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Autor: Magnus Reisinger
Fach: Kunst - Bildhauerei, Skulptur, Plastik
Details
Jahr: 2005
Seiten: 120
Note: keine
Literaturverzeichnis: ~ 44 Einträge
Sprache: Deutsch
Dateigröße: 2592 KB
ISBN (E-Book): 978-3-638-36843-8
Vorstellung einer Methode zur wissenschaftlichen Erfassung (Physiognomie und Ikonographie) von rundplastischen Werken anhand altägyptischer Werke.
Textauszug (computergeneriert)
Entwicklung der ägyptischen Königsplastik in der frühen und hohen 18. Dynastie
von
Magnus Reisinger
2005
Inhaltsverzeichnis
Einleitung
I. Die Definition der Begriffe (Individual)-Portrait und Bild
II. Die Analysemethode
II.1 Das Kriteriensystem
II.1.1 Exkurs: Ist ein Proportionssystem hilfreich?
II.2 Die physiognomische Untersuchung des Gesichts
II.3 Die stilistische Untersuchung der Ikonographie
III. Die Auswertung der Materialbasis – Typisierung
III.1 „Datierte Stücke“
Ahmosis
Amenhotep I.
Thutmosis I.
Thutmosis II.
Hatschepsut
Thutmosis III.
Amenhotep II.
Thutmosis IV.
III.2 Unterscheidungen, Veränderungen
Ahmosis, Amenhotep I., Thutmosis I. und Thutmosis II.
Hatschepsut
Thutmosis III.
Amenhotep II.
Thutmosis IV.
Schluss
Literaturverzeichnis
Anhang
Museen und Magazine
Abbildungen
Objekte
Übersichten 4
Einleitung
Die Königsplastik der frühen 18. Dynastie lässt eine Entwicklung in der Gestaltung erkennen. Diese Entwicklung kann anhand der gesicherten Objekte nachvollzogen werden.
Gegenstand der Arbeit sind nur die inschriftlich gesicherten Statuen der Könige der 18. Dynastie von Ahmosis bis einschließlich Thutmosis IV. Deren Gesichter dürfen nicht zu stark zerstört sein, damit sich eine Untersuchung lohnt. Dadurch ist gewährleistet, dass die Materialbasis nicht zu groß wird und die Untersuchung nicht mit der Diskussion um schwierig zuzuweisende Objekte ausufert.
Vielmehr soll anhand der „genau datierbaren“ Stücke, das sind Statuen, die in einem bestimmten Regierungsabschnitt angefertigt wurden (z.B. für das Achmenu unter Thutmosis III.), eine Entwicklung der Königsplastik nachgezeichnet werden. Die daraus abgeleiteten Kriterien sollen als Grundlage dienen, eine Einordnung der nicht an geschichtlichen Daten festzumachenden Objekte, zu ermöglichen.
Die genau datierbaren Statuen bilden die Grundlage der Untersuchung. Für das Beispiel Thutmosis III. sind die Abschnitte der Koregentschaft mit Hatschepsut (erschlossen), die Achmenustatuen, die Djeserachet-Statuen, die Imenmenmenu-Statue und die Statuen im Übergang zur Regentschaft Amenhoteps II. (z.T. erschlossen) zu nennen. Ausgegangen wird dabei zunächst von Vergleichen mit Hatschepsut, den sicheren Statuengruppen (Achmenu und Djeserachet, Imenmenmenu-Statue) und einem Vergleich mit der Plastik Amenhoteps II. Ebenso wie für Thutmosis III. sind die Statuen der anderen Könige in Gruppen einzuteilen.
Diese Gruppen werden nach der eingangs aufgestellten „Typologie“ klassifiziert. Die Typologie soll eindeutig nachzuvollziehende Kriterien für die Einordnung der Königsplastik an die Hand geben. Begriffe werden hierbei nicht doppelt belegt. Diese Kriterien werden anhand von Studien in der Physiognomie und in der Ikonographie vorgenommen.
Für die Physiognomie wird z.B. die Brauengestaltung unterschieden in: geschwungen (rundlich über dem Auge in einem starken Bogen verlaufend), stark gewölbt (eine deutliche Wölbung zeigend), schwach gewölbt (zueinander nach unten eingeknickt) und horizontal (zueinander horizontal auslaufend). Die Augentypen z.B. werden anhand der Außenwinkelstände (im unteren Drittel, in der Mitte und im oberen Drittel) und des Anstiegs des Unterlids (Steigung des Unterlids nach der Hälfte bzw. nach Zweidrittel der Augenbreite) in die Typen A I, B I, C I und A II, B II, C II (vgl. Abbildung im dortigen Kapitel) unterteilt. Diese Unterscheidungen werden anhand von Zeichnungen erläutert.
Ebenso wie die Physiognomie gibt auch die Ikonographie Aufschluss über die Einordnung, wenn auch in geringerem Maße. So sind z.B. bei den Hebsedstatuen die Öffnung der Hekazepterkrümmung und beim Schendit die Lappung zu beachten.
Durch diese Methode wird es ermöglicht, anhand der bestimmten Kriterien einen Vergleich der Objekte vorzunehmen, der auf den sogenannten „Kennerblick“ verzichten kann. So werden Aussagen über die Statuen objektiviert, da unpräzise, subjektive, eventuell sogar charakterliche Begriffe wie schönliniger Mund, offene Augen, feminine Gesichtszüge ausbleiben.
Die Untersuchung soll ermöglichen, die Entwicklung der Königsplastik anhand einer kontinuierlichen Veränderung des Königsbildtyps zu erfassen. Individuell gestaltete Einflüsse der Könige (Biegung des Nasenrückens etc.) werden so in einen größeren Kontext gesetzt und in einer längeren Entwicklungsphase, die königsübergreifend ist, erkannt.
Anhand der sicher datierbaren Statuen können die inschriftlich gesicherten Stücke zugeordnet werden und in den Abschnitten könnte ferner die Häufigkeit der Statuentypen (Beterstatuen etc.) untersucht werden. Diese Arbeit kann auch Basis sein für weitergehende Untersuchungen, die nicht inschriftlich gesicherten Objekte eindeutig Königen zuzuweisen und die somit die Entwicklung der Königsplastik bestätigen. Die Erfassung eines Kunstkanons ermöglicht darüber hinaus die Bestimmung der künstlerischen Freiheit und die damit verbundenen Qualitäten der Statuen. Eventuell sind sogar Handwerkerschulen oder einzelne Kunsthandwerker zu bestimmen.
I. Die Definition der Begriffe (Individual)-Portrait und Bild
Bevor das Königsbild des Neuen Reiches beleuchtet werden soll, ist es geboten, die Begrifflichkeit zu klären.
Der Begriff ‚Portrait’ (protrahere: hervorbringen, ans Licht bringen) war in der Antike nicht bekannt1. Der Begriff stammt nach Gottfried Boehm aus der Geometrie (Macrobius um 400 n.Chr.)2. Im Bauhüttenbuch des Villard de Honnecourt (1240 n.Chr.) wird der Begriff ‚portraiture’ verwendet als „Fähigkeit der Zeichnung“3. Von Leonardo da Vinci (1452-1519 n.Chr.) wurde er in die Beschreibung von Zeichnungen übernommen4.
[...]
1 G. Boehm, Bildnis, 45.
2 Ebd., 45f.
3 Zitat: Ebd., 46.
4 Ebd.
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