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Episches Theater, das sind Sie, lieber Herr Brecht

Autor: Lisa Hann
Fach: Theaterwissenschaft

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Details

Institution/Hochschule: Universität Wien
Tags: Episches, Theater, Herr, Brecht
Kategorie: Seminararbeit
Jahr: 2004
Seiten: 11
Note: 1
Literaturverzeichnis: ~ 14  Einträge
Sprache: Deutsch
Dateigröße: 186 KB
Archivnummer: V37976
ISBN (E-Book): 978-3-638-37176-6

Textauszug (computergeneriert)

Universität Wien

Theaterwissenschaft / Regie- und Schauspielkunst 

PS II/1

„Episches Theater, das sind Sie, lieber Herr Brecht.“1

Lisa Hann 

SS 2004 

 

 

INHALTSVERZEICHNIS

1. EINLEITUNG  3

2. BEGRIFFSKLÄRUNG: „EPISCHES THEATER  3
2.1 Der Weg zum „Epischen Theater“  ..3
2.2 Eingrenzung und Definition des Terminus „Episches Theater“  4

3. METHODEN DES „EPISCHEN THEATERS“  5
3.1 Der „V- Effekt“  6
3.2 Die Schauspielerei und  6
3.3 …ihre „Schwesternkünste“  7

4. SCHLUSSBEMERKUNG   9

5. ANHANG  10
5.1 Das Schema von Brecht: dramatisch vs. episch  10
5.2 Bibliographie  11

 

 

1. EINLEITUNG:

Diese Arbeit soll ein erster Versuch sein, den Begriff des „epischen“ näher zu beschreiben und das epische Theater in seinen Grundzügen vorzustellen. Die Zielsetzung mag auf den ersten Blick recht bescheiden klingen, bie tet bei näherer Betrachtung des komplexen Materials zum Thema jedoch durchaus ausreichend Stoff für solch eine Arbeit. Im Anhang habe ich als Überblick die von Brecht formulierten Unterscheidungen zwischen „dramatischer“ und „epischer“ Form beigefügt.

2. BEGRIFFSKLÄRUNG: „EPISCHES THEATER“

2.1 Der Weg zum „Epischen Theater“:

Um das Brechtsche „Epische Theater“ besser verstehen zu können, sind zunächst einige Hintergründe der Entstehung zu erklären. Hier finden wir auch den Grund für die „radikale Veränderung des dramatischen Spiels“2 bei Brecht: Spätestens seit dem Aufkommen der „soziale Frage“ und der Industrialisierung im 19. Jahrhundert3 mit ihr, die das individuelle Leben bestimmenden ökonomischen und politischen Zustände behandelt, hat das Bühnengeschehen nicht nur für sich zu stehen, sondern als Beispiel oder Ausschnitt zu dienen. Die aufgrund dieses Widerspruchs von dramatischer Form und undramatischem Stoff eingeleitete „Krise des Dramas“4 führt zum Einbau mehr und mehr bis dahin dem Epos vorbehaltener erzählender (= epischer) Gestaltungsmittel in die von Aristoteles definierten dramatischen Gattungen. Daraus entstehen im 20. Jahrhundert das „Epische Theater“ und später das „Absurde Theater“, welches alle Restbestände der tradierten Dramaturgie auflöst und dessen Stücke auch als ihre Parodie verstanden werden können.5

2.2 Eingrenzung und Definition des Terminus „Episches Theater“:

Nach der geschichtlichen und gattungsspezifischen Eingliederung folgt nun die konkrete: was kann der Begriff „Episches Theater“ bedeuten und wie definierte ihn Brecht?


Der Begriff „Episches Theater“ bezeichnet „jede Art Drama6, welche die im ausgehenden 19. Jahrhundert aufgebrochene Formkrise zu lösen versucht, indem sie sich der erzählerischen Darstellungsmittel bedient. Ziel ist es, die Beschränkung der klassischen dramatischen Form auf individuelle Geschichten zu durchbrechen und die anonymen Zusammenhänge darzustellen, von denen das individuelle, nur scheinbar frei gewählte Handeln der Menschen bedingt ist. Ein wichtiger Vertreter (…) ist Erwin Piscator. Statt um die Geschichten einzelner Figuren geht es ihm um die zeitgeschichtlichen Grundlagen der Geschehnisse, etwa um Voraussetzungen, Verlauf und Folgen des Ersten Weltkrieges . 

Der Begriff Episches Theater gilt in herausgehobener Weise für das Werk Bertolt Brechts. In den Anmerkungen zu „Mahagonny“ beschreibt er erstmals die formalen Gegensätze von „dramatischem“ und „epischem“ Theater, zum Programm werden seine Vorstellungen in den Schriften der Exilzeit, dem „Messingkauf“ und dem „Kleinen Organon für das Theater“.“7

Der Terminus „Episches Theater“ stammt ursprünglich von Erwin Piscator 8. Er verwendete ihn anlässlich seiner Inszenierung von Alfons Paquets „Fahnen“ (1924). Ab 1926 vereinnahmte ihn Brecht für sein Theater. Beide gebrauchten den Begriff, um das Innovative in ihrem Theater zu bezeichnen. Er war ein Synonym für „zeitgemäßes“ Theater.

[...]


1 Zitat von Fritz Sternberg, 1927. Zitiert nach Claude Hill. Bertolt Brecht. München, 1978. S. 148.

2 Siehe Punkt 5.1.: „Das Schema von Brecht: dramatisch vs. episch“

3 In Großbritannien setzte der Industrialisierungs- Prozess schon Ende des 18. Jahrhunderts. Für uns relevanter ist allerdings die Situation in Deutschland. Vgl. auch Bertolt Brecht. „Kleines Organon für das Theater“. Schriften zum Theater: Über eine nicht- aristotelische Dramatik. Frankfurt am Main, 1993. Band 41. S. 137.

4 Vgl. Peter Szondi. Theorie des modernen Dramas: 1880- 1950. Frankfurt am Main, 1965. S. 20- 73.

5 Vgl. C. Bernd Sucher (Hg.). Theaterlexikon: Epochen, Ensembles, Figuren, Spielformen, Begriffe, Theorien. München, 1996. S. 136f. und Gero von Wilpert. Sachwörterbuch der Literatur. Stuttgart, 2001. S. 187- 191.

6 Ich verwende die von Wilpert formulierte Definition des vieldeutigen Begriffs „Drama“: Gero von Wilpert. Sachwörterbuch der Literatur. S. 187ff.

7 Zitiert nach C. Bernd Sucher. Theaterlexikon. S. 154f.

8 Piscator verstand unter seinem „Epischen Theater“ dezidiert politisches Theater. Erika Fischer- Lichte bezeichnet es auch als „Theater im technischen Zeitalter“. Es wurden vom Zuschauer neue Wahrnehmungs- und Erkenntnisleistungen verlangt: die theatralischen Zeichen (Bühnengerüste, Lichteinsatz, Projektionen, Filme, Musik,…) wurden mit Montage- Technik verwendet und kombiniert. Vgl. Erika Fischer- Lichte. Kurze Geschichte des deutschen Theaters. Tübingen/ Basel, 1999. S. 333- 347.


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