Polnische Arbeiter im Ruhrgebiet in den Jahren 1871 bis 1918 close

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Details

Veranstaltung: Arbeiter im Ruhrgebiet
Institution/Hochschule: Universität Duisburg-Essen
Tags: Polnische, Arbeiter, Ruhrgebiet, Jahren, Arbeiter, Ruhrgebiet
Kategorie: Hausarbeit
Jahr: 2004
Seiten: 21
Note: 1,3
Literaturverzeichnis: ~ 9  Einträge
Sprache: Deutsch
Dateigröße: 592 KB
Archivnummer: V38313
ISBN (E-Book): 978-3-638-37409-5

Textauszug (computergeneriert)

Universität Duisburg-Essen
Fachbereich 1 Geschichte
Fach: Neuere Geschichte

ES: Arbeiter im Ruhrgebiet (1870-1981)
WS 2003/2004

Polnische Arbeiter im Ruhrgebiet in den Jahren
1871 bis 1918

von
Eva Lindemer

 

 

Inhaltsverzeichnis

1. Einleitung S.3

2. Die polnische „Einwanderung“ in das Ruhrgebiet  S.4
2.1 Die Gründerjahre
2.2 Die Werber
2.3 Die Lebenssituation in den preußischen Ostprovinzen

3. Die Lebenssituation der Ruhrpolen  S.6
3.1 Die Wohnsituation der Ruhrpolen
3.2 Die Reaktion der Deutschen auf die polnischen Neuankömmlinge
3.3 Die Vereine und die Polenüberwachung
3.4 Die Integration

4. Schlussbetrachtung S.13

Literaturverzeichnis S.15

Anhang
Anhang 1 „Die polnischen Teilungen“ (Abbildung)
Anhang 2 „Polnische Einwanderer um 1900“ (Foto)
Anhang 3 „Zahl der aus den Ostprovinzen des preußischen Staates stammenden Einwohner des Ruhrgebiets in den Jahren 1880- 1910“ (Tabelle)
Anhang 4 „Die ungleichmäßige Verteilung des ländlichen Besitzes in Posen 1892“ (Tabelle)
Anhang 5 „Kolonie Sophienau (Gelsenkirchen)“ (Abbildung)
Anhang 6 „Straße in der Siedlung Wiescherhöfen“ (Foto)

 


[...] ABB 1 Götz George als Tatort-Kommissar „Horst Schimanski“
vor Duisburger Kulisse1

1. Einleitung

Wer kennt nicht Götz George in seiner Rolle des Tatort- Kommissars Horst Schimanski – des sympathischen Duisburgers mit rüpelhaftem Charme? Obwohl der Name Schimanski polnisch ist, kommt er im Ruhrgebiet nicht selten vor.

Und dies ist nicht verwunderlich, sondern geschichtlich zu erklären: „Schimanski, Kowalski oder Kaczmarek - so hießen die polnischen Zuwanderer, die seit Ende des 19. Jahrhunderts aus den deutschen Ostprovinzen ins Ruhrgebiet kamen.“2

Dem Nachnamen nach zu urteilen, könnte es sich bei dem charismatischen TV-Polizisten also um einen Nachkommen polnischer Zuwanderer des ausgehenden 19. Jahrhunderts handeln.

Warum zu dieser Zeit viele Polen wie „Schimmis“ mutmaßliche Ahnen in das Ruhrgebiet einwanderten und wie sie dort lebten, soll Thema dieser Hausarbeit sein.

Unter Zuhilfenahme relevanter Fachliteratur werden sowohl die Einwanderung als auch die Lebenssituation und Integration der sogenannten Ruhrpolen im Ruhrgebiet analysiert.

2. Die Polnische Abwanderung in das Ruhrgebiet

2.1 Die Gründerjahre

Als Gründerjahre bezeichnet man die Jahre kurz nach der Gründung des Deutschen Reiches (1871 bis 1873), in denen Deutschland einen wirtschaftlichen Aufschwung erlebte. Auslöser für den Wirtschaftsboom waren Reparationszahlungen in Höhe von 4 Milliarden Mark. Nach dem Deutsch-Französischen Krieg wurden dem Kriegsverlierer Frankreich im Frankfurter Frieden vom 10.05.1871 diese Reparationszahlungen an Deutschland auferlegt.

Im Zuge der Gründerjahre und ihrer florierenden Wirtschaft expandierte auch die Bergbauindustrie des Ruhrgebietes, deren Nachfrage nach Arbeitskräften von den benachbarten Gebieten bald nicht mehr gesättigt werden konnte: „Nachdem die Reserven aus den umliegenden Regionen erschöpft waren, wurden die Ostgebiete zum Hauptrekrutierungsfeld.“3.

2.2 Die Werber

Neue Arbeitskräfte erhoffte man sich von nun an also in den Gebieten preußisch Polens4 zu finden.

Man engagierte sogenannte Werber, die den Auftrag hatten „nach Osten, zunächst vor allem nach Oberschlesien“5 zu reisen, um dort Arbeiter für die deutsche Bergbauindustrie zu werben. Sie lockten die polnischen6 Arbeiter mit hohen Löhnen, sozialer Abgesichertheit, günstiger Wohnlage und mit guter Infrastruktur.7

Christoph Kleßmann zitiert aus einer polnischen Lokalchronik des St. Barbara Vereins, dass der „[...] erste derartige Agent [...] nicht lange nach dem Kriege nach Oberschlesien [kam].“8 Die ersten polnischen Arbeiter wanderten also 1871 kurz nach dem Deutsch- Französischen Krieg in das Ruhrgebiet ab. Doch diese erste Zuwanderungswelle war im Gegensatz zu dem später einsetzenden Wanderungsstrom vergleichsweise klein. Nachdem die wirtschaftliche Flaute des Gründerkrachs von 1873 überwunden war, kam es zu einer regelrechten Massenzuwanderung9 und es „floß [sic!] seit Ende der 1880er Jahre ein Strom von deutschen und polnischen Arbeitern aus dem Osten ins rheinisch-westfälische Industriegebiet.“10

Es stellt sich nun die Frage, warum die polnischen Arbeiter von den Werbern so leicht zu einer Abwanderung in das Ruhrgebiet bewegt werden konnten. Um zu verstehen, warum viele ihre Heimat zugunsten einer Arbeitsstelle im Ruhrbergbau verließen, werden im folgenden Kapitel die Lebensumstände der Bewohner der preußischen Ostprovinzen betrachtet werden.

2.3 Die Lebenssituation in den preußischen Ostprovinzen11

Die Lebensumstände der Menschen in den preußischen Ostprovinzen waren nicht ideal. Christoph Kleßmann erläutert in seinen Ausführungen die maßgeblichen Faktoren12, die besonders bei den polnischen Landarbeitern eine Abwanderungsmotivation entstehen ließen.

In den preußischen Ostprovinzen herrschte Überbevölkerung, wobei der Anteil der polnischstämmigen Menschen überproportional hoch war. Es gab hier keine Industrie, die Arbeitsplätze geschaffen hätte, und bei der Arbeit in der Landwirtschaft traten Probleme auf: Viele der ländlichen Arbeiter lebten am Rande des Existenzminimums, weil sie nur wenig oder gar keine Länderein13 besaßen. Die Möglichkeit, Arbeit bei Großgrundbesitzern zu finden, um sich aus dieser Zwangslage zu retten, wurde jedoch durch technische Neuerungen geschmälert, die dazu führten, dass vorrangig Saisonarbeiter benötigt wurden. Kostengünstigere Wanderarbeiter aus Russland und Galizien traten aber gerade in diesem Bereich in Konkurrenz zu den ansässigen Arbeitern.

Betrachtet man die Zustände in den preußischen Ostprovinzen scheint es evident, dass sich viele polnische Bauern den Werbern anschlossen, um im Westen ein angenehmeres Leben zu beginnen.

Doch nicht nur diese Faktoren waren maßgeblich für eine Entscheidung zur Abwanderung. Auch herrschte laut Kleßmann eine generelle Wanderungslust. Max Weber formuliert treffend: „es ist die Abneigung, sich grade in der Heimat zu dauernder Arbeit zu binden, grade die wohlbekannte Arbeitsglocke des benachbarten heimatlichen Großgrundbesitzers hat einen besonders üblen Klang.“ 14

3. Die Lebenssituation der Ruhrpolen

3.1 Die Wohnsituation

Aufgrund des heftigen Zustroms von Arbeitern und den zu geringen Unterkunftsmöglichkeiten sah sich die Bergbauindustrie bald vor eine Wohnungsfrage gestellt. Zunächst wurden Menagen für alleinstehende Arbeiter errichtet, die „[...] zwar kurzfristig die Unterkunftsnot lindern, jedoch weder das Wohnungsproblem auf Dauer lösen, noch die hohe Fluktuation der Bergleute verhindern [...].“15 konnten.

[...]


1 http://www.das -erste.de/tatort/oldies/duisburgruhrort.jpg

2 http://www.exil-club.de (Die vollständige Adresse ist im Literaturverzeichnis zu finden.)

3 Kleßmann, Christoph: Der Anteil der Polen an der Entwicklung des Ruhrgebietes, in: Paul

Leidinger (Hrsg.): Deutsche und Polen im Kaiserreich und in der Industrialisierung, Paderborn 1982 (=Geschichte Politik und ihre Didaktik, Bd. 2), S.64.

4 Polen war durch die drei erzwungenen Gebietsabtretungen an Russland, Preußen und Österreich in den Jahren 1772, 1793 und 1795 zwangsgeteilt worden. In Anhang 1 liegt eine Grafik zur visuellen Veranschaulichung vor.

5 Kleßmann, Christoph: Einwanderungsprobleme im Auswanderungsland: das Beispiel der `Ruhrpolen´, in: Bade, Klaus J. (Hrsg.): Deutsche im Ausland – Fremde in Deutschland. Migration in Geschichte und Gegenwart, München3 1993, S.303.

6 Polnisch ist hier kursiv geschrieben, da es sich bei den Arbeitern nicht um Polen, sondern um ehemals polnische, jetzt deutsche Staatsbürger handelt. (Siehe Anhang 1). Diese Schreibweise wird in der gesamten Hausarbeit beibehalten werden.

7 Vgl. Kleßmann 1982, S.65/66.

8 Kleßmann 1993, S.303.

9 In Anhang 2 ist ein Foto polnischer Einwanderer um 1900 zu finden. In Anhang 3 liegt eine Tabelle zur Veranschaulichung der Zuwandererzahlen zwischen 1880 bis 1910 vor.

10 Kleßmann 1993., S.303.

11 Dieses Kapitel orientiert sich an: Kleßmann, Christoph: Polnische Bergarbeiter im Ruhr- gebiet 1870-1945. Soziale Integration und nationale Subkultur einer Minderheit in der deutschen Industriegesellschaft, Göttingen 1978, S.23-32.

12 Vgl. Kleßmann 1978, S.23-32.

13 Zur Verdeutlichung der ungleichmäßigen Besitzverteilung liegt in Anhang 4 eine Tabelle vor.

14 Kleßmann 1978, S.28.

15 Stefanski, Valentina-Maria: Zum Prozeß der Emanzipation und Integration von Außen- seitern. Polnische Arbeitsmigranten im Ruhrgebiet, Dortmund 1984, S.30.

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