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Scholary Paper (Seminar), 2005, 14 Pages
Author: Lisa Hann
Subject: German Studies - Modern German Literature
Details
Tags: Wiener, Gruppe, Einblick
Year: 2005
Pages: 14
Grade: 1
Bibliography: ~ 14 Entries
Language: German
ISBN (E-book): 978-3-638-37177-3
File size: 402 KB
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Excerpt (computer-generated)
Universität Wien
Germanistik - Neue Deutsche Literatur
WS 2004/05 KO Literaturgeschichte
die wiener gruppe - ein einblick
von
Lisa Hann
INHALTSVERZEICHNIS
1. EINLEITUNG 3
2. KLEINE CHRONOLOGIE: DIE GESCHICHTE DER WIENER GRUPPE 3
3. WERKÜBERSICHT 5
4. DIE SPRACHE – ALS FORSCHUNGSGEGENSTAND – ALS INSTRUMENT 7
4.1 Die Methode: Konkrete Poesie 8
4.2 Ein Beispiel 8
5. ANHANG 11
5.1 Lebensdaten 11
5.2 „Publikations- und Rezeptionsboykott“ 12
5.3 Das (vollständige) Lehrbuch der böhmischen Sprache 13
5.4 Bibliographie 14
1. Einleitung
Der Sammelband „Die Wiener Gruppe“ bietet aufgrund seiner Dichte – er enthält die verschiedensten Textarten und bietet zugleich einen Überblick über das Schaffen der einzelnen Mitglieder sowie über die Gemeinschaftsarbeiten und Aktionen – unheimlich viel Stoff für eine Proseminararbe it. Daher ist dies der Versuch die Wiener Gruppe vorzustellen, ihr Werk und die dahinter stehende Philosophie zu erklären und an einem Beispiel anzuwenden und nicht jener der Interpretation der einzelnen Texte des Bandes.
2. Kleine Chronologie: die Geschichte der Wiener Gruppe
Die „Wiener Gruppe“ entstand aus dem 1946 gegründeten „Artc lub“, einer internationalen Vereinigung von bildenden Künstlern und später auch Literaten und Musikern. Er war das Sammelbecken aller fortschrittlichen künstlerischen Tendenzen in Wien. Die raren Informationen und Bücher zu den avantgardistischen Strömungen (Dadaismus, Expressionismus, Surrealismus, Konstruktivismus) wurden dort begierig aufgenommen. 1952 lernten sich dort Artmann und Rühm kennen. Artmann beschäftigte sich damals vor allem mit der schwarzen Romantik1 und dem Surrealismus.2
Im folgenden Jahr verkündete Artmann die „acht-punkte-proklamation des poetischen actes“, aus der sich schon eine bestimmte Ausrichtung erkennen lässt: „es gibt einen satz, der unangreifbar ist, nämlich der, dass man dichter sein kann, ohne auch irgendjemals ein wort geschrieben oder gesprochen zu haben.“3 Vorraussetzung sei allerdings „poetisch handeln“ zu wollen. Diese Definition des Schriftstellers, die sich auf dessen Produkt, die Literatur, auswirkt und somit auch diesem eine erweiterte Bedeutung zukommen lässt, suggeriert zugleich eine neue, von Offenheit, Veränderung und vom Sichtbarmachen von Systemen geprägte Geisteshaltung.4
1956 folgte die Konstituierung als Gruppe, deren Attribute Rühm treffend beschrieb:
„die gruppierung ergab sich keineswegs aus einem definierten programm, sondern vor allem auf grund persönlicher sympathien und wohltuender übereinstimmung. (…) es brauchte nichts festgelegt werden, denn wir verstanden uns. (…) und eben die kluft zwischen unseren und den kriterien oder fehlenden kriterien unserer kollegen setzte uns von ihnen als „gruppe“ ab.“5 Erste Gemeinschaftsarbeiten entstanden.
Im „Neuen Kurier“, am 23. 06. 1958, verwendete Dorothea Zeemann erstmals die Bezeichnung „Wiener Dichtergruppe“. Allerdings war, was sich hinter dieser Bezeichnung verbarg, nicht in einem Ausdruck vereinbar. Die Gruppe war keine homogene und es gab erhebliche Auffassungsunterschiede. Den „Mitgliedern“ missfällt die Bezeichnung, da es zwar ähnliche Ziele gab, aber jeder seinen eigenen, „anderen“ Beitrag6 zum Erlangen dieser lieferte. Zudem hatten alle auch Projekte außerhalb der Gruppe.
Treffpunkte waren verschiedene Wiener Lokale; zu Beginn der vom Artclub gemietete „Strohkoffer“, später das „Café Glory“ in der Nähe der Universität Wien usw. Oft wird die Gruppe in 3 Flügel aufgeteilt: den experimentell- konstruktiven mit Rühm, Bayer und Achleitner, den surreal- phantastischen mit Artmann und den monomanischen Rigorismus Wieners.7 Rühm hebt sich mit seinem konstruktivistischen Ansatz von Artmanns surrealistischem gewissermaßen ab, in dem er sein Schaffen als Arbeit mit und nicht wie die Surrealisten bloß in der Sprache bezeichnete.8
[...]
1 Tendez des 19. Jahrhunderts, namentlich der Romantik und Dekadenzliteratur, sich dem Abseitig- Exzessiven, Schaurig- Dämonischen, Satanischen und Phantastisch- Grotesken zuzuwenden. Kennzeichen sei nach Praz ein verfeinert- dekadenter Ästhetizismus, der in einer stark erotisch- sensitiven und übersteigert - morbiden Haltung (auch innerhalb der Dichtung) münde. Vgl. z.B. Gero von Wilpert. Sachwörterbuch der Literatur. Stuttgart: Alfred Kröner, 2001. oder Mario Praz. Liebe, Tod und Teufel: Die schwarze Romantik. München: DTV, 1994.
2 Die gesamte Wiener Gruppe grenzte sich allerdings klar gegen den unter anderen von Paul Celan vertretenen Postsurrealismus ab, zu dem sich Rühm wie folgt äußerte: „(…) lehnten wir als symbolisch verpanschten aufguss ab – das war drauf und dran, eine neue mythisierung einzurichten.“ Zit. nach: Die Wiener Gruppe: Achleitner, Artmann, Bayer, Rühm, Wiener. Texte, Gemeinschaftsarbeiten, Aktionen. Hg. Gerhard Rühm. Reinbeck bei Hamburg: Rowohlt, 1967, 1985. S. 9.
3 Zit. nach: Ebd.
4 Vgl. u. a. verschiedenste Aktionen der Wiener Gruppe (die Prozession „une soirée aux amants funèbres,…).
5 Zit. nach: Die Wiener Gruppe. S. 12.
6 Vgl. das individuell verschiedene Interesse an unterschiedlichen Strömungen (aus dem sich vielleicht die Einteilung Hartungs in die „3 Flügel“ ergab), das sich auch auf die Arbeiten der Gruppe auswirkte.
7 Vielleicht aus einem Gefühl der Ohnmacht heraus wird schubladisiert, wenn der Ordnungswille nach einer klaren Koordination verlangt. Dass es bei einer Gruppe von fünf Menschen gleich drei Flügel gibt scheint doch grotesk. Auch Heinz G. Kurz ist mit dieser Einteilung, die zu viel ausschließt, nicht einverstanden. Eine weitere Möglichkeit bietet die Abgrenzung Artmanns von den anderen Mitgliedern aufgrund des Alters. Vgl.: Harald Hartung. Experimentelle Literatur und konkrete Poesie. Göttingen: Vandenhoeck & Ruprecht, 1975. S. 35. und Horst Guenter Kurz. Die Transzendierung des Menschen im „Bio-Adapter“ : Oswald Wieners „Die Verbesserung von Mitteleuropa, Roman“. Ohio: Diss., 1992. S. 18.
8 Vgl. Die Wiener Gruppe. S. 9.
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