Subtitle: Die Gusch Emunim - Geschichte, Dogmatik und Ziele
Termpaper, 2004, 14 Pages
Author: Marko Tomasini
Subject: Theology - Comparative Religion Studies
Details
Institution/College: University of Erfurt (Philosophische Fakultät)
Tags: Reich, Daniel, Fundamentalismus, Religionen
Year: 2004
Pages: 14
Grade: 1,3
Bibliography: ~ 5 Entries
Language: German
ISBN (E-book): 978-3-638-36640-3
ISBN (Book): 978-3-638-82415-6
File size: 749 KB
Die Gusch Emunim - Geschichte, Dogmatik und Ziele
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Abstract
Ein Zeichen für Fundamentalisten im allgemeinen ist unter anderem, die reaktionäre Art und Weise, wie sie gegen die Zeichen der Aufklärung und der modernen Zeit vorgehen, sodass gesagt werden kann, dass der Fundamentalismus durchaus auch durch selbstgefällige Einstellung der Aufklärung entstanden ist. Das Bild der Aufklärung, von einer Vernunftbetonten Welt, in der die Religion kaum noch bzw. keinen Platz mehr haben würde, hat durchaus religiöse Eiferer mobilisiert, die alles das, was in ihren Augen dieser neuen „religionsfreien“ Bewegung Vorschub leistet zu bekämpfen, nicht indem man sich zurückzieht, sondern indem man die eigenen Mittel der modernen Zeit nutzt, um sie zu besiegen. Eine Besonderheit stellt dabei der jüdische Fundamentalismus dar, wenn man von „religiös- zionistischen“ Strömungen spricht. Erst durch die säkulare Bewegung des Zionismus, zur Zeit der Wende vom 19. zum 20. Jh. konnten sich die Juden emanzipieren und begannen wieder in der Diaspora an den Gesellschaften, die sie umgaben mitzuwirken, letztendlich natürlich mit dem Ziel, einen eigenen jüdischen Staat gründen zu können. Aus dieser, der Aufklärung entstammenden Bewegung, sollte sich durch religiösen Einfluss auch bedeutende jüdische Fundamentalisten entwickeln, die bis heute im Nah-Ost- Konflikt eine bedeutende Rolle spielen. Natürlich ist ihnen ein weltlicher, säkularer Staat ebenso ein Dorn im Auge, wie anderen Fundamentalisten in der restlichen Welt auch, ohne den Zionismus allerdings, würde es sie so nicht geben. Die wichtigste und einflussreichste Gruppe unter diesen Fundamentalisten sind die „Gusch Emunim“, um die es in dieser Arbeit gehen soll. Natürlich sind sie nur eine von mehreren Gruppen, die auf radikale Weise versuchen, Einfluss auf die israelische Gesellschaft zu nehme, um aber den Rahmen der nicht zu sprengen, kann ich nicht auf alle fundamentalistischen Zweige in Israel eingehen und muss die Ultraorthodoxie völlig außen vor lassen.
Excerpt (computer-generated)
Das Reich Daniel
von: Marko Tomasini
3. Fachsemester
Inhalt
1. Einleitung S. 03
2. Der Zionismus S. 03
2.1 Die Haskala S. 04
2.2 Theodor Herzl S. 05
3. Der religiöse Zionismus S. 06
3.1 Rav Abraham Isaac Ha-Hohen Kuk S. 06
3.2 Die Gusch Emunim S. 07
3.3 Radikalisierung und der Beginn des Terrors S. 09
3.4 Die Gusch Emunim nach 1984 S. 11
4. Resümee S. 12
1. Einleidung
Ein Zeichen für Fundamentalisten im allgemeinen ist unter anderem, die reaktionäre Art und Weise, wie sie gegen die Zeichen der Aufklärung und der modernen Zeit vorgehen, sodass gesagt werden kann, dass der Fundamentalismus durchaus auch durch selbstgefällige Einstellung der Aufklärung entstanden ist. Das Bild der Aufklärung, von einer Vernunftbetonten Welt, in der die Religion kaum noch bzw. keinen Platz mehr haben würde, hat durchaus religiöse Eiferer mobilisiert, die alles das, was in ihren Augen dieser neuen „religionsfreien“ Bewegung Vorschub leistet zu bekämpfen, nicht indem man sich zurückzieht, sondern indem man die eigenen Mittel der modernen Zeit nutzt, um sie zu besiegen.
Eine Besonderheit stellt dabei der jüdische Fundamentalismus dar, wenn man von „religiös- zionistischen“ Strömungen spricht. Erst durch die säkulare Bewegung des Zionismus, zur Zeit der Wende vom 19. zum 20. Jh. konnten sich die Juden emanzipieren und begannen wieder in der Diaspora an den Gesellschaften, die sie umgaben mitzuwirken, letztendlich natürlich mit dem Ziel, einen eigenen jüdischen Staat gründen zu können. Aus dieser, der Aufklärung entstammenden Bewegung, sollte sich durch religiösen Einfluss auch bedeutende jüdische Fundamentalisten entwickeln, die bis heute im Nah-Ost- Konflikt eine bedeutende Rolle spielen. Natürlich ist ihnen ein weltlicher, säkularer Staat ebenso ein Dorn im Auge, wie anderen Fundamentalisten in der restlichen Welt auch, ohne den Zionismus allerdings, würde es sie so nicht geben. Die wichtigste und einflussreichste Gruppe unter diesen Fundamentalisten sind die „Gusch Emunim“, um die es in dieser Arbeit gehen soll. Natürlich sind sie nur eine von mehreren Gruppen, die auf radikale Weise versuchen, Einfluss auf die israelische Gesellschaft zu nehme, um aber den Rahmen der nicht zu sprengen, kann ich nicht auf alle fundamentalistischen Zweige in Israel eingehen und muss die Ultraorthodoxie völlig außen vor lassen.
2. Der Zionismus
Der Zionismus stellt jüdisches Gedankengut dar, das sich Ende des 19.Jh als rein säkular, politische Bewegung zu entwickeln begann. Die Grundidee dieser Bewegung war die Überzeugung, das alles, was die Juden an Repressalien, Benachteiligungen und nicht zuletzt an Verfolgung in den letzten Jahrhunderten auf dem europäischen Kontinent über sich haben ergehen lassen, nur durch Selbstbestimmung und nationale Souveränität überwunden werden konnte, also nur durch einen eigenen souveränen jüdischen Staat.
Wichtige Vertreter und geistige Vordenker dieser Bewegung waren unter anderen Leo Pinsker, welcher der Auswanderung aus dem Zarenreich Vorschub verlieh, um dem massiven russischen Repressalien zu entkommen, und ganz besonders auch Theodor Herzl, der dieser Bewegung Namen und Organisationsform gab.1 Die 1895 erschienene Broschüre „Der Judenstaat“, war Beginn und geistige Grundlage einer Entwicklung, die 1948 zu Gründung des Staates Israel führen sollte.2 Im folgendem soll kurz auf diese Entwicklung eingegangen werden, da in dieser politischen Bewegung auch die Wurzeln für den religiös motivierten fundamentalistischen Zionismus liegen und die ultraorthodox Gläubigen nun einen Staat haben, den sie versuchen können, zu ihren Gunsten zu beeinflussen, auch wenn sie den Zionismus im Grunde ablehnen.
2.1 Die Haskala
Grundlage für eine Entwicklung wie sie der Zionismus durchgemacht hat, dürfte unbestritten die jüdische Aufklärung, die Haskala sein, deren ersten Ideen schon weit vor den ersten Zionistischen Gedanken im europäischen Judentum auftauchten. Neben vielen anderen neuen Denkansätzen, die sich durch die Aufklärung Bahn verschaffen konnten, tauchte nun auch im Judentum ein säkulares Staats- und Politikverständnis auf3, Voraussetzung also für ein Vorhaben, wie es der Zionismus Ende des 19. Jh. war. Als die herausragende Gestalt der Haskala, kann wohl ohne Zweifel Moses Mendelson benannt werden, ein Jude der sich voll und ganz der Aufklärung verpflichtet sah. Hatte noch ein Jahrhundert zuvor der jüdische Philosoph Baruch de Spinoza alles daran gegeben, ein neues Bild von Gott und so auch ein neues Verständnis des Verhältnisses zwischen Mensch und Gott zu kreieren4, so sah sich Mendelson doch eher beauftragt die Stellung der Juden in ihrer jeweiligen Gesellschaft neu zu definieren. Der Jude nicht mehr nur als Mensch, sondern auch als Bürger, nicht mehr nur als „religiöses Wesen“, einzig und allein dem Gesetz verpflichtet, sonder auch als aufgeklärter Mitbürger, angepasst an die Bedingungen seiner Zeit.5
[...]
1 Vgl. Trepp S. 62
2 Vgl. Schoeps S. 7
3 Vgl. Küng S. 241
4 Vgl. ebd. S. 344
5 Vgl. ebd. S. 351
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