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Die wikingische Siedlung bei L'Anse aux Meadows, Neufundland

Scholary Paper (Seminar), 2005, 30 Pages
Author: Benjamin Müsegades
Subject: History - Middle Ages, Early Modern

Details

Category: Scholary Paper (Seminar)
Year: 2005
Pages: 30
Grade: 1,3
Bibliography: ~ 14  Entries
Language: German
Archive No.: V37651
ISBN (E-book): 978-3-638-36934-3

File size: 197 KB
Notes :
Es handelt sich um eine Arbeit, welche sich ausführlich mit dem "Vinland-Problem" auseinander setzt. Die Fragestellung verweist auf die "Grönländer Saga", es wurden jedoch auch Adam von Bremen, sowie die "Saga von Erik dem Roten" als Quelle hinzugezogen. Zusätzlich wurde der Fund einer Wikingersiedlung bei L'Anse aux Meadows analysiert. Als Sekundärliteratur wurde neben Helge Ingstad vor allem Wahlgren, Seaver, Langenberg und Jones verwendet



Excerpt (computer-generated)

Die wikingische Siedlung bei L’Anse aux Meadows, Neufundland

von: Benjamin Müsegades

 


Inhaltsverzeichnis

1. Einleitung 1-2

2. Schriftliche Quellen 2-16

2.1 Adam von Bremen 2-5
2.2 Die „Grönländer Saga“ 5-7
2.3 Lokalisierung der „Leifsbudir mit Hilfe der „Grönländer Saga“ 7-14
2.4 Die „Saga von Erik dem Roten“ 14-15
2.5 Lokalisierung der „Leifsbudir mit Hilfe der „Saga von Erik dem Roten“ 15-16

3. Archäologische Quellen 17-23

3.1 Funde außerhalb Neufundlands 17-18
3.2 Die Wikingersiedlung bei L’Anse aux Meadows 18-20
3.3 Sind die „Leifsbudir“ bei L’Anse aux Meadows zu lokalisieren? 20-23

4. Schlussbetrachtung 24-26

5. Quellenverzeichnis 27

6. Literaturverzeichnis 28


 

1. Einleitung

In der vorliegenden Arbeit wird die Frage behandelt werden, ob es sich bei den 1961 in der Nähe von L’Anse aux Meadows im kanadischen Neufundland entdeckten Überresten einer Wikingeransiedlung um die in der „Grönländer Saga“ beschriebenen Hütten Leif Erikssons („Leifsbudir“) handelt. Diese Frage erscheint im Rahmen einer Behandlung der wikingischen Geschichte aus mehreren Gründen als relevant. Zum einen waren die Wikinger die ersten Entdecker Amerikas1 und entsprechend ist es von Interesse, wo genau diese sich als erste Europäer auf nordamerikanischem Boden zumindest kurzfristig niederließen und die in der „Grönländer Saga“ beschriebenen „Leifsbudir“2 errichteten. Zum anderen ist eine Untersuchung der Frage von Bedeutung, ob die wikingische Siedlung bei L’Anse aux Meadows mit den „Leifsbudir“ identisch ist, da es sich bei diesen um den einzigen archäologischen Beleg für die Präsenz von Wikingern in Nordamerika handelt3. Eine auf die „Grönländer Saga“ bezogene Fragestellung erscheint zudem angebracht, da die um 1200 niedergeschriebenen Saga 4 der älteste bekannte ausführliche Bericht über Wikingerfahrten nach Nordamerika ist. Zudem ist zu beachten, dass die „Grönländer Saga“ neben der „Saga von Erik dem Roten“ als die bedeutendste Quelle über die wikingischen Fahrten nach Nordamerika angesehen wird5.

Zur Bearbeitung der Fragestellung ist es angebracht den zentralen Begriff „Wikinger“ zu definieren. Als Wikinger werden im Rahmen dieser Arbeit alle Bewohner Skandinaviens zwischen dem 8. und 11. Jahrhundert6 und zudem die wikingischen Auswanderer nach Island und Grönland bezeichnet. Gleichfalls ist es notwendig genauer auf die Vorgehensweise bei der Beantwortung der Fragestellung einzugehen. Zuerst werden die schriftlichen Quellen, die geographische Details über wikingische Reisen nach Nordamerika enthalten, untersucht werden. Dies sind die „Grönländer Saga“ und die „Saga von Erik dem Roten“. Neben diesen Sagatexten wird zudem die „Gesta Hammaburgensis Ecclesiae Pontificum“ Adams von Bremen genauer betrachtet. Nicht behandelt werden im Rahmen dieser Arbeit schriftliche Quellen, die entweder, wie das wohl zwischen 1122 und 1125 entstandene „Islendingabók“, nur Hinweise auf wikingische Fahrten enthalten, aber diese nicht geographisch präzisieren7, oder sich nicht auf den Zeitraum um 1000, in welchem die Nordamerikafahrten der Sagas wahrscheinlich stattfanden8, beziehen. Im Anschluss an die Untersuchung der schriftlichen Quellen werden archäologische Quellen, die im Zusammenhang mit wikingischen Fahrten nach Nordamerika stehen oder stehen könnten, dargestellt. Hierbei werden vor der Darstellung der Wikingersiedlung bei L’Anse aux Meadows andere archäologische Funde aus Kanada, den USA und Grönland analysiert. Abschließend werden die Ergebnisse der Arbeit in einer Schlussbetrachtung zusammengefasst dargestellt.

2. Schriftliche Quellen

2.1 Adam von Bremen

In der zwischen 1073 und 1080 verfassten „Gesta Hammaburgensis ecclesiae pontificum“ des Bremer Domscholasters Adams von Bremen findet sich die früheste bekannte Erwähnung eines von Skandinaviern entdeckten „Vinlands“9: „Außerdem erzählte er [der dänische König Svein Estridsson], viele Männer hätten in diesem Ozean noch eine weitere Insel entdeckt; sie heiße Winland, weil dort wilde Weinstöcke wachsen, die besten Wein bringen. Nicht ausmalenden Vermutungen, sondern zuverlässigen dänischen Berichten entnehme ich, dass dort ohne Aussaat reichlich Getreide wächst. [Nach dieser Insel, sagt er, findet man in diesem Ozean kein bewohnbares Land mehr, alles dahinter sei von unerträglichem Eis und unermesslichem Dunkel“10 Über die Bedeutung dieser kurzen Beschreibung, die Adam im Rahmen seiner Darstellung über die im christlichen Europa unbekannten Inseln des Nordens gibt11, existieren mehrere widersprüchliche Auffassungen. Fest steht jedoch, dass es sich um die älteste schriftliche Quelle über „Vinland“-Fahrten handelt und es zudem die einzige ist, die nicht auf Island entstand 12.

Differenzen gibt es zwischen Forschern bereits bezüglich der Quellen, auf die Adam von Bremen seinen Bericht über „Vinland“ stützt. Während Langenberg Adams Behauptung Glauben schenkt, er habe die Nachrichten über „Vinland“ vom dänischen König erhalten13, geht Ingstad davon aus, dass er durch den Verweis auf einen König seinem Bericht nur mehr Gewicht verleihen wollte14. Er ist viel mehr der Meinung, dass Adam seine Informationen vom Isländer Isleif Gizurarson, dem ersten Bischof von Island, erhielt, der sich 1055/1056 in Deutschland aufhielt15.

Über die Zuverlässigkeit Adams existieren gleichfalls unterschiedliche Auffassungen. Magnusson geht davon aus, dass der sonst zuverlässige Adam von Bremen im 4. Buch seines Werkes „allerlei Merkwürdiges über die Inseln im Atlantik schrieb“16, so etwa den Namen Grönlands mit dem grünen Aussehen seiner Einwohner in Verbindung brachte17 und entsprechend das Werk Adams weniger die Existenz „Vinlands“, sondern eher von Berichten über „Vinland“ belegt18. Ebenfalls als unzuverlässig angesehen werden könnte die Beschreibung „Vinlands“, da für den Verfasser der „Gesta Hammaburgenis“ und seine Zeitgenossen eine Insel eher mit den Begriffen Abgeschiedenheit und Rückständigkeit in Verbindung stand und nicht zwangsläufig ein kleines von Wasser umgebenes Stück Land darstellen musste19.

Zu berücksichtigen ist bei einer Untersuchung der Frage, ob die Darstellungen Adams von Bremen verlässlich sind, auch die Tatsache, dass er den geographischen Raum vor allem als bereisbaren erzbischöflichen Missionsraum konzipierte und dementsprechend „Vinland“ absicht lich als Ende der Welt dargestellt haben könnte20. Eine andere Auffassung wird vom Entdecker der Wikingersiedlung bei L’Anse aux Meadows, Helge Ingstad, vertreten. Nach seiner Meinung deutet die von Adam beschriebene Insel auf Neufundland hin21.

[...]


1 Vgl. Langenberg, Inge: Die Vinland-Fahrten. Die Entdeckung Amerikas von Erik dem Roten bis Kolumbus (1000-1492), Köln, Wien 1977, S. 9.

2 Vgl. Grönländer Saga, V.

3 Vgl. Magnusson, Magnus: Die Wikinger. Geschichte und Legende, Düsseldorf, Zürich 2003, S. 235.

4 Vgl. Wahlgren, Erik: The Vikings and America, London 1986 (Ancient Peoples and Places, Volume 102), S. 96.

5 Vgl. Seaver, Kirsten: The Frozen Echo. Greenland and the Exploration of North America, ca. A.D. 1000-1500, Stanford 1996, S. 14.

6 Vgl. Simek, Rudolf: Die Wikinger, München 1998, S. 7.

7 Vgl. Langenberg: Vinland-Fahrten, S. 36-37.

8 Vgl. Wahlgren: Vikings and America, S. 155.

9 Vgl. Ingstad, Helge: The Viking discovery of North America: The Excavation of a Norse settlement in L’Anse aux Meadows, Newfoundland, New York 2001, S. 104.

10 Adam von Bremen, IV, 39.

11 Vgl. Langenberg: Vinland-Fahrten, S. 34.

12 Vgl. Langenberg: Vinland-Fahrten, S. 33.

13 Vgl. ebd., S. 36.

14 Vgl. Ingstad, Helge: Viking discovery, S. 104.

15 Vgl. ebd.

16 Magnusson: Die Wikinger, S. 230.

17 Vgl. Adam von Bremen, IV, 37.

18 Vgl. Magnusson: Die Wikinger, S. 230.

19 Vgl. Seaver: Frozen Echo, S. 34.

20 Vgl. Scior, Volker: Das Eigene und das Fremde. Identität und Fremdheit in den Chroniken Adams von Bremen, Helmods von Bosau und Arnolds von Lübeck, Berlin 2002 (Orbis mediaevalis. Vorstellungswelten des Mittelalters, Band 4), S. 134.

21 Vgl. Ingstad, Helge: Die erste Entdeckung Amerikas. Auf den Spuren der Wikinger, Oslo 1965, S. 66.


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