Autobiographisches im frühen Mittelalter? Gregor von Tours in seinen autobiogr... close

Bitte warten

Bitte installieren Sie den Flash Player, wenn kein E-Book erscheint.

Autobiographisches im frühen Mittelalter? Gregor von Tours in seinen autobiographischen Zeugnissen

Autor: Laury Sarti
Fach: Geschichte - Mittelalter, Frühe Neuzeit

Lesen Sie im E-Book



Details

Veranstaltung: Autobiographisches im frühen Mittelalter?
Institution/Hochschule: Universität Hamburg (Historisches Seminar)
Tags: Autobiographisches, Mittelalter, Gregor, Tours, Zeugnissen, Autobiographisches, Mittelalter
Kategorie: Hauptseminararbeit
Jahr: 2005
Seiten: 21
Note: 1
Literaturverzeichnis: ~ 20  Einträge
Sprache: Deutsch
Dateigröße: 333 KB
Archivnummer: V38784
ISBN (E-Book): 978-3-638-37752-2

Textauszug (computergeneriert)

Universität Hamburg
Hauptseminar: »Autobiographisches im frühen Mittelalter?«
6. Fachsemester

Autobiographisches im frühen Mittelalter? Gregor von
Tours in seinen autobiographischen Zeugnissen

von: Laury Sarti

 


INHALTSVERZEICHNIS

1 EINLEITUNG 4

1.1 PROBLEMATIK UND FRAGESTELLUNG 4
1.2 QUELLEN- UND FORSCHUNGSLAGE 5

2 AUTOBIOGRAPHISCHES IM FRÜHEN MITTELALTER?  6

2.1 GESELLSCHAFTLICHER UND LITERARISCHER KONTEXT  6

2.1.1 Der Bischof Georgius Florentius Gregorius in der Welt der Merowinger 6
2.1.2 Die Begründung der episkopalen Autorität - ein Bischof als Zeuge und Diener Gottes  8
2.1.3 Der Bescheidenheitstopos - zwischen römischem Anspruch und christlicher Zielsetzung 10

2.2 GREGOR VON TOURS - EIN AUTOBIOGRAPH ?  13

2.2.1 Motivation und Adressaten 13
2.2.2 Charakter und Selbstverständnis 15
2.2.3 Die gregorianischen Werke - autobiographische Schriften?  17

3 SCHLUSSFOLGERUNG 19

4 BIBLIOGRAPHIE 21

4.1 QUELLEN  21
4.2 SEKUNDARLITERATUR  21


 

1 EINLEITUNG

1.1 Problematik und Fragestellung

Als Gregor von Tours1, der erste geistliche Autor seiner civitas, sich an die Ausarbeitung seiner Decem Libri Historiarum setzte, war bereits mehr als ein Jahrhundert vergangen seit sich ein Christ der lateinischen Welt als Geschichtsschreiber hervorgetan hatte. Dabei ist sein Werk das umfangreichste, das uns für das Gallien des 6. Jahrhunderts erhalten ist. Neben seinem ausführlichen Geschichtswerk, hat er uns eine grosse Anzahl an kleineren und grösseren Heiligenviten und Wunderberichten hinterlassen. Doch anders als zu erwarten, berichtet er nicht nur aus zweiter Hand oder stellt sich neben das von ihm berichtete Geschehen, sondern ganz im Gegenteil integriert er sich als handelnde Person und Kommentator wie selbstverständlich in seine Darstellungen2. Diese Selbstdarstellung wäre allerdings im Rahmen seiner Schriften nicht vertretbar gewesen, würde er sich nicht sowohl in seinen historischen als auch hagiographischen Schriften meist auf zeitgenössische Ereignisse beschränken, die sich in seinem näheren Umfeld ereignet haben sollen3. Doch ist diese Selbstdarstellung wirklich das Ziel, das er durch sein Vorgehen erreichen wollte? Um verstehen zu können, inwiefern autobiographische Aussagen im Interesse des Autors gelegen haben können und was für ein Mensch er möglicherweise gewesen ist, werden wir uns in einem ersten Schritt mit der Frage beschäftigen, in welcher Umgebung und aus welchem sozialen und schulischen Kontext heraus er seine Texte geschrieben hat. Um Zweck und Inhalt seiner Texte besser zu verstehen, wollen wir uns darüber hinaus einen kleinen Überblick über die in seinen Schriften behandelten Themen verschaffen. Bei der Beantwortung der Frage, ob den gregorianischen Texten einen autobiographischen Charakter zugesprochen werden kann, können uns darüber hinaus Angaben über mögliche Motivationen, die ihn zum schreiben bewegt haben können, so wie die Frage, welcher Personenkreis als mögliche Adressaten in seinen Werken angesprochen sind, weiterhelfen. Was gibt er von sich preis und was nicht? Aus welchem Grund tut er dies? Hat sich Gregor wirklich alleine zum Zweck der Selbstdarstellung als Person und Kommentator immer wieder in die von ihm beschriebenen Handlungen miteinbezogen und seine Lebensgeschichte in sie mit einfliessen lassen, oder hat er mit diesem Vorgehen ein anderes Ziele verfolgt?

1.2 Quellen- und Forschungslage

Es hat keinen Bewohner im Gallien des 6. Jahrhunderts gegeben über den wir über mehr Material verfügen als den gallorömischen Aristokraten und Bischof Gregor von Tours. Der allergrößte Teil seines Werkes ist uns bis heute komplett in Handschriften überliefert4. Darunter liefern und neben den ausführlichen Angaben in den Decem Libri Historiarum über sein Leben als Bischof, die Wunderberichte wertvolle Informationen über sein Leben vor dieser Zeit. Sein literarisches Hauptwerk5 wird allgemein in 10 historiographische und 8 hagiographische Bücher eingeteilt: Die historische Schrift Decem Libri Historiarum (HF), besser bekannt unter dem Namen „Frankengeschichte“, berichtet meist historische Ereignisse von der Welterschaffung bis zum Jahr 591 n. Chr. - die zeitgenössischen Berichte befinden sich in den Büchern V-X6 - und die heterogeneren 8 hagiographischen Werke, darunter das Liber in gloria martyrum (GM), das Liber de passione et virtutibus sancti Iuliani martyris (VJ), die vier Libri de virtutibus sancti Martini episcopi (VM), das Liber in gloria confessorum (GC) und das Liber vitae patrum (VP)7. Lange hat die Forschungsmeinung des 19. und 20. Jahrhundert mit ihrem Bild des „naiven und abergläubischen“ turoner Autors die Vorstellungen des Menschen, Historiker und Hagiographen Gregor von Tours geprägt8. Erst in den späten Achtzigerjahren, als der kanadische Professor Walter Goffart 1988 durch die Studie des gregorianischen Wunderglaubens und Reliquienkult erstmals diese Naivität in Frage stellte, ist die Gregorforschung einen grossen Schritt vorangekommen. Die Studien Breukelaars und Heinzelmanns, die unabhängig voneinander 1994 erschienen sind, beschäftigten sich daraufhin u.a. näher mit dem Phänomen des autobiographischen Auftretens des turonischen Bischofs in den Decem libri Historiarum, wobei Breukelaar zum Schluss kam, dass dieses Vorgehen mit dem Ziel der Stärkung der episkopalen Autorität eine Verhaltensrichtlinie für die weltliche und geistliche Obrigkeit Galliens liefern sollte. Ähnlich stellte Heinzelmann überraschend fest, dass hinter der auf einem ersten Blick konfus und ungeordnet erscheinenden Präsentation dieses Werkes sich zumindest hinter den Büchern V-X ein System verbirgt, das wohl durchdacht den Zweck verfolgt, antithetische Modelle des guten und des schlechten Herrschers darzubieten, in welchen Gregor selbst als sacerdos dei die Rolle des den Herrscher lenkenden Gottesdiener einnimmt. Beide Arbeiten ergaben somit, dass Gregor nicht nur naiv berichtete, was ihm und seinen Mitmenschen zugestossen war, sondern dass sein Auftreten als Person und Kommentator in den Decem libri Historiarum wohl überlegt einen übergeordneten Zweck verfolgte.

2 AUTOBIOGRAPHISCHES IM FRÜHEN MITTELALTER?

2.1 Gesellschaftlicher und literarischer Kontext

2.1.1 Der Bischof Georgius Florentius Gregorius in der Welt der Merowinger

[...]


1 Da die Biographie Gregors von Tours, welche hier nur im Rahmen seiner autobiographischen Aussagen behandelt werden soll, bereits hinreichend in den leicht zugänglichen Publikationen dargestellt worden ist, sollen hier nur die wichtigsten Daten über sein Leben wiedergegeben werden. Eine ausführliche Darstellung des Lebens Gregors von Tours findet sich z.B. in PIETRI, La ville de Tours 245-334. Georgius Florentius Gregorius (Gregor von Tours) wurde wahrscheinlich am 30. November 538 n. Chr. in dem heutigen Clermont-Ferrand (antiker Name Arverna urbs), der Wiege seines Geschlechts und Hauptstadt der Auvergne, geboren. Neben ihm hatten seine Eltern Florentius und Armentaria noch zwei weitere Kinder: ein Sohn namens Petrus, der 574 n. Chr. als Diakon in Langres einer Intrige zum Opfer fiel (VJ 24; HF V 5) und eine nicht namentlich bekannte Tochter (GM 70; VM II 2). Als Gregors Vater acht Jahre nach seiner Geburt starb (GC 39; VP XIV 3), kam er unter die Obhut seines Onkels Gallus und nach dessen Tod 551 n. Chr. in die des Archidiakonen Avitus (VP II Praef.). Um 563 n. Chr. war Gregor zum Diakon ordiniert worden (VM I 35) (HEINZELMANN, Gregor von Tours (538-594) 11-29) und zehn Jahre später, im Alter von 34 Jahren, zum Bischof von Tours geweiht (GOFFART , Narrators of Barbarian History 112). Gregor von Tours starb möglicherweise am 17. November 594 n. Chr. in seinem 21. Amtsjahr. GREGOR VON TOURS: Fränkische Geschichte 20-22.

2 HEINZELMANN, Gregor von Tours (538-594) 176.

3 GOFFART , Narrators of Barbarian History 112-134.

4 Einen guten Überblick über den Handschriftenbefund geben BONNET, Le latin de Grégoire 15-22 und HEINZELMANN, Gregor von Tours (538-594) 167-175.

5 Einen guten Überblick über seine Werke mit Kurzfassungen liefert BONNET , Le latin de Grégoire 5-15.

6 HEINZELMANN, Gregor von Tours (538-594) 32-34.

7 GREGORY OF TOURS Martyrs 3-4. Neben diesen bekannten Texten hat er auch kleinere Werke verfasst welche in dieser Arbeit allerdings nicht berücksichtigt werden können. Darunter zählen das fragmentarisch erhaltene Werk In psalterii tractatum, das Vorwort für eine Sammlung liturgischer Messen des Sidonius Appolinari mit dem Titel Liber des missis (HF II 22; ganz verloren), das Liber de miraculis beati Andreae apostoli (GM 30), so wie das Werk De cursu stellarum ratio und einen Bericht über die Siebenschläfen in Ephesos (kurzgefasst in GM 94) verfasst. HEINZELMANN, Gregor von Tours (538-594) 268.

8 GOFFART , Narrators of Barbarian History 114-116.

Kommentare

Dieser Text kann über folgende URL aufgerufen und zitiert werden:

http://www.grin.com/e-book/38784/