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Termpaper, 2001, 50 Pages
Authors: Daniel Veen, Nicole Tegtmeyer
Subject: Pedagogy - Orthopaedagogy and Special Education
Details
Tags: Ursachenbeschreibung, Verhaltensauffälligkeiten, Jugendlichen, Deutschland
Year: 2001
Pages: 50
Grade: sehr gut
Bibliography: ~ 20 Entries
Language: German
ISBN (E-book): 978-3-638-37781-2
File size: 380 KB
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Excerpt (computer-generated)
Ursachenbeschreibung von Verhaltensauffälligkeiten
bei türkischen Jugendlichen in Deutschland
von: Daniel Veen
Inhaltsverzeichnis
1. Einleitung: 2
- Themenvorstellung: Ursachenbeschreibung von Verhaltensauffälligkeiten bei türkischen Jugendlichen in Deutschland.
- Erläuterungen zur Themeneingrenzung: Warum türkische Jugendliche?
- Welche Motivation haben wir uns mit diesem Thema zu beschäftigen?
- Vorstellen der einzelnen Themengebiete.
2. Verhaltensauffälligkeiten: Eine Auseinandersetzung mit dem Begriff
- Wann gilt ein Mensch in unserer Gesellschaft als verhaltensgestört? 3
- Welche Verhaltensweisen werden als verhaltensgestört definiert? 4
- Entstehungsbedingungen von Verhaltensstörungen. 5
- Erscheinungsformen der Verhaltensstörungen von türkischen Jugendlichen in Deutschland? 6
3. Anlass zur Migration – Motivation 6
4. Verschiedene Belastungsbereiche in der Migration
4.1 Das Problem des Kulturkonflikts, Identitätsfindung oder Entwurzelung
- Kulturelle Konflikte, Identitäts- und Orientierungsprobleme 8
- Familiäre Beziehungen und Belastungen. 15
- Konflikte im Bereich der Zukunftsperspektiven. 19
Rückkehr in die Heimat oder Verbleib in Deutschland
- Sprachschwierigkeiten. 20
4.2 Das Problem des geringen sozialen Status. Türkische Jugendliche eine diskriminierte Minderheit in Deutschland.
- Konflikte im Bereich wirtschaftlichen und schulischen Vorankommens, Schul- und 23
Berufsaussichten. 25
- Soziale Angst, Minderheiten und Vorurteile. 26
- Konflikte durch beengende Lebenssituation, Wohnprobleme (Gettoisierung) 31
- Freizeit. 37
4.3 „Feindbild Islam“ 40
5. Zentrale Belastungsbereiche türkischer Jugendlicher in Deutschland. 47
Eine persönliche Einschätzung
Quellenverzeichnis 48
1. Einleitung
Themenvorstellung: Ursachenbeschreibung von Verhaltensauffälligkeiten bei türkischen Jugendlichen in Deutschland.
Das allgemeine Thema unserer Hausarbeit ist, Verhaltensstörungen unter multikulturellen Aspekten, da dies ein weitumfassendes Themengebiet ist, erschien es uns sinnvoll, das Thema für unsere Hausarbeit auf ein Teilgebiet einzugrenzen.
Wir möchten in dieser Arbeit unseren Schwerpunkt auf die Beschreibung von möglichen Ursachen für Verhaltensauffälligkeiten bei türkischen Jugendlichen in Deutschland setzen.
Jugendliche türkischer Herkunft sind spezifischen Belastungen ausgesetzt. Diese ergeben sich zum einen aus der Migrationssituation und zum anderen aus ihrer Lebenssituation, bzw. ihrer soziale Stellung in Deutschland
Die türkische Bevölkerungsgruppe bildet den größten Anteil der in Deutschland lebenden Ausländer. Im Hinblick auf ihre Kultur und Religion scheinen die Unterschiede zur einheimischen Bevölkerung am Größten zu sein, deshalb möchten wir uns in dieser Hausarbeit mit der Ursachenbeschreibung von Verhaltensauffälligkeiten türkischer Jugendlicher beschäftigen.
Ein weiteres persönliches Motiv für diese Themeneingrenzung erschließt sich für uns daraus, dass nach unserer subjektiven Wahrnehmung ein großer Teil der türkischen Jugendlichen sich weitestgehend auf den Kontakt zu Jugendlichen ihrer eigenen Nationalität begrenzen.
Hierbei stellen sich für uns folgende Fragen:
- ist dieses Phänomen von den türkischen Jugendlichen aktiv gewollt oder
- ist die Begrenzung ihrer sozialen Kontakte eine Reaktion darauf, wie ihnen von deutscher Seite aus begegnet wird,
- stellt diese Eingrenzung, bzw. Ausgrenzung eine Belastung für türkische Jugendliche dar?
Natürlich spiegelt dieser persönliche Eindruck und die daraus resultierenden Fragen keine allgemein gesellschaftliche Realität wieder, jedoch dient es uns als Antrieb, sich mit der sozialen Stellung und dem gesellschaftlichen Bewußtsein von türkischen Jugendlichen in Deutschland zu beschäftigen. Wir werden diese persönlichen Fragen im Auge behalten, sensibel dafür sein, ob dieses Phänomen in der von uns herangezogenen Literatur beschrieben wird und versuchen, Antworten auf unsere Fragen zu erhalten.
Zum Einstieg in unser Thema möchten wir uns mit dem Begriff „Verhaltensstörungen“ genauer auseinandersetzen.
Dabei leiten uns folgende Fragen:
- Wann gilt ein Mensch in unserer Gesellschaft als „verhaltensgestört“?
- Welche Verhaltensweisen werden als „verhaltensgestört“ definiert?
- Welche Lebensbedingungen begünstigen die Entstehung von Verhaltensauffälligkeiten?
- Wie äußern sich die Verhaltensauffälligkeiten von türkischen Jugendlichen in Deutschland?
Anschließend werfen wir einen Blick auf die Migrationsbewegung. Hier wird unser Augenmerk auf den Anlaß der Migration und die Motive der Migranten gerichtet sein.
Als nächstes beschäftigen wir uns mit den verschiedenen Problemzonen, denen türkische Kinder und Jugendliche in der Migration ausgesetzt sind, die als potentielle Ursache für abweichendes Verhalten, bzw. für psychische Störungen angesehen werden können. Dabei unterscheiden wir die Problemzonen in zwei Ursachenkategorien:
1. Das Problem des Kulturkonflikts, der Identitätsfindung oder Entwurzelung.
2. Das Problem des geringen sozialen Status. Türkische Jugendliche, eine diskriminierte Minderheit in Deutschland.
Abschließend möchten wir herausstellen, was nach unserer Einschätzung die zentralen Belastungsbereiche sind, welche die Entstehung von Verhaltensstörungen bei türkischen Jugendlichen begünstigen.
3. Verhaltensstörung: Eine Auseinandersetzung mit dem Begriff
Wann gilt ein Mensch in unserer Gesellschaft als verhaltensgestört?
Zu dem Begriff „Verhaltensstörung“ steht im Wörterbuch „Pädagogische Grundbegriffe“ folgende Definition: „Unter einer Verhaltensstörung versteht man eine Regelübertretung, die vom Handelnden selbst oder von jemandem, der sich ihm gegenüber in einer Machtposition befindet, als störend und unangemessen beurteilt wird“(Havers 1978, S.24). Spezifisch unter kindlichen Verhaltensstörungen versteht man dasjenige Verhalten, das „einen ungünstigen Einfluß auf die Entwicklung und die Anpassungsfähigkeit des Kindes selbst hat und es mit anderen Personen in Konflikt bringt“(Kirk 1971, S.418). Zum Beispiel, könnte eine Lehrerin das Verhalten eines Schülers als verhaltensgestört einordnen, wenn dieser Schüler stets dann anfängt zu reden und unruhig zu werden, wenn sie die Schüler ihrer Klasse auffordert sich einen Sachtext in Stillarbeit zu erarbeiten. Das Verhalten des Kindes wird als störend und deshalb negativ bewertet, da ein konzentriertes Arbeiten in dieser Klasse kaum möglich ist.
Die traditionellen Erklärungsansätze von Psychologie und Psychatrie tendieren dazu, Abweichungen ausschließlich vom Individuum her zu verstehen. In der Konsequenz würde das bedeuten, dass die Lehrerin, um mit den Schülern konzentriert arbeiten zu können, das störende Kind aus der Klasse nehmen müßte. Dieses Kind würde wohl, über kurz oder lang, auf eine Schule für Verhaltensgestörte versetzt werden. Die Vertreter der sozialwissenschaftlichen Forschung hingegen, orientieren sich zunächst an den von der Gesellschaft absolut gesetzten Verhaltensnormen, die vom Individuum nicht befolgt werden. Sie sind der Ansicht, dass abweichendes Verhalten eines Individuums durch strukturelle gesellschaftliche Probleme und Widersprüche entsteht und somit eher für das Individuum ein problemlösendes Verhalten innerhalb einer individuellen Konfliktsituation be-deutet. Sie beziehen demnach die äußern Umstände, die den sogenannten Verhaltensgestörten umgeben, mit ein. Um auf das Schulbeispiel zurückzukommen, wäre hier eine vorstellbare Konsequenz durch andere didaktische Maßnahmen das „störende Kind“ in den Unterricht produktiv mit einzubeziehen ( vgl. Lenzen, 1989, S. 1558).
Welche Verhaltensweisen werden als verhaltensgestört definiert?
Das Wörterbuch Pädagogische Grundbegriffe zählt folgende Verhaltensweisen auf, die als verhaltensgestört definiert werden. Die Einteilung erfolgt nach dem Psychologen Graefe. Es handelt sich hierbei um kindliche Verhaltensstörungen:
1. „Funktionsstörungen innerhalb der Körpersphäre“ (Einnässen, Einkoten, Verstopfung, Eßstörung, allgemeine motorische Unruhe, Tics, Sprechstörungen wie Stottern und Stammeln, motorische Ungeschicklichkeit, Haltungsfehler und –schwäche, Kopfschmerzen, Schlafstörungen und Sinnesschwäche).
2. „Abnorme Gewohnheiten innerhalb der Körpersphäre“ (Daumenlutschen, Nägelkauen, Haarausreißen, Zähneknirschen und exzessive Masturbation)
3. „Störung der Ichgefühle und Grundstimmung“ (allgemeine Ängstlichkeit, Ängstlichkeit in bestimmten Situationen, Kränkelei, Depressionen, Selbstmordversuche, Euphorien und Lachzustände).
4. „Soziale Störung“ (Trotz, Ungehorsam, übertriebene Eifersucht, emotionale Bindungsschwäche, Sprachstörungen wie Mutismus, Einzelgängertum, Schulschwänzen, Übergefügigkeit, Streitsucht, Quälerei von Menschen und Tieren, Hang zum Zerstören und Beschädigen, Brandstiftung, Furcht vor bestimmten Menschen, Tieren oder Dingen, masochistische Regungen, vorzeitiger Geschlechtsverkehr, Exhibitionismus, Clownerei, Prahlerei, Lügen, Naschhaftigkeit, Diebereien und Betrügereien).
5. „Störung im Tätigkeits- und Leistungsbereich“ (Spielstörungen oder Interessenmangel, Auffassungsstörungen, Konzentrationsstörungen oder Träumereien, Initiativlosigkeit, Arbeitsunlust, Faulheit, Überfleiß, Unreinlichkeit, Unpünktlichkeit, Unordentlichkeit und Pedanterie).
Entstehungsbedingungen von Verhaltensstörungen
In diesem Abschnitt möchten wir kurz einige Bedingungen nennen, die die Entstehung von Verhaltensstörungen begünstigen. Wir begrenzen uns hier auf jene Einflüsse, die uns für unser Thema am Relevantesten erscheinen.
-Materielle Benachteiligung
in Familie, Schule, Freizeit, Arbeitsstelle, durch gesellschaftliche Verhältnisse wesentlich beeinflußt, z.T. sozialschichtspezifisch: mangelnder Freizeitraum, ungünstiger Arbeitsplatz, einengende Architektur, räumliche Enge, unzureichende Arbeitsbedingungen, gesundheits-schädliche Umwelt (Luftverschmutzung, Verkehrsgefahren), gesundheitsschädigende Arbeitbedingungen, unzureichende medizinische Versorgung, eingeschränkte Bildungs-, Ausbildungs-und Berufsmöglichkeiten, ökonomische - insbesondere finanzielle – Mangellagen.
-Soziale Benachteiligungen
psychische Belastungen, vitale Bedrohtheit, fundamentale Ängstigung (auf Grund somatischer Schäden und materieller Benachteiligung), Beziehungs- und Statusmängel (auf Grund unzureichender emotionaler Geborgenheit, Randstellung in Gruppen), Leistungsmängel (auf Grund von sensoriellen, motorischen Lern-, Sprach- oder Intelligenzbeeinträchtigungen), Erfolgschancen- und Perspektive-Mängel (auf Grund von Überforderungen und fehlenden Angeboten: durch Reizarmut, Reizüberflutung, häufiger Wechsel der Bezugsperson (Eltern, Erzieher, Lehrer), z.T. durch häufige Gruppen- und Wohnortwechsel, Fehlen, Krankheiten, oder Abwesenheit von Eltern oder Geschwistern, belastende Familiengröße und Positionen in der Geschwisterreihe/Peergroup, emotional gespannte Familien-, Gruppen-, Klassen-, Betriebsatmosphäre (vgl. Handbuch der Sonderpädagogoik, Band 6. 1989, S. 17 -18)
Neben den materiellen und sozialen Benachteiligungen erscheint uns noch eine weitere Komponente in diesem Zusammenhang als erwähnenswert, nämlich bestimmte Situationen, in denen die Gefahr der Entstehung von Verhaltensauffälligkeiten überproportional größer ist.
Diese sind: Überforderungssituationen, Überlastungssituationen, Versagungssituationen, Aufgaben und Anregungsmängel (unstrukturierte Situationen in Haus oder Schule, Langeweile, Arbeitslosigkeit u.a.).
Erscheinungsformen der Verhaltensstörungen von türkischen Jugendlichen in Deutschland.
[...]
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