Register or log in at GRIN

Your e-mail-address or password is wrong
Register now
For new authors: free, easy and fast
This will be used as your user name, please specify a valid e-mail address

Lost password

Your e-mail-address or password is wrong

Request a new password
Verrat in Thüring von Ringoltingens "Melusine" close

Please wait

Please install the Adobe Flash Player if no e-book is displayed.

Verrat in Thüring von Ringoltingens "Melusine"

Termpaper, 2004, 22 Pages
Author: Nora Weider
Subject: German Studies - Older German Literature, Mediaevistik

Details

Category: Termpaper
Year: 2004
Pages: 22
Grade: 1,0
Bibliography: ~ 27  Entries
Language: German
Archive No.: V38467
ISBN (E-book): 978-3-638-37524-5

File size: 120 KB


Excerpt (computer-generated)

Freie Universität Berlin
Fachbereich Philosophie und Geisteswissenschaften
Institut für Deutsche und Niederländische Philologie
PS: Verrat
2. Fachsemester

Verrat in Thüring von Ringoltingens "Melusine"

von: Nora Weider

 


Gliederung

1. Einleitung S. 1

1.2 Verrat in Thüring von Ringoltingens Melusine S. 2

2. Hauptteil  S. 4

2.1 Geschlechterkonstruktionen in der Melusine S. 4
2.2 Genealogie S. 7
2.3 Schuld S. 11

3. Abschließende Betrachtung S. 16

Bibliographie


 

1. Einleitung

Dreißig Silberlinge- das war der Lohn für den wohl bekanntesten Verräter des Neuen Testaments, dreißig Silberlinge, für die Judas Iskariot Jesus ans Kreuz lieferte1, dreißig Silberlinge, die er später von Schuld getrieben wieder an die Auftraggeber zurückgab, um sich selbst eine Ende zu setzen2. Der Verrat als negativ konnotiertes Handlungsmuster menschlicher Interaktion ist so alt wie die Menschheit selbst: Schon Adam und Eva übten Verrat an Gott, indem sie ihr Versprechen brachen und vom Baum der Erkenntnis speisten3. Auch außerhalb der christlichen Mythologie begegnen wir dem Verrat tagtäglich: Schon als kleine Kinder lernen wir, dass wir niemanden „verpetzen“ sollen, im freundschaftlichen Bunde gewinnt Vertrauen mehr und mehr an Bedeutung. Im Mittelalter war die „verrâterîe“ noch eng mit dem Begriff der „triuwe“ verbunden, die- als Felonie bezeichnete- Verletzung der „triuwe“ wurde als schwere Straftat geahndet und mit Vierteilen oder gar Rädern4. Im Laufe des Wandels vom Mittelhochdeutschen zum Neuhochdeutschen erfuhr der Begriff eine Bedeutungsverengung: Ursprünglich im Sinne von „zu jemandes Verderben raten, einen Entschluss zu jemandes Verderben fassen“5 ist die Bedeutung in heute auf „die Preisgabe von Geheimnissen“6 festgelegt. Dennoch lässt sich der Begriff auf nahezu alle Lebensbereiche anwenden: Ein Verrat kann in der Familie stattfinden oder in der Gesellschaft, Gefühlsausdrücke, wie Liebe und Freundschaft, können ebenso verraten werden, wie religiöse Überzeugungen und Ideologien, gar das eigene Selbst ist nicht vor Verrat gefeit. Kaum überraschend also, dass wir dem Verrat als vielfach moduliertem Motiv in der mittelalterlichen Literatur begegnen. Selten kommt er im einfachen Gewand „x verpfeift y“ daher, vielmehr ist der Verrat als literarisches Motiv in Abhängigkeit zum jeweiligen Erzählgeschehen zu sehen und kann hier unterschiedliche Funktionen, Abhängigkeiten und Kausalitäten beschreiben. Einen in seinen Abhängigkeiten und Motivationen äußerst interessant konzipierten Verrat finden wir in der 1456 entstandenen Melusine7 des Berner Twingherren Thüring von Ringoltingen. Diesen zu beleuchten und in seinen Strukturen und seiner Anlage zu analysieren, wird Inhalt dieser Hausarbeit sein.

1.2 Verrat in Thüring von Ringoltingens Melusine

Reymundt irrt wie von Sinnen durch den Wald: Durch einen unglücklichen Zufall hat er seinen Onkel, Adoptivvater und Gönner Graf Emerich von Potier erstochen, als er ihn vor einem wilden Eber verteidigen wollte8. In großem Jammer und exzessiver Klage gerät er schließlich an einen Durstbrunnen, wo er drei schönen Jungfrauen begegnet9. Die Schönste von ihnen, Melusine, spricht ihn an und offeriert ihm eine Möglichkeit der Erlösung aus seinem Dilemma: Wenn Reymundt sie zum Gemahl nimmt, so verspricht sie ihm alles Gut und Glück auf Erden10. Sie koppelt ihr Versprechen an einen „Vertrag“:

„Reymund / du solt mir zum ersten schweren / bey Gott unnd seinem Leichnam / daß du mich zu einem Ehelichen Gemahel nemmen / und an keinem Sambstag mir nimmer nachfragen / noch mich ersuchen w=llest [...].“11 Bei einem Vertragsbruch, so prophezeit sie ihm, sei ihr endgültiges Entschwinden und der Untergang seines Geschlechts gewiss12. Es kommt, wie es kommen muss: Am Höhepunkt des Aufstiegs, im Zenit von Wohlstand und Ansehen Reymundts, Melusines und ihrer Söhne, erfüllt sich die Prophezeiung: Von seinem Bruder angestachelt13, bricht Reymundt das von Melusine verhängte Sehtabu und erblickt ihre wahre Gestalt: Sie ist eine Meerfee, dazu verdammt, sich jeden Samstag in ein Ungeheuer zu verwandeln, vom Bauchnabel herab, den Leib einer Schlange anzunehmen14. Reymundt wird klar, was er getan hat und er fürchtet, dass Melusine nun entschwinden und ihn verlassen muss15. Doch die Eskalation kann aufgehalten werden, solange er sein Geheimnis für sich bewahrt16. Seine Beherrschung ist jedoch nicht von langer Dauer, kaum ist sein Gemüt durch die bestialische Tat seines Sohnes Goffroy- der seinen Bruder getötet und mit ihm das Kloster zu Mallier inklusive der dort lebenden Mönche niedergebrannt hat17- wieder aus dem seelischen Gleichgewicht gebracht, macht er seinen Verrat öffentlich und bezichtigt Melusine der Ursächlichkeit für all das erlittene Übel18. Melusine, ihrer Natur entlarvt, muss entschwinden19. Erst später erfährt Reymundt den Grund dafür20: Melusine übte einst im Zusammenschluss mit ihren Schwestern Meliora und Palestine Rache an ihrem Vater Helmas, der wiederum einst selbst zum Verräter geworden war, als er das von seiner Frau Persine ausgesprochene Tabu verletzte und sie trotz des Verbots im Kindsbett besuchte21. Als Strafe belegte ihre Mutter sie und ihre Schwestern mit jeweils einem Fluch22, wie er ihr selbst schon zum Verhängnis geworden war. Ist der Verrat also schicksalhaft und zwangsläufig? Ist der Fluch unentrinnbar? Und: Wer ist eigentlich Schuld an der letztendlichen Erfüllung der Prophezeiung: Reymundt, der sich nicht an sein Versprechen hält? Oder Melusine, wegen der er dieses Versprechen überhaupt eingehen muss? Ist es Goffroy, dessen Brudermord der Auslöser für den Verrat ist? Oder ist es Persine, die Urheberin des Fluches? Aber- war nicht schon sie selbst Opfer eines Verrats? Ist Opfer gleich Täter? Woher kommt die Schuld eigentlich? Wird sie physisch in Form von entstellenden Körpermerkmalen an die Söhne Melusines weitervererbt? Lebt sie dort weiter und wird von Generation zu Generation weitergegeben? Oder gibt es eine Chance auf Erlösung? Kann Melusine als eine solch starke Frau und Herrscherin dargestellt werden, weil sie letztendlich auch entschwinden muss? Oder handelt es sich bei Thüring um Ringoltingen um einen stark verfrühten Feministen? Und nicht zuletzt: Wie ist der Verrat motiviert, welchen Sinn ergibt er? Diesen Fragen wollen wir uns im Weiteren widmen und den Verrat unter dem Aspekt der Schuld, der Genealogie und des Frauenbildes betrachten und analysieren, um dann, im Schlussteil, einen erneuten Blick auf den Verrat zu werfen. Beginnen wir mit dem Frauenbild...

2. Hauptteil

2.1 Geschlechterkonstruktionen in der Melusine

[...]


1 Vgl. Matthäus 26, 14- 16; Johannes 18, 2- 6, Lukas 22, 3- 6 und 47- 48

2 Vgl. Matthäus 27, 3- 9

3 Vgl. 1. Buch Mose, Genesis 2.

4 Vgl. Bibliographisches Institut Mannheim/ Wien/ Zürich (Hrsg.), Meyers enzyklopädisches Lexikon, 9. völlig neu bearb. Aufl., Bd. 24, Mannheim 1979, S. 499f.

5 F. Kluge (Hrsg.) und E. Seebold (Bearb.), Etymologisches Wörterbuch der deutschen Sprache, 24., durchgesehene und erw. Aufl., Berlin New York 2002, S. 955.

6 Ebda., S. 955.

7 Im Weiteren beziehe ich mich auf folgende Ausgabe: Thüring von Ringoltingen, Melusine. In der Fassung des Buches der Liebe (1587). Mit 22 Holzstichen, H.- G. Roloff (Hrsg.), Stuttgart 1991.

8 Vgl. Ebda., S. 9.

9 Vgl. Ebda., S. 11.

10 Vgl. Ebda., S. 12.

11 Ebda., S. 14.

12 Vgl. Ebda., S. 14.

13 Vgl. Ebda., S. 69f.

14 Vgl. Ebda., S. 70ff.

15 Vgl. Ebda., S. 73f.

16 Vgl. Ebda., S. 74.

17 Vgl. Ebda., S. 80ff.

18 Vgl. Ebda., S. 86.

19 Vgl. Ebda., S. 92.

20 Vgl. Ebda., S. 112 und 116.

21 Vgl. Ebda., S. 103 und 105ff.

22 Vgl. Ebda., S. 106f.


Comments

No comments yet

Add Comment
Your comment is reviewed before being published

Other users also were interested in the following titles:


This text can be quoted and accessed from this url:

http://www.grin.com/e-book/38467/verrat-in-thuering-von-ringoltingens-melusine
please wait Please wait