Bitte warten
Bitte installieren Sie den Flash Player, wenn kein E-Book erscheint.
Autor: Catrin Nähr
Fach: Ethnologie / Volkskunde
Details
Tags: Daisy, Bates, Leben, Aborigines, Anfang, Jahrhunderts
Jahr: 2001
Seiten: 19
Note: 1,7
Literaturverzeichnis: ~ 11 Einträge
Sprache: Deutsch
Dateigröße: 260 KB
ISBN (E-Book): 978-3-638-37567-2
Textauszug (computergeneriert)
Ruprecht-Karls-Universität Heidelberg
Institut für Ethnologie
Hauptseminar: Man the Hunter – Women the Gatherer:
Gender-Forschung in Jäger-Sammler-Gesellschaften
9.Fachsemester
Daisy Bates: Ein Leben bei den Aborigines
Anfang des 20. Jahrhunderts
von: Catrin Nähr
Inhaltsverzeichnis
Einleitung 3
1. Wer war Daisy Bates? 4
2. Die ersten Schritte auf dem Weg zu den australischen Ureinwohnern 5
3. Ihr Leben: Erforschung und Unterstützung der Aborigines 7
3.1. Forschungsmethode 9
3.2. Die Zusammenarbeit mit A.R. Radcliffe-Brown 11
3.3. Hauptinteressen 13
4. Ein Mensch zwischen Welten 15
4.1. Englische Gesellschaft – Australische Wüste 15
4.2. Daisy Bates - Ein Frauleben? 16
5. Schluss 18
6. Literaturverzeichnis 19
Einleitung
Mit dieser Arbeit möchte ich einen Einblick in das Leben und Werk von Daisy Bates geben, das sie den australischen Ureinwohnern, den Aborigines, gewidmet hat. Sie war wohl eine der schillerndsten Figuren in der Geschichte der Ethnologie und vor allem eine der ersten Frauen, die in dieser Richtung von sich reden machte. Anfang des 20. Jahrhunderts zog sie ins Outback, um das Leben der Aborigines kennen zu lernen. Zu Beginn werde ich kurz auf ihre Kindheit und Jugend, dann ausführlicher auf ihre ersten Jahre in Australien eingehen. Hier werden ihre beiden Ehen eine wichtige Rolle spielen, an denen man, meiner Meinung nach, viele Eigenschaften Daisy Bates‘ ableiten kann. Weiter möchte ich ihre Tätigkeit als Journalistin in London und später als Angestellte der Regierung in Perth darstellen. An dieser Stelle sollen auch ihre ersten Kontakte zu den australischen Ureinwohnern angesprochen und im Folgenden von ihren Erlebnissen in der ‚Beagle Bay Mission‘ berichtet werden.
Des Weiteren werde ich die Reise, die Daisy Bates als Angestellte des Staates durch den Westen Australiens unternahm, beschreiben und auf ihre Erfahrungen und ihre Forschung eingehen. Die Art und Weise wie sie zu ihren Informationen kam, soll in dem Kapitel 3.1. besprochen werden. Hier werde ich auch den Stand der Forschungsmethoden der Ethnologie bzw. Anthropologie am Ende des 19. und am Anfang des 20. Jahrhunderts darstellen und somit zur Methode Bates‘ Stellung nehmen. Darauf soll die Zusammenarbeit Daisy Bates‘ mit Radcliffe-Brown ausführlich dargestellt werden. Diese war zwar schwierig, aber sehr interessant und gibt Aufschluss darüber, welche Schwierigkeiten Daisy Bates bei der Anerkennung ihrer Arbeit hatte. Gegen Ende werde ich versuchen, ihre Hauptinteressen herauszustellen und auf ihre Probleme mit dem Leben zwischen ihrer ursprünglichen Gesellschaft und der der Aborigines einzugehen. Dabei werde ich auch ihre Stellung als Frau diskutieren. Abschließend möchte ich ihre Arbeit in einen größeren Zusammenhang stellen, die Wichtigkeit ihrer Arbeit erörtern und einen kurzen Kommentar geben.
1. Wer war Daisy Bates?
Daisy Bates wurde als Daisy May O‘Dwyer im Oktober 1859 im County Tipperary in Irland geboren. Ihre Mutter starb als sie noch ein kleines Kind war, ihr alkoholkranker Vater wanderte bald mit einer anderen Frau nach Amerika aus und ließ seine Tochter allein in Irland zurück. Daisy lebte von nun an in einem Waisenhaus in der Nähe von Dublin und besuchte die Armenschule, wo sie eine Ausbildung zur Gouvernanten erhielt und sie ihr Talent zum Schreiben entdeckte.
Höchstwahrscheinlich war es genau so. Aber es ist oft nicht leicht, Dinge im Leben der Daisy Bates mit hundertprozentiger Wahrscheinlichkeit festzustellen. Sie hatte immer den Hang, ihr Leben schillernder zu betrachten, als es wirklich war. Sie fügte der Trostlosigkeit Schmuck und Brillanz hinzu, machte sich ihr Leben schöner und für ihre Zuhörer interessanter. So erzählte sie beispielsweise oft von Zeiten, in denen sie bei ihrer reichen Großmutter lebte, in denen sie Europa bereiste oder ihr wundervoller Vater ihr das Tanzen beibrachte – Zeiten die in der Realität nie existiert haben (Blackburn 1995: 37).
Genau so wenig gab es wohl die drohende Tuberkulose, wegen der sie, nach eigenen Angaben, 1884 oder auch erst 1885 erster Klasse auf einem Schiff nach Australien kam. Vielmehr hatte sie Irland verlassen, nachdem sich im Hause der Familie, bei der sie angestellt war, ein Skandal ereignet und sich der Sohn des Hauses das Leben genommen hatte (Blackburn 1995: 39). Zudem hat sich herausgestellt, dass Daisy O‘Dwyer bereits im Januar 1883 in Townsville ankam, tatsächlich mit dem Schiff, nicht aber erster Klasse, sondern als free migrant1. Sie hatte weder Geld noch Kontakte oder ein Ziel vor Augen und schlug sich anfangs irgendwie durch. Bald fand sie einflussreiche Freunde und Bekannte, die gern eine elegante, belesene und charmante junge Frau in ihrer Mitte aufnahmen. Man empfand sie aber nicht überall als angenehm und so hatte sie bei so Manchem den Ruf einer koketten und männersüchtigen Intrigantin, die nur auf ihren Vorteil aus war (Blackburn 1995: 44f.).
Zunächst arbeitete Daisy O‘Dwyer als Gouvernante auf einer Farm in North Queensland. Dort lernte sie Edwin Murrant kennen, der 1883 von England nach Australien migriert war und nun als Viehtreiber arbeitete. Im März 1884 heirateten sie. Doch das Glück währte nicht lange: Murrant wurde angeklagt, einige Schweine sowie einen Sattel gestohlen zu haben und verlor seine Arbeit. Er wurde zu einer Woche Gefängnis verurteilt und kurz nach seiner Freilassung trennte sich das Paar. Später wurde Edwin Murrant als ‚Breaker Morant‘ bekannt, ein Lieutnant, der während des Buren-Krieges Gefangene getötet haben soll. 1902 wurde er vor ein Kriegsgericht gestellt und kurz darauf hingerichtet (White 1985: 3).
Daisy Bates hielt diese erste Heirat stets geheim: Es gab keinerlei Papiere darüber und auch in ihren Biographien2 gab es keinen Hinweis. Auch ihrem zweiten Mann, John Bates, dem sie bereits elf Monate nach ihrer ersten Heirat das Jawort gab, hatte sie offensichtlich nichts davon erzählt. Ans Tageslicht kam die ganze Sache nur durch die identischen Unterschriften Daisy Bates‘ auf den beiden Heiratsurkunden (White 1985: 4.). Ihre zweite Ehe hielt zwar länger, doch besonders gut lief sie nicht. John Bates, ebenfalls Viehtreiber, kam ihr bald unkultiviert und unsympathisch vor und das Paar verbrachte so wenig Zeit wie möglich zusammen. 1887 brachte Daisy Bates ihren einzigen Sohn Arnold zur Welt, dem sie wohl nie die nötige Zuneigung geben konnte. Es heißt, sie habe sich ihm gegenüber sehr kalt verhalten und nachdem sie einige Zeit mit ihm durch Australien gereist war, ließ sie ihn 1894 bei der Familie Bates zurück, um sich auf eine Reise nach England zu machen (White 1985: 4f, Blackburn 1995: 53) . 2. Die ersten Schritte auf dem Weg zu den australischen Ureinwohnern
[...]
1 D.h. sie musste sich um ihre Verpflegung selbst kümmern und gehörte zu den Menschen, die mit Nichts in Australien ankamen (Blackburn 1995: 44).
2 Salter, E.: Daisy Bates. The Great White Queen of the Never Never, Sydney 1971. Hill, E.: Kabbarli. A personnel memoir of Daisy Bates, Sydney 1973.
Kommentare
Dieser Text kann über folgende URL aufgerufen und zitiert werden: