu Mißverständnissen bei der Kommunikation miteinander. Es herrscht ein Ungleichgewicht sowohl in den Inhalten als auch in der Quantität der Wortbeiträge vor.
Jahrhundertelang wurden Frauen für zuviel oder ungebührliches Sprechen bestraft: Frauen wurden an Tauchstühle gebunden und unter Wasser gedrückt, bis sie fast ertranken; man heftete ihnen Schilder an und stellte sie an den Pranger; sie wurden geknebelt oder durch Zungenklemmen zum Schweigen gebracht.
Obwohl diese vom Patriarchat institutionalisierten Strafen heute eher psychologischen Formen gewichen sind, unterscheiden sich die Klischees unserer Zeit nicht sonderlich davon, wie in den folgenden Ausführungen deutlich wird.

2.1. Geschlechtsspezifische Dialektik (Genderlekte)

"Reden ist Silber- Schweigen ist Blei!" In Anlehnung an ein abgewandeltes Sprichwort wird klar, dass sich Frauen heute nicht mehr den Mund verbieten lassen wollen. Aber stimmt das Bild von der schwatzhaften Frau, das Motiv vieler Witze ist, überhaupt?
Laut Tannen kommt Studie um Studie zu dem Schluß, "dass, wenn Männer und Frauen genauso viel reden, die Leute den Eindruck haben, dass die Frauen mehr geredet hätten." Und weiter: ..."dass es die Männer sind, die weitaus mehr reden..." Allerdings verbrauchen sie ihre Energien dafür eher auf öffentlichen Schauplätzen, wie Zusammenkünfte, Konferenzen, gemischte Gruppen und Klassenzimmer. Kommunikationsforscherinnen haben festgestellt, dass die Redebeiträge der Männer häufiger, und vor allen Dingen erheblich länger sind:
Durch Tonbandaufnahmen von Fachbereichssitzungen wurde festgestellt, dass die Wortbeiträge der Männer 10,66 bis 17,07 Sekunden dauerten; die der Frauen jedoch nur 3 bis 10 Sekunden. Das heißt, dass die längsten Wortbeiträge der Frauen immer noch kürzer waren, als die kürzesten Wortbeiträge der Männer!

Nicht nur die Quantität der Wortbeiträge ist unterschiedlich, auch die Art der Sprache. Tannen nennt sie Beziehungs- und Berichtsprache:
Männer scheinen sich wohler zu fühlen, wenn sie öffentlich sprechen. Ihre Berichtsprache (report-talk) dient als Mittel zur Bewahrung ihrer Unabhängigkeit und zum Aushandeln des Status in einer hierarchisch geprägten Gesellschaft. Aus diesem Grund stellen Männer in der Öffentlichkeit ihr Wissen und ihre Dialektischen Fähigkeiten zur Schau. Männer lernen von klein auf, wie man Gespräche nutzt, um Aufmerksamkeit zu erhalten.
Frauen bedienen sich der Beziehungssprache (rapport- talk), um Kontakte zu knüpfen, Gemeinsamkeiten hervorzuheben und Harmonie zu erzeugen. Auch dies wurde in frühester Kindheit erlernt (siehe Kapitel 3).
Das Ungleichgewicht der Sprache wird deutlich, wenn der männliche Part eher doziert und der weibliche zuhört - der männliche dominiert und der weibliche kontrolliert wird.
Viele Frauen halten es für selbstverständlich, jede Kleinigkeit mit ihrem Partner zu besprechen, während Männer es ganz normal finden Entscheidungen allein zu fällen. Für Frauen ist die gemeinsame Entscheidungsfindung durch Kommunikation ein Zeichen von Verbundenheit und Intimität.
In einer Statuswelt ist Unabhängigkeit für Männer jedoch der Schlüssel. Denn Befehle erteilen ist ein primäres Mittel der Statusbegründung und die Entgegennahme von Befehlen ein Merkmal von niedrigem Status. Kommunikation ist somit auch im privaten Bereich ein Drahtseilakt zwischen Intimität und Unabhängigkeit. Bewegen wir uns auf öffentlichem Parkett muß also sowohl unsere Rhetorik als auch unser Auftreten wohl durchdacht und möglichst sogar geschult sein.
"Eine Frau kann sich dazu aufraffen, das Wort auch ohne Aufforderung zu ergreifen oder zu sprechen zu beginnen, ohne höflich auf eine scheinbar günstige Gelegenheit zu warten"

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